Astarte-Tempel von Tas Silg

(Tas Sildsh)

Die besondere Bedeutung der Stätte begründet sich vor allem auf den hier aufgefundenen phönizischen Hinterlassenschaften, die auch durch antike Schriftzeugnisse belegt sind. Jüngste Ausgrabungen (1996-2012) erbrachten aber auch außergewöhnliche Befunde bezüglich der hier bereits seit der Tempelperiode bestehenden Megalith-Kultstätte.

Lage

Auf dem Plateau Tas Silg an der Ostküste Maltas, nordöstlich von Marsaxlokk mit weiter Sicht auf das Meer und die natürlichen Hafenbuchten von Marsaxlokk und St. Thomas, in Sichtweite der Megalith-Tempel von Borg in-Nadur, Xrobb l-Ghagin und Hal Ginwi.

Entdeckungs- bzw. Grabungsgeschichte

Die phönizischen Tempel auf Malta sind bereits seit der Antike aus Schriftzeugnissen bekannt. Insbesondere der Astarte-Tempel von Tas Silg muß berühmt gewesen sein und viele Pilger angezogen haben.
Die bekannteste Erwähnung findet sich bei Cicero (106 – 43 v.u.Z.), der den römischen Statthalter Siziliens von 73-71 v.u.Z., Gaius Verres, der Plünderung des Juno-Tempels in Malta anklagt.

Jean-Pierre Houel (1735-1813) hielt die antiken Ruinen in einer Radierung fest.

Aber erst in den 1930 –er Jahren begann die Erforschung mit einigen Probeschnitten.

1963-70 erfolgte die erste Ausgrabung des Megalith-Tempels durch die Italienische Archäologische Mission unter Leitung von Antonio Cagiano de Azevedo und Antonia Ciasca

1996-2012 erneute Ausgrabung des Megalith-Tempels durch die Italienische Archäologische Mission, parallel dazu Ausgrabung der Universität Malta im südlich anschließenden Gelände.
Die Ausgrabungen sind zwar abgeschlossen, die Auswertung des umfangreichen Materials durch die einzelnen Fachrichtungen wie Keramik- und Architekturexperten, Archäozoologen und –ökologen, Anthropologen u.A. wird aber noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

Bauten

Nach den Ausgrabungen der 60 –er Jahre war ein kleiner Tempel der Tarxien-Phase (2.800 – 2.500 v.u.Z.) bekannt, der aus vier von einer ovalen Außenmauer mit konkaver Fassade umschlossenen Apsiden bestand.
Die jüngsten Ausgrabungen ergaben, dass dieser Tempel nur Teil eines weitaus größeren Komplexes mit mindestens zwei weiteren Tempeln ist.
Es gab einige Überraschungen – so die Stufen entlang der Außenmauer des erstentdeckten Tempels und der rechteckige Grundriß – die den Tempelkomplex von Tas Silg von allen anderen maltesischen Megalith-Tempeln unterscheiden. Aufgefundene Ton- und Lehmplatten mit Abdrücken von Holzbalken werden evtl. neue Erkenntnisse über die viel diskutierte Art der Überdachung der Tempel liefern.

 

In der bronzezeitlichen Borg in-Nadur – Phase (1.500 – 800 v.u.Z.) wurden die verlassenen Tempel durch eine Siedlung vereinnahmt. Wie eine Vielzahl von aufgefundenen tönernen Webgewichten nahelegt wurden hier u.A. Textilien hergestellt.

 

Um 800 v.u.Z. errichteten die Phönizier an dieser Stelle ein Heiligtum für ihre Hauptgöttin Astarte, die außer für Liebe und Fruchtbarkeit auch für die Seefahrt zuständig war. Beim Bau wurden die megalithischen Fundamente einer Tempelapsis einbezogen.
Im 4. Jhd v.u.Z., also bereits unter spätpunischer (karthagischer) Regie, wurde der Tempel aufwendig ausgebaut und u.A. mit einem Portikus und einem geräumigen Vorhof versehen.
Die jüngsten Ausgrabungen der Universität Malta, die sich auf die Umgebung der Tempel incl. einiger Abfallgruben konzentrierten, ergaben neben Tierknochen und Schalen von Meerestieren eine große Menge von Weiheinschriften an die Astarte, wahrscheinlich von Platten und Schüsseln, auf denen Opfergaben dargebracht wurden. Insgesamt wird von Überresten ritueller Festmale ausgegangen.

Aus der o.g. Anklagerede Ciceros aus dem 1. Jhd v.u.Z. wissen wir z.Bsp., dass der Tempel mit kostbaren Elfenbeingegenständen ausgestattet war und dass die Verehrung des Heiligtums unter allen damaligen Mittelmeervölkern so groß war, dass es sowohl von Seeräubern als auch von den verschiedenen Parteien der punischen Kriege stets verschont geblieben war.

 

Bei den Römern, die Malta bereits seit 218 v.u.Z. besetzten, wurde Astarte mit der Hauptgöttin Juno gleichgesetzt und – wie auch sonst überall in der römischen Einflußsphäre bewährt – alle Lebensbereiche und damit auch der Kult allmählich romanisiert.

 

Nach den Erkenntnissen der ersten italienischen Ausgrabung von 1963-70 gab es nach Erstarken des Christentums in byzantinischer Zeit eine Kirche, die wiederum die Fundamente des Astarte- bzw. Juno-Tempels nutzte.
Darauf wurde damals die These begründet, dass an dieser Stelle über die Jahrtausende hinweg immer eine weibliche Gottheit verehrt wurde. Abgesehen davon, dass die neolithischen beleibten Figuren keineswegs unumstritten als weiblich angesehen werden, ja nicht einmal sicher ist, dass sie überhaupt Götter darstellen, konnten für die gesamte, immerhin 1.200 Jahre andauernde Periode der Bronzezeit bisher keine Anhaltspunkte für eine kultische Nutzung der Stätte entdeckt werden.
Die Ergebnisse der jüngsten Ausgrabungen werden vielleicht Klarheit in einige Fragen bringen.

Funde

Tempelzeit:

  • Lehm- bzw. Tonfragmente mit Abdrücken von Holzbalken,
  • Hochrelief einer der charakteristischen beleibten Figuren der Tempel-Periode ähnlich dem auf der Rückseite von Hagar Qim bzw. der als Magna Mater bekannten Statue von Tarxien, leider durch Pflügen stark beschädigt
  • Liegender Megalith mit flach ausgehöhlter Mulde, der u.A. als Becken für rituelle Waschungen interpretiert wird

Bronzezeit:

  • große Mengen von Muschelschalen, ankerförmigen Tonobjekten, tönernen Webgewichten

phönizisch-punische Zeit:

  • viele phönizische und punische Inschriften, hauptsächlich Widmungen an Astarte, z.T mysteriös und schwer zu entschlüsseln

 

 

Die Stätte untersteht der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta. Besichtigungen sind nach Vereinbarung möglich, die über deren
englischsprachige web-Seite getroffen werden können.

www.heritagemalta.org


Anfahrt:

Tas-Silġ
Marsaxlokk
Koordinaten: 35° 50′ 45″ N, 14° 33′ 7″ O

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Quellen: Malta Independent, World Archaeology,