Frühzeit

Maltas Geschichte beginnt im Neolithikum. Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung wurden in den oberen Schichten der Höhle Ghar Dalam bei Birzebuggia gefunden, die ansonsten für ihre reichen paläontologischen Funde bekannt ist. Es handelt sich um Werkzeuge aus Obsidian und aus Feuerstein, Reste von Haustieren und Nutzpflanzen, Keramikfragmente, durchbohrte Wolfszähne und Muscheln sowie auch menschliche Knochen. Diese Menschen beherrschten also bereits Ackerbau und Viehzucht sowie die Keramikherstellung. Ihre Kultur – die älteste der maltesischen Geschichte – wurde nach dem Fundplatz in der Höhle als Ghar-Dalam-Phase (5.200-4.600 v.u.Z.) benannt.
Als Herkunftsort des Obsidians konnte die italienische Insel Lipari bestimmt werden. Die aufgefundene graue Keramik weist einen Abdruck-Dekor (u.A. von Muschelschalen, daher als Impresso-Ware bezeichnet) auf, der ähnlich in der sizilianischen Stentinello-Kultur verbreitet ist. Daher wird eine Erstbesiedlung Maltas von Sizilien her angenommen.
Die Höhle kann besichtigt werden, ein Museum vor Ort stellt die reichen Funde aus, die ausser den vergleichsweise jüngeren archäologischen Exponaten auch große Mengen von bis zu 180.000 Jahre alten Fossilien bereits ausgestorbener Tierarten wie Zwergflußpferd, Zwergelefant u.A. umfassen.

Zu Wohnzwecken wurden zweifellos die in Malta reichlich vorhandenen Höhlen genutzt. Daneben gab es aber bereits freistehende Bauten. So wurden unmittelbar westlich der Megalith-Tempel von Skorba zwei ovale Mauerstrukturen sowie ein 11 m langer Mauerrest freigelegt, die auf 5.200 bzw. 4.850 v.u.Z. datiert werden konnten und somit ebenfalls der Ghar-Dalam-Phase (5.200-4.600 v.u.Z.) zugehören.

 

Ganz ähnliche ovale Fundamentreste östlich der Skorba-Tempel wurden auf 4.100 v.u.Z. datiert. Die ihnen zugeordnete Keramik unterscheidet sich von der der Ghar-Dalam-Phase, so dass diese neue Kultur nach dem Fundplatz als Skorba-Phase (4.600 – 4.100 v.u.Z.) bezeichnet wird. Die herausragendsten Funde aus dieser Epoche sind eine Gruppe kleiner weiblicher Tonfiguren aus Skorba, die im Nationalmuseum für Archäologie in Valletta zu besichtigen sind.

 

Die jüngste Phase der maltesischen Vor-Tempelzeit wurde nach einem Gräberfeld bei Zebbugg als Zebbug-Phase (4.100 – 3.600 v.u.Z.) benannt.
Sie wird wiederum durch einen neuen Keramik-Stil – graue oder gelbliche Keramik mit roten und weißen Inkrustierungen – sowie durch die erstmals auftretenden Felskammergräber charakterisiert. Ausser bei Zebbug findet man sie u.A. bei Xemxija wo sie durch einen Geschichtspfad erschlossen sind.
Aufgrund dieser Neuheiten wird die Einwanderung neuer Völker – z.Bsp. der sizilianischen San Cono-Kultur oder auch von Sardinien her – diskutiert.

Tempelkultur

Als Megalithkultur werden umgangssprachlich eine Reihe sehr unterschiedlicher Kulturen der Jungsteinzeit bezeichnet, deren gemeinsames Merkmal die Errichtung von Bauwerken aus „großen Steinen“ von meist 15-20 t (manchmal auch bedeutend mehr) Gewicht ist.
Die maltesischen Megalithbauwerke nehmen dabei weltweit eine deutliche Sonderstellung ein. Im Vergleich zu den Hühnenbetten Skandinaviens und Norddeutschlands, den Cairns und Aligments Britanniens und der französischen Küste sind die maltesischen Anlagen sowohl in ihrer Planung als auch in der handwerklichen Ausführung und der noch erkennbaren Ausstattung viel differenzierter.
Die komplizierten Grundrisse mit einer Vielzahl untereinander verbundener aber durch Türanlagen, Fenstersteine und Orthostaten abgetrennten Räume und Nischen, sowie mit Geheimkammern und –treppen entsprechen offensichtlich auch einem differenzierten Kult.

Ggantija-Phase von 3600-3200 v.u.Z.

Diese älteste Periode der maltesischen Tempelkultur wurde nach der Fundstätte von Ggantija als Ggantija-Phase benannt.
Die frühesten maltesischen Megalith-Tempel befinden sich in Skorba (Westtempel, „D“) und Ggantija (Südtempel, „B“). Bis zur Entdeckung der Megalithanlage von Göbekli Tepe in der Türkei galten sie lange als älteste freistehende Bauwerke der Welt, was sogar ins Guinessbuch der Rekorde Eingang fand.
Außerdem wurden in dieser Zeit der Südtempel in Ta’Hagrat („B“) und der Osttempel in Mnajdra („B“) sowie die Schachtgräber der oberen Ebene des Hypogäums von Hal Saflieni gebaut. Von größter Bedeutung sind die Bauten von Borg Gharib in Ghajn Sielem/Gozo, die bisher einzigsten Siedlungsreste der maltesischen Tempelzeit.
Charakteristisch sind Tempel mit 3 bzw. 5 Apsiden, ausgestattet mit Torba-Böden und verputzten Innenwänden. Es gibt Stufenaltäre (Bankaltäre) oder Trilith-Altäre. Zu den Funden gehören Feuersteinwerkzeuge und die typische Ggantija-Keramik mit komplexem Dekor aus geschwungenen Linien und farbigen Schraffuren.

Safliena-Phase von 3200-2800 v.u.Z.

Benannt wurde diese Periode nach dem weltbrühmten Hypogäum von Hal Saflieni, dessen mittlere Haupt-Ebene in dieser Zeit angelegt wurden. Auch das Hypogäum von Gozo wurde in dieser Zeit genutzt.
Außerdem wurde eine Vielzahl weiterer Tempel gebaut, so in Ta’Hagrat (Nordtempel, „C“), Hagar Qim, Skorba (Osttempel, „E“), Mnajdra (Südtempel, „C“) und Tarxien (Osttempel). Sie sind meist mit Trilith-Altären ausgestattet, in Hagar Qim gibt es auch Sockel- bzw. Säulen-Altäre. Besondere Orthostaten, Durchgänge und Altäre sind reich mit Lochdekor verziert.

Tarxien-Phase von 2800-2500 v.u.Z.

Die jüngste Periode der maltesischen Tempelkultur wurde nach der Tempelstätte von Tarxien benannt, dessen Zentraltempel in dieser Zeit errichtet wurde. Weitere Tempelbauten dieser Zeit sind der Nordtempel von Ggantija («C»),Westtempel von Mnajdra («D»), im Hypogäum von Hal Saflieni wurden die untere Etagen (Fundplatz der „schlafenden Dame“) angelegt.
Für diese Zeit ist kunstvolle Steinschnitt-Ausschmückung charakteristisch: sowohl abstrakte, sehr komplexe Spiralmuster als auch realistische Tierreliefs treten auf.
Insgesamt sind auf Malta und Gozo 23 Megalith-Tempel erhalten bzw. dokumentiert. Sechs davon sind gut erforscht, konserviert, teilweise rekonstruiert und als Museumsstätten zugänglich. Einige werden gegenwärtig erforscht, einige sind bereits zerstört oder überbaut (Bugibba, Xewkija) und einige weitgehend unbekannt aber auch ungechützt und somit gefährdet.

 

Ab 2.500 v.u.Z. treten über einen Zeitraum von ca. 500 Jahren keine Besiedlungsspuren mehr auf. Ohne dass es Anzeichen für Kämpfe oder Naturkatastrophen gegeben hätte verschwand die Tempelkultur.
Als Ursache kommen Abwanderung infolge Erschöpfung der Ressourcen (Nahrung, Feuerholz), evtl. auch Seuchen in Frage.

Die ohnehin kargen Ressourcen der Felseninseln waren für den gleichzeitigen Betrieb und die Versorgung so vieler Tempel kaum mehr ausreichend, so dass eine Versorgung von außen durch Handel und Opfergaben wahrscheinlich ist. Die prächtigen, für die damalige Zeit einzigartigen Tempel könnten durchaus ein bedeutendes Kultzentrum gewesen sein, das Pilger und Händler von weither anzog.
Bei einer solchen Abhängigkeit hätte das Wegbleiben der Besucher auch das Aus der Tempelkultur bedeutet.

Bronzezeit

Nach dem rätselhaften Niedergang der Tempelkultur um 2.500 v.u.Z. blieben die Inseln offenbar für ca. 500 Jahre unbewohnt, erst ab ca. 2.000 v.u.Z. treten wieder menschliche Siedlungsspuren auf.
Da die neue Kultur keinerlei Ähnlichkeiten mit der Tempelkultur aufweist, kann mit Sicherheit von einer Neubesiedlung ausgegangen werden. Die Herkunft der Einwanderer ist bisher unbekannt.
Das herausragendste Merkmal ist sicherlich das erstmalige Auftreten von Bronzegegenständen, die Keramik ist sowohl in der Verarbeitung als auch in Formgebung und Dekor deutlich gröber als die der Tempelbauer und die Begräbnissitten haben sich gewandelt – die Toten werden jetzt verbrannt.

 

Die älteste Phase dieser neuen Kultur wird nach dem Fundplatz in Tarxien als Tarxien-Friedhofsphase (2.000 – 1.500 v.u.Z., Tarxien-Cementery) bezeichnet. Die Bronzezeitleute legten direkt innerhalb des verlassenen Megalith-Tempelkomplexes von Tarxien einen Urnengräberfriedhof an.
In den bronzezeitlichen, stark mit Asche durchsetzten Schichten fanden sich Urnen mit Knochenbrand, verkohlte Samen und Pflanzenreste, vereinzelt auch unverbrannte Beigaben wie Textilreste, scheibenförmige Muschel- und Fayenceperlen sowie bronzene Axtköpfe und Dolchklingen. Sehr ungewöhnlich sind einige anthropomorphe Tonfiguren mit scheibenförmigen Körpern.
Überreste von Siedlungen oder Kultplätzen dieser Kultur wurden nicht entdeckt.

