Megalitharchitektur

Die ältesten Bauwerke Maltas – die Megalithtempel von Skorba (Westtempel, ca. 3.700 v.u.Z.) und Ggantija (Südtempel, ca. 3.600 v.u.Z.) – galten lange Zeit als die ältesten freistehenden Bauwerke überhaupt. Erst bei den Ausgrabungen von Göbekli Tepe in der Türkei wurden Überreste noch früherer Bauten entdeckt.
Insgesamt wurden bisher auf Malta und Gozo sechs größere Tempelanlagen freigelegt und erforscht, die jeweils mehrere Gebäude aus verschiedenen Phasen der Tempelkultur umfassen. Daneben sind noch mindestens sechzehn weitere Tempelstandorte bekannt, die jedoch bisher noch nicht ausgegraben wurden bzw. bereits zerstört sind.

 

Von den Bauwerken anderer Megalithkulturen – z.B. in Skandinavien, Norddeutschland, an der bretonischen und britischen Küste – unterscheiden sich die maltesischen Megalith-Anlagen sowohl in ihrer räumlichen Anlage als auch in der handwerklichen Ausführung erheblich. Die Gebäuden weisen eine mehrfach gegliederte, klare Raumstruktur auf, die im Wesentlichen über 1000 Jahre beibehalten wurde. Daneben gibt es in den Zwischenwänden versteckte Geheimkammern und –treppen.
Außer den z.T. (besonders in den Innenräumen) fein bearbeiteten Megalithen der Gebäudewände sind komplizierte Architekturelemente wie Korridore mit verschließbaren Türanlagen, symmetrische Nischenkonstruktionen und Kraggewölbe erhalten. Ebenfalls erhalten sind z.T. reich dekorierte Ausstattungselemente wie Bodenbelägen, Raumteiler (Fenstersteine, Orthostaten, Schwellen), Altäre.

Bronzezeit bis Mittelalter

Aus den folgenden Epochen – von der Bronzezeit bis ins Mittelalter – sind so gut wie keine Bauwerke erhalten.

 

Eine der wenigen Ausnahme bilden die Überreste eines römischen Atriumhauses in Rabat, die rekonstruiert wurden und bereits seit 1882 ein Museum der Römischen Kultur (Römische Villa, Domus Romana) beherbergen.

 

Einige einzelne Gebäude können anhand besonderer Architekturelemente bestimmten Epochen zugeordnet werden.
So sind in Ghasri auf Gozo an zwei Häusern (Ghammar Street bzw. Lighthouse Street) typisch arabische Maxrabija-Fenster erhalten. Diese incl. Gitter komplett aus Stein gearbeiteten Fensterluken ermöglichen es, die Straße zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden.

 

Andere Gebäude können anhand erhaltener siculo-normannischer Stilelemente ins Mittelalter datiert werden.
Dazu gehören das Normannenhaus in Birgu (North Street 10/11, Triq Tramuntana) mit seinem auffälligen Spitzbogenfenster, mehrere Gebäude im mittelalterlichen Mdina und zwei Häuser in der Zitadelle von Gozo, in denen jetzt das Folkloremuseum untergebracht ist. An diesen Häusern ist nicht nur die charakteristische Dekoration wie Spitzbogentür und gotische Zierleisten, sondern noch die gesamte ursprüngliche Raumstruktur mit Mittelsäulen, einem Saal oben und einem Labyrinth kleinerer Räume unten, mit Hof, Stallungen, Zisterne und sogar einer Göpelmühle erhalten.

 

Die ursprünglichen normannischen Gebäude waren nur einstöckig und wurden erst im 14.-15. Jhd. aufgestockt und in Stall- und Wirtschaftsräume
unten sowie Wohnräume oben unterteilt.
Ein Beispiel dafür ist das Palazzo St. Sophia in Mdina (Villegaignonstreet) von 1233 mit normannischen Rundbögen über den Portalen des
Erdgeschosses und einer Zierleiste unter der einstigen Dachtraufe.

Weitere Beispiele in Mdina sind das Casa Inguarez – wahrscheinlich aus der Mitte des 11. Jhd‘s, das gut erhaltene Palazzo Falzon von 1495, das Palazzo Gatto Murina von 1350. Letzteres erhielt später eine Barockfassade zur Villegaignon – Strasse, das ehemalige Hauptportal an der Gatto Murina – Strasse ist jedoch siculo-normannisch.

Bedeutende Architekten in Malta

Erst nach Inbesitznahme der Inseln durch den Johanniterorden im Jahre 1530 begann eine neue Blütezeit, die insbesondere in einer regen Bautätigkeit zum Ausdruck kam.

