Katakombe St. Paul’s

Katakomben gibt es an vielen Orten der Inseln und sicherlich sind auch einige bisher unentdeckt.
Konzentriert befinden sie sich im Umfeld der langjährigen römisch-byzantinschen Hauptstadt Melite, im heutigen Stadtgebiet von Rabat.
Hier können zwei der größten und gut erforschten Anlagen – die St. Paul’s-Katakombe und die St. Agatha-Katakombe – besichtigt werden.

 

Überall im Zentrum von Rabat weisen Lüftungsschächte auf unterirdische Katakomben.

Überall im Zentrum von Rabat weisen Lüftungsschächte auf unterirdische Katakomben.

Lage

Im Zentrum von Rabat, in der Nähe der St. Paul’s Kirche, was der Lage unmittelbar außerhalb der ehemaligen römerzeitlichen Stadtbefestigung entspricht.

 

Entdeckungs- bzw. Grabungsgeschichte

Wie auch andere maltesische Katakomben wurde die St. Paul’s-Katakombe während der arabischen Herrschaft (870 – 1090), als sich die Bestattungssitten änderten, aufgegeben und verfiel. Selbst nachdem während der Rechristianisierung Maltas die große Eingangshalle zu einer nach Schriftquellen offenbar aufwendig ausgestalteten Kapelle erweitert worden war, geriet die Katakombe erneut in Vergessenheit, wurde sogar als Stall genutzt und mit Müll verfüllt.
Allerdings bestand wohl immer ein Zugeng über die südlich benachbarte Diar Hanzira Katakombe (auch Vicolo-Katakombe). Von hier gelangten wahrscheinlich auch G. F. Abela, der die Katakombe im 17. Jhd. erstmals erwähnte und teilweise beschrieb, sowie A.A. Caruana in die Anlage. Dr. A.A. Caruana war es, der die Katakombe ab 1894 systematisch freilegte, in allen Teilen – auch diejenigen in Privatbesitz – dokumentierte und einen bis heute gültigen Plan erstellte.

Bauten

Moderne Pfeiler mit alten christlichen Symbolen – hier Pfau und Fegefeuer – bilden den Eingang

Moderne Pfeiler mit alten christlichen Symbolen – hier Pfau und Fegefeuer – bilden den Eingang

 

Den heutigen Eingang zur Stätte bildet ein Tor, dessen neue Pfeiler traditionelle Motive aufgreifen – frühchristliche Symbole wie Tauben, Pfau, Anker und natürlich das Fegefeuer.

Das Kassengebäude beherbergt auch eine winzige Ausstellung.

Von dort gelangt man in ein Gärtchen mit vielen kleinen Steinhäuschen – den Eingängen zu den einzelnen Grabstätten bzw. auch Abdeckungen von Lüftungsschächten.

In einer der kleineren Nebenkatakomben – Nr. 3 – ist ein stempelförmiger Verschlußstein bemerkenswert, mit dem Zugänge zu einzelnen Grabkammern oder – Galerien verschlossen wurden.

 

Oberirdisch ist das Gelände mit Zugangsbauten und Luftschächten übersät.

Oberirdisch ist das Gelände mit Zugangsbauten und Luftschächten übersät.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Hauptzugang (1) führt in eine große Eingangshalle. Den linken Teil bildet eine Kapelle (2), die erst nach der Vertreibung der Araber im Zuge der Rechristianisierung im 13. Jhd. eingerichtet worden war. Wahrscheinlich wurden die hier vorhandenen Grabkammern zu diesem größeren Raum erweitert. Laut Schriftquellen soll die Kapelle reich mit Fresken ausgestaltet gewesen sein, von denen leider nichts erhalten ist. Einige Säulen und andere in den Fels gehauenen architektonische Schmuckelemente sind jedoch erkennbar.
Im rechten Teil (3) sind Aussehen und auch Nutzung in frühchristlicher und evtl. noch früherer Zeit nachvollziehbar. An beiden Enden des ovalen Raumes sind in apsidenartigen Nischen (3a)  Agapetische erhalten. Das sind runde Steinplatten, oft mit erhabenem Rand, die auf drei Seiten von schrägen Flächen umgeben sind. Auf ihnen liegend nach römischer Sitte nahmen die Trauergäste das Totenmahl ein.
Die Agape-Tische samt Liegeflächen wurden in einem Stück aus dem Fels geschlagen und sind noch an weiteren Stellen in der Katakombe anzutreffen.

 

Der Hauptzugang führt in eine große Eingangshalle

Der Hauptzugang führt in eine große Eingangshalle

Für die Kapelle wurden im 13. Jhd. die vorhandenen Grabkammern zu einem größeren Raum erweitert.