 

Im Gegensatz dazu treten ab 1.500 v.u.Z. überall befestigte Siedlungsplätze auf, was auf bewaffnete Auseinandersetzungen schließen läßt. Nach einem bedeutenden Fundplatz nördlich von Birzebbuga wurde diese Kulturphase als Borg in-Nadur-Phase (ca.1500-800 v. u.Z.) benannt. Es handelt sich um eine größere Siedlung, die ebenfalls in eine verlassene Megalith-Tempelanlage hinein gebaut wurde. Dabei wurden für einige der ovalen Hütten-Wände Reste von Tempel-Apsiden genutzt. Nahebei befindet sich eine Fluchtburg auf einer nach allen Seiten steil abfallenden Felszunge mit weiteren ovalen Hüttenfundamenten. Der schmale landseitige Zugang wurde durch eine heute noch bis zu 4 m hohe Mauer geschützt.
Alle Siedlungen der Borg in-Nadur – Kultur befinden sich an leicht zu verteidigenden Plätzen wie Felsvorsprüngen (Borg in-Nadur, Wardija Ta’San Gorg, Qarraba u.A.), Tafelbergen (In-Nuffara/Gozo, Zitadelle von Rabat/Gozo u.A.) oder auch Höhlen (Ghar Mirdum, Ghajn Abdul/Gozo). Neben der typischen Keramik – rot gebrannte Standfußgefäße mit weiß inkrustiertem Zickzackdekor – sind glockenförmig aus dem Fels gearbeitete, verschließbare Vorratsgruben und große Mengen an Spinnwirteln charakteristisch. U.A. belegen Mahlsteine aus harten, importierten Gesteinsarten, Perlen aus Glas und Straußeneischalen den Kontakt mit anderen Kulturen. Ein Rohbronzeklumpen aus der Ghar Mirdum – Höhle sowie Schlackereste legen nahe, dass Bronze nicht nur benutzt sondern auch verarbeitet wurde. Funde des wertvollen Materials sind aber äußerst rar.
Da bei keiner der Siedlungen dieser Kultur Überreste von Grabstätten wie z.Bsp. Urnen gefunden wurden, scheinen sich die Begräbnissitten erneut geändert zu haben.

 

Ab 900 v.u.Z. besteht auf dem Felsplateau Il-Qlejgha tal-Bahrija im Nordwesten Maltas die sich in einigen Merkmalen abhebende Kultur der Bahrija-Phase (ca. 900-800 v. u.Z.) parallel zur Borg in-Nadur – Kultur.

 
In die Bronzezeit werden traditionell auch die mysteriösen Karren- bzw. Schleifspuren (Cart Ruts) datiert, die an vielen Stellen auf Malta und Gozo anzutreffen sind. Tatsächlich ist eine Datierung der Rillen weder labortechnisch noch stratigrafisch möglich, da ihnen weder organische Ablagerungen noch datierbare Schichtenfolgen der Umgebung zeitlich eindeutig zugeordnet werden können.
Gleiches gilt für Dolmen und Menhire. Dass in einem der 17 noch erhaltenen Dolmen Keramik der Tarxien-Friedhofsphase entdeckt wurde sagt nichts über die Erbauungszeit der Anlage aus, insbesondere da die Bronzezeitmenschen – wie oben gezeigt – auch andere verlassene Megalith-Anlagen für Wohn- bzw. Begräbniszwecke nutzten.

Phönizier und Karthager (Punier)

Ab ca. 1.000 v.u.Z. begannen die phönizischen Stadtstaaten, insbesondere Tyros, Handelsstützpunkte im gesamten Mittelmeerraum anzulegen. Ab ca. 800 v.u.Z. ist die Anwesenheit von Phöniziern auf Malta und Gozo belegt.
Nach der Eroberung des phönizischen Mutterlandes durch die Perser übernahm um 550 v.u.Z. Karthago die Vorherrschaft über die Kolonien, so auch über Malta und Gozo. Gleichzeitig unterhielten die Inseln aber rege Kontakte zu den griechischen Städten Siziliens und dem damals griechisch dominierten Süditalien (Magna Graecia) sowie zu Ägypten.
Das beweisen die aus dieser Zeit von vielen Orten Maltas und Gozos bekannten Funde griechischer Münzen, Keramik und Inschriften sowie Skarabäen und – z.Bsp. aus Xewkija/Gozo – steinerner Amulette mit Darstellungen ägyptischer Gottheiten wie Ptah, Bastet, Thot, Glasfragmente u.A. Auch Gräber sind reich mit schwarz glasierter rotfiguriger Keramik aus Süditalien (Magna Graecia) ausgestattet und bei Ghar Barka am westlichen Stadtrand von Rabat wurde ein anthropomorpher Terrakottesarg nach ägyptischem Vorbild gefunden. Die Fundstücke können in den Museen für Archäologie in Valletta und Rabat besichtigt werden.

 

Die charakteristischen punischen Schachtgrabanlagen wurden ebenfalls vielerorts angetroffen, so in Rabat, Hamrun, Gharghur, bei Zebbug, in Naxxar auf dem Gelände der Grundschule, auf Comino. In Fgura wurden 1948 sechs punische Gräber des 3./4. Jhd v.u.Z. mit menschlichen Skeletten, Tierknochen, Keramik, sowie auch einige bronzezeitliche Fundstücke entdeckt (Liedna Street, Tric is Sejba punica). Der Geschichtspfad von Xemxija auf der Bardija-Ridge erschließt u.A. auch ein punisches Grab. Auch in den meisten Katakomben, so in Rabat und Fort Mosta, sind Spuren älterer punischer Felsgrabanlagen nachzuweisen.

 

Nach antiken Schriftquellen gab es phönizische Heiligtümer für die Hauptgötter Melqart und Astarte jeweils auf Malta und Gozo.
Der bedeutendste Fundplatz ist das Plateau von Tas Silg nordöstlich von Marsaxlokk/Malta. Bereits in den 1960 –er Jahren wurden bei archäologischen Ausgrabungen über den Fundamenten einer megalithischen Kultstätte Reste phönizischer Bauten freigelegt. Die neuesten, sehr umfangreichen Ausgrabungen von 1996-2012 erbrachten große Mengen an Material insbesondere aus der Tempel- und der phönizischen Epoche, dessen Auswertung aber noch Jahre andauern wird. Eine Vielzahl hier aufgefundener Weiheinschriften bestätigt auf jeden Fall einen bedeutenden Astartetempel in Tas Silg.

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Dagegen ist der Standort des aus Schriftzeugnissen bekannten Melqart-Tempels bisher nicht bekannt. Nach einigen Quellen kommt dafür die Landzunge von Birgu in Frage, die spätestens seit byzantinischer Zeit mit einer Festung überbaut wurde und heute vom Fort St. Angelo eingenommen wird. In der dortigen St. Anna – Kapelle wird eine Granitsäule gezeigt, die noch aus diesem Tempel stammen soll. Zwei kostbare Säulen, oft aus Bronze, Gold oder sogar Smaragd, gehören zum Kult des Melqart (griechisch/römisch mit Herakles gleichgesetzt) wo sie die heiligen Felsen symbolisieren, auf denen die Mutterstadt der phönizischen Kolonien – Tyros – gemäß der Sage gegründet wurde.
Nach anderen Quellen ist eine Lokalisierung auf der Halbinsel zwischen Birzebugga und Marsaxlokk, die heute vom Fort San Luciano eingenommen wird und den zweiten großen Naturhafen Maltas – die Bucht von Marsaxlokk – beherrscht, wahrscheinlicher.

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In dieser Gegend soll in der Zeit der Ordensritter der berühmte Doppel-Cippus von Malta, auch Cippi des Melqart genannt, aufgefunden worden sein. Es handelt sich um zwei nahezu identische Alabaster-Stelen, die im Sockel Weiheinschriften an den Gott Melqart tragen und zwar sowohl in griechischer als auch in phönizischer Sprache. Die Inschriften enthalten 18 der 22 phönizischen Schriftzeichen. Auf ihrer Grundlage konnte Jean-Jacques Barthelemy 1758 die bis dahin unbekannte phönizische Sprache entschlüsseln, was von herausragender Bedeutung für die Phönizien-Forschung und für die gesamte Mittelmeerforschung war.
Eine der beiden Säulen wurde 1782 durch den Großmeister der Johanniter an Ludwig XVI. verschenkt und gelangte später in den Pariser Louvre. Die zweite Säule ist bis heute im Nationalmuseum für Archäologie in Valletta zu sehen.
Obwohl die Phönizier als die Erfinder der Buchstabenschrift gelten, aus deren Alphabet die griechische, lateinische u.a. Schriften entwickelt wurden, gibt es kaum phönizische Schriftquellen.

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Für Gozo ist aus karthagischer (punischer) Zeit ein Melqart- bzw. Jupitertempel (nach anderen Quellen auch ein Juno-Tempel) auf dem Zitadellenberg von Rabat bezeugt. Tatsächlich wurden am Fuße des Berges im Gebiet südlich der Vajringa – Straße (Triq Vajringa) zahlreiche Überreste aus punischer Zeit gefunden. Im Archäologischen Museum von Rabat wird eine Tafel mit einer punischen Inschrift gezeigt, die den punischen Namen Gozos – Gwl – erstmals erwähnt. Sie wird auf die Zeit kurz vor der römischen Eroberung – also vor 218 v.u.Z. – datiert.

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Als gesichert gilt dagegen der Standort eines Tanit-Heiligtums am Wardija Point, dem südwestlichsten Punkt Gozos, wo 1960 bei Ausgrabungen die Fundamente eines rechteckigen Gebäudes freigelegt wurden. Sie konnten in die karthagische Zeit (550 – 218 v.u.Z.) datiert und als Tempelanlage identifiziert werden. Oberhalb befinden sich eine künstlich in den Fels geschlagenen Höhle sowie eine Zisterne. 1960 gab es hier noch eine Figur mit ausgebreiteten Armen – evtl. eine Darstellung der karthagischen Hauptgöttin Tanit – , die inzwischen jedoch von Vandalen zerstört wurde. Die karthagische (punische) Göttin Tanit entspricht der Astarte der phönizischen Mutterstädte Tyros, Sidon, Byblos u.A.

