Römerzeit

Der 2. Punischen Krieg 218-201 v.u.Z. zwischen Römern und Karthagern (Puniern) endete mit der Aufgabe aller karthagischen Kolonien außerhalb Nordafrikas. So wurden auch Malta und Gozo von den Römern übernommen.
Im Gegensatz zu den Phöniziern und Karthagern (Puniern), die sich auf Handelsniederlassungen unmittelbar an der Küste beschränkten, kolonisierten die Römer auch das Hinterland einer neuen Provinz, führten eine straffe Verwaltung ein und somit ihre Gesetzgebung, ihre Wirtschaftweise, ihre Sprache und letztendlich auch die Religion.

Römische Siedlungen und Befestigungen

Melita

Die bereits in phönizischer Zeit bestehende Siedlung Malet wurde zum Verwaltungszentrum ausgebaut und befestigt. Hier befand sich der Sitz des römischen Statthalters und weitere Verwaltungsgebäude. Aus Schriftquellen ist der romanisierte Name – Melita – bekannt.
Die eigentliche Siedlung lag auf dem Gebiet des heutigen Rabat, die Stadtgrenze verlief ungefähr an der heutigen Hauptstraße Rabats Triq Santa Rita. Erst während der arabischen Herrschaft (870-1090) wurde der befestigte Teil durch einen Trockengraben von der Siedlung getrennt und so zwei eigenständige Städte – Mdina, die Festung, und Rabat, die Siedlung – begründet.
Wie in der Römerzeit überall üblich wurden gleich außerhalb der Stadtgrenze die Toten begraben. In spätrömisch-frühchristlicher Zeit entstanden aus diesen Nekropolen ausgedehnte Katakomben – die größten und interessantesten Maltas.

Das besterhaltene Zeugnis römischer Kultur auf Malta ist die „Römische Villa“, heute Römisches Museum (Domus Romana). Zwischen den heutigen Orten Mdina und Rabat gelegen, befand es sich zur Römerzeit mitten in der Stadt Melita. Es handelt sich um eine Stadtvilla in der typischen Bauweise eines römischen Atriumshauses.
Gleich nach den Ausgrabungen von 1881/82 wurde über den aufgefundenen Mosaikfußböden ein Schutzbau errichtet und als eines der ersten öffentlichen Museen Maltas eingeweiht. Dieses Museum wurde ab 1925 ausgebaut, erhielt seine heutige klassizistischen Fassade und zusätzliche Ausstellungsfläche. Inzwischen zeigt die Sammlung römerzeitliche Artefakte von der gesamten Insel, darunter Architekturfragmente, Glas- und Tongefäße, Kleinplastiken u.A.

Nach Schriftquellen gab es in Melita einen Apollotempel und vor der Stadt, im Gebiet des Nachbardorfes Mtarfa, einen Tempel der Unterweltgöttin Prosperina.

Gaulos

Auf der Insel Gozo wurde die ebenfalls bereits in phönizischer Zeit bestehende Siedlung Gol (das heutige Rabat) zum Verwaltungszentrum ausgebaut. Aus römischen Schriftquellen ist sie als „Gaulos Oppidum“, also eine befestigte Siedlung, bekannt. Sie nahm ungefähr das Quadrat zwischen den heutigen Straßen Triq Santa Marija, Triq Vajringa und Triq Palma ein und ist im Stadtplan gut erkennbar.
Der Schlußstein über dem alten Haupteingang der Zitadelle (rechts neben dem jetzigen Tor) trägt eine lateinische Inschrift, die besagt, dass Gozo unter dem Imperator Antonius Pius (86-161 u.Z.) zur Stadt erhoben wurde. Rund um den Marktplatz It-Tokk wurden verschiedene römische Fundamente freigelegt, darunter ein Kellerraum, der sogar noch (leere) Weinkrüge enthielt. Die Flurbezeichnung «Fuq it-Tomba“ westlich des Sant Wistin Platzes ( Pjazza Sant Wistin) weist auf Gräberfelder, die nach römischer Sitte unmittelbar außerhalb der Städte angelegt wurden. In der Nähe gibt es Katakomben, die aber nicht zu besichtigen sind.
Nach der Überlieferung soll es in Gol bereits im 3. Jhd. v.u.Z. einen punischen Melquart-Tempel, in römischer Zeit dann einen Jupiter-Tempel (nach anderen Angaben einen Juno-Tempel) gegeben haben.
Unter Kaiser Hadrian (76 – 138 u.Z.) wurde Melita/Malta zum eigenständigen Municipium erhoben. Dass das Oppidum Gaulos eigene Münzen prägte bezeugt, dass Gozo damals ein von der Hauptinsel unabhängiges, eigenes Municipium war.

