Ggantija – Tempelstätte

(dshantija)

Lage

Am Ortsrand von Xaghra, Gozo, am Südrand des Plateaus mit Talblick südostwärts

Entdeckungs- bzw. Grabungsgeschichte

Die Tempelstätte war nie gänzlich von Erdreich bedeckt und regte so die Entstehung lokaler Legenden über hier hausende Riesen an.
1824 erfolgte eine erste Freilegung der Mauern, was der Maler Charles von Brocktorff in einigen Zeichnungen und Aquarellen festhielt. Der Erhaltungszustand der Ggantija-Anlage war einzigartig gut, bis heute ist Ggantija die einzige in ihren Grundrissen noch vollständig erhaltene Tempelanlage Maltas. Um so beklagenswerter ist die dilletantische Privatausgrabung, die der britischen Offizier und Kommandant Gozos John Otto Beyer ab 1827 durchführte.
Entgegen der damals bereits etablierten internationalen Praxis wurden keinerlei schriftliche oder zeichnerische Aufzeichnungen gemacht, ja mit Ausnahme weniger Objekte nicht einmal die reichen Keramikfunde aufbewahrt. Die Zeichnungen und Aquarelle von Brocktorff’s sind die einzigen erhaltenen Dokumente. Sie zeigen allerdings auch wieviel noch nach den Ausgrabungen von 1827 verloren gegangen ist!
Anfang des 20. Jhd’s wurden Konservierungsarbeiten vorgenommen.

Seit 1972 gehört die Anlage von Ggantija zum UNESCO-Welkulturerbe
Bis zur Entdeckung der Megalithanlage von Göbekli Tepe in der Türkei galt Ggantija zusammen mit dem Westtempel von Skorba lange als ältestes freistehendes Bauwerk der Welt, was sogar ins Guinessbuch der Rekorde Eingang fand.

 

Lageplan der Tempelanlage mit Doppeltempel und Vorhof

Lageplan der Tempelanlage mit Doppeltempel und Vorhof

 

Legende zum Lageplan des Tempelkomplexes

A (grau)…… – Tempelvorplatz
A1…………. – Terrassenstützmauer
A2 …………- Megalithen der Umfassungsmauer des Vorplatzes
B (braun) …..- älterer Südtempel, Ggantija-Phase
B2 ………….- größter Megalith, geschätztes Gewicht 57 t
C (orange) …- jüngerer Nordtempel, Tarxien-Phase
B3, C3 (gelb)- „Bankaltäre“ vor der Tempelfassade

 

 

 

 

 

 

Bauten

Bei der Tempelanlage von Ggantija sind außer den eigentlichen Tempelräumen auch die gemeinsamen äußeren Umfassungsmauern und – als einzigste aller maltesischen Tempelanlagen – sogar der ovale Vorhof in ihren Grundrissen vollständig erhalten (A). Die Tempel wurden in den Hang hinein gebaut, die Basis der äußeren Umfassungsmauer (Westseite) liegt ca. 2-3 m über dem Niveau des Tempelbodens bzw. des Vorhofes.

Vorhof (A)

Der Vorhof liegt auf einer Terrasse mit Blick südostwärts zum Tal.
Wie auf den Aquarellen von Brocktorffs von 1824-27 zu sehen ist, enthielt die ursprüngliche Terrassenstützmauer (A1) ein Trilithtor, durch das der Weg vom Tal zur Anlage führte. Unglücklicherweise sind Trilith und Wegführung inzwischen verschwunden, einige Megalithen der Stützmauer sind jedoch noch an ihrem Platz.
Der Vorhof war zumindest teilweise ebenfalls von Megalithen eingegrenzt, einige Reste im Anschluss an die Fassade des Südtempels sind erhalten (A2).

die heutige Terrasse entspricht in ihrem Grundriss dem ehemaligen Tempelvorhof (A)

die heutige Terrasse entspricht in ihrem Grundriss dem ehemaligen Tempelvorhof (A)

einige Megalithen der Terrassenstützmauer (A1) befinden sich noch am ursprünglichen Standort

einige Megalithen der Terrassenstützmauer (A1) befinden sich noch am ursprünglichen Standort

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die äußere Umfassungsmauer von Westen: Die Orthostaten des älteren Südtempels (rechts) sind deutlich größer. Der Aufbau aus abwechselnd längs und quer gesetzten Megalithen ist gut zu erkennen. Die einzelnen Lagen der aufliegenden Querblöcke sind jeweils leicht nach innen versetzt und bilden einen Gewölbeansatz.