Römerzeit

Der 2. Punischen Krieg 218-201 v.u.Z. zwischen Römern und Karthagern (Puniern) endete mit der Aufgabe aller karthagischen Kolonien außerhalb Nordafrikas. So wurden auch Malta und Gozo von den Römern übernommen.
Im Gegensatz zu den Phöniziern und Karthagern (Puniern), die sich auf Handelsniederlassungen unmittelbar an der Küste beschränkten, kolonisierten die Römer auch das Hinterland einer neuen Provinz, führten eine straffe Verwaltung ein und somit ihre Gesetzgebung, ihre Wirtschaftweise, ihre Sprache und letztendlich auch die Religion.

Römische Siedlungen und Befestigungen

Melita

Die bereits in phönizischer Zeit bestehende Siedlung Malet wurde zum Verwaltungszentrum ausgebaut und befestigt. Hier befand sich der Sitz des römischen Statthalters und weitere Verwaltungsgebäude. Aus Schriftquellen ist der romanisierte Name – Melita – bekannt.
Die eigentliche Siedlung lag auf dem Gebiet des heutigen Rabat, die Stadtgrenze verlief ungefähr an der heutigen Hauptstraße Rabats Triq Santa Rita. Erst während der arabischen Herrschaft (870-1090) wurde der befestigte Teil durch einen Trockengraben von der Siedlung getrennt und so zwei eigenständige Städte – Mdina, die Festung, und Rabat, die Siedlung – begründet.
Wie in der Römerzeit überall üblich wurden gleich außerhalb der Stadtgrenze die Toten begraben. In spätrömisch-frühchristlicher Zeit entstanden aus diesen Nekropolen ausgedehnte Katakomben – die größten und interessantesten Maltas.

Das besterhaltene Zeugnis römischer Kultur auf Malta ist die „Römische Villa“, heute Römisches Museum (Domus Romana). Zwischen den heutigen Orten Mdina und Rabat gelegen, befand es sich zur Römerzeit mitten in der Stadt Melita. Es handelt sich um eine Stadtvilla in der typischen Bauweise eines römischen Atriumshauses.
Gleich nach den Ausgrabungen von 1881/82 wurde über den aufgefundenen Mosaikfußböden ein Schutzbau errichtet und als eines der ersten öffentlichen Museen Maltas eingeweiht. Dieses Museum wurde ab 1925 ausgebaut, erhielt seine heutige klassizistischen Fassade und zusätzliche Ausstellungsfläche. Inzwischen zeigt die Sammlung römerzeitliche Artefakte von der gesamten Insel, darunter Architekturfragmente, Glas- und Tongefäße, Kleinplastiken u.A.

Nach Schriftquellen gab es in Melita einen Apollotempel und vor der Stadt, im Gebiet des Nachbardorfes Mtarfa, einen Tempel der Unterweltgöttin Prosperina.

Gaulos

Auf der Insel Gozo wurde die ebenfalls bereits in phönizischer Zeit bestehende Siedlung Gol (das heutige Rabat) zum Verwaltungszentrum ausgebaut. Aus römischen Schriftquellen ist sie als „Gaulos Oppidum“, also eine befestigte Siedlung, bekannt. Sie nahm ungefähr das Quadrat zwischen den heutigen Straßen Triq Santa Marija, Triq Vajringa und Triq Palma ein und ist im Stadtplan gut erkennbar.
Der Schlußstein über dem alten Haupteingang der Zitadelle (rechts neben dem jetzigen Tor) trägt eine lateinische Inschrift, die besagt, dass Gozo unter dem Imperator Antonius Pius (86-161 u.Z.) zur Stadt erhoben wurde. Rund um den Marktplatz It-Tokk wurden verschiedene römische Fundamente freigelegt, darunter ein Kellerraum, der sogar noch (leere) Weinkrüge enthielt. Die Flurbezeichnung «Fuq it-Tomba“ westlich des Sant Wistin Platzes ( Pjazza Sant Wistin) weist auf Gräberfelder, die nach römischer Sitte unmittelbar außerhalb der Städte angelegt wurden. In der Nähe gibt es Katakomben, die aber nicht zu besichtigen sind.
Nach der Überlieferung soll es in Gol bereits im 3. Jhd. v.u.Z. einen punischen Melquart-Tempel, in römischer Zeit dann einen Jupiter-Tempel (nach anderen Angaben einen Juno-Tempel) gegeben haben.
Unter Kaiser Hadrian (76 – 138 u.Z.) wurde Melita/Malta zum eigenständigen Municipium erhoben. Dass das Oppidum Gaulos eigene Münzen prägte bezeugt, dass Gozo damals ein von der Hauptinsel unabhängiges, eigenes Municipium war.

Römertürme

An 6 Stellen auf Malta und einer auf Gozo sind Römertürme erhalten, der bekannteste ist der der Ta’ Cieda-Turm (Ta’ Cieda Round Tower) in San Gwann. Er wurde 1960 durch Dr. David Trump teilweise freigelegt. Aus der dabei erstellten archäologischen Schichtenfolge sowie aus der für spätpunische Bauwerke typischen Verwendung von aschehaltigem Mörtel ist eine Datierung sogar noch in die spätpunische Zeit wahrscheinlich.
Der Turmstumpf ist heute von Neubauten zugebaut. Unweit befindet sich eine abgedeckte antike Zisterne, die mit einem für die römische Bauweise bekannten wasserfesten Zement aus Kalk und gemahlenen Ziegeln ausgekleidet ist.
Im Pfarrgarten von Zurrieq steht ein weiterer, noch 5,6 m hoher Rest eines Römerturmes, der leider nicht zugänglich ist.
Die Reste dieser Befestigungen belegen die Existenz von Siedlungen oder Gütern (villa rustica) an diesen Orten zur Römerzeit.
Gleiches gilt für die aufgefundenen Überreste von römischen Thermen, so in Marsa, Marsaxlokk, Xemxija auf Malta und in Kercem und der Ramla-Bucht auf Gozo.

Römische Häfen

Durch seine Lage im Zentrum des Römischen Reiches, am Kreuzungspunkt der wichtigsten Schiffsrouten zwischen den einzelnen Provinzen wuchs Maltas Bedeutung für die Versorgung der Schiffe mit Lebensmitteln, Ausrüstungen und für Reparaturen.
Die seit der Frühzeit genutzten Naturhäfen wie Marsaxlokk, Grand Harbour und Xlendi (Gozo) wurden ausgebaut, anderenorts – so in San Pawl, Burmarrad, Marsalforn (Gozo) – neue Häfen angelegt.
Aus vielen Buchten konnten Überreste gesunkener Römerschiffe – insbesondere Amphoren und Anker – geborgen werden. So aus der Salina Bucht auf Malta, wo die Erzeugnisse des nahebei gelegenen Gutes (villa rustica) von Burmarrad verschifft wurden. Besonders viele Funde stammen aus der Xlendi-Bucht (Gozo), von wo der Weg durch das Xlendi-Tal direkt nach Gaulos (Rabat) führte. Ein bis dicht unter die Wasseroberfläche ragender Felsen in der Mitte der Bucht wurde dort zahlreichen Schiffen zum Verhängnis.

Die in den beiden Archäologischen Museen von Valletta und Rabat/Gozo ausgestellten Kollektionen verschiedener Amphoren und Anker stammen aus diesen Wracks.

Römische Landwirtschaft

Die Lebensmittelproduktion wurde durch das Gutshofsystem nach römischem Vorbild (villa rustica) organisiert. Die Reste solcher Gebäudekomplexe wurden an verschiedenen Orten auf Malta und Gozo gefunden, wobei an jedem der bekannten Fundplätze eine Ölpresse (trapetum) geborgen werden konnte.
Auch aus Schriftquellen ist neben der Honigproduktion für Malta und Gozo die Olivenölproduktion belegt, die außer für Eigenbedarf und Versorgung der Handelsschiffe auch noch für den Export betrieben wurden.

Reste eines solchen römerzeitlichen Landgutes sind in Burmarrad, einem Ortsteil von St. Paul’s Bay bei der Kapelle San Pawl Milqi gefunden worden. Die Stätte wird von der maltesischen Museumsverwaltung Heritage Malta verwaltet und kann nach Vereinbarung besichtigt werden.
Unter dem Boden der Kapelle befindet sich die Zisterne der ehemaligen Villa. Auch hier wurde eine Ölpresse gefunden. Die Erzeugnisse des Gutes wurden direkt über einen Hafen in der nahegelegenen Salina-Bucht verschifft. Hier wurden viele römerzeitliche Amphoren und Anker geborgen.
Im hinteren Teil der Bucht existiert bis heute eine Saline, die vielleicht schon seit der Römerzeit besteht. Unweit befinden sich an der Verkündigungs-Kapelle (Annunciation Church) die Ta Salina-Katakomben.
Reste einer weiteren villa rustica wurden in Zejtun gefunden. Hier deutet schon der Ortsname – Zejtun bedeutet Olive – auf ehemaligen Olivenanbau hin.
In Hal Millieri, einem aufgegebenen Ortsteil von Zurrieq an der Straße Richtung Mqabba, wurde auf dem Vorplatz der Kapelle St. Gwan (St. John) eine römerzeitliche steinernen Ölpresse gefunden. In Zurrieq gibt es auch Katakomben, die seit Kurzem zur Besichtigung geöffnet sind. Im Pfarrgarten steht der noch 5,6 m hohe Rest eines Römerturmes.
Eine 1955 in Gharghur ausgegrabene Ölpresse aus römischer Zeit ist heute im Römischen Museum (Domus Romanus) in Rabat ausgestellt.

Auf Gozo bestand eine villa rustica in Xewkija. In der Flur Tal-Hamrija wurde 1978 eine 1,40 m tiefe, mit gebranntem Lehm ausgekleidete Vorratsgrube für Getreide entdeckt. Zahlreiche Fundstücke aus der Umgebung – darunter eine Terra sigillata- Schale, eine Ölpresse und eine verzierte Keramikstele, wie sie in den Wasserbecken der römischen Atriumhäuser aufgestellt wurden – belegen die Existenz eines Gutshauses in der Römerzeit.
Das Fragment einer weiteren Ölpresse wurde in Tas-Salvatur geborgen.
Alle Fundstücke sind im Archäologischen Museum von Rabat/Gozo ausgestellt.

Römische Thermen

Keine römische Siedlung ist ohne Badeanlage denkbar.
Die besterhaltene römerzeitliche Therme Maltas befindet sich nordwestlich von Mgarr auf dem Plateau über der Ghajn Tuffieha – Bucht. Hier sind die charakteristischen Räume für heiße, kalte und warme Bäder, z.T mit Hippocausten und Mosaikfußböden, sowie verschiedene Nebenräume noch gut erhalten. Zur Zeit werden Konservierungsarbeiten durchgeführt, so dass die Stätte nicht besichtigt werden kann.