Francesco Laparelli da Cortona

(1521-1570)
Der bedeutende italienischer Ingenieur und Architekt, Schüler Michelangelos und Baumeister des Papstes Pius‘ IV wurde unmittelbar nach der Großen Belagerung (Great Siege) von 1565 nach Malta gesandt. Die Johanniter hatten zwar die osmanische Flotte besiegt, die wenigen kleinen Befestigungen waren jedoch völlig zerstört und weiteren Angriffe nicht gewachsen.
Bereits am 14. März 1566 wurde der Bau einer völlig neuartigen Festungsstadt auf der Halbinsel Sciberras nach Plänen Laparellis beschlossen und am 28. März der Grundstein gelegt. Die nach dem amtierenden Großmeister Jean de la Valette benannte Stadt wurde erstmals in Europa nach einem einheitlichen Gesamtplan angelegt, der zuallererst den militärischen Erfordernissen entsprach.
Einer der Assistenten Laparellis war der maltesische Baumeister Gerolamo Cassar.

Gerolamo Cassar

(1520-1586)
Als Assistent Laparellis war der maltesische Baumeister bereits an der Planung der Festungsstadt Valletta und an der Ausführung der Festungswerke beteiligt. Nach Abreise Laparellis 1569 war er der verantwortliche Architekt und Baumeister der Hauptstadt Valletta. In der Folgezeit plante und baute Cassar alle wichtigen Gebäude des Johanniterordens, so den Großmeisterpalast, die Konventskirche (St. John’s Co-Kathedrale), das Hospital Sacra Infermeria, die Residenzen der sieben Landsmannschaften und die Sommerresidenz des Großmeisters – den Verdala-Palast, außerdem weitere Kirchen und Privathäuser.

Pietro Paolo Floriana

(1585 – 1638)

Der italienische Festungsbaumeister wurde unter Großmeister Antoin de Paul (1623-1636) nach Malta berufen, wo er ab 1634 südlich Vallettas eine zusätzliche Verteidigungslinie – die Floriana-Linie errichtete.
Diese wurde – mit dem Haupttor „Porte des Bombes“ erst 1697 fertig gestellt. Seine heutige Form erhielt es 1868, als der zweite Bogen angebaut wurde. 1930 mußten beidseits die Verbindungsmauern zu den Bastionen abgerissen werden um Platz für den Verkehr zu schaffen.

Die vier neuen Bastionen – Msida Bastion, Sa Maison Bastion, St. Francis Bastion und Magazine Bastion – schützten die Hauptstadt zusätzlich gegen die Landseite. Innerhalb dieses Bastionsgürtels entstand eine nach Floriana benannte Vorstadt, aber erst ab 1724 wurde das Gelände zwischen beiden Wällen planmäßig bebaut.

Giovanni Attard und Tomaso Dingli

Die maltesischen Architekten Giovanni Attard und Tomaso Dingli bauten zwischen 1610 und 1614 unter Großmeister Alof de Wignacourt (1601-1622) die Wasserleitung von Mdina nach Valletta. Zur Überbrückung der Talsenke vor Valletta errichteten sie dabei einen 13 km langen Aquädukt. Teilstücke davon sind bis heute in der nach Attard benannten Stadt erehalten.

Lorenzo Gafa

(1630- 1703)
Der bedeutendste maltesische Barock-Architekt baute u.A. die wichtigsten Kirchen in Malta, so die Kirche St. Paul in Rabat über der St. Paul’s Grotte (1664-83), die Kirche St. Lawrence, ehemalige Konventskirche der Johanniter in Birgu (Neubau von 1681–1697) und die Kathedrale St. Peter und Paul in Mdina (1695-1702).

Städtebau

In vielen der älteren Städte Maltas ist bis heute eine mittelalterliche Altstadt mit malerischen, verwinkelten Gassen erhalten. Dazu gehören neben Mdina, Rabat/Malta und Rabat/Gozo vor allem Birgu, Birkirkara.

 

Unter dem Johanniterorden erlebte Malta eine Blütezeit, in der vieleSiedlungen und Städte neu angelegt wurden.
Die Festungsstadt Valletta war die erste europäische Stadt, die nach einem Generalbebauungsplan angelegt wurde, d.h. sie wurde komplett auf dem Reißbrett geplant und nach diesem Parzelle für Parzelle bebaut. Das schachbrettartige Straßennetz entsprach u.A. militärischen Erfordernissen und war revolutionär für die damalige Zeit. Auch für die Gebäude gab es strenge Vorschriften, z.B. für die Gestaltung der Ecken an Straßenkreuzungen.
Auch spätere Gründungen wie Floriana, Cottonera und Paola – die Hafen- und Werftarbeiterstadt der Ordenszeit – wurden planmäßig angelegt.

 

Schöne Ortsbilder mit traditionellen maltesischen Häusern aus gelblichem Kalkstein mit den charakteristischen grünen geschlossenen Balkonen gibt es u.A. in den „Drei Dörfern“ Attard, Balzan und Lija, in Gharb (Gozo)