Die äußere Umfassungsmauer von Westen:
Die Orthostaten des älteren Südtempels (rechts) sind deutlich größer.
Der Aufbau aus abwechselnd längs und quer gesetzten Megalithen ist gut zu erkennen. Die einzelnen Lagen der aufliegenden Querblöcke sind jeweils leicht nach innen versetzt und bilden einen Gewölbeansatz.

 

 

Die äußere Umfassungsmauer beider Tempel wurde aus großen, senkrecht stehenden Steinen (Orthostaten) gesetzt, die zur Erreichung höherer Stabilität abwechselnd längs und quer gestellt wurden. In die Lücken wurden kleinere Steine kunstvoll eingepaßt.

 

Die Orthostaten des älteren Südtempels (B) sind jedoch deutlich größer, wobei die Außenseiten teilweise geglättet wirken. Eine besonders große Platte auf der Rückseite (B2) mißt ca. 3 x 5 m und wird auf 57 t Gewicht geschätzt. Auf diesen mächtigen Orthostaten liegen – je nach ihrer Höhe – bis zu vier Lagen blockförmig bearbeiteter Quersteine auf, die jeweils geringfügig nach Innen versetzt sind. Der Ansatz einer Kuppel ist bis heute deutlich erkennbar.
Der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand erklärt sich u.A. daraus, dass für den Bau der lokal vorhandene harte Korallenkalkstein verwendet wurde. Nur Ausstattungsstücke wie die „Türsteine“ der Korridore, Bank- bzw. Stufenaltäre u.Ä. bestehen aus dem leichter zu bearbeitendem Globigerinenkalkstein.

 

Fassade des Südtempels: die heute erhaltene Höhe beträgt noch bis zu 6 m. Die Ecke wird durch einen mächtigen pfeilerartigen Orthostaten gebildet. Links daneben sind noch einige Megalithen (A2) der Umfassungsmauer des Vorhofes erhalten.

Fassade des Südtempels: die heute erhaltene Höhe beträgt noch bis zu 6 m.
Die Ecke wird durch einen mächtigen pfeilerartigen Orthostaten gebildet. Links daneben sind noch einige Megalithen (A2) der Umfassungsmauer des Vorhofes erhalten.

Die gemeinsame Fassade beider Tempel beschreibt zwei konkave Bögen zur Terrasse hin. Auch sie besteht aus einer Reihe mächtiger Orthostaten, auf denen noch bis zu sechs Lagen Querblöcke aufliegen. Besonders imposant sind die pfeilerartigen Ecksteine. In die Orthostatenreihe sind die beiden Tempeltore integriert. Im Mittelteil sind noch einige Blöcke (B3 und C3) einer bankartig vor der Fassade verlaufenden Steinreihe erhalten, die als „Bankaltäre“ zur Ablage von Opfergaben interpretiert werden.

Die heute erhaltene Fassadenhöhe beträgt – ohne Restaurierung – noch bis zu 6 m!
Der Bauzustand ist allerdings sehr instabil. Der mittlere Teil ist bereits eingestürzt, der südliche Teil ist stark vornüber geneigt und einsturzgefährdet. Es mußte ein Stützgerüst aufgebaut werden, das den Blick auf die Konstruktion der Fassade versperrt und den Gesamteindruck sehr beeinträchtigt.

 

Südtempel (B)

Der Südtempel ist der ältere des Komplexes, er konnte auf 3.600 v.u.Z. datiert werden.
Nach der Fundstätte von Ggantija wurde die gesamte Kulturperiode von ca. 3.600 – 3.200 v.u.Z. als Ggantija-Phase benannt.
Es handelt sich um einen Fünfapsidentempel, wobei – wie in den meisten maltesischen Anlagen – das erste Paar Seitenapsiden (Raum B7) kleiner als das zweite (Raum B10) ist.