Römische Badanlagen gab es auch in Marsa, Marsaskala u.A. Diese wurden aber durch spätere Überbauung oder anderweitig zerstört und konnten nur anhand geringer Fragmente nachgewiesen werden. Auch der Geschichtspfad von Xemxija zeigt u.A. die Überreste eines halb in den Fels gebauten Gebäudes, das als Therme interpretiert wird.

Auf Gozo wurde 1910 im Westen der Ramla- Bucht die Reste einer römerzeitlichen Therme entdeckt. Bei Ausgrabungen konnten neunzehn aus lokalem Kalkstein errichtete Räume freigelegt werden, darunter fünf Räume mit noch erhaltenen Hypocausten, ein großes Kaltwasserbecken und der mit farbigem Marmorfußboden ausgestattete Gemeinschaftsraum. Das Wasser wurde über Kanäle aus den landeinwärts gelegenen Hügeln hergeleitet. Nach Beendigung der Arbeiten wurde die Ausgrabungsfläche zu ihrem Schutz wieder verfüllt.
Reste römischer Badeanlagen befinden sich auch in Kercem/Gozo, wo am Tafelberg Ta’ Dbiegi eine ergiebige Quelle entspringt. Diese Stätte ist nicht öffentlich zugänglich.

Römische Begräbnisstätten

Nach römischer Sitte wurden die Toten gleich außerhalb der Stadtmauer, i.d.R. entlang der Straßen begraben. So sind auch für die Hauptsiedlungen der maltesischen Römerzeit Begräbnisstätten unmittelbar an der jeweiligen Stadtgrenze nachgewiesen. Für Melita war das westlich der heutigen Santa-Rita-Straße (Triq Santa Rita im heutigen Rabat), für Rabat/Gozo westlich der Santa-Maria-Straße (Triq Santa Maria). Hier weist schon die Flurbezeichnung «Fuq it-Tomba“ westlich des Sant Wistin Platzes ( Pjazza Sant Wistin) auf Gräberfelder hin.
Dabei bezogen die römischen Nekropolen bestehende punische bzw. noch ältere Anlagen ein. Durch stetige Erweiterungen entstanden ausgedehnte Katakomben, die auch noch in byzantinisch-christlicher Zeit genutzt wurden.

Weitere Katakomben gibt es u.A. im Fort Mosta, bei Burmarrad, Zurrieq, Kercem/Gozo. Römische Gräber, die allerdings nie ausgegraben wurden, sind auch von Comino bekannt.

Römische Tempel

Grundsätzlich herrschte im Römischen Reich Religionsfreiheit.
Das hinderte die römischen Besatzer aber keineswegs daran, den offenbar sehr reichen und weitbekannten phönizischen Astartetempel von Tas Silg zu plündern. Bezeugt wird das durch Cicero (106 – 43 v.u.Z.), der in einer seiner Reden den römischen Statthalter Siziliens von 73-71 v.u.Z., Gaius Verres, der Plünderung des Juno-Tempels in Malta anklagt.
Aus dieser Schrift ist auch ersichtlich, dass die einheimischen Götter ganz selbstverständlich mit römischen Göttern gleichgesetzt wurden. Neben der Sprache und der Wirtschaftsweise wurde letztendlich auch die Religion romanisiert und die phönizischen Astarte wurde allmählich zur römischen Juno, Melqart zu Herakles oder manchmal zu Jupiter. So bestanden die phönizisch-karthagischen Tempel auf Malta und Gozo in der Römerzeit weiter.
Dazu kamen – u.A. durch römische Siedler – Tempel für neue Götter, so ein Apollotempel in Melita (Mdina-Rabat/Malta) und ein Tempel für Prosperina, die Göttin der Unterwelt und Gemahlin Plutos, beim heutigen Vorort Mtarfa.
Aus anderen Teilen des Römischen Reiches gelangte auch das Christentum nach Malta. Insbesondere während der letzten großen Christenverfolgung zwischen 305 bis 311 flohen zahlreiche sizilianische Christen nach Malta.
Die in Malta sehr lebendige christliche Überlieferung verbindet verschiedene Stätten z.Bsp. an der St. Paul’s Bucht, in Naxxar und in Rabat/Malta mit dem Apostel Paulus und mit Publius, dem römischen Statthalter des Jahres 60, sowie mit der sizilianischen Märtyrerin Agatha.
Nachdem das Römische Reich nach dem Tod Kaiser Theodosius‘ I. 395 u.Z. zwischen dessen Söhnen aufgeteilt wurde, gehörte Malta zum Weströmischen Reich.

Mittelalter

byzantinische Epoche

Den Inseln kam keine eigenständige Bedeutung mehr zu, sie galten als Anhängsel Siziliens und wechselten mit diesem die Herrscher – so ab 455 zum Vandalenreich, ab 494 zum Reich der norditalienischen Ostgoten unter Theoderich dem Großen. Im Zuge des Nordafrikafeldzugs Belisars kamen sie schließlich 533 an Ostrom/Byzanz. Zeugnisse der byzantinischen Epoche sind vor allem die überall auf den Inseln anzutreffenden frühchristlich-byzantinischen Katakomben, die bereits auf römische Anlagen und mit großer Wahrscheinlichkeit sogar auf neolithische Felskammergräber zurückgehen.

arabische Epoche

Bereits seit 827 häuften sich Überfälle der inzwischen in Nordafrika etablierten Araberreiche. Mit der Eroberung Siziliens 870 geriet auch Malta unter die Herrschaft der nordafrikanischen Aghlabiden, wurde geplündert aber erst 904 endgültig besetzt. Augenscheinlichstes Erbe der arabischen Epoche ist der Ausbau der Zitadellen der nun in Malta und Ghawdex umbenannten Hauptstädte Melita und Gaulos. In beiden erfolgte gemäß arabischer Tradition eine Trennung in die Burg Mdina bzw. il-Kastell und die eigentliche – Rabat genannte – Siedlung. In Mdina wurde dazu ein tiefer Festungsgraben angelegt. Viele Ortsnamen gehen auf die arabische Epoche zurück.
In Ghasri, dem kleinsten Dorf Gozos, sind an zweien der traditionellen gozitanischen Häuser (Ghammar Street bzw. Lighthouse Street) Maxrabija-Fenster erhalten. Diese in der arabischen Welt verbreiteten Fensterluken sind incl. Gitter komplett aus Stein gearbeitet und ermöglichen es, die Straße zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden.
Im ix-Xini Regional Park auf Gozo sind im oberen Teil der Schlucht mehrere untereinander verbundene, kreisrunde Felspfannen erhalten, die evtl. noch aus arabischer Zeit stammen. Sie werden als Aufbereitungsanlage für Töpferton angesehen wie sie bis heute in arabischen Ländern in Gebrauch sind.
Erhalten sind auch einige arabische Grabsteine in Prismenform mit Inschriften – meißt dekorativ ausgeführten Koranzitaten. Dazu gehört der eindrucksvolle Mejmuna-Grabstein, der heute im Archäologischen Museum in Rabat/Gozo zu sehen ist. Andere wurden vom ehemaligen arabischen Friedhof in Rabat geborgen und gehören zur Ausstellung des Römischen Hauses (Domus Romana) in Rabat.

Normannen, Staufer, Aragon

Ab 1030 breiteten sich die französischen Normannen in ganz Süditalien aus, übernahmen in Auseinandersetzung mit den Sarazenen bzw. mit Byzanz schließlich ganz Apulien und Kalabrien, eroberten ab 1061 Sizilien und 1090 Malta von den Sarazenen und gründeten ihr normannisches Königreich Sizilien. Der normannische Statthalter, Graf Roger I. gründete 1140 mit dem „Consiglio Popolare“ ein erstes Selbstverwaltungsorgan, aus dem 1397 die Universita, der maltesische Adelsrat, hervorging. Danach hatten die Dörfer Gemeinderecht und ein hohes Maß an Selbstverwaltung.
1194 kommt Malta mit Sizilien durch Heirat an die Staufer und gelangt unter Friedrich II. (1194-1250), dem Enkel Friedrich Barbarossas, zur Blüte. Nach Erlöschen dieser Dynastie 1268 (Hinrichtung Konradins 1268) und 14 –jähriger Herrschaft der französischen Angeviner kommt das Königreich nach der sizilianischen Vesper 1282 zum hispanischen Königreich Aragon.
Malta wird in der Folge an Adlige aus Sizilien oder Aragon/Spanien verpachtet, die jedoch nur an den Steuereinnahmen interessiert sind. In Opposition zu diesen gründen die heimischen Adligen nach 1350 ihre Adelsräte – die Universita – jeweils für Malta und Gozo. Diese maltesischen Selbstverwaltungen, die hauptsächlich für Rechtsprechung und Verteidigung zuständig waren, versuchten mehrfach sich direkt der Krone zu unterstellen, was aber nur kurzfristig gelang.
Erst als Kaiser Karl V., König von Spanien, 1530 Malta als Lehen an den Johanniterorden vergibt, stabilisieren sich die Verhältnisse.

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Wichtigstes Erbe dieser Epoche ist die Wiedereinführung des Christentums. Bereits der erste Normannen-Graf Roger I. (1061 – 1101) ließ in Birgu eine kleine Kirche errichten. 1156 wird für Malta und Gozo ein Bischof eingesetzt, der aber in Palermo/Sizilien residiert. Die wichtigsten Orden errichten ihre Klöster auf den Inseln.
Von den wenigen Bauten dieser armen Epoche – kirchlichen wie profanen – ist noch Weniger erhalten. Vieles wurde durch das große Erdbeben von 1693 zerstört bzw. im Aufschwung der nun folgenden Ordensritterzeit erweitert und im neuen Stil der Renaissance umgebaut.
So wurde die Kathedrale von Mdina nach dem Erdbeben von 1693 anstelle eines weitgehend zerstörten sizilo- normannischen Vorgängerbaues aus dem 12. Jhd. neu errichtet. Nur das geschnitzte ehemalige Eingangstor aus irischer Eiche mit normannischen Motiven ist erhalten und wurde als Eingang zur Sakristei wiederverwendet.
Das eindrucksvollste Beispiel sizilo-normannischer Architektur sind die beiden Häuser aus dem 15/16. Jhd. in der Zitadelle von Gozo, in denen jetzt das Folkloremuseum untergebracht ist. Dass diese nicht nur charakteristische Dekoration wie Spitzbogentür und gotische Zierleisten, sondern noch die gesamte ursprüngliche Raumstruktur mit Mittelsäulen, einem Saal oben und einem Labyrinth kleinerer Räume unten, mit Hof, Stallungen, Zisterne und sogar einer Göpelmühle enthalten, ist ein besonderer Glücksfall. Am Normannenhaus in Birgu (North Street 10/11, Triq Tramuntana) sowie den Palazzi St. Sophia und Inguanez in Mdina, sind einzelne Architekturelemente wie Spitzbögen und Zierleisten in sizilo-normannischem Stil erhalten.

