Skorba

Lage:

am Ortsrand von Zebbiegh bei Mgarr
nur ca. 1 km östlich der Megalith-Anlage von Ta’Hagrat, am SO-Hang des Bidnija-Ridge

Entdeckungs- bzw. Grabungsgeschichte:

1961-63 erstmalige Ausgrabungen durch D.H. Trump.
Da die Stätte durch die Ausgrabungsphasen des 19. und frühen 20. Jhd’s nicht erfasst worden war und somit noch unberührt vorlag, konnten mit modernen archäologischen Methoden besonders umfangreiche Daten gewonnen werden.

seit 1992 UNESCO-Weltkulturerbe

 

Lageplan der Siedlungsstrukturen der Vor-Tempelzeit sowie der beiden Megalith-Tempel:

Lageplan der Siedlungsstrukturen der Vor-Tempelzeit sowie der beiden Megalith-Tempel:

Legende zum Lageplan

A,B,C (dunkelbraun) : älteste Strukturen der Vor-Tempelzeit;
D (braun) : älterer Westtempel, Ggantija-Phase;
E (orange) : jüngerer Osttempel, Tarxien-Phase;
f (gelb) : sonstige Steinsetzungen;
g (grau) : Steinplatten – Boden;
h (hellgrau) : Torba-Boden ;

 

 

 

 

 

 

 

Bauten

„Siedlung“ von ca. 4.850/4.100 v.u.Z.:

Im unmittelbaren Umfeld der heute sichtbaren Tempelanlage wurden wesentlich ältere steinerne Strukturen ergraben.
Eine westlich der Tempel auf 11 m Länge freigelegte Mauerstruktur konnte anhand dort gefundener Holzkohle mittels C-14-Methode auf 4.850 v.u.Z., also noch in die Ghar-Dalam-Phase, datiert werden. Ebenfalls wurden dort verkohltes Korn sowie Fragmente gebrannten Lehms geborgen.
Zwei als „Hütten“ bezeichnete ovale Strukturen (A) wurden sogar auf 5.200 v.u.Z. datiert.
Östlich der Tempel wurden zwei ovale Mauerstrukturen (B und C) freigelegt. Dank einer in der nördlichen Struktur (B) gefundenen Gruppe von Figuren, konnte das Ensemble mittels C-14 Methode auf 4.100 v.u.Z., also in die Rote-Skorba-Phase, datiert werden.

 

Die Strukturen werden im Allgemeinen als Siedlung interpretiert, was aber u.A. wegen des Fehlens von Feuerstellen angezweifelt werden darf. Auch die Aufbewahrung der Figurengruppe läßt eher auf eine religiöse Nutzung schließen.
Insgesamt entsprechen die Bauten denen von Ghajn Sielem/Gozo, die allerdings erst aus der Ggantija-Phase (3.600 – 3.200 v.u.Z.) stammen, sowie einer in Ta’Hagrat gefundenen Miniatur eines Einkammer-Tempels in Megalith-Bauweise.

 

Nach der in Skorba gefundenen typischen Keramik wird dieser Zeitraum als Skorba-Phase bezeichnet, wobei noch in zwei aufeinander folgende Kulturphasen unterteilt wird:
……..- das Graue Skorba (Grey Skorba) 4.600-4.400 v.u.Z. mit grauer, dekorloser Keramik
und – das Rote Skorba (Red Skorba) 4.400-4.100 v.u.Z. mit rot engobierter Keramik mit Ritzdekor

Tempel:

Über den Fundamenten der „Siedlung“ konnten zwei Megalith-Tempel freigelegt werden, die zusammen mit der Analge von Ggantija lange als die ältesten freistehenden Steinbauten der Welt galten. (Jetzt Megalithanlage Göbekli Tepe/Türkei)
Östlich des abgezäunten Grabungsareals sind weitere Strukturen erkennbar. Es ist also davon auszugehen, daß der Kultplatz noch weitaus größer war.

Westtempel (D):

Ergraben wurde ein Dreiapsidentempel. Allerdings wird ein weiteres, vorgelagertes Apsidenpaar angenommen, da die Ausführung des heutigen Zugangs als tiefer Korridor mit zwei Reihen Bodenlöchern eher einer Zwischentür als einem Eingang ähnelt.
Die Datierung ergab ca. 3.700 v.u.Z., also Ggantija-Phase.
Erhalten sind die äußere Umfassungsmauer (D1) aus Megalith-Steinsetzungen, basale Reste der Apsidenmauern, die steinernen Bodenplatten des Eingangskorridors mit Libationslöchern (D2) sowie weitere steinerne Bodenplatten, die Torbaböden der Apsiden, eine 3,90 m hohe Säule aus Korallenkalkstein und Stufen/Blöcke mit Lochdekoration.

Während der Tarxien-Phase wurden umfangreiche Umbauten vorgenommen: eine zweite Schicht Torba-Boden wurde eingezogen, für den Anbau des Osttempels ein Teil der rechten Außenmauer entfernt. Die Kopfapsis (D3) wurde mit einem Trilitheingang abgetrennt, dafür wurde Globigerinenkalkstein verwendet, der in der näheren Umgebung nicht vorkommt. Trilithzugänge zur Kopfapsis wurden sonst nur in Kordin II und im Haupttempel von Ta’Hagrat festgestellt. In der Kopfapsis sind Altarreste erhalten.
Die Seitenapsiden sind schlecht erhalten, im Scheitel der rechten Seitenapsis (D4) ist eine vorgeblendete Nische erkennbar.

Osttempel (E):

Es handelt sich um einen Fünfapsidentempel, wobei die Kopfapsis (E4) zu einer sehr flachen Nische verkleinert ist. Die Datierung ergab 3.150 – 2.500 v.u.Z., also Tarxien-Phase.
Bisher wurden Reste der Außenmauer (E1) und des inneren Apsidenpaares (E2 und E3) – alle aus Korallenkalkstein – ergraben. Das erste Apsidenpaar ist kleiner als das zweite, dieses ungewöhnliche Größenverhältnis tritt sonst nur noch im Nordtempel von Ggantija auf. Alle Seitennischen sind mit Torbaböden ausgeführt.

Funde

In der Struktur B östlich der Tempel wurden die früheste Menschendarstellungen Maltas gefunden.Es handelt sich um eine Gruppe weiblicher Figurinen aus Ton, die jetzt im Nationalmuseum für Archäologie in Valletta ausgestellt sind. Es bestehen stilistische Ähnlichkeiten der Figuren zu den Kykladenidolen, die ab 5.000 v.u.Z in der Ägäis verbreitet waren.
Beispiele der typischen Grauen und Roten Skorba-Keramik findet man ebenfalls im Nationalmuseum für Archäologie in Valletta.

 


Anfahrt:

Skorba Temples
St. Anne Square
Żebbiegħ
Mġarr MGR 2210

Koordinaten: 35° 55′ 15″ N, 14° 22′ 40″ O

 


Quellen: Heritage Malta, Nationalmuseum für Archäologie in Valletta, Museum für Archäologie in Rabat/Gozo, Gemeinde Xaghra