 

Plan des Südtempels

Plan des Südtempels

 

 

Legende zum Plan des Südtempels

a (dunkelbraun) – Orthostaten

b (braun) ……… -Trockenmauerwerk

c (gelb)………… – liegende Blöcke (Bank-, Schwellen-Altäre u.a.)

d (grau)……….. – Steinplatten-Boden

 

 

 

 

Südtempel: Das Trilith-Tor ist in die Orthostatenreihe der Fassade integriert, der Deckstein fehlt heute. Rechts sind einige Blöcke eines vor der Fassade verlaufenden «Bankaltares» (B3) erhalten, links einige Steinkugeln verschiedener Größe und ungeklärter Bestimmung.

Südtempel: Das Trilith-Tor ist in die Orthostatenreihe der Fassade integriert, der Deckstein fehlt heute. Rechts sind einige Blöcke eines vor der Fassade verlaufenden «Bankaltares» (B3) erhalten, links einige Steinkugeln verschiedener Größe und ungeklärter Bestimmung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Zugang erfolgt durch ein in die Fassade integriertes Trilith-Tor, der Deckstein fehlt heute, die beiden Orthostaten sind am vorderen oberen Ende zapfenartig abgeschrägt. Vor dem Trilithtor soll eine große, ovale, schwellenartige Platte (B4) mit umlaufendem erhabenen Rand liegen, die auch als Altar gedeutet wird. Leider ist sie heute – genau wie die steinernen Bodenplatten der Korridore – unter dem Laufsteg nicht mehr sichtbar.

Südtempel: Trilith-Tor und durchgehender Korridor, im Hintergrund die Kopfapsis. Zum Schutz der Steinplatten des Bodenbelages wurde ein Laufsteg errichtet, Libationsöffnungen u.Ä. bleiben unter Plexiglas sichtbar.

Südtempel: Trilith-Tor und durchgehender Korridor, im Hintergrund die Kopfapsis. Zum Schutz der Steinplatten des Bodenbelages wurde ein Laufsteg errichtet, Libationsöffnungen u.Ä. bleiben unter Plexiglas sichtbar.

 

Hinter dem Trilithtor bilden zwei Doppelreihen von Orthostaten einen Eingangskorridor (B6).

 

 

 

 

 

 

 

 

Südtempel: symmetrische Nischenkonstruktion (B5) auf der Innenseite des Eingangskorridors. Die Orthostaten sind mit je vier gegenüberliegenden Bohrungen sowie mit «Anbindeösen» ausgestattet. Die Bodenplatte vorne rechts enthält eine Libationsöffnung.

Südtempel: symmetrische Nischenkonstruktion (B5) auf der Innenseite des Eingangskorridors. Die Orthostaten sind mit je vier gegenüberliegenden Bohrungen sowie mit «Anbindeösen» ausgestattet. Die Bodenplatte vorne rechts enthält eine Libationsöffnung.

 

Südtempel: dienten die einander gegenüberliegenden Bohrungen am Ende des Eingangskorridors zur Aufnahme einer Sperre?

Südtempel: dienten die einander gegenüberliegenden Bohrungen am Ende des Eingangskorridors zur Aufnahme einer Sperre?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beidseits dieses Korridors bilden die jeweils letzten Orthostaten der inneren und äußeren Reihe zwei symmetrisch angeordnete Nischen (B5) für einen niedrigen Steinwürfel. Die vorderen Orthostaten weisen dabei je vier senkrecht übereinander angeordnete und sich jeweils gegenüber liegende Bohrungen auf, die als Halterung für eine Sperre – z.B. aus Balken – gedeutet werden.
Der linke hintere Orthostat enthält in ca. 2 m Höhe eine steinerne Öse. Die übliche Deutung als Anbindemöglichkeit für Opfertiere erscheint wegen der großen Höhe unwahrscheinlich. Die Bodenplatte vor diesem Orthostaten enthält eine Bohrung von ca. 20 cm Durchmesser, die als Libationsbohrung, d.h. als Verbindung zur Erde für die Darreichung von Trankopfern angesehen wird.