Zeit der Ordensritter

Die Ankunft des Johanniterordens auf den Inseln im Jahre 1530 war der Beginn einer neuen Blütezeit.

Die Ritter waren 1522 durch die Osmanen unter Sultan Süleyman von ihrem Stammsitz Rhodos vertrieben worden und hatten sich vorerst auf die ordenseigenen Güter in ganz Europa zerstreut. Seither bemühten sie sich an den Höfen Europas um Unterstützung für eine Rückeroberung der Insel Rhodos.
Bereits 1524 hatte Kaiser Karl V. – als König von Aragon/Spanien auch Herrscher über Sizilien samt Malta – dem Orden die Inseln als spanisches Lehen angeboten und eine Kommission war entsandt worden.
Wegen des desolaten Zustandes der Inseln – Wasser- und Lebensmittelmangel, verarmte Bevölkerung, ständige Piratenüberfälle – waren die Ritter aber bisher zurückhaltend. Andererseits hatte der Orden durch die Reformation besonders in England und Deutschland personelle und finanzielle Einbußen. Viele Besitzungen waren enteignet worden, die Einnahmen fehlten und die Reserven waren in 8-jähriger Heimatlosigkeit ebenfalls aufgebraucht. Auch Disziplin und die straffe Organisation hatten gelitten und der Orden stand faktisch vor dem Zerfall.
So übernahm der Johanniterorden unter seinem Großmeister Philippe Villiers de l’Isle Adam (1521-1534) das «Ewige Lehen» Malta, zu dem außer Gozo auch noch die 280 km entfernt an der nordafrikanischen Küste gelegene Stadt Tripolis gehörte, mit der Verpflichtung, das Lehen gegen die Osmanen zu verteidigen, die Piratenüberfälle auf Schiffe und Küsten im westlichen Mittelmeer zu bekämpfen, den örtlichen Adelsrat Universita anzuerkennen, sowie gegen die Entsendung eines Falken jährlich.

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Die Ritter nahmen ihren Sitz zunächst in der Hauptstadt Mdina. Außer Mdina und der Zitadelle von Gozo gab es zwei kleinere Befestigungen am Großen Hafen – das Castello al Mar auf der Halbinsel Birgu und einen besseren Wachturm auf Scibera, alle noch aus arabischer Zeit stammend, hoffnungslos veraltet und halb zerfallen.

Die Ritter begannen sofort mit Instantsetzung und Ausbau der Befestigungen am Großen Hafen. Das Castello al Mar auf Birgu wurde zum Fort St. Angelo ausgebaut, auf Scibera entstand Fort St. Elmo und auf der Landzunge L’Isla das kleine Fort St. Michael. Gleichzeitig begann man in Birgu mit dem Bau eines Ordenshospitals und dem Ausbau der Kirche San Lorenzo del Mar zur Konventskirche. Bereits 1536 wurde der Ordenssitz nach Birgu verlegt, es folgte eine Bischofsresidenz, Mdina wurde zur «Citta Vecchia“, zur „alten Stadt“.

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Als 1551 der vom Sultan protegierte Pirat Turgut Reis (Dragut Reis) mit türkischen und berberischen Kontingenten einen Überfall auf den Großen Hafen versuchte, wurde er von Fort St. Elmo aus zurückgeschlagen. Allerdings konnten die Ritter nicht verhindern, dass ein Kontingent unter Sinan Pascha (Sinam Baxa) in der ix-Xini–Bucht auf Gozo landete, die Insel verwüstete und fast die gesamte in die Zitadelle geflüchtete Bevölkerung verschleppte. Auch die Stadt Tripolis – schlecht befestigt und für schnelle Hilfe viel zu weit entfernt – ging 1551 an Turgut Reis verloren.
Indessen wurde am Großen Hafen weiter gebaut. Großmeister Claude da la Sengle (1553-1557) ließ auf der Halbinsel L’Isla die Stadt Senglea anlegen und das zwischen Birgu und Senglea gelegene natürliche Hafenbecken zum Galeerenhafen der Ordensflotte ausbauen.

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1565 erfolgte dann der lange erwartete türkische Angriff, die Große Belagerung (Great Siege).
Die osmanische Flotte landete im Marsamxett-Hafen, besetzte die Scibera-Halbinsel, etwas später auch die Landzungen Tigne und Ricasoli. So wurde Fort St. Elmo von drei Seiten unter Dauerfeuer genommen. Das Fort führte einen aussichtslosen Kampf gegen eine große Übermacht bevor es nach über einen Monat fiel. Es hatte den Osmanen aber bedeutende Verluste zugefügt sowie dem Orden die Zeit verschafft, den Galeerenhafen und die beiden Forts St. Angelo und St. Michael weiter zu verstärken. So konnten die jetzt auf Birgu konzentrierten Angriffe zurück geschlagen und dabei neun türkische Schiffe im Großen Hafen versenkt werden. Demoralisierung, Nahrungs- und Wasserknappheit und letztlich die Nachricht von der Landung von Verstärkung aus Venedig ließen die Türken aufgeben, ohne in Kämpfe mit den Venezianern zu treten.

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Dieser Sieg steigerte das Ansehen des Ordens an den europäischen Höfen enorm und führte zu hohen Zuwendungen, so dass der Plan zur Befestigung der Scibera-Halbinsel nun in Angriff genommen werden konnte. Papst Pius IV entsandte dafür den berühmtesten Festungsbaumeister seiner Zeit, Francesco Laparelli da Cortona (1521-1570). Bereits am 28.03.1566 erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Festung und Hauptstadt durch Großmeister Jean Parisot de la Valette (1557-1568), nach dem sie benannt wurde. Die Festung ist eine der wenigen vollständig erhaltenen Anlagen dieser Zeit. Sie steht als Ganzes unter Denkmalsschutz und gehört seit 1980 zum Weltkultuererbe der UNESCO.

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Die Bebauung des Festungsinneren erfolgte erstmals in Europa nach einem Gesamtplan. Die Hauptstrasse, die heutige Republic Street, auf dem Rücken der Landzunge bildet eine Mittelachse, an der sich das schachbrettförmige Straßennetz orientiert. Die quer zur Republic Street verlaufenden Straßen fallen dabei zu den Häfen hin steil ab und gehen z.T. sogar in Treppenstraßen über.
Die Planung der einzelnen Gebäude unterlag strengen Vorgaben unter strategischen Gesichtspunkten. Sogar auf die ursprünglich geplante Kuppel der Kathedrale mußte verzichtet werden, weil sie die Schußfelder der Artillerie eingegrenzt hätte.

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Ab 1569 wurden die Arbeiten durch den maltesischen Architekten Girolamo Cassar (1520-1586), den bisherigen Assistenten Laparellis, geleitet. In der Folgezeit erbaute Cassar alle wichtigen Gebäude der Ordensritter.
Das ist zunächst – schon unter Großmeister Pietro del Monte (1568-1572) – der Großmeisterpalast, also das Regierungs- und Verwaltungsgebäude des Ordens an der Hauptstrasse. Im Obergeschoß befanden sich die Verwaltungs- und Repräsentationsräume des Ordens, im Erdgeschoß Pferdeställe, Wirtschaftsräume und Dienstbotenquartiere. Die beiden Barockportale und die seitlichen Erker wurden erst im 18. Jhd. in die ursprünglich schmucklose Renaissance-Fassade eingefügt.
Das Gebäude ist heute Amtssitz des Präsidenten und Tagungsort des Parlaments. Die Staatsräume der Großmeister sind mit ihrer Ausstattung bis heute erhalten und können ebenso wie die Waffenkammer des Ordens besichtigt werden.

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Obwohl erst halb fertig gestellt erfolgte am 18.03.1571 der offizielle Umzug des Ordens von Birgu nach Valletta.
Auf ein Collachio-Viertel wie auf Rhodos, in dem die Ordensritter getrennt von der Bevölkerung lebten, wurde verzichtet. Stattdessen wurden die Quartiere der Landsmannschaften (Zungen), die Herbergen (Auberges) den jeweiligen Abschnitten der Festungsmauer (curtains) zugeordnet.
Fünf der acht Herbergen sind bis heute erhalten und werden von verschiedenen staatlichen Einrichtungen genutzt. Im ehemaligen Quartier der Provence ist heute das Nationalmuseum für Archäologie untergebracht. Ein Museumsbesuch ermöglicht somit auch die Besichtigung der Innenräume einer Auberge. Vom Leben in der Ritterzeit zeugen die Deckenmalereien im Entree und im Obergeschoß der vollständig erhaltene „Grand Salon“ mit geschnitzter Kassettendecke und reicher Wandbemalung. Leider gibt es keine Informationen zur Nutzung der übrigen Räume und zum Leben der Ritter hier.

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1573 begann Gerolamo Cassar mit dem Bau der Konventskirche, die 1577 dem Patron des Ordens, Johannes dem Täufer, geweiht wurde (St. Johns Co-Kathedrale). Sie wurde durch den Großmeister Jean l’Eveque de la Cassiere (1572-1581) gestiftet ebenso wie die prächtigen Sarkophage für die Großmeister l’Isle Adam und la Vallette in der Krypta. Das Gebäude ist im Stil der Zeit äußerst schlicht gehalten. Bemerkenswert ist der Balkon über dem Hauptportal, von dem aus nach Neuwahlen der neue Großmeister verkündet wurde. In den beiden Seitenschiffen befinden sich u.A. die Kapellen der acht Landsmannschaften des Ordens. Die überaus prächtige Innenausstattung der Kirche erfolgte erst ab 1661 durch den italienischen Barockmaler und Ordensritter Mattia Preti.

