Römische Villa in Rabat

(Domus Romana, Roman house)

Lage

Im Zentrum der antiken Inselhauptstadt Melita, d.h. an der heutigen Stadtgrenze zwischen Mdina und Rabat

Entdeckungs- /Grabungsgeschichte

Bei Baumpflanzarbeiten stieß man 1881 zufällig auf römerzeitliche Ruinen. Ausgrabungen erbrachten die Fundamente eines typischen Atriumhauses mit säulenumstandenen Innenhof (Peristyl), Empfangsraum (Vestibulum) und Speiseraum (Triclinium). Alle drei Räume enthielten noch außergewöhnlich gut erhaltene Bodenmosaiken. Für diese wurden sofort nach der Grabungssaison Schutzbauten errichtet, die nur diese drei Räume umfaßten und bereits 1882 als eines der ersten öffentlichen Museen Maltas eingeweiht wurden. Der Zugang erfolgte damals von der Seitenstraße über den heutigen Museumsladen.

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In der Folgezeit wurden zahlreiche bei Straßen- und Bauarbeiten in Mdina und Rabat aufgefundene römerzeitliche Artefakte, später römerzeitliche Funde von der gesamten Insel, hier gesammelt.

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1920-24 führte Sir Themistocles Zammit, der erste Direktor der Maltesischen Museen, weitere Ausgrabungen auf dem Gelände durch. Dabei wurden auch die damaligen Ackerflächen östlich der Römervilla untersucht. Es wurden mehrere Nebengebäude und Spuren einer ausgefahrenen Straße entdeckt, die in Richtung des Bahnhofes Mtarfa verläuft.
Sehr günstig für die Erhaltung der Gebäude war der Umstand, dass Großteile der Fläche in der muslimischen Epoche als Friedhof genutzt wurden und später brach lagen.
Bereits 1922 hatte der Architekt Galizia Pläne für die Erweiterung des Museums gemacht, ab 1925 wurde danach das heutige Museum mit seiner klassizistischen Fassade und geräumigem Ausstellungssaal gebaut.

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2002-05 und 2011 wurden die Räume renoviert und die Ausstellung völlig neu konzipiert.

Bauten

Es handelt sich um ein reich ausgestattetes Stadthaus in typisch römischer Bauweise, d.h. die verschiedenen Wohn- und Arbeitsräume gruppieren sich um einen zentralen Innenhof mit Säulenumgang (Peristyl).
Hier befindet sich das repräsentativste der erhaltenen Bodenmosaiken. Das zentrale Motiv zeigt zwei auf dem Rand einer flachen Schale sitzende Tauben. Es geht auf eine Arbeit des griechischen Mosaikkünstlers Sosos aus dem 2. Jhd. v.u.Z. zurück, das später oft kopiert und variiert wurde und in allen Provinzen des Römischen Reiches verbreitet war.
Das Mosaik ist in der vermiculatum-Technik ausgeführt, bei der sehr kleine Mosaiksteine entlang der Konturen in gewundenen Linien angeordnet werden. Sie gestattet genaue Umrisse und feine Farbabstufungen, und wird für Bildmotive – insbesondere für Gesichter – verwendet, die dadurch wie gemalt wirken.
Das Bild wird durch verschiedene Bänder umrahmt, darunter ein schmales Band mit laufenden Hunden und ein breites mehrfarbiges Band mit kompliziertem Mäandermuster sowie durch rote, blaue und weiße Streifen. Diese sind in der gröberen tesselatum-Technik ausgeführt, die größere Mosaiksteine in gleichmäßigen Reihen anordnet und eher für Hintergründe und Füllflächen verwendet wird.

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Das Peristyl-Mosaik wurde im 20. Jhd. restauriert, wobei es in Paneele geteilt und diese auf Zementplatten fixiert wurden. Leider treten inzwischen Korrosionsschäden am Mosaik auf, die durch die eisernen Armierstäbe der Zementplatten verursacht werden.

