Felskammergräber

Nach einem 1947 bei Zebbug entdeckten Gräberfeld wurde eine maltesische Kulturphase als Zebbugg-Phase benannt. Sie umfaßt den Zeitraum von ca. 4.100 – 3.600 v.u.Z und wird einerseits durch eine neue Technik der Keramikherstellung, andererseits durch die typischen Felskammergräber charakterisiert.

Bei den Gräbern handelt es sich um im Felsen ausgearbeitete runde bis ovale bzw. nierenförmige Kammern, die meist paarweise durch enge runde, senkrechte Schächte betreten wurden. Im Nationalmuseum für Archäologie in Valletta wurde ein solches Grab rekonstruiert.

Die Belegung erfolgte zu mehreren und über viele Generationen hinweg, wobei ältere Bestattungen zugunsten Neuer zusammengeschoben wurden. Den Toten wurden Beigaben wie Muschel- und Steinperlen, Farbpigment aus rotem Ocker u.A. mitgegeben. Die Ahnen einer ganzen Sippe oder Dorfgemeinschaft wurden somit in einer Art Unterwelt wieder vereint und wahrscheinlich – wie in vielen neolithischen Kulturen – in einem Ahnenkult verehrt.

 

Doppel- Felskammergrab der Zebbug-Phase

Doppel- Felskammergrab der Zebbug-Phase

 

Zeichnung: Draufsicht und Schnitt durch ein Mehrkammer-Felsgrab

Mehrkammer-Felsengräber der Ggantija-Phase

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Anlage der Grabkammern wurden sicherlich im Fels vorhandene natürliche Höhlungen genutzt und ausgebaut. Im Laufe der jahrhundertelangen Nutzung gab es eine Entwicklung vom einfachen bzw. Doppel-Kammergrab der Zebbug-Phase zu komplizierteren unterirdischen Mehrkammer-Konstruktionen der Ggantija-Phase (ca. 3.600 – 3.200 v.u.Z). Den Höhepunkt stellen die ausgedehnten und kunstvoll ausgestalteten Hypogäen von Hal Saflieni und Tal-Qacca (auch Xaghra Steinkreis, Gozo) dar, die ober- und unterirdische Kultanlagen in sich vereinen. In den Gräbern wurden Relikte der späteren Tarxien-Phase und sogar der Bronzezeit gefunden. Es darf angenommen werden, dass zumindest einige der in Malta mehrfach angetroffenen punischen Schachtgräberanlagen sowie auch der römisch-frühchristlichen Katakomben auf frühzeitliche Felskammeranlagen zurückgehen.

 

Ein Felskammergrab aus der Zebbug-Phase am Rande des Gozo-Hypogäums enthielt u.A. eine kleine mit einem eingravierten Gesicht verzierte Stele

Ein Felskammergrab aus der Zebbug-Phase am Rande des Gozo-Hypogäums enthielt u.A. eine kleine mit einem eingravierten Gesicht verzierte Stele

 

Das älteste bisher bekannte Felskammergrab befindet sich am Rande des Tal-Qacca-Hypogäums (Xaghra Steinkreis, Gozo). Dieses Grab enthielt neben Muschelperlen und Halsketten auch axtförmige Anhänger aus von Sizilien und Italien importiertem Gestein, Knochenanhänger in Form von stilisierten menschlichen Figuren, eine kleine mit einem eingravierten Gesicht verzierte Säule sowie eine große mit rotem Ocker-Pigment gefüllte Triton-Schnecke.

 

 

Gräber der Zebbug-Phase findet man u.A.:

  • auf der Flur Ta’Trapna z-Zghira westlich von Zebbug, ca. auf halber Strecke zum Friedhof (Luftlinie)
  • auf dem Bajda-Plateau (Bajda-Ridge) nordwestlich von Xemxija, erschlossen durch den Xemxija-Geschichtspfad (Xemxija Heritage Trail)
  • beim Tal-Qacca-Hypogäum (Xaghra Steinkreis, Gozo)

 

Die Felskammergräber oberhalb von Xemxija werden durch den Xemxija-Geschichtspfad erschlossen