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Großmeister de la Cassiere berief 1574 die Inquisition nach Malta. Als Inquisitionspalast (Inquisitors Palace) wird dem Generalinqisitor und päpstlichen Delegaten das ehemalige Gerichtsgebäude in Birgu zur Verfügung gestellt. Außer der Reinheit des Glaubens hatte der Inquisitor zunehmend auch den allzu selbstständig werdenden Ritterorden zu überwachen und ggf. für Ausgleich zwischen dem Orden und den ansässigen Bischöfen zu sorgen.
Ab 1575 wird schließlich, ebenfalls durch Gerolamo Cassar, das Hospital Sacra Infermeria Santo Spirito erbaut, neben Großmeisterpalast und Konventskirche das wichtigste Gebäude des Ordens. Im Gegensatz zu anderen Ritterorden war den Johannitern Krankenpflege und Betreuung von Pilgern immer ein Hauptanliegen geblieben. Der Hospitalbetrieb war sowohl in der Organisation als auch medizinisch-fachlich äußerst fortschrittlich für die damalige Zeit. So ermöglichte die Ausstattung mit Marmorfußboden und antibakteriellem Silbergeschirr vorbildliche Hygiene. 1676 wurde eine Schule für Anatomie und Chirurgie eingerichtet.

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Nach der Fertigstellung Vallettas widmete sich der neue Großmeister Hugues Loubeux de Verdalle (1581-1595) Instantsetzung und Ausbau der Städte Birgu und Senglea, deren Forts nach wie vor zum Verteidigungssystem des Großen Hafens gehörten. Hier befanden sich jetzt die Quartiere für das Personal des Ordens.
Ab 1586 läßt sich de Verdalle im Landschaftspark Buskett (Buskett Gardens) eine Sommerresidenz, den Verdala Palast, bauen. Architekt ist wiederum Gerolamo Cassar. Heute befindet sich hier die offizielle Sommerresidenz des maltesischen Präsidenten. Im Gegensatz zum umgebenden Landschaftspark Buskett ist der Palast nicht öffentlich zugänglich.
Außerdem gründet de Verdalle das Collegium Melitense in der Archbishop-Street in Valletta, aus dem später die Universität Malta hervorging. Gelehrt wurden Literatur, Philosophie und Theologie, auch die bisherige medizinische Ordensschule wurde dem Collegium angeschlossen.

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Nach der Seeschlacht in der Meerenge von Lepanto vor Zypern 1571, der letzte Galeerenschlacht der Geschichte, in der die Osmanen unter Sultan Selim II. durch die Flotten Venedigs, Spaniens und der Johanniter vernichtend geschlagen wurden, war die Vormacht der Türken im Mittelmeer beendet und die Bedrohung hatte stark abgenommen. Ein Problem stellten aber nach wie vor die permanenten Überfälle vor allem nordafrikanischer aber auch türkischer Piraten dar, denen die Bevölkerung Maltas ausgesetzt war.
Unter Großmeister Alof de Wignacourt (1601-1622) wurde mit dem Bau eines gegen die Piraten gerichteten Küstenschutzsystems begonnen. Es bestand letztlich aus 9 Wachtürmen, die potenzielle Anlandungsplätze der Piraten wie Marsaxlokk- und St. Paul’s- Bucht, den Gozo-Kanal usw. beobachteten. Die weitgehend baugleichen Türme dieser Serie waren Miniaturfestungen und werden manchmal auch als Forts bezeichnet. Von einem Beobachtungstürmchen aus wurden die entsprechenden Küstenabschnitte überwacht, bei Bedarf Signale gegeben und mittels der auf der Plattform stationierten schweren Kanonen Anlandungen verhindert. So konnte vom St. Lucijans-Turm aus 1641 ein türkischer Angriff zurückgeschlagen werden. Das System der Wachtürme wurde später weiter ausgebaut.
Einige Türme sind gut erhalten, sie beherbergen heute Hotels (St. Agatha’s Tower bzw Red Tower auf der Mellieha Ridge), ein meeresbiologisches Forschungszentrum (Malta Marine Biology Centre im St. Lucijan’s Tower), eine Ausstellung über die Festungsanlagen Maltas (St. Pauls Bay- Tower). Andere wurden in den letzten Jahren restauriert, so der ix-Xini-Turm und der St. Cecilia-Turm auf Gozo und der St Mary’s Tower auf Comino.

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Ab 1601 ließ Alof de Wignacourt die Zitadelle von Gozo modernisieren. Pläne dazu waren bereits früher, unter Beteiligung Francesco Laparellis (1521-1570), erstellt aber wegen der dringenderen Aufgaben in Birgu, Senglea und Valletta bisher zurück gestellt worden. Jetzt wurde die runde, mittelalterlichen Festung zur Aufstellung von Geschützen durch moderne Bastionen – St. Michael –Bastion, St. John und St. Martin – erweitert. In der Festung wurde eine Residenz des Gouverneurs von Gozo sowie des Gerichtshofes (Law Courts) mit dem Gefängnis des Ordens auf der Rückseite gebaut. Es kann heute als Museum „Altes Gefängnis“ besichtigt werden. Im Haus Bondi (Casa Bondi) wurde ein Gästehaus des Ordens eingerichtet.
Da ein Schwachpunkt der neuen Hauptstadt Valletta die unzureichende Wasserversorgung war, ließ Großmeister Alof de Wignacourt durch die maltesischen Architekten Giovanni Attard und Tomaso Dingli zwischen 1610-14 eine Wasserleitung von den Quellen bei Mdina nach Valletta bauen. Zur Überbrückung der Talsenke vor Valletta wurde dafür ein 13 km langer Aquädukt errichtet, dessen Teilstücke in der Stadt Attard erhalten sind. Alof de Wignacourt berief auch den italienischen Maler Michelangelo da Caravaggio nach Malta, wo er für die Konventskirche des Ordens, die St. John’s Co-Kathedrale, 1608 das Gemälde „Die Enthauptung Johannes‘ des Täufers“ schuf. Ein weiteres Bild – „Der Heilige Hieronymus“ – stellt wohl ein Porträt seines Gönners Alof de Wignacourt dar.

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Nachdem die osmanische Macht geschwächt war, widmeten sich die Großmeister zunehmend dem Bau repräsentativer Paläste sowie der Förderung von Wissenschaft und Künsten. Die Mittel dazu kamen aus den Besitzungen des Ordens in Europa sowie zu großen Teilen aus den Kaperfahrten gegen muslimische Handelsschiffe. Großmeister Antoin de Paul (1623-1636) ließ seine Sommerresidenz in Attard ab 1628 zum prunkvollen San Anton Palast mit exotischer Gartenanlage ausbauen, in der verschwenderische Feste und Empfänge mit Theater- und Musikdarbietungen, Feuerwerk usw. stattfanden. Die Pläne für die Anlage waren ein Geschenk des französischen Königs Ludwig XIV.
Aber auch an den Festungswerken wurde weiter gebaut. 1634 erhielt der italienische Baumeister Pietro Floriani den Auftrag zur Errichtung eines zweiten landseitigen Festungswalles vor Valletta – der Floriana-Linie. Zwischen den beiden Wällen entstand später die nach Floriani benannte Stadt.
Nur wenige Jahre später – 1638 – legte Großmeister Jean Paul de Lascaris-Castellar (1636-1657) den Grundstein für ein weiteres Festungswerk – die Magherita-Linie – die die Städte Birgu und Senglea von der Landseite her schützen sollten. In dem so gewonnenen Raum entstand später die Stadt Cospicua. Der Bau beider Linien kam wegen fehlender Ressourcen nur schleppend voran zumal gleichzeitig auch das Küstenschutzsystem durch 6 weitere Wachtürme ergänzt wurde. Die nach Lascaris benannten Türme sind kleiner und waren mit kleineren Kanonen zur Signalgebung, nicht aber für eigene Kampfhandlungen ausgerüstet.
Lascaris ließ auch die Gewölbe unter der nach ihm benannten Bastion anlegen, die als Sklavenquartiere gedient haben sollen. Da aber Verbindungsgänge sowohl zum Hafen als auch zur Bastion St. James Cavallier bestehen, ist von einer militärischen Nutzung bereits seit der Ritterzeit auszugehen.

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Ab 1643 wurde auf der Manoel-Insel im Marsamxett-Hafen, im damals weitgehend unbesiedelten Gebiet westlich Vallettas, ein Quarantäne-Hospital errichtet.
Die letzte Staffel von 13 Wachtürmen ließ Großmeister Martin de Redin (1657-1660), errichten. Baulich entsprachen sie den Lascaris-Türmen. Das Netz der nun auf Sichtweite voneinander stehenden Küstenwachtürme ermöglichte eine lückenlose Überwachung der gesamten Küste und entsprechende Frühwarnung. De Redin ließ auch die flaschenförmigen Getreidespeicher vor Fort St. Elmo und vor der St. Publius-Kirche in Floriana für den Fall langer Belagerungen anlegen und die Befestigungen Mdinas durch die Anlage der drei Bastionen del Palazzo, del Redin und San Pietro modernisieren.

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Noch unter Großmeister de Redin war der italienische Barockmaler Mattia Preti nach Malta berufen worden. Ab 1661 begann er mit der Ausmalung der Tonnengewölbe der St. Johannes Kathedrale mit Szenen aus dem Leben Johannes‘ des Täufers, die durch den neuen Großmeister Rafael Cotoner (1660-1663) gestiftet wurden. Unter seinem Bruder und Nachfolger, Großmeister Nicolas Cotoner (1663-1680), wurde die Kathedrale aufwendig im Stil des Hochbarock umgebaut und verschwenderisch ausgestaltet.
Cotoner ließ ab 1670 für die Städte Birgu und Senglea einen neuen, noch weiter nach außen verlagerten Festungsring – die Cotonera-Linie – errichten obwohl die Arbeiten an der erst halb fertigen Magherita-Linie seit 1645 ruhten. Die Festungsmauer war 4,5 km lang und enthielt 6 Bastionen, 2 Halbbastionen und zwei Tore.  Zusätzlich wurde 1670-93 auf der Landzunge an der Ostseite der Einfahrt zum Großen Hafen das Fort Ricasoli gebaut.