 

Südtempel, Raum B7: rechte Apsis mit Barriere aus Orthostaten und Schwellenblöcken, dahinter Altaranlage aus weiteren Orthostaten und Bodenplatten

Südtempel, Raum B7: rechte Apsis mit Barriere aus Orthostaten und Schwellenblöcken, dahinter Altaranlage aus weiteren Orthostaten und Bodenplatten

 

Vom Korridor gelangt man in Raum B7, dessen rechte Apsis noch die authentische Ausstattung enthält. Zwei Orthostat-Platten und zwei schwellenartigen Steinblöcken bilden eine Barriere, der Zwischenraum besteht aus einer halbkreisförmigen, in den Boden eingelassenen Steinplatte. Vor dieser befindet sich – leicht nach rechts versetzt – eine runde, muldenförmig eingetiefte Steinplatte. Hinter der Barriere bilden weitere Orthostaten und stufenförmig angeordnete steinerne Bodenplatten eine als Altaranlage gedeutete Konstruktion. Hier wurde auf einem großen Steinblock das Relief einer sich windenden Schlange gefunden, das sich heute im Archäologischen Museum von Rabat/Gozo befindet.

Südtempel, Raum B7, rechte Apsis: auf den Schwellenblöcken sind sehr schwache Reste eines Spiralmusters zu erkennen

Südtempel, Raum B7, rechte Apsis: auf den Schwellenblöcken sind sehr schwache Reste eines Spiralmusters zu erkennen

Auf den beiden Schwellenblöcken sind noch sehr schwache Reste eines Spiralmusters zu erkennen.

 

 

 

Südtempel, Raum B7: linke Apsis mit runder Steinplatte (hinten links), liegenden Blöcken (nach Form und Abmessungen wahrscheinlich aus dem Gewölbeansatz) sowie durchbohrtem Orthostaten.

Südtempel, Raum B7: linke Apsis mit runder Steinplatte (hinten links), liegenden Blöcken (nach Form und Abmessungen wahrscheinlich aus dem Gewölbeansatz) sowie durchbohrtem Orthostaten.

 

 

 

 

Die linke Apsis ist weitgehend leer, links hinten ist eine runde, ebenerdige Steinplatte zu erkennen. Bei den zwei großen liegenden Blöcken handelt es sich nach Form und Maß wahrscheinlich um herabgestürzte Querblöcke des Gewölbes.
Ein querstehender Orthostat vorne rechts enthält an der Basis eine Bohrung, die üblicherweise als „Orakelloch“ bezeichnet wird. Er gehört zu einer nur teilweise erhaltenen, symmetrischen Orthostaten-Konstruktion (B8), die den Durchgang zum hinteren Raum flankiert. Eine analoge aber weitaus vollständig erhaltene Konstruktion ( C) ist im Nordtempel zu sehen.

 

 

Südtempel, Verbindungskorridor B9: Die Plexiglasscheiben im Laufsteg geben den Blick auf die Libationsbohrungen frei.

Südtempel, Verbindungskorridor B9: Die Plexiglasscheiben im Laufsteg geben den Blick auf die Libationsbohrungen frei.

 

Der Verbindungskorridor (B9) besteht aus zwei einfachen Orthostaten-Reihen, mit einem Boden aus Steinplatten. Die Bodenplatten enthalten mehrere Bohrungen von ca. 20 cm Durchmesser, die ebenfalls als Libationsbohrungen für Trankopfer angesehen werden. Durch Plexiglasscheiben im Laufsteg hat man versucht, diese Bohrungen sichtbar zu machen. Wegen Verschmutzung und Kondenswasser ist das aber sehr schwierig. Die letzten beiden Orthostaten des Korridors enthalten wieder „Anbindeösen“.

 

 

 

 

 

 

 

 

Raum B10 ist der größte Raum der Ggantija-Anlage, seine Achsenlänge beträgt 23 m. Die rechte Apsis erscheint leer bis auf eine muldenartig eingetiefte, runde Steinplatte (B11) vorn. Diese Steinplatte enthält Brandspuren und wird daher als Feuerstelle gedeutet. Links – verdeckt durch das Gerüst – soll sich noch ein Bankaltar befinden.
Die linke Apsis enthält an der Stirnseite eine auffällige, regalartige, mehrfach untergliederte Steinkonstruktion, die als „Trilith-Altar“ (B12) bezeichnet wird. An den relativ frisch bearbeiteten Steinflächen und dem kleinteiligen Trockenmauerwerk der Rückwand erkennt man die Rekonstruktion. Links daneben sind relativ kleine, dünne Orthostatplatten aufgestellt, die wohl eine innere Wandverkleidung (B13) gebildet haben.
Im Gegensatz zu den mächtigen Orthostaten der Umfassungsmauer wurden die Innenwände aus viel kleineren ungeglätteten Steinen aufgeschichtet.
Diese rauen Steinwände waren zumindest teilweise auch mit Lehm verputzt und sogar mit importiertem roten Ocker bemalt. Das beweisen zwei Putz-Fragmente, die sich heute im Archäologischen Museum von Rabat/Gozo befinden.

