Archäologisches Museum

(Museum of Archaelogy, auch Museum of Gozo, in Rabat/Gozo)

Geschichte

Balkon über dem Eingang des Casa Bondi

Balkon über dem Eingang des Casa Bondi

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Das Museum ist in einem Stadtpalazzo aus dem frühen 17. Jahrhundert untergebracht. Ursprünglich befand es sich unmittelbar rechts hinter dem Haupttor (jetzt Altes Tor) der Zitadelle von Gozo am Kathedralenplatz und diente als Gästehaus der Ordensritter bei Aufenthalten auf Gozo. Erst
1897 wurde das Domkapitell vor das Casa Bondi gesetzt.
Später diente es verschiedenen Zwecken, so als Wohnsitz der Familie Bondi, nach der es benannt wurde, und als Gästehaus der britischen Gouverneure bis es schließlich leer stand und verfiel.
1937 ließ es der damalige Gouverneur von Gozo renovieren.
1960 wurde hier das erste öffentliche Museum Gozos eröffnet, das damals neben der archäologischen auch die ethnografische Sammlung umfaßte.

Die Sammlung

Bei der Eröffnung des Museums 1960 umfaßte die Ausstellung sowohl die archäologische als auch die ethnografische Sammlung. Die Fundstücke stammten von Gozo und Comino. Viele wurden bei Bauarbeiten in Rabat und Xewkija geborgen, einige wenige stammen aus der Tempelstätte von Ggantija, bei vielen ist die genaue Herkunft und Auffindungssituation unbekannt.
1986 wurden die beiden Sammlungen komplett neu organisiert und als zwei eigenständige Museen, beide in der Zitadelle von Gozo, neu eröffnet.
Die ethnografische Sammlung ist jetzt in zwei mittelalterlichen Gebäuden als Folkloremuseum zu besichtigen, die Archäologische Sammlung verblieb im Casa Bondi.
Nach den zwischen 1987 und 1994 erfolgten umfangreichen Ausgrabungen im Hypogäum von Gozo (Xaghra Steinkreis) konnte die Sammlung um einzigartige Stücke erweitert werden.

Die gegenwärtige Ausstellung

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Modell der Tempelstätte von Ggantija

Modell der Tempelstätte von Ggantija

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Am umfangreichsten ist die Abteilung der Tempelkultur, die anhand von Bildtafeln in englisch und malti sowie der Originalfundstücke verschiedene Lebensbereiche wie Siedlung, Tempelbau, Nahrungsgewinnung, Handwerk, Kult, Begräbnissitten usw. darstellt.

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Aus dem Südtempel von Ggantija stammen eine große Platte aus Globigerinenkalkstein mit dem Relief einer Schlange sowie eine Steinstele, die als Phallussymbol gedeutet wird.…….

Die Steinstele aus dem Südtempel von Ggantija wird als Phallussymbol interpretiert

Die Steinstele aus dem Südtempel von Ggantija wird als Phallussymbol interpretiert

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Ebenfalls im Südtempel von Ggantija wurde zwei kleinere Köpfe gefunden, die interessanterweise nicht Bruchstücke von Statuen sind, sondern als separate Köpfe gearbeitet wurden.

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Zwei Kalksteinköpfe aus dem Südtempel von Ggantija

Zwei Kalksteinköpfe aus dem Südtempel von Ggantija

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Die berühmten Skulpturen „Schamanengruppe“ und „Paar auf dem Sofa“ wurden im „Tempelbereich“ des Hypogäums von Gozo gefunden. Beide wurden aus Globigerinenkalkstein gefertigt und datieren in die Tarxien-Phase der maltesischen Tempelzeit (3.000.-2.500 v.u.Z.). Das „Paar auf dem Sofa“ stellt zwei der typischen „korpulenten“ maltesischen Figuren auf einem „Sofa“ sitzend dar. Der helle Kalkstein weist noch Spuren schwarzer, roter und gelber Bemalung auf. Dagegen präsentieren die sechs stark abstrahierten, stabförmigen menschliche Figuren sowie 3 kleineren „Köpfe“ der “Schamanengruppe” einen völlig anderen, bisher nur hier angetroffenen Stil.