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Trotz Quarantänestation auf der Manoel-Insel und für die damalige Zeit äußerst fortschrittlicher Krankenbetreuung brach auch auf Malta immer wieder die Pest aus. 1676 forderte eine Pestepidemie auf dem maltesischen Archipel über 10.000 Tote. U.A. werden dafür die zahlreichen Anlandungen von Piraten und Schmugglern verantwortlich gemacht, die die Quarantäne unterliefen.
1676 wurde am Ordenshospital Sacra Infermeria eine Schule für Anatomie und Chirurgie eingerichtet.

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Der neue Großmeister Gregorio Caraffa (1680-1690) beauftragte 1681 den maltesischen Architekten Lorenzo Gafa mit dem Neubau der St. Lawrenz-Kirche in Birgu, der ehemaligen ersten Konventskirche des Ordens auf Malta.

Ein Erdbeben richtete 1693 besonders in Mdina große Zerstörungen an, darunter die Kathedrale St. Peter-und-Paul. 1704 begann unter Großmeister Ramon Perellos y Roccaful (1697-1720) der Wiederaufbau durch Lorenzo Gafa, dessen Hauptwerk sie darstellt. Ebenfalls durch Lorenzo Gafa wurde zwischen 1697 und 1711 die Kirche Maria Himmelfahrt in der Zitadelle von Gozo errichtet, die 1864 zur Kathedrale von Gozo erhoben wurde.
Perellos widmete sich vor allem der Modernisierung der Flotte, außerdem erweiterte er das Hospital um eine Frauen- und eine Augenklinik. Er stiftete die 28 kostbaren Gobelins für den Gobelinsaal (Trapestry Chamber) des Großmeisterpalastes und weitere 22 Stück für die St. John’s Kathedrale.

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Großmeister Marc Antonio Zondadori (1720-1722) ließ den Ausbau Florianas wieder aufnehmen, das Hauptfestungstor – die Porte des Bombes – wurde fertiggestellt.
Ab 1724 erfolgte unter Großmeister Antonio Manoel de Vilhena (1722-1736) die planmäßige Bebauung des Territoriums zwischen Valletta und der Floriana-Linie. Die dort mittlerweile entstandene wilde Siedlung wurde zu einer ordentlichen Stadt mit der St. Publius Kirche als Zentrum ausgebaut.
Ebenfalls ab 1724 erfolgte nach den erheblichen Zerstörungen durch das Erdbeben von 1693 der Wiederaufbau der Stadt Mdina nach Plänen des französischen Festungsbaumeisters Francois de Mondia. Als Residenz des Großmeisters wurde anstelle des zerstörten Universita-Gebäudes der Vilhena-Palast, der heute das Nationalmuseum für Naturgeschichte beherbergt, errichtet und an dessen Rückseite der Gerichtshof „Corte Capitanale“, dessen Verliese sich bis unter den Vilhena-Palast erstrecken. 1730 entstand die Banca Giuratale – der Sitz des maltesischen Adelsparlamentes, 1733 das Priesterseminar – das heutige Kathedralmuseum Mdinas. Das Stadttor wurde erweitert und durch das bis heute erhaltene, mit dem Wappen de Vilhenas geschmückte Haupttor Mdinas ersetzt.
Ab 1726 ließ de Vilhena zum Schutz der Ostseite Vallettas das Fort Manoel auf der Insel im Marsamxett-Hafens errichten und 1736 wurde nach 98-jähriger Bauzeit die Sta. Magherita-Linie fertig gestellt.
1731 stiftete Antonio Manoel de Vilhena „zur Erbauung des Maltesischen Volkes“ das nach ihm benannte Manoel Theater.

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Großmeister Manoel Pinto de Fonseca (1741-1773) ließ erstmals Steuern von der Bevölkerung erheben, was zu Unruhen und 1749 zu einem Sklavenaufstand führte.

Der aus finanziellen Gründen immer wieder zurückgestellte Bau einer Festungsanlage zur Verteidigung Gozos konnte ab 1749 begonnen werden, als Generalleutnant Jacques Francois de Chambray, Kommandeur der Galeeren Maltas, die Finanzierung übernahm. Die Festung wurde nach dem Stifter Fort Chambray benannt. Die aus einer Zentralbastion, flankiert von zwei Halbbastionen, bestehende Landfront wurde unter Baumeister Francesco Maradon bereits 1757 weitgehend fertiggestellt. Im Inneren war eine Planstadt nach dem Vorbild Vallettas mit rechtwinkligem Straßennetz und einem Gouverneurspalast und einer Kirche im Zentrum geplant. Außer Kasernen und Magazinen sollte das Fort im Belagerungsfall die Bevölkerung Gozos mit ihrem Vieh und Besitz aufnehmen.

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Gleichzeitig wurden die Arbeiten an der Cotonera-Linie fortgesetzt, die 1760 in vereinfachter Form – ohne die Außenwerke – fertiggestellt wurde.
Der Siebenjähriger Krieg von 1756-1763in Europa führte zu sinkenden Einnahmen des Ordens aus seinen europäischen Gütern. Zu welchem Zweck de Fonseca 1756 ein illustriertes Inventar der Schätze des Ordens erstellen ließ, ist nicht bekannt. Das Dokument befindet sich heute im Kathedralmuseum in Mdina während die Schätze selbst 1798 durch Napoleon geraubt wurden.
Als 1773 der Jesuitenorden durch den Papst aufgelöst und seine Besitzungen beschlagnahmt wurden, ging ein Großteil des Vermögens an den Johanniterorden. Trotzdem führte Großmeister Francisco Ximenes de Texada (1773-1775) eine zusätzliche Brotsteuer ein, was 1775 den „Aufstand der Priester“ gegen die zunehmend dekadenten Ritter auslöste.
Von der Auflösung aller adligen und religiösen Vereinigungen im Zuge der französischen Revolution ist 1792 auch der Johanniterorden betroffen, der noch 1791 die Flucht Ludwigs XVI. in die Niederlande finanziert hatte.
Auf Malta wird 1792-94 die letzte Befestigungsanlage der Ritter, das nach dem Stifter benannte Fort Tigne auf der Westseite der Zufahrt zum Marsammxett Hafen, gebaut.

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Das letzte von den Johannitern auf Malta errichtete Gebäude ist die 1796 fertiggestellte heutige Nationalbibliothek. Sie beherbergt noch heute das seit dem 12. Jhd. bestehende Archiv des Johanniterordens, außerdem viele Dokumente des maltesischen Adelsparlaments, der Universita.
In Vitrinen im alten Lesesaal sind einige wertvolle historische Dokumente ausgestellt. Zu den bedeutendsten Stücken zählt die Lehnsurkunde Karls V., mit der er Malta 1530 den Rittern überträgt.

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Zwar wird unter Grossmeister Emmanuel de Rohan-Polduc (1775-1797) mit Unterstützung der Zaren Katharina II und Paul I noch ein neues Priorat der Johanniter in Polen sowie eine Polnisch-Bayrischen Landsmannschaft (Zunge) gegründet, zu der auch die wenigen Engländer gehören. Aber die Zahl der Ritter nimmt ständig ab und beträgt bei der Wahl des letzten Großmeisters Ferdinand Freiherr von Hompesch (1797-1798) nur noch insgesamt ca. 300 Ritter. Zwei Drittel davon sind Franzosen, die z.T. gerade vor der Revolution nach Malta geflohen waren, andererseits aber durchaus mit den Idealen der Aufklärung sympatisierten.

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Am 06.06.1798 landet Napoleon auf dem Weg nach Ägypten auf Malta. Nach den Ordensstatuten ist es den Rittern verboten, gegen andere Christen zu kämpfen, ein Teil der Franzosen sympatisiert zudem mit Napoleon. So werden die Inseln kampflos übergeben, die Ritter verlassen Malta und zerstreuen sich über ganz Europa. Ein großer Teil geht nach Rußland, einige schließen sich Napoleons Ägyptenfeldzug an.

Museen für Archäologie und Geschichte

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Archäologisches Nationalmuseum

(National Museum of Archaeology in Valetta)

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Die nationalen archäologischen Sammlungen sind bereits seit 1903 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich, seit 1958 sind sie im Gebäude der Auberge der Provence in der Republic Street ausgestellt. So ermöglicht der Besuch des Museums auch eine Besichtigung der Innenräume einer Auberge. Vom Leben in der Ritterzeit zeugen die Deckenmalereien im Entree und der vollständig erhaltene „Grand Salon“ mit der geschnitzten und bemalten Kassettendecke und der reichen Wandbemalung.

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Die Sammlung umfaßt die Fundstücke von den zahlreichen archäologischen Stätten Maltas.
Ein Großteil der Ausstellung ist der Megalithzeit gewidmet. Zu sehen sind die Originale der mit kunstvollen Spiral- und Tierreliefs gestalteten Ausstattungsstücke aus den Tempeln von Hagar Qim und Tarxien und der vielen Statuetten u.A. aus Hagar Qim und Hal Saflieni, darunter die weltbekannte „Schlafende Dame“ (Sleeping Lady). Modelle der Tempelstätten, Fotodokumentationen der Fundplätze und gut gestaltete Informationstafeln in malti und englisch erleichtern die Orientierung.
Nicht weniger bedeutend sind die Abteilungen für die Vor-Megalith-Zeit mit den ältesten Menschendarstellungen der maltesischen Inseln, der Bronzezeit u.A. mit den Funden aus dem Urnengräberfeld von Tarxien, sowie der phönizischen Epoche mit dem weltberühmten Cippus von Malta – dem Schlüssel zur Rekonstruktion der phönizischen Sprache.

Archäologisches Museum

(Museum of Archaelogy, auch Museum of Gozo, in Rabat/Gozo)

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Das Museum befindet sich in einem ehemaligen Stadtpalast in der Zitadelle von Gozo.
Die Ausstellung zeigt Originalfundstücke von Gozo und Comino. Ein Großteil der Ausstellung ist der Megalithzeit gewidmet. Gezeigt werden u.A. die wenigen Funde aus der Tempelstätte von Ggantija, wie eine Kalksteinplatte mit Schlangenrelief, und die einzigartigen Funde der jüngsten Ausgrabungen im Hypogäum von Gozo, wie die „Schamanengruppe“ und das „Paar auf dem Sofa“.
Eine kleine Abteilung zeigt die Funde aus den gozitanischen bronzezeitlichen Siedlungen von il-Nuffara und Rabat/Gozo, eine andere phönizische Steinamulette, einen punischen Inschriftenstein und römische Amphoren und Anker, die im Hafen von Xlendi von gesunkenen Schiffen geborgen wurden.

Folkloremuseum

in Rabat/Gozo

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Das Museum ist in einem bemerkenswerten Komplex mittelalterlicher Häuser untergebracht – dem einzigen in Malta erhaltenen Beispiel sizilo-normannischer Architektur aus dem frühen 16. Jhd. Außer der charakteristischen Architekturelementen der Fassade weisen die Häuser noch die gesamte ursprüngliche Raumstruktur mit Mittelsäulen, einem Saal oben und einem Labyrinth kleinerer Räume unten, mit Hof, Stallungen, Wirtschaftsräumen, mehreren der zu jedem Haushalt gehörenden Zisternen und sogar einer Göpelmühle auf.
Seit 1983 ist in den Räumen das Folkloremuseum untergebracht, das der traditionellen Lebensweise der Bevölkerung gewidmet ist.
Die verschiedenen traditionellen Handwerke wie Steinmetze, Schreinerei, Spitzenklöppeln und eine komplette Schmiede werden gezeigt außerdem eine Sammlung von Waagen und Gewichten, verschiedenen Getreidemühlen und vieles mehr.
Glanzstück ist ein komplett aus Globigerinkalkstein gehauenen Küchenherd mit Feuerloch in der Mitte und eine Art steinernes Gitter als Abdeckung. Es gibt nur noch wenige dieser lokaltypischen Steinherde.

Museum der römischen Kultur

(Domus Romana, Roman House, in Rabat)

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Reste einer römischen Villa wurden 1881 bei Bauarbeiten vor dem Griechischen Tor (Greek Gate) in Mdina entdeckt. Es handelte sich um ein repräsentatives Atriumhaus mit der charakterischen Raumaufteilung in Empfangsraum (vestibulum), offenen Säulenhof (peristyl) und Speiseraum (triclinium) sowie verschiedene Nebenräume. Die in den drei Räumen erhaltenen Bodenmosaike werden ins 1. Jhd. v.u.Z. datiert und gehören somit neben Pompeji und sizilianischen Fundstätten zu den ältesten des westlichen Mittelmeeres.
In den 1920-er Jahren entstand auf den Fundamenten der Ausgrabung ein Rekonstruktionsbau, wobei erhaltene antike Gebäudereste, z.B. einige Originalsäulen im Peristyl, einbezogen wurden.
In Nebenräumen werden Fundstücke aus spätpunischer und römischer Zeit ausgestellt. Weiterе Räume zeigen Grabsteine von einem arabischen Friedhof, der Jahrhunderte später auf dem Gelände der Villa bestand.

Großmeisterpalast und Staatsräume

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Der Palast wurde als Regierungs- und Verwaltungsgebäude des Ordens sowie Residenz des Großmeisters ab 1571 durch Gerolamo Cassar (1520-1586) erbaut. Das Gebäude war äußerlich im strengen und schlichten Renaissance-Stil der damaligen Zeit Zeit gehalten. Im Gegensatz dazu wurden die repräsentativen Innenräume im Laufe der Jahrhunderte mit kostbaren Bildern, Möbeln, Tapeten, Gobelins usw. ausgestattet.
Besonders eindrucksvoll ist der Gobelinsaal (Tapestry Chamber), dessen Wände mit zehn kostbaren Gobelins bedeckt sind, die Pflanzen, Tiere und Ureinwohner aus damals noch weitgehend unbekannten und märchenhaften Ländern in Südamerika, der Karibik, Indien, Afrika zeigen.
Bemerkenswert ist der Ratssaal (Supreme Council Hall) mit dem Thron des Großmeisters und zwölf autentischen Darstellungen der Großen Belagerung von 1565 auf einem Wandfries.
Das Gebäude ist heute Amtssitz des Präsidenten und Tagungsort des Parlaments. Die Staatsräume der Großmeister sind mit ihrer kostbaren Ausstattung bis heute erhalten und können ebenso wie die Waffenkammer des Ordens besichtigt werden.

Waffenkammer des Großmeisterpalastes

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Die Sammlung geht auf das Arsenal des Johanniterordens zurück und enthält als solches neben Prestige-Waffen der Adligen die Gebrauchsausrüstungen vom einfachen Soldaten bis zum Offizier. Sie zählt heute noch 5.700 Stücke und gehört damit weltweit zu den größten Waffensammlungen. Ihre Exponate veranschaulichen 300 Jahre Entwicklung der Waffentechnik vom 15. Jhd. an, bis 1798.
Sie umfaßt Rüstungen, schneidende und Feuerwaffen aus allen europäischen Waffenschmieden der verschiedenen Perioden daneben auch etliche, vornehmlich türkische Beutewaffen und einige kuriose Stücke

Sacra Infermeria

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Das Hospital Sacra Infermeria Santo Spirito war 1575 als eines der wichtigsten Gebäude des Johanniterordens neben Großmeisterpalast und Kirche errichtet worden. Der Orden war einst als Hospitaliterorden zur Pflege der Kreuzritter und Pilger gegründet worden und im Gegensatz zu anderen Orden blieb Krankenpflege immer ein Hauptanliegen. Jeder Ritter tat einmal wöchentlich Hospitaldienst. Der Hospitalbetrieb war sowohl in der Organisation als auch medizinisch-fachlich äußerst fortschrittlich für die damalige Zeit. Z. Bsp. ermöglichte die Ausstattung mit Marmorfußboden und antibakteriellem Silbergeschirr vorbildliche Hygiene.
In den restaurierten Gebäuden des Hospitalkomplexes werden seit der Einweihung als „Mediterranes Konferenzzentrum“ (Mediterranean Conference Centre) 1978 bedeutende kulturelle Veranstaltungen sowie Tagungen, Konferenzen, Bankette usw. organisiert.
Es gibt auch geführte Besichtigungen der historischen Hospitalsräume, darunter die sehr eindrucksvollen Krankensäle – die heutige La Valette-Halle und Sacra Infermeria-Halle.
Der ehemalige große Haupthof des Hospitals wurde überdacht und ist als „Halle der Republik“ (Republic Hall) heute der größte geschlossene Veranstaltungsraum Maltas. Hier finden außer Tagungen und Konferenzen regelmäßig Konzerte, Opern- und Ballettaufführungen, darunter Gastspiele weltbekannter Ensembles statt.

Inquisitionspalast

in Birgu

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Das Gebäude des ehemaligen zivilen Gerichtshofes des Johanniterordens in Birgu wurde dem 1574 nach Malta berufenen Inquisitor zur Verfügung gestellt, nachdem die Ritter 1571 in ihre neue Hauptstadt Valletta umgezogen waren. Bis zur Abschaffung der Inquisition in Malta 1798 durch Napoleon war der Palast Residenz der Inquisitoren, die ihn im Laufe der Jahrhunderte ausbauten, erweiterten und ausschmückten.

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Heute ist das Gebäude einer der wenigen überhaupt erhaltenen und der einzige der Öffentlichkeit zugängliche Inquisitorspalast. Er enthält Privaträume des Inquisitors mit Küche, Speisezimmer und repräsentativem Treppenaufgang sowie die Räume des Inquisitionsgerichtes und das Gefängnis mit Folterkammer.

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Seit 1981 ist in den Räumen die Ausstellung des Nationalmuseums für Ethnografie untergebracht, die sich auf das religiöse Leben des maltesischen Volkes konzentriert. Zu sehen sind u.A. Monstranzen für die Karfreitagsprozession und die lokalen Patronatsfeste und eine Weihnachtskrippensammlung mit traditionellen maltesischen Krippen und solchen aus der ganzen Welt.

Museum „Altes Gefängnis“

in Rabat/Gozo

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Das Gefängnis befindet sich im rückwärtigen Teil des Gerichtshof (Law Courts) des Ordens gleich links hinter dem Tor am Kathedralen-Platz der Zitadelle von Gozo. Es wurde unter Großmeister Alof de Wignacourt (1601-1622) ab 1601 anstelle eines Vorgängerbaus errichtet.
Erhalten ist eine größere Gemeinschaftszelle, die heute den Eingangsbereich bildet und für eine Dauerausstellung über die Befestigungsanlagen Gozos genutzt wird. In einem frei stehenden Block sind außerdem sechs Einzelzellen von 5,4 m² im Originalzustand erhalten. An den Wänden der Zellen und Korridore wurden historische Inschriften und Ritzzeichnungen der Insassen freigelegt, darunter Schiffe aus unterschiedlichen Epochen, Kreuze, Namen, Jahreszahlen, Hand-Abdrücke, kleine Spielfelder und Abstreichkalender.

Nationales Kriegsmuseum in Valletta

(Fort St. Elmo)

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Das im Fort St. Elmo untergebrachte Museum dokumentiert die beiden Weltkriege (1914-18 und 1939-45) mit Schwerpunkt auf der Rolle Maltas im Kriegsgeschehen und der Lage der Bevölkerung, insbesondere unter den schweren Bedingungen der Bombardements und der Blockade von 1940-42.
Prunkstücke der Ausstellung sind eines der drei Doppeldeckerflugzeug „Gloster Gladiator“, die zu Kriegsbeginn Maltas gesamte Luftwaffe bildeten, sowie das Georgskreuz, der Originalorden, der Malta 1942 durch den englischen König verliehen wurde und der bis heute Bestandteil der Nationalflagge ist.

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Maltesisches Kriegsmuseum

(Malta At War-Museum, in Birgu)

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Das Museum ist im Stadttor Couvre Port untergebracht. Von hier ausgehend wurden während der Flächenbombardements des 2. Weltkrieges innerhalb von vier Monaten von Frauen, Kindern und Alten Luftschutzräume in den Kalksteinfelsen gegraben.
Die Ausstellung ist den Lebensumständen der Zivilbevölkerung während der fast täglichen Bombardierungen und der monatelangen Versorgungsblockade zwischen 1940-42 gewidmet.

Anfahrt

Couvre Porte Gate
Il-Birgu

www.maltaatwarmuseum.com

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Lascaris-Gefechtsstände

Lascaris-Bastion in Valletta

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In den original erhaltenen Bunkern unterhalb der Lascaris-Bastion befand sich während des Zweiten Weltkrieges das Hauptquartier der Britischen, ab 1943 auch der Alliierten Mittelmeerstreitkräfte.
Anhand originaler Einrichtungsgegenstände, Modelle, Dioramen usw. wird die Arbeitsweise des Gefechtsstandes dokumentiert, von dem aus u.A. General Eisenhower 1943 die Invasion auf Sizilien leitete.