Südtempel, Raum B10: linke Apsis mit Rekonstruktionen eines «Trilithaltars» und der Wandverkleidung aus dünnen Steinplatten (links)

Südtempel, Raum B10: linke Apsis mit Rekonstruktionen eines «Trilithaltars» und der Wandverkleidung aus dünnen Steinplatten (links)

Südtempel: Die Kopfapsis B14 mußte durch massive Gerüste abgestützt werden.

Südtempel: Die Kopfapsis B14 mußte durch massive Gerüste abgestützt werden.

Südtempel, Raum B10: wegen des Gerüstes ist die rechte Apsis schlecht einsehbar. Die muldenartig eingetiefte Steinplatte vorne weist Brandspuren auf.

Südtempel, Raum B10: wegen des Gerüstes ist die rechte Apsis schlecht einsehbar. Die muldenartig eingetiefte Steinplatte vorne weist Brandspuren auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kopfapsis B14 mußte wegen Einsturzgefahr durch Gerüste abgestützt werden, so dass die Ansicht stark beeinträchtigt ist. Die gesamte Apsis ist durch zwei Lagen von Steinblöcken gegenüber dem Bodenniveau des Tempels deutlich erhöht. Die Frontseite der so gebildeten Stufe (B15) ist mit kleinen Löchern verziert. Zwei der Stufenblöcke enthalten Libationsbohrungen.
Der Tempelboden zwischen der Stufe und dem Verbindungskorridor B9 besteht aus großen Steinplatten, die zu ihrem Schutz von einem Laufsteg überbaut wurden. Ein Teil dieses Steinplattenbodens ist vor der Apsis sichtbar.

Die Frontseite der Stufe ist mit kleinen Löchern verziert und weist eine ausgebrochene Libationsöffnung auf. Vor der Apsis sind steinerne Bodenplatten sichtbar, wie sie auch die Korridore aufweisen.

Die Frontseite der Stufe ist mit kleinen Löchern verziert und weist eine ausgebrochene Libationsöffnung auf. Vor der Apsis sind steinerne Bodenplatten sichtbar, wie sie auch die Korridore aufweisen.

 

Nordtempel (C)

Der Nordtempel ist fast 1.000 Jahre jünger, er konnte in die Tarxien-Phase (2.800 – 2.500 v.u.Z.) datiert werden.
Auch hier handelt es sich um einen Fünfapsidentempel, wobei das erste Apsidenpaar (Raum C7) größer als das zweite (Raum C5) ist – eine Besonderheit, die sonst nur noch im Osttempel von Skorba auf Malta angetroffen wurde.

Plan des Nordtempels

Plan des Nordtempels

 

Legende zum Plan des Nordtempels

a (dunkelbraun) – Orthostaten

b (braun) – Trockenmauerwerk

c (gelb) – liegende Blöcke (Bank-, Schwellen-Altäre u.a.)

d (grau) – Steinplatten-Boden

 

 

 

 

 

 

Fassade des Nordtempels mit Trilith-Tor, Eckpfeiler und eingestürztem Mittelteil

Fassade des Nordtempels mit Trilith-Tor, Eckpfeiler und eingestürztem Mittelteil

 

Der Zugang erfolgt wie beim Südtempel über ein Trilith-Tor in der Fassade und einen aus Orthostaten gebildeten Eingangskorridor (C6). Auch hier fehlt der Deckstein und die beiden Orthostaten sind am vorderen oberen Ende zapfenartig abgeschrägt. Unter dem Laufsteg befinden sich Bodenplatten.

 

 

 

 

 

Nordtempel: symmetrische Nischenkonstruktion (C5) auf der Innenseite des Eingangskorridors. Auf halber Höhe der Orthostaten sind gegenüberliegende Bohrungen angebracht, die evtl. zur Aufnahme einer Sperre dienten.

Nordtempel: symmetrische Nischenkonstruktion (C5) auf der Innenseite des Eingangskorridors. Auf halber Höhe der Orthostaten sind gegenüberliegende Bohrungen angebracht, die evtl. zur Aufnahme einer Sperre dienten.

Die letzten beiden Orthostaten sind – wie das Trilith-Tor – oben ebenfalls zapfenartig abgeschrägt. Beidseits des Korridorendes bilden die jeweils letzten, versetzt angeordneten Orthostaten Nischen (C5), der rechte Stein enthält auf halber Höhe eine Durchbohrung, der linke auf gleicher Höhe ein nicht durchgehendes Loch.

 

Beide Apsiden des ersten Raumes (C7) sind heute leer. Die Wände bestehen aus Lagen von Steinblöcken – wobei auch einige sehr große Blöcke verbaut wurden – und sind kuppelartig nach innen geneigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der nun folgende, in den hinteren Raum (C10) führende Verbindungskorridor (C9) wird von zwei keilartigen, sich nach unten verjüngenden Orthostaten flankiert. Sie bilden mit je einem weiteren, quer angeordneten Orthostaten und dazwischenliegenden flachen Blöcken eine imposante symmetrische Eingangskonstruktion (C8), deren Wirkung allerdings durch den Laufsteg kaum noch bemerkt wird. Den Durchgang zwischen den beiden „Keilen“ bildet ein großer, quadratischer stufenartiger Block.
Die beiden letzten Orthostaten des Korridors C9 enthalten im oberen Drittel einander gegenüberliegende Durchbohrungen.

 

Nordtempel: den Zugang zum Verbindungskorridor C9 bildet eine imposante symmetrische Nischenkonstruktion (C8) ....

Nordtempel: den Zugang zum Verbindungskorridor C9 bildet eine imposante symmetrische Nischenkonstruktion (C8) ….

 

... die aus keilförmigen, sich nach unten verjüngenden Orthostaten sowie weiteren Orthostaten und liegenden Blöcken gebildet wird.

… die aus keilförmigen, sich nach unten verjüngenden Orthostaten sowie weiteren Orthostaten und liegenden Blöcken gebildet wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nordtempel, Raum C10: Die linke Apsis enthält Relikte einer Altaranlage mit basalen Orthostat-Resten.

Nordtempel, Raum C10: Die linke Apsis enthält Relikte einer Altaranlage mit basalen Orthostat-Resten.

 

Nordtempel: die Kopfapsis C13 ist zu einer flachen Nische reduziert. Eingerahmt von zwei Orthostaten befindet sich hier die Rekonstruktion eines «Trilith-Altars» Im Hintergrund die Orthostaten der westlichen Umfassungsmauer: ihre Basis liegt ca. 2-3 m über dem Niveau des Tempelbodens

Nordtempel: die Kopfapsis C13 ist zu einer flachen Nische reduziert. Eingerahmt von zwei Orthostaten befindet sich hier die Rekonstruktion eines «Trilith-Altars»
Im Hintergrund die Orthostaten der westlichen Umfassungsmauer: ihre Basis liegt ca. 2-3 m über dem Niveau des Tempelbodens

 

Nordtempel, Raum C10: Das Bodenniveau der rechten Apsis ist durch eine Stufe (C11) erhöht.

Nordtempel, Raum C10: Das Bodenniveau der rechten Apsis ist durch eine Stufe (C11) erhöht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Bodenniveau der rechten Apsis des hinteren Raumes C10 liegt über dem der übrigen Tempelräume, die Stufe (C11) wird aus zwei Lagen von Steinblöcken gebildet. In der leeren Apsis wurden Reste von Orthostaten aufgereiht, die linke Apsis enthält an der Stirnseite Basisreste zweier authentischer, aufrecht stehender Steinplatten (C12) die als Altaranlage angesehen werden. Die Anordnung entspricht der besser erhaltenen Anlage in der rechten Apsis des vorderen Raumes B7 des Südtempels. Bei dem liegenden Block handelt es sich wohl um einen umgestürtzen Orthostaten oder auch um die Reste eines Schwellenblocks.

Die Kopfapsis C13 des Nordtempels ist zu einer flachen Nische reduziert, die einen regalartigen „Altar“ enthält. Wie auch beim „Trilith-Altar“ B12 des Südtempels handelt es sich hier um eