Mittelalter

byzantinische Epoche

Den Inseln kam keine eigenständige Bedeutung mehr zu, sie galten als Anhängsel Siziliens und wechselten mit diesem die Herrscher – so ab 455 zum Vandalenreich, ab 494 zum Reich der norditalienischen Ostgoten unter Theoderich dem Großen. Im Zuge des Nordafrikafeldzugs Belisars kamen sie schließlich 533 an Ostrom/Byzanz. Zeugnisse der byzantinischen Epoche sind vor allem die überall auf den Inseln anzutreffenden frühchristlich-byzantinischen Katakomben, die bereits auf römische Anlagen und mit großer Wahrscheinlichkeit sogar auf neolithische Felskammergräber zurückgehen.

arabische Epoche

Bereits seit 827 häuften sich Überfälle der inzwischen in Nordafrika etablierten Araberreiche. Mit der Eroberung Siziliens 870 geriet auch Malta unter die Herrschaft der nordafrikanischen Aghlabiden, wurde geplündert aber erst 904 endgültig besetzt. Augenscheinlichstes Erbe der arabischen Epoche ist der Ausbau der Zitadellen der nun in Malta und Ghawdex umbenannten Hauptstädte Melita und Gaulos. In beiden erfolgte gemäß arabischer Tradition eine Trennung in die Burg Mdina bzw. il-Kastell und die eigentliche – Rabat genannte – Siedlung. In Mdina wurde dazu ein tiefer Festungsgraben angelegt. Viele Ortsnamen gehen auf die arabische Epoche zurück.
In Ghasri, dem kleinsten Dorf Gozos, sind an zweien der traditionellen gozitanischen Häuser (Ghammar Street bzw. Lighthouse Street) Maxrabija-Fenster erhalten. Diese in der arabischen Welt verbreiteten Fensterluken sind incl. Gitter komplett aus Stein gearbeitet und ermöglichen es, die Straße zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden.
Im ix-Xini Regional Park auf Gozo sind im oberen Teil der Schlucht mehrere untereinander verbundene, kreisrunde Felspfannen erhalten, die evtl. noch aus arabischer Zeit stammen. Sie werden als Aufbereitungsanlage für Töpferton angesehen wie sie bis heute in arabischen Ländern in Gebrauch sind.
Erhalten sind auch einige arabische Grabsteine in Prismenform mit Inschriften – meißt dekorativ ausgeführten Koranzitaten. Dazu gehört der eindrucksvolle Mejmuna-Grabstein, der heute im Archäologischen Museum in Rabat/Gozo zu sehen ist. Andere wurden vom ehemaligen arabischen Friedhof in Rabat geborgen und gehören zur Ausstellung des Römischen Hauses (Domus Romana) in Rabat.

Normannen, Staufer, Aragon

Ab 1030 breiteten sich die französischen Normannen in ganz Süditalien aus, übernahmen in Auseinandersetzung mit den Sarazenen bzw. mit Byzanz schließlich ganz Apulien und Kalabrien, eroberten ab 1061 Sizilien und 1090 Malta von den Sarazenen und gründeten ihr normannisches Königreich Sizilien. Der normannische Statthalter, Graf Roger I. gründete 1140 mit dem „Consiglio Popolare“ ein erstes Selbstverwaltungsorgan, aus dem 1397 die Universita, der maltesische Adelsrat, hervorging. Danach hatten die Dörfer Gemeinderecht und ein hohes Maß an Selbstverwaltung.
1194 kommt Malta mit Sizilien durch Heirat an die Staufer und gelangt unter Friedrich II. (1194-1250), dem Enkel Friedrich Barbarossas, zur Blüte. Nach Erlöschen dieser Dynastie 1268 (Hinrichtung Konradins 1268) und 14 –jähriger Herrschaft der französischen Angeviner kommt das Königreich nach der sizilianischen Vesper 1282 zum hispanischen Königreich Aragon.
Malta wird in der Folge an Adlige aus Sizilien oder Aragon/Spanien verpachtet, die jedoch nur an den Steuereinnahmen interessiert sind. In Opposition zu diesen gründen die heimischen Adligen nach 1350 ihre Adelsräte – die Universita – jeweils für Malta und Gozo. Diese maltesischen Selbstverwaltungen, die hauptsächlich für Rechtsprechung und Verteidigung zuständig waren, versuchten mehrfach sich direkt der Krone zu unterstellen, was aber nur kurzfristig gelang.
Erst als Kaiser Karl V., König von Spanien, 1530 Malta als Lehen an den Johanniterorden vergibt, stabilisieren sich die Verhältnisse.

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Wichtigstes Erbe dieser Epoche ist die Wiedereinführung des Christentums. Bereits der erste Normannen-Graf Roger I. (1061 – 1101) ließ in Birgu eine kleine Kirche errichten. 1156 wird für Malta und Gozo ein Bischof eingesetzt, der aber in Palermo/Sizilien residiert. Die wichtigsten Orden errichten ihre Klöster auf den Inseln.
Von den wenigen Bauten dieser armen Epoche – kirchlichen wie profanen – ist noch Weniger erhalten. Vieles wurde durch das große Erdbeben von 1693 zerstört bzw. im Aufschwung der nun folgenden Ordensritterzeit erweitert und im neuen Stil der Renaissance umgebaut.
So wurde die Kathedrale von Mdina nach dem Erdbeben von 1693 anstelle eines weitgehend zerstörten sizilo- normannischen Vorgängerbaues aus dem 12. Jhd. neu errichtet. Nur das geschnitzte ehemalige Eingangstor aus irischer Eiche mit normannischen Motiven ist erhalten und wurde als Eingang zur Sakristei wiederverwendet.
Das eindrucksvollste Beispiel sizilo-normannischer Architektur sind die beiden Häuser aus dem 15/16. Jhd. in der Zitadelle von Gozo, in denen jetzt das Folkloremuseum untergebracht ist. Dass diese nicht nur charakteristische Dekoration wie Spitzbogentür und gotische Zierleisten, sondern noch die gesamte ursprüngliche Raumstruktur mit Mittelsäulen, einem Saal oben und einem Labyrinth kleinerer Räume unten, mit Hof, Stallungen, Zisterne und sogar einer Göpelmühle enthalten, ist ein besonderer Glücksfall. Am Normannenhaus in Birgu (North Street 10/11, Triq Tramuntana) sowie den Palazzi St. Sophia und Inguanez in Mdina, sind einzelne Architekturelemente wie Spitzbögen und Zierleisten in sizilo-normannischem Stil erhalten.