Römertürme

An 6 Stellen auf Malta und einer auf Gozo sind Römertürme erhalten, der bekannteste ist der der Ta’ Cieda-Turm (Ta’ Cieda Round Tower) in San Gwann. Er wurde 1960 durch Dr. David Trump teilweise freigelegt. Aus der dabei erstellten archäologischen Schichtenfolge sowie aus der für spätpunische Bauwerke typischen Verwendung von aschehaltigem Mörtel ist eine Datierung sogar noch in die spätpunische Zeit wahrscheinlich.
Der Turmstumpf ist heute von Neubauten zugebaut. Unweit befindet sich eine abgedeckte antike Zisterne, die mit einem für die römische Bauweise bekannten wasserfesten Zement aus Kalk und gemahlenen Ziegeln ausgekleidet ist.
Im Pfarrgarten von Zurrieq steht ein weiterer, noch 5,6 m hoher Rest eines Römerturmes, der leider nicht zugänglich ist.
Die Reste dieser Befestigungen belegen die Existenz von Siedlungen oder Gütern (villa rustica) an diesen Orten zur Römerzeit.
Gleiches gilt für die aufgefundenen Überreste von römischen Thermen, so in Marsa, Marsaxlokk, Xemxija auf Malta und in Kercem und der Ramla-Bucht auf Gozo.

Römische Häfen

Durch seine Lage im Zentrum des Römischen Reiches, am Kreuzungspunkt der wichtigsten Schiffsrouten zwischen den einzelnen Provinzen wuchs Maltas Bedeutung für die Versorgung der Schiffe mit Lebensmitteln, Ausrüstungen und für Reparaturen.
Die seit der Frühzeit genutzten Naturhäfen wie Marsaxlokk, Grand Harbour und Xlendi (Gozo) wurden ausgebaut, anderenorts – so in San Pawl, Burmarrad, Marsalforn (Gozo) – neue Häfen angelegt.
Aus vielen Buchten konnten Überreste gesunkener Römerschiffe – insbesondere Amphoren und Anker – geborgen werden. So aus der Salina Bucht auf Malta, wo die Erzeugnisse des nahebei gelegenen Gutes (villa rustica) von Burmarrad verschifft wurden. Besonders viele Funde stammen aus der Xlendi-Bucht (Gozo), von wo der Weg durch das Xlendi-Tal direkt nach Gaulos (Rabat) führte. Ein bis dicht unter die Wasseroberfläche ragender Felsen in der Mitte der Bucht wurde dort zahlreichen Schiffen zum Verhängnis.

Die in den beiden Archäologischen Museen von Valletta und Rabat/Gozo ausgestellten Kollektionen verschiedener Amphoren und Anker stammen aus diesen Wracks.

Römische Landwirtschaft

Die Lebensmittelproduktion wurde durch das Gutshofsystem nach römischem Vorbild (villa rustica) organisiert. Die Reste solcher Gebäudekomplexe wurden an verschiedenen Orten auf Malta und Gozo gefunden, wobei an jedem der bekannten Fundplätze eine Ölpresse (trapetum) geborgen werden konnte.
Auch aus Schriftquellen ist neben der Honigproduktion für Malta und Gozo die Olivenölproduktion belegt, die außer für Eigenbedarf und Versorgung der Handelsschiffe auch noch für den Export betrieben wurden.

