Borg in-Nadur – bronzezeitlicher Siedlungsplatz

(Bordshin Nadur)

Lage

Birzebbuga, auf einem Felssporn über der St George’s Bay,
von der St George’s Bay in Richtung Valletta ausgeschildert. (ab St. George’s Chapel ca. 80 m, dann links)
Besichtigung nur nach Absprache mit der maltesischen Denkmalsverwaltung Heritage Malta.

Entdeckungs- bzw. Grabungsgeschichte

Vor Beginn der ersten Ausgrabung und Freilegung des Tempels 1881 war die Fläche eingeebnet worden um Kulturland zu schaffen.
Die vollständige Freilegung erfolgte 1922-27 durch Margaret Murray.

Es gibt Überlegungen auf dem Gelände einen Archäologiepark einzurichten, der auch die Karrenspuren in der Umgebung und die nahegelegene Höhle Ghar Dalam einschließt.
Es ist zu hoffen, dass dabei der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse der Vorrang vor Show und technischen Effekten eingeräumt wird.

Bauten

Eine bestehende Tempelanlage aus der Endzeit der Tempelkultur – um 2.500 v.u.Z. – wurde ab ca. 1.500 v.u.Z. durch eine bronzezeitliche Siedlung vereinnahmt, bis ca. 800 v.u.Z. durchgehend genutzt und dabei mehrfach überbaut.
Die jüngere Phase der maltesischen Bronzezeit von 1.500 – 800 v.u.Z wurde nach dieser Siedlung als Borg In-Nadur – Phase bezeichnet.

Megalith-Tempel

Der Erhaltungszustand der Anlage aus der Endzeit der Tempelkultur – um 2.500 v.u.Z. – ist durch jahrhundertelange Um- und Überbauung äußerst schlecht.
Erhalten sind basale Orthostatenreste von jetzt noch ca. 50 cm Höhe, deren Anordnung noch vier Apsiden erkennen läßt.
Weitere kleinere Megalithstrukturen befinden sich südöstlich.

Bronzezeitliche Siedlung

Die Siedlung wurde offenbar direkt in die Tempelanlage der Megalithzeit hineingebaut. Sie bestand aus ovalen Hütten von bis zu 7,5 x 3,5 m Ausdehnung. Die Wände einiger Gebäude folgen direkt dem Grundriss einer Tempelapsis, noch vorhandene Orthostaten-Gruppen wurden integriert. Aufgrund der Größe der Siedlung und der Menge der aufgefundenen Keramik wird eine Bevölkerung von mehreren hundert Menschen angenommen.

Fluchtburg

Ca. 200 m vom Tempel entfernt wurde auf dem höchsten Punkt der Landzunge eine Gruppe von Hütten ebenfalls aus der Bronzezeit entdeckt.
Der auf drei Seiten von steilen Abhängen geschützte Felsvorsprung wurde auf der Landseite durch eine massive Mauer abgeriegelt. Die erhaltenen Reste sind noch bis zu 4 m hoch. In der Mauer wurden Megalithen des benachbarten Tempels verbaut. Unterhalb der Burg befindet sich direkt am Ufer und z.T sogar unter Wasser eine Gruppe der für die Borg In-Nadur–Phase charakteristischen flaschenförmigen Vorratsgruben. Aufgrund ihrer Lage nimmt man an, dass es in der Bucht einen Hafen und Handelsplatz für Getreide gegeben haben muß.
Die Anlage wehrfähiger Fluchtburgen belegt, dass spätestens ab ca 1.500 v.u.Z. Überfälle auf Malta stattfanden. Auch Kämpfe der Siedlungen untereinander, z.B. um Ackerland oder Trinkwasser sind denkbar.

Funde

Charakteristische Keramik: Formen mit Stellfuß, rot engobiert mit tief eingeschnittenen, weiß inkrustierten Zickzacklinien
daneben auch Keramik der Bahrija-Kultur (Scherbe schwarz-anthrazith, schwarz engobiert mit weiß inkrustiertem Dekor) und eine Scherbe der mykenischen Kultur
Die Fundstücke sind im Archäologischen Nationalmuseum in Valletta ausgestellt.

 

Ähnliche Fluchtburgen befinden sich u.A. auch am östlichen Ende der Dingli Cliffs (Wardija Ta‘San Gorg), in der Umgebung von Mgarr (Qala Hill und Ras il-Gebel), auf dem Felssporn Qarraba, der die Buchten von Gnejna und Ghajn Tuffieha trennt, sowie auf dem Tafelberg In-Nuffara südlich von Xaghra auf Gozo. Diese Stätten sind frei zugänglich.
Auch in der Tempelstätte von Skorba fanden sich bronzezeitliche Siedlungsspuren in einer der Apsiden.