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“Schamanengruppe” aus dem Hypogäum von Gozo

“Schamanengruppe” aus dem Hypogäum von Gozo

“Paar auf dem Sofa” aus dem Hypogäum von Gozo

“Paar auf dem Sofa” aus dem Hypogäum von Gozo

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Ein kleinerer Raum präsentiert Funde aus den befestigten bronzezeitlichen Siedlungen von Rabat und il-Nuffara, wie Webgewichte und Keramik.

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Die klassische Abteilung zeigt u.A. steingeschnitzte Amulette mit Darstellungen ägyptischer Gottheiten (Ptah, Bastet, That) aus phönizisch-punischer Zeit (800 – 218 v.u.Z.), die 1951 bei Straßenarbeiten in Xewkija gefunden wurden. Das herausragendste Stück dieser Periode ist ein Inschriftenstein, der um 1855 in der Nähe der Zitadelle von Gozo gefunden wurde und erstmals den Namen Gozo – punisch ‘Gwl’ – erwähnt. Außerdem werden verschiedene Gottheiten sowie Amtspersonen namentlich genannt.

Die Ankergewichte stammen ebenfalls aus römerzeitlichen Schiffswracks.

Die Ankergewichte stammen ebenfalls aus römerzeitlichen Schiffswracks.

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Aus gesunkenen römischen Schiffen wurden zahlreiche Amphoren geborgen

Aus gesunkenen römischen Schiffen wurden zahlreiche Amphoren geborgen

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Aus römischer Zeit (218 v.u.Z. –533 u.Z.) stammen neben Münzen, Schmuckstücken und anderen Kleinfunden viele Amphoren und Anker, die vor allem aus dem Hafen von Xlendi geborgen wurden.

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Fragment einer römerzeitlichen Ölmühle

Fragment einer römerzeitlichen Ölmühle

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Das Fragment einer Ölpresse stammt aus einer bei Xewkija entdeckten „villa rustica“.

Aus einem Gräberfeld südlich der Vajringa Strasse wurde ca. 1800 u.A. eine gläserne Urne mit Leichenbrand geborgen.

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Eine Marmorstatue der Ceres wurde 1622 in einer der Nischen der Festungsmauer der Zitadelle aufgestellt. Ihre Herkunft ist unbekannt, aber lt. einer Inschrift auf dem Sockel weihte die Priesterin Lutatia sie Julia Augusta, der Frau des Augustus. Auch dem Stil nach kann sie dem 1. Jhd u.Z. zugeordnet werden.
Interessant ist weiterhin ein Oscillum (lateinisch “Gesicht“) aus weißem Marmor, also ein spezielles Medallion mit einer Götterdarstellung zum Aufhängen im Perystil. Es gibt nur wenige ähnliche Stücke. Das Exemplar von Gozo zeigt eine Theatermaske auf der einen Seite und einen Greifen, der die linke Pranke auf einen Widderkopf stützt, auf der anderen.
Viele Funde wurden 1956 bei den Bauerbeiten am Kathedralenplatz gemacht, darunter ein Byzantinisches Bleisiegel des Theophylakt aus dem 8./9. Jhd.

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Die Marmorskulptur einer Wölfin mit den Zwillingen Romulus und Remus stammt dagegen von ca. 1720 aus Fontana. Zusammen mit anderen Fundstücken bildet sie die kleine Abteilung des Mittelalters und der Neuzeit. Interessant ist hier auch der Majmuna-Grabstein aus arabischer Zeit. In kufischer Schrift werden Lebensdaten des Mädchens Majmuna sowie Koranzitate dargestellt. Wie römische Ornamente auf der Rückseite nahelegen, wurde hierfür eine römische Marmorplatte wiederverwendet. Der Stein soll zwischen Xewkija und Sannat ausgegraben worden sein, der genaue Fundort ist aber nicht bekannt.

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Das Museum untersteht der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta.
Auf deren englischsprachiger web-Seite können aktuelle Öffnungszeiten, Preise, Ermäßigungen und auch aktuelle Busverbindungen abgefragt werden.

Heritage Malta bietet Kombitickets für den Besuch der Museen in der Zitadelle von Gozo an (Archäologisches Museum, Folkloremuseum, Naturkundemuseum, Museum „Altes Gefängnis“)
Andere Ermäßigungen gibt es für Studenten, Rentner, Kinder u.A.

Anfahrt

Gozo Museum of Archaeology
Triq Bieb l-Imdina,
The Citadel
Victoria, Gozo VCT 1831

www.heritagemalta.com

 


Quellen: Ausstellung, Heritage Malta