Reste eines solchen römerzeitlichen Landgutes sind in Burmarrad, einem Ortsteil von St. Paul’s Bay bei der Kapelle San Pawl Milqi gefunden worden. Die Stätte wird von der maltesischen Museumsverwaltung Heritage Malta verwaltet und kann nach Vereinbarung besichtigt werden.
Unter dem Boden der Kapelle befindet sich die Zisterne der ehemaligen Villa. Auch hier wurde eine Ölpresse gefunden. Die Erzeugnisse des Gutes wurden direkt über einen Hafen in der nahegelegenen Salina-Bucht verschifft. Hier wurden viele römerzeitliche Amphoren und Anker geborgen.
Im hinteren Teil der Bucht existiert bis heute eine Saline, die vielleicht schon seit der Römerzeit besteht. Unweit befinden sich an der Verkündigungs-Kapelle (Annunciation Church) die Ta Salina-Katakomben.
Reste einer weiteren villa rustica wurden in Zejtun gefunden. Hier deutet schon der Ortsname – Zejtun bedeutet Olive – auf ehemaligen Olivenanbau hin.
In Hal Millieri, einem aufgegebenen Ortsteil von Zurrieq an der Straße Richtung Mqabba, wurde auf dem Vorplatz der Kapelle St. Gwan (St. John) eine römerzeitliche steinernen Ölpresse gefunden. In Zurrieq gibt es auch Katakomben, die seit Kurzem zur Besichtigung geöffnet sind. Im Pfarrgarten steht der noch 5,6 m hohe Rest eines Römerturmes.
Eine 1955 in Gharghur ausgegrabene Ölpresse aus römischer Zeit ist heute im Römischen Museum (Domus Romanus) in Rabat ausgestellt.

Auf Gozo bestand eine villa rustica in Xewkija. In der Flur Tal-Hamrija wurde 1978 eine 1,40 m tiefe, mit gebranntem Lehm ausgekleidete Vorratsgrube für Getreide entdeckt. Zahlreiche Fundstücke aus der Umgebung – darunter eine Terra sigillata- Schale, eine Ölpresse und eine verzierte Keramikstele, wie sie in den Wasserbecken der römischen Atriumhäuser aufgestellt wurden – belegen die Existenz eines Gutshauses in der Römerzeit.
Das Fragment einer weiteren Ölpresse wurde in Tas-Salvatur geborgen.
Alle Fundstücke sind im Archäologischen Museum von Rabat/Gozo ausgestellt.

Römische Thermen

Keine römische Siedlung ist ohne Badeanlage denkbar.
Die besterhaltene römerzeitliche Therme Maltas befindet sich nordwestlich von Mgarr auf dem Plateau über der Ghajn Tuffieha – Bucht. Hier sind die charakteristischen Räume für heiße, kalte und warme Bäder, z.T mit Hippocausten und Mosaikfußböden, sowie verschiedene Nebenräume noch gut erhalten. Zur Zeit werden Konservierungsarbeiten durchgeführt, so dass die Stätte nicht besichtigt werden kann.

Römische Badanlagen gab es auch in Marsa, Marsaskala u.A. Diese wurden aber durch spätere Überbauung oder anderweitig zerstört und konnten nur anhand geringer Fragmente nachgewiesen werden. Auch der Geschichtspfad von Xemxija zeigt u.A. die Überreste eines halb in den Fels gebauten Gebäudes, das als Therme interpretiert wird.

Auf Gozo wurde 1910 im Westen der Ramla- Bucht die Reste einer römerzeitlichen Therme entdeckt. Bei Ausgrabungen konnten neunzehn aus lokalem Kalkstein errichtete Räume freigelegt werden, darunter fünf Räume mit noch erhaltenen Hypocausten, ein großes Kaltwasserbecken und der mit farbigem Marmorfußboden ausgestattete Gemeinschaftsraum. Das Wasser wurde über Kanäle aus den landeinwärts gelegenen Hügeln hergeleitet. Nach Beendigung der Arbeiten wurde die Ausgrabungsfläche zu ihrem Schutz wieder verfüllt.
Reste römischer Badeanlagen befinden sich auch in Kercem/Gozo, wo am Tafelberg Ta’ Dbiegi eine ergiebige Quelle entspringt. Diese Stätte ist nicht öffentlich zugänglich.

Römische Begräbnisstätten

Nach römischer Sitte wurden die Toten gleich außerhalb der Stadtmauer, i.d.R. entlang der Straßen begraben. So sind auch für die Hauptsiedlungen der maltesischen Römerzeit Begräbnisstätten unmittelbar an der jeweiligen Stadtgrenze nachgewiesen. Für Melita war das westlich der heutigen Santa-Rita-Straße (Triq Santa Rita im heutigen Rabat), für Rabat/Gozo westlich der Santa-Maria-Straße (Triq Santa Maria). Hier weist schon die Flurbezeichnung «Fuq it-Tomba“ westlich des Sant Wistin Platzes ( Pjazza Sant Wistin) auf Gräberfelder hin.
Dabei bezogen die römischen Nekropolen bestehende punische bzw. noch ältere Anlagen ein. Durch stetige Erweiterungen entstanden ausgedehnte Katakomben, die auch noch in byzantinisch-christlicher Zeit genutzt wurden.

Weitere Katakomben gibt es u.A. im Fort Mosta, bei Burmarrad, Zurrieq, Kercem/Gozo. Römische Gräber, die allerdings nie ausgegraben wurden, sind auch von Comino bekannt.

Römische Tempel

Grundsätzlich herrschte im Römischen Reich Religionsfreiheit.
Das hinderte die römischen Besatzer aber keineswegs daran, den offenbar sehr reichen und weitbekannten phönizischen Astartetempel von Tas Silg zu plündern. Bezeugt wird das durch Cicero (106 – 43 v.u.Z.), der in einer seiner Reden den römischen Statthalter Siziliens von 73-71 v.u.Z., Gaius Verres, der Plünderung des Juno-Tempels in Malta anklagt.
Aus dieser Schrift ist auch ersichtlich, dass die einheimischen Götter ganz selbstverständlich mit römischen Göttern gleichgesetzt wurden. Neben der Sprache und der Wirtschaftsweise wurde letztendlich auch die Religion romanisiert und die phönizischen Astarte wurde allmählich zur römischen Juno, Melqart zu Herakles oder manchmal zu Jupiter. So bestanden die phönizisch-karthagischen Tempel auf Malta und Gozo in der Römerzeit weiter.
Dazu kamen – u.A. durch römische Siedler – Tempel für neue Götter, so ein Apollotempel in Melita (Mdina-Rabat/Malta) und ein Tempel für Prosperina, die Göttin der Unterwelt und Gemahlin Plutos, beim heutigen Vorort Mtarfa.
Aus anderen Teilen des Römischen Reiches gelangte auch das Christentum nach Malta. Insbesondere während der letzten großen Christenverfolgung zwischen 305 bis 311 flohen zahlreiche sizilianische Christen nach Malta.
Die in Malta sehr lebendige christliche Überlieferung verbindet verschiedene Stätten z.Bsp. an der St. Paul’s Bucht, in Naxxar und in Rabat/Malta mit dem Apostel Paulus und mit Publius, dem römischen Statthalter des Jahres 60, sowie mit der sizilianischen Märtyrerin Agatha.
Nachdem das Römische Reich nach dem Tod Kaiser Theodosius‘ I. 395 u.Z. zwischen dessen Söhnen aufgeteilt wurde, gehörte Malta zum Weströmischen Reich.