Nationales Kriegsmuseum

(National War Museum, im Fort St. Elmo, Valletta)

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Das Museum ist im alten Ausbildungsgebäude (old Drill Hall) im sogenannten Unteren Fort von St. Elmo untergebracht. Es dokumentiert die Ereignisse der beiden Weltkriege (1914-18 und 1939-45) wobei die Rolle Maltas den Schwerpunkt bildet.

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Das Fort St. Elmo

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Gleich nach Ankunft der Johanniter auf Malta wurde Fort St. Elmo ab 1552 durch den Militäringenieur Pietro Pardo geplant und gebaut. Während der Großen Belagerung von 1565 unterlag das Fort schwerem Artilleriebeschuß durch die Osmanen bis es schließlich am 23. Juni fiel. Gleich nach Abzug der Türken wurde es rekonstruiert und erweitert, die Arbeiten waren 1568 abgeschlossen. 1614 und 1687 fanden auf Initiative von Kriegsingenieuren wie Carl Grunenberg Modernisierungsarbeiten statt.
Weitere Modernisierungen wurden 1727-30 unter Leitung des Kriegsingenieurs Francois de Mondion vorgenommen. Unter Großmeister Pinto errichtete Rene Jacques de Tigne 1762 drei Gebäude im Bereich des Unteren Forts von St. Elmo. Weitere Bauten kamen während der britischen Periode hinzu, die das Fort an moderne militärische Erfordernisse anpassten.

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Schon seit Eröffnung des Suezkanals 1869 war Malta neben Gibraltar der wichtigste Stützpunkt der Britischen Marine im Mittelmeer. Beiden kam enorme strategische Bedeutung beim Schutz der Handels- und Kriegsschiffe auf dem Weg in die indischen und asiatischen Kolonien zu.
Während der beiden Weltkriege stieg diese Bedeutung noch, Malta wurde der „größte britische Flugzeugträger“ im Mittelmeer und somit zugleich erstes Angriffsziel der Kriegsgegner.
Sofort vom 11.06.1940 an, einen Tag nachdem Mussolini den Alliierten den Krieg erklärt hatte, unterlag Malta und speziell die um den Großen Hafen konzentrierten Flotten- und Kommandoeinrichtungen schweren Luftangriffen.
Fort St. Elmo gehörte zu den Standorten der Luftabwehr.

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Die Sammlung

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1974 richtete die damalige Museumsverwaltung mit Unterstützung der maltesischen Streikräfte (Armed Forces of Malta) und der neu gegründeten „Assoziation Nationales Kriegsmuseum“ (National War Museum Association) im Ausbildungsgebäude des Unteren Forts von St. Elmo die Ausstellung „Die Gloster Gladiator und andere Kriegszeugnisse“ (‘The Gloster Sea Gladiator ‘Faith’ and War Relics ’) ein.
Nach deren großem Erfolg wurde beschlossen, eine ständige Ausstellung – das Nationale Kriegsmuseum – einzurichten, das 1975 feierlich eröffnet wurde.

Das Museum zeigte ursprünglich die Rolle der Festung Malta im Kriegsgeschehen bereits seit dem Einzug Napoleons 1798. Der Schwerpunkt lag aber auf dem zweiten Weltkrieg. Eine umfangreiche Fotosammlung ergänzte die Ausstellungsstücke wie Waffen, Wrackteile von Flugzeugen, Uniformen und Militärausrüstung.

Es gab eine Flut von Leihgaben und Spenden an Exponaten und Dokumenten, die das Museum zu sprengen drohte. Deshalb wurden ab 2003 Stücke, die nicht in Zusammenhang mit den beiden Weltkriegen standen, zurückzugeben. 2007 wurde das Museum für Umbauarbeiten geschlossen. Gleichzeitig wurde die Sammlung katalogisiert, neu bewertet und ein neues Konzept ausgearbeitet. Am 12.04.2009 konnte das Museum mit völlig neu konzipierter Ausstellung wiedereröffnet werden.

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Die gegenwärtige Ausstellung

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Das Museum dokumentiert die Rolle Maltas als Hauptquartier der britischen Mittelmeerflotte und ihre Bedeutung für die militärischen Nachschublinien an Kriegsschauplätze im Nahen Osten, Nordafrika und Italien.

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Dazu gehören außer Militarica auch Gegenstände, Dokumente und Fotografien zur Lage der Zivilbevölkerung unter den fast täglichen Bombardements und der monatelangen Versorgungsblockade zwischen 1940-42 sowie Fotodokumente der furchtbaren Bombenschäden in der Grand-Harbour-Region. Außer bei den Luftangriffen auf die deutschen Städte zu Kriegsende fielen auf keinem Kampfschauplatz mehr Bomben als hier.

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Glanzstück der Ausstellung ist ein Doppeldeckerflugzeug Gloster Gladiator.
Diese Flugzeuge waren von 1934 bis 1937 in Dienst. Die ausgestellte Gloster Sea Gladiator N5520 ‘Faith’ war eines der insgesamt drei Doppeldecker, die in den ersten Tagen des Krieges Maltas gesamte Luftwaffe bildeten.
Zwischen Februar und Dezember 1941 wurde die N5520 für meteorologische Flüge eingesetzt, als sie während des Bombardements der Hangaranlagen einen Flügel verlor. 1943 wurde der Rumpf geborgen, repariert und in Malta ausgestellt. Später wurde es durch die RAF restauriert und 1975 von der Waffenkammer des Großmeisterpalastes in das neu gegründete Nationale Kriegsmuseum überstellt.
Das Museum besitzt weitere Flugzeugwrackteile, so den Rolls Royce Merlin – Motor einer Spitfire BR108, die im Juli 1942 in der Marsalforn Bucht abstürzte.

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Ein Modell des Tankers SS OHIO erinnert an die schwierigen Bedingungen der Versorgung und des Nachschubs.
Die Ohio wurde 1940 in Pennsylvanien fertiggestellt. 1942 ging sie in britische Hand, an die British Eagle Oil and Shipping Company über. Im August wurde die Ohio mit 11.500 t Kerosin und Dieselöl beladen nach Malta geschickt.
Der Konvoi mit dem Decknamen „Operation Pedestal“ passierte Gibraltar und wurde von da an pausenlos angegriffen. Manovrierunfähig, festgezurrt zwischen zwei Zerstörern, gesteuert und geschleppt durch zwei weitere erreichte der Tanker Malta am 15. August 1942 als erster nach monatelanger Blockade.

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Kleinkindergasmaske (Mickey Mouse):
Diese ersten Gasmasken für Kleinkinder wurden nach Gründung der Luftschutzorganisation 1939 im Vereinigten Königreich und den Kolonien verteilt. Es gab auch Gasmasken für Säuglinge und natürlich für Erwachsene.

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Georgskreuz
Die Auszeichnung wurde der Insel Malta 1942 durch König George VI. „ … als Zeugnis des Heldenmutes und der Treue ihrer Bewohner …“ verliehen.

Das Museum besitzt eine große Sammlung an Orden und Medaillen. Es bewahrt auch die verschiedensten Dokumente von Lebensmittelkarten bis zu Tagebüchern.

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An den Ersten Weltkrieg erinnern u.A. ein manueller und ein hydraulischer schwerer Minenwerfer Kaliber 25 cm.
Diese Minenwerfer wurden in der Deutschen Wehrmacht seit 1910, bzw. die hydraulische Variante seit 1916 eingesetzt. Die beiden Minenwerfer kamen als Kriegsbeute der Briten aus dem Ersten Weltkrieg nach Malta und waren ursprünglich in der Waffenkammer des Großmeisterpalastes ausgestellt.

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Das Museum untersteht der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta.
Auf deren englischsprachiger web-Seite können aktuelle Öffnungszeiten, Preise, Ermäßigungen und auch aktuelle Busverbindungen abgefragt werden.

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Anfahrt

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Fort St. Elmo
Valletta

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