Gerolamo Cassar

Lebensdaten und Bauwerke

um 1520                    in Birgu geboren
ab 1566                      Assistent Francesco Laparellis beim Bau der Festung Valletta und Planung der Hauptstadt
1569                           evtl. Studienreise nach Italien. Eine solche Studienreise ist dokumentarisch nicht belegt.
ab 1569                      als Nachfolger Laparellis ausführender Architekt und Baumeister der Hauptstadt Valletta. In der Folgezeit plant und baut

………………………..Cassar alle wichtigen Gebäude des Johanniterordens.

1570                           – Kirche Mariä Verkündigung, erste Kirche in Valletta, stand an der Stelle der heutigen Karmeliterkirche
1571                           – Großmeisterpalast
1573-77                     – St. John’s Co-Kathedrale (Konventskirche des Ordens)
ab 1574………………- Residenzen (Auberges) der damals sieben Landsmannschaften („ Zungen”) des Johanniterordens: Kastiliens und Leons,

…………………………Aragons, Italiens, Deutschlands, Frankreichs, der Auvergne, der Provence
…………………………- Kirche St. Katharina in Valletta (Kirche der Italienischen Landsmannschaft)
…………………………- Kirche St. Paul’s Schiffbruch (St. Paul’s Shipwreck Church) in Valletta, (später durch Lorenzo Gafa umgebaut)
1575.                           – Hospital Sacra Infermeria Santo Spirito
1586.                           – Verdala-Palast im Auftrag des Großmeisters de Verdalle (1581-1595)
1586.                           gestorben (wird auch mit 1592 angegeben)

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Charakteristisch für Cassar ist der strenge, militärisch nüchterne Stil, der bis heute besonders an den Fassaden der Co-Kathedrale, des Großmeisterpalastes, der Residenz der Aragonesischen Landsmannschaft (Auberge d’Aragon, am Marsamxett-Hafen, heute Finanzministerium), sowie des Verdala-Palastes im Buskett-Garten erhalten ist. Diese Gebäude wurden seit ihrer Erbauung kaum verändert und geben somit eine Vorstellung vom ursprünglichen Gesamtbild Vallettas als Festungsstadt.
Besonders am Verdala-Palast mit seinem trutzigen, festungsähnlichen Äußeren und den bastionsartig vorspringenden Ecktürmen wird deutlich, dass die repräsentative Sommerresidenz des Großmeisters gleichzeitig auch der Verteidigung u.A. gegen die häufigen Piratenüberfälle diente.
Selbst die Gestaltung der Co-Kathedrale wurde militärischen Erfordernissen untergeordnet. So wurde auf eine ursprünglich geplante Kuppel verzichtet, weil sie das Schußfeld der Artillerie eingeengt hätte.

 

Die meisten Gebäude Cassars wurden im Barockzeitalter stark verändert, was einerseits das Verschwinden der militärischen Bedrohung als auch den inzwischen ungeheuren Reichtum des Ritterordens widerspiegelt.
Am Großmeisterpalast sind lediglich die beiden Portale und die Balkonerker, an der Auberge d’Aragon das Portal spätere Hinzufügungen. Barocke Modernisierungen und Ausschmückungen betrafen hier ebenso wie im Verdala-Palast und besonders in der Co-Kathedrale das Innere der Gebäude. Dagegen wurde z.Bsp. die Residenz Kastiliens und Leons (am Kastilien-Platz/Castille Place, heute der Amtssitz des Premierministers) 1741 mit einer völlig neuen, barocken Fassade ausgestattet und die Kirche St. Paul’s Schiffbruch (St. Paul’s Shipwreck Church) 1629 durch Lorenzo Gafa komplett umgestaltet.
Die Residenzen Deutschlands, Frankreichs und der Auvergne wurden abgerissen bzw. im 2. Weltkrieg zerstört.
Die Kirche Mariä Verkündigung wurde im 17. Jhd. den Karmeliterinnen übereignet, dementsprechend umgewidmet und 1892 völlig umgestaltet. Der jetzige Bau der Karmeliterkirche incl. der imposanten Kuppel ist ein Neubau des 20. Jhd’s (1958-81) nach völliger Zerstörung im 2. Weltkrieg.