Für die Kapelle wurden im 13. Jhd. die vorhandenen Grabkammern zu einem größeren Raum erweitert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kapelle war mit aus dem Fels gehauenen Säulen geschmückt.

Die Kapelle war mit aus dem Fels gehauenen Säulen geschmückt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der linke Teil der Einganshalle mit zwei Agapetischen.

Der linke Teil der Einganshalle mit zwei Agapetischen.

 

Auf den schrägen Flächen liegend wurde nach römischer Sitte das Totenmahl eingenommen.

Auf den schrägen Flächen liegend wurde nach römischer Sitte das Totenmahl eingenommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von der Eingangshalle führen in alle Richtungen lange Gänge zu den Grabgalerien und bilden ein regelrechtes Labyrinth.

Es gibt Abgänge in tiefere Etagen und Lüftungsschächte. Einige dieser Schächte sollen auf punische Schachtgräber zurückgehen.

Die Gräber wurden durch Steinmetze aus dem Fels gehauen, die auch als Führer in dieser Finsternis dienten. Die Beleuchtung erfolgte lediglich durch Öllampen, für die es überall in den Wänden der Gänge und Gräber kleine Nischen gibt.

 

In alle Richtungen führen lange Gänge zu den Grabgalerien.

In alle Richtungen führen lange Gänge zu den Grabgalerien.

 

Grabgalerie

Grabgalerie

 

Es gibt Abgänge in tiefere Etagen ...

Es gibt Abgänge in tiefere Etagen …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... und Lüftungsschächte, die z.T. noch auf punische Schachtgräber zurückgehen sollen.

… und Lüftungsschächte, die z.T. noch auf punische Schachtgräber zurückgehen sollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Tafel im Eingangsgebäude erklärt die einzelnen Grabtypen.

Eine Tafel im Eingangsgebäude erklärt die einzelnen Grabtypen.

In der St. Paul’s-Katakombe sind sieben Grabtypen vertreten:

Einfache Loculi-Gräber sind rechteckige Wandnischen, die mit einer Steinplatte verschlossen wurden. Sie wurden hauptsächlich für Kinderbestattungen genutzt.
Bei Fenster-Gräbern bildet eine fensterartige Wandöffnung den Zugang zu einer ovalen Grabkammer mit apsidenartigen Kopf- und Fußnischen.
Am häufigsten sind Arcosolium-Gräber, bei denen sich in einer bogenförmig überdachten Felsnische ein oder mehrere wannenartige Grabstellen befinden. In den St. Paul’s-Katakomben gibt es ein solches Grab mit sieben Grabstellen.
Tisch-Gräber sind im Raum stehende, sarkophagartige Steinkisten mit einem oder mehreren wannenartigen Grabstellen. Sie wurden mit großen flachen oder sattelförmigen Steinplatten verschlossen.
Ähnlich ist das Bank-Grab, bei dem aus ursprünglich zum Sitzen gedachten Bänken Grabstellen ausgeschlagen wurden.
Am aufwendigsten sind die Baldachin-Gräber. Über Tischgräbern oder auch regelrechten Sarkophagen wurden dabei auf vier Eckpfeilern abgestützte kuppelförmige Überdachungen – die Baldachine – aus dem Fels gearbeitet. Sie waren wahrscheinlich Mitgliedern der Oberklasse vorbehalten.
Es gibt auch einige Boden-Gräber – in den Boden geschlagene Grabwannen, die wahrscheinlich den letzten verfügbaren Raum nutzten.

 

Loculi-Grab: rechteckige Wandnischen, die mit einer Steinplatte verschlossen wurden. Oft befinden sie sich in den Wänden von Fenster- oder Arcosolium-Gräbern.

Loculi-Grab: rechteckige Wandnischen, die mit einer Steinplatte verschlossen wurden. Oft befinden sie sich in den Wänden von Fenster- oder Arcosolium-Gräbern.

 

Fenster-Grab: eine fensterartige Wandöffnung bildet den Zugang zu einer ovalen Grabkammer.

Fenster-Grab: eine fensterartige Wandöffnung bildet den Zugang zu einer ovalen Grabkammer.

 

Baldachin-Grab: über einem Sarkophag tragen vier Eckpfeilern eine kuppelförmige steinerne Überdachungen – den Baldachin.

Baldachin-Grab: über einem Sarkophag tragen vier Eckpfeilern eine kuppelförmige steinerne Überdachungen – den Baldachin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arcosolium-Grab: in einer bogenförmig überdachten Felsnische befinden sich ein oder mehrere wannenartige Grabstellen.

Arcosolium-Grab: in einer bogenförmig überdachten Felsnische befinden sich ein oder mehrere wannenartige Grabstellen.

 

 

Von der Ausgestaltung der Gräber bzw. der Katakombe insgesamt ist nicht viel erhalten. Es gab Fresken wie auch Steinmetz-Dekoration. Erhaltene Symbole wie Menorah – der siebenarmige Leuchter – oder Taube, Palmzweig, Kreuz erlauben immerhin eine Zuordnung der Gräber zur jüdischen bzw. christlichen Gemeinde. Die unmittelbare Nähe der Grabstätten beweist, dass sich die Glaubensgemeinschaften zu jener Zeit gegenseitig respektierten.
Die einzige erhaltene Menschendarstellung ist in den letzten Jahren fast völlig verschwunden. Es handelt sich um einen sitzenden Mann mit einem langstieligen Werkzeug in der Hand vor einem amboßartigen Gegenstand. Über ihm ist ein Anker – das Symbol der Hoffnung – und eine Inschrift – in etwa „viel Glück“ – abgebildet.

Inschriften geben meist Name und Alter des Begrabenen, manchmal auch Stand oder Beruf an. Bemerkenswert ist ein flacher Verschlußstein mit der eingravierten Abbildung von 14 ordentlich aufgereihten chirurgischen Instrumenten.

ein flacher Verschlußstein abgebildete chirurgischenInstrumente verweisen auf den Beruf des Verstorbenen.

ein flacher Verschlußstein abgebildete chirurgischenInstrumente verweisen auf den Beruf des Verstorbenen.

 

 

 

 

 

... ist in den letzten Jahren fast völlig verschwunden. Ein Anker über der Figur symbolisiert Hoffnung.

… ist in den letzten Jahren fast völlig verschwunden. Ein Anker über der Figur symbolisiert Hoffnung.

 

 

 

 

Die einzige erhaltene Menschendarstellung ...

Die einzige erhaltene Menschendarstellung …

 

 

 

 

 

Das Symbol des siebenarmigen Leuchters erlaubt die Zuordnung der Gräber zur jüdischen Gemeinde.

Das Symbol des siebenarmigen Leuchters erlaubt die Zuordnung der Gräber zur jüdischen Gemeinde.

 

Funde

Leider wurde die Katakombe vor der Freilegung 1894, wahrscheinlich bereits seit Einstellung der Nutzung in arabischer Zeit, geplündert, so dass nur sehr wenige Beigaben gesichert werden konnten.
Im Wesentlichen sind das Glasfragmente von Balsamgefäßen, einigen Perlen und Bronzeamulette, neun beinerne Haarnadeln mit Kugelköpfen, ein Kupferarmband und zwei goldene Ohrringe.

Die kleine Ausstellung in der Eingangshalle zeigt weitere Gegenstände, die die zur damaligen Zeit üblichen Grabbeigaben veranschaulichen. Das sind vor allem Öllampen, die sowohl zur Beleuchtung unerläßlich waren als auch den Toten als Beigabe ins Grab gegeben wurden. Sehr häufig finden sich auch Salbgefäße aus Glas oder aus Ton, weiterhin Tonfiguren, Schmuckstücke und in Kindergräbern Spielzeug.

Es gibt gute Infotafeln in malti und englisch. Im Eintrittspreis enthalten ist ein Audioguide u.A. auch in deutscher Sprache.

Für die nahe Zukunft sind ein neues Empfangsgebäude und eine erweiterte Ausstellung, u.A. auch mit einer 3D-Präsentation geplant. Nach neuen archäologischen Ausgrabungen sollen weitere, bisher nicht zugängliche Teile der Katakombe für Besucher geöffnet werden.

 


 

Das Museum untersteht der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta.
Auf deren englischsprachiger web-Seite können aktuelle Öffnungszeiten, Preise, Ermäßigungen und auch aktuelle Busverbindungen abgefragt werden.

Heritage Malta bietet Kombitickets an, die den Besuch mehrerer Museen an einem Tag! zu ermäßigtem Preis ermöglicht. Die Kombination der Museen wechselt öfter, die Ermäßigung schöpft leider nur aus, wer wirklich mehrere der eingeschlossenen Museen besucht, was in der Praxis irreal, zumindest äußerst anstrengend ist.
Andere Ermäßigungen gibt es für Studenten, Rentner, Kinder u.A.

 

Anfahrt:

Rabat
St. Agatha Street

 


Quellen: Ausstellung, Heritage Malta