Die Felskammergräber oberhalb von Xemxija werden durch den Xemxija-Geschichtspfad erschlossen

Felskammergräbern der Ggantija-Phase

Einen unzerstörten Komplex von sechs Felskammergräbern der Ggantija-Phase hat John Davis Evans in den 50-er Jahren bei Xemxija untersucht. Die Gräber bestehen aus 5-6 ovalen Kammern, die auf leicht versetztem Niveau von einem gemeinsamen senkrechten Zugangsschacht abgehen. Hier treten bereits aus dem Fels herausgearbeitete Architekturelemente wie Nischen und plastisch aus der geglätteten Felswand hervortretende Halbpfeiler oder –säulen auf. Das Fundmaterial stammt vorwiegend aus der Ggantija-Phase, einzelne Keramikstücke auch aus der Tarxien-Phase.
Ein weiteres Gräberfeld dieser Phase befindet sich bei Mgarr (weshalb diese Phase manchmal auch als Mgarr-Phase bezeichnet wird).

 

Vom senkrechten Zugangsschacht zweigen die Grabkammern ab.

Vom senkrechten Zugangsschacht zweigen die Grabkammern ab.

 

 

 

Die Höhle „L-Ghar“ gleich nördlich des Ggantija-Tempels barg u.A. menschliche Schädelfragmente

Die Höhle „L-Ghar“ gleich nördlich des Ggantija-Tempels barg u.A. menschliche Schädelfragmente

 

Grabhöhlen

In und um Xaghra (Gozo) sind mehrere Höhlen erhalten, die mindestens seit der Ggantija-Phase als Begräbnisstätte dienten.
Die erste – einfach „die Höhle“ (L-Ghar) genannt – befindet sich gleich an der Nordseite des Ggantija- Tempels an der Straße zum Eingang und wurde 1949 entdeckt. Sie besteht aus einer nierenförmigen, grob aus dem Fels gehauenen Kammer, die über Stufen erreichbar war. Neben einigen Scherben von Ggantija-Keramik, menschlichen Schädelfragmenten und Tierknochen wurden viele Relikte der Tarxien-Phase geborgen. Wahrscheinlich handelt es sich ursprünglich um ein Felskammergrab, das aber später zur Deponierung von Tempelmüll genutzt wurde.

Die Ghejzu- Höhle (L-Ghar ta’ Gejzu) liegt ca. 300 westlich der Ggantija- Tempel in Richtung Hypogäum an der Hauptstraße (Straße des 8. September, Triq Tmienja ta’ Settembru). Oberhalb der Höhle gab es eine Megalithstruktur, die der Archäologe David Trump als apsisförmig beschrieb und als Überrest eines weiteren Tempels wertete. Die Megalithen wurden Ende der 70-er Jahre versetzt, so dass ihre ursprüngliche Anordnung nicht mehr nachvollziehbar ist. Die Höhle wurde 1993 freigelegt wobei große Mengen der charakteristischen Ggantija- Keramik mit Ritzdekor, einige mit Resten roter Bemalung, geborgen wurden.
Die Höhle mißt ca. 13 x 6 m und ist durch eine runde Öffnung in der Höhlendecke sowie durch einen engen Schacht zugänglich.

Die Pergla-Höhle (L-Ghar tal-Pergla) liegt am Hang der Pergla- Schlucht (Wied tal-Pergla). Die Höhle ist 13 m lang, den Zugang bildet eine Runde Öffnung von 1 m Durchmesser, die bei der Entdeckung 1913 mit einer Großen Steinplatte verschlossen war. Die Höhle enthielt Keramik hauptsächlich aus der Ggantija- Phase, Stein- und Knochenwerkzeuge, einen menschlichen Schädel sowie Knochen von Rind, Schaf, Schwein, Kaninchen, Hund, Vögeln und Schildkröte.

Nördlich von Xaghra gibt es auf dem Hügel Il-Qortin tas-Srug eine weitere Höhle, die 1938-39 entdeckt wurde und Keramik der späten Tempelzeit sowie Knochen von Ziege und Schaf enthielt.

 


Quellen: Nationalmuseum für Archäologie in Valletta, Museum für Archäologie in Rabat/Gozo, Gemeinde Xaghra