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Der Hof war von einem Säulengang mit Dorischen Säulen umgeben. Sie werden heute durch einfache Pfeiler symbolisiert, die allerdings auf den Originalstandorten platziert wurden und so das einstige Raumgefühl vermitteln.
Aus erhaltenen Bruchstücken konnte eine Säule und ein Stück des aufliegenden Gebälkes rekonstruiert werden. Die Stücke wurden aus heimischem Globigerinenkalkstein gearbeitet und mit dünnem, bemaltem Kalkputz überzogen. Erhaltene Reste zeigen Imitationen farbigen Marmors, das Gesims eine gemalte ornamentale Zierleiste, die eine Datierung zwischen ersten und zweiten Pompej-Stil ermöglicht.

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Auch der angrenzende Empfangsraum (vestibulum) und der Speiseraum (triclinium) sind mit exzellenten Bodenmosaiken ausgestattet.
Im vestibulum ist eine kleine nackte Figur, die von zwei Frauen gehalten wird, dargestellt, im triclinium ein Knabe mit Traube und Granatapfel, was allgemein als Allegorie des Herbstes angesehen wird.

Ausstellung

Die neu konzipierte Ausstellung veranschaulicht verschiedene Bereiche aus dem römischen Alltag wie Weben, Kochen, Körperpflege, Bildung und Unterhaltung.

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Unter den im Museum zusammengetragenen Stücken gibt es einige Besonderheiten:

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Das einzige in Malta gefundene Rython, ein besonderes Trinkgefäß, dessen hornartiges Ende als Schlangenkopf geformt ist.

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Eine Glasamphore von 46,5 cm Höhe und außergewöhnlicher Form: das Gefäß verjüngt sich zum Boden hin zu einem kugelförmigen Knopf. Außer in Pompei wurden im westlichen Mittelmeer nur ganz wenige Exemplare dieser Art gefunden. Es gehörte zum römischem Tischgeschirr und wurde für Getränke wie Wein gebraucht. Die Herkunft konnte nicht mehr festgestellt werden – nach Jean Houel stammt das Gefäß aus einer Katakombe, wo es als Urne diente, nach Caruana aus einem antiken Tempel beim Fort St. Angelo in Birgu.

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Eine größere Kollektion verschiedener Balsamgefäße aus Bein und Glas

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Haarnadeln aus Knochen mit runden Köpfen, einige mit geschnitzten Gesichtern

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Verschiedene Statuen, darunter die Claudius-Gruppe aus Carara-Marmor: es handelt sich um ein Ensemble aus drei Porträts der Familie des römischen Imperators Claudius (41-54 u.Z.) – Claudius selbst, seiner Tochter Claudia Antonia sowie eines Knaben leider ohne Kopf, der aber als Claudius‘ Adoptivsohn Nero angesehen wird.

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Eine weitere Statue unterscheidet sich im Stil von allen anderen und ist wohl wesentlich älter. Obwohl der Kopf fehlt ist eine stilisierte Frisur erkennbar, die als „ägyptische Perücke“ bezeichnet wird. Sie trägt ein schweres Halsband mit Widderköpfen und Pfauen – insgesamt alles Attribute der Göttin Astarte bzw. Isis. Auch hier konnte die Herkunft nicht mehr festgestellt werden, allerdings erwähnt G.F. Abela 1647 eine solche Statue vor dem Tor von Mdina.

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Von dem ehemaligen arabischen Friedhof konnte eine Anzahl von Grabsteine in Prismenform geborgen werden, wovon einige in der Ausstellung zu sehen sind. Sie sind größtenteils aus heimischem Globigerinkalkstein gefertigt, einige auch aus graugezeichnetem weißen Marmor und tragen Inschriften – meist dekorativ ausgeführte Koranzitate, manchmal Namen und Sterbedaten – die typisch für den Maghreb sind.

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Anfahrt
Domus Romana
Museum Esplanade
Rabat RBT 1202