Bronzezeit

Nach dem rätselhaften Niedergang der Tempelkultur um 2.500 v.u.Z. blieben die Inseln offenbar für ca. 500 Jahre unbewohnt, erst ab ca. 2.000 v.u.Z. treten wieder menschliche Siedlungsspuren auf.
Da die neue Kultur keinerlei Ähnlichkeiten mit der Tempelkultur aufweist, kann mit Sicherheit von einer Neubesiedlung ausgegangen werden. Die Herkunft der Einwanderer ist bisher unbekannt.
Das herausragendste Merkmal ist sicherlich das erstmalige Auftreten von Bronzegegenständen, die Keramik ist sowohl in der Verarbeitung als auch in Formgebung und Dekor deutlich gröber als die der Tempelbauer und die Begräbnissitten haben sich gewandelt – die Toten werden jetzt verbrannt.

 

Die älteste Phase dieser neuen Kultur wird nach dem Fundplatz in Tarxien als Tarxien-Friedhofsphase (2.000 – 1.500 v.u.Z., Tarxien-Cementery) bezeichnet. Die Bronzezeitleute legten direkt innerhalb des verlassenen Megalith-Tempelkomplexes von Tarxien einen Urnengräberfriedhof an.
In den bronzezeitlichen, stark mit Asche durchsetzten Schichten fanden sich Urnen mit Knochenbrand, verkohlte Samen und Pflanzenreste, vereinzelt auch unverbrannte Beigaben wie Textilreste, scheibenförmige Muschel- und Fayenceperlen sowie bronzene Axtköpfe und Dolchklingen. Sehr ungewöhnlich sind einige anthropomorphe Tonfiguren mit scheibenförmigen Körpern.
Überreste von Siedlungen oder Kultplätzen dieser Kultur wurden nicht entdeckt.

 

Im Gegensatz dazu treten ab 1.500 v.u.Z. überall befestigte Siedlungsplätze auf, was auf bewaffnete Auseinandersetzungen schließen läßt. Nach einem bedeutenden Fundplatz nördlich von Birzebbuga wurde diese Kulturphase als Borg in-Nadur-Phase (ca.1500-800 v. u.Z.) benannt. Es handelt sich um eine größere Siedlung, die ebenfalls in eine verlassene Megalith-Tempelanlage hinein gebaut wurde. Dabei wurden für einige der ovalen Hütten-Wände Reste von Tempel-Apsiden genutzt. Nahebei befindet sich eine Fluchtburg auf einer nach allen Seiten steil abfallenden Felszunge mit weiteren ovalen Hüttenfundamenten. Der schmale landseitige Zugang wurde durch eine heute noch bis zu 4 m hohe Mauer geschützt.
Alle Siedlungen der Borg in-Nadur – Kultur befinden sich an leicht zu verteidigenden Plätzen wie Felsvorsprüngen (Borg in-Nadur, Wardija Ta’San Gorg, Qarraba u.A.), Tafelbergen (In-Nuffara/Gozo, Zitadelle von Rabat/Gozo u.A.) oder auch Höhlen (Ghar Mirdum, Ghajn Abdul/Gozo). Neben der typischen Keramik – rot gebrannte Standfußgefäße mit weiß inkrustiertem Zickzackdekor – sind glockenförmig aus dem Fels gearbeitete, verschließbare Vorratsgruben und große Mengen an Spinnwirteln charakteristisch. U.A. belegen Mahlsteine aus harten, importierten Gesteinsarten, Perlen aus Glas und Straußeneischalen den Kontakt mit anderen Kulturen. Ein Rohbronzeklumpen aus der Ghar Mirdum – Höhle sowie Schlackereste legen nahe, dass Bronze nicht nur benutzt sondern auch verarbeitet wurde. Funde des wertvollen Materials sind aber äußerst rar.
Da bei keiner der Siedlungen dieser Kultur Überreste von Grabstätten wie z.Bsp. Urnen gefunden wurden, scheinen sich die Begräbnissitten erneut geändert zu haben.

 

Ab 900 v.u.Z. besteht auf dem Felsplateau Il-Qlejgha tal-Bahrija im Nordwesten Maltas die sich in einigen Merkmalen abhebende Kultur der Bahrija-Phase (ca. 900-800 v. u.Z.) parallel zur Borg in-Nadur – Kultur.

 
In die Bronzezeit werden traditionell auch die mysteriösen Karren- bzw. Schleifspuren (Cart Ruts) datiert, die an vielen Stellen auf Malta und Gozo anzutreffen sind. Tatsächlich ist eine Datierung der Rillen weder labortechnisch noch stratigrafisch möglich, da ihnen weder organische Ablagerungen noch datierbare Schichtenfolgen der Umgebung zeitlich eindeutig zugeordnet werden können.
Gleiches gilt für Dolmen und Menhire. Dass in einem der 17 noch erhaltenen Dolmen Keramik der Tarxien-Friedhofsphase entdeckt wurde sagt nichts über die Erbauungszeit der Anlage aus, insbesondere da die Bronzezeitmenschen – wie oben gezeigt – auch andere verlassene Megalith-Anlagen für Wohn- bzw. Begräbniszwecke nutzten.