Phönizier und Karthager (Punier)

Ab ca. 1.000 v.u.Z. begannen die phönizischen Stadtstaaten, insbesondere Tyros, Handelsstützpunkte im gesamten Mittelmeerraum anzulegen. Ab ca. 800 v.u.Z. ist die Anwesenheit von Phöniziern auf Malta und Gozo belegt.
Nach der Eroberung des phönizischen Mutterlandes durch die Perser übernahm um 550 v.u.Z. Karthago die Vorherrschaft über die Kolonien, so auch über Malta und Gozo. Gleichzeitig unterhielten die Inseln aber rege Kontakte zu den griechischen Städten Siziliens und dem damals griechisch dominierten Süditalien (Magna Graecia) sowie zu Ägypten.
Das beweisen die aus dieser Zeit von vielen Orten Maltas und Gozos bekannten Funde griechischer Münzen, Keramik und Inschriften sowie Skarabäen und – z.Bsp. aus Xewkija/Gozo – steinerner Amulette mit Darstellungen ägyptischer Gottheiten wie Ptah, Bastet, Thot, Glasfragmente u.A. Auch Gräber sind reich mit schwarz glasierter rotfiguriger Keramik aus Süditalien (Magna Graecia) ausgestattet und bei Ghar Barka am westlichen Stadtrand von Rabat wurde ein anthropomorpher Terrakottesarg nach ägyptischem Vorbild gefunden. Die Fundstücke können in den Museen für Archäologie in Valletta und Rabat besichtigt werden.

 

Die charakteristischen punischen Schachtgrabanlagen wurden ebenfalls vielerorts angetroffen, so in Rabat, Hamrun, Gharghur, bei Zebbug, in Naxxar auf dem Gelände der Grundschule, auf Comino. In Fgura wurden 1948 sechs punische Gräber des 3./4. Jhd v.u.Z. mit menschlichen Skeletten, Tierknochen, Keramik, sowie auch einige bronzezeitliche Fundstücke entdeckt (Liedna Street, Tric is Sejba punica). Der Geschichtspfad von Xemxija auf der Bardija-Ridge erschließt u.A. auch ein punisches Grab. Auch in den meisten Katakomben, so in Rabat und Fort Mosta, sind Spuren älterer punischer Felsgrabanlagen nachzuweisen.

 

Nach antiken Schriftquellen gab es phönizische Heiligtümer für die Hauptgötter Melqart und Astarte jeweils auf Malta und Gozo.
Der bedeutendste Fundplatz ist das Plateau von Tas Silg nordöstlich von Marsaxlokk/Malta. Bereits in den 1960 –er Jahren wurden bei archäologischen Ausgrabungen über den Fundamenten einer megalithischen Kultstätte Reste phönizischer Bauten freigelegt. Die neuesten, sehr umfangreichen Ausgrabungen von 1996-2012 erbrachten große Mengen an Material insbesondere aus der Tempel- und der phönizischen Epoche, dessen Auswertung aber noch Jahre andauern wird. Eine Vielzahl hier aufgefundener Weiheinschriften bestätigt auf jeden Fall einen bedeutenden Astartetempel in Tas Silg.

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Dagegen ist der Standort des aus Schriftzeugnissen bekannten Melqart-Tempels bisher nicht bekannt. Nach einigen Quellen kommt dafür die Landzunge von Birgu in Frage, die spätestens seit byzantinischer Zeit mit einer Festung überbaut wurde und heute vom Fort St. Angelo eingenommen wird. In der dortigen St. Anna – Kapelle wird eine Granitsäule gezeigt, die noch aus diesem Tempel stammen soll. Zwei kostbare Säulen, oft aus Bronze, Gold oder sogar Smaragd, gehören zum Kult des Melqart (griechisch/römisch mit Herakles gleichgesetzt) wo sie die heiligen Felsen symbolisieren, auf denen die Mutterstadt der phönizischen Kolonien – Tyros – gemäß der Sage gegründet wurde.
Nach anderen Quellen ist eine Lokalisierung auf der Halbinsel zwischen Birzebugga und Marsaxlokk, die heute vom Fort San Luciano eingenommen wird und den zweiten großen Naturhafen Maltas – die Bucht von Marsaxlokk – beherrscht, wahrscheinlicher.

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In dieser Gegend soll in der Zeit der Ordensritter der berühmte Doppel-Cippus von Malta, auch Cippi des Melqart genannt, aufgefunden worden sein. Es handelt sich um zwei nahezu identische Alabaster-Stelen, die im Sockel Weiheinschriften an den Gott Melqart tragen und zwar sowohl in griechischer als auch in phönizischer Sprache. Die Inschriften enthalten 18 der 22 phönizischen Schriftzeichen. Auf ihrer Grundlage konnte Jean-Jacques Barthelemy 1758 die bis dahin unbekannte phönizische Sprache entschlüsseln, was von herausragender Bedeutung für die Phönizien-Forschung und für die gesamte Mittelmeerforschung war.
Eine der beiden Säulen wurde 1782 durch den Großmeister der Johanniter an Ludwig XVI. verschenkt und gelangte später in den Pariser Louvre. Die zweite Säule ist bis heute im Nationalmuseum für Archäologie in Valletta zu sehen.
Obwohl die Phönizier als die Erfinder der Buchstabenschrift gelten, aus deren Alphabet die griechische, lateinische u.a. Schriften entwickelt wurden, gibt es kaum phönizische Schriftquellen.

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Für Gozo ist aus karthagischer (punischer) Zeit ein Melqart- bzw. Jupitertempel (nach anderen Quellen auch ein Juno-Tempel) auf dem Zitadellenberg von Rabat bezeugt. Tatsächlich wurden am Fuße des Berges im Gebiet südlich der Vajringa – Straße (Triq Vajringa) zahlreiche Überreste aus punischer Zeit gefunden. Im Archäologischen Museum von Rabat wird eine Tafel mit einer punischen Inschrift gezeigt, die den punischen Namen Gozos – Gwl – erstmals erwähnt. Sie wird auf die Zeit kurz vor der römischen Eroberung – also vor 218 v.u.Z. – datiert.

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Als gesichert gilt dagegen der Standort eines Tanit-Heiligtums am Wardija Point, dem südwestlichsten Punkt Gozos, wo 1960 bei Ausgrabungen die Fundamente eines rechteckigen Gebäudes freigelegt wurden. Sie konnten in die karthagische Zeit (550 – 218 v.u.Z.) datiert und als Tempelanlage identifiziert werden. Oberhalb befinden sich eine künstlich in den Fels geschlagenen Höhle sowie eine Zisterne. 1960 gab es hier noch eine Figur mit ausgebreiteten Armen – evtl. eine Darstellung der karthagischen Hauptgöttin Tanit – , die inzwischen jedoch von Vandalen zerstört wurde. Die karthagische (punische) Göttin Tanit entspricht der Astarte der phönizischen Mutterstädte Tyros, Sidon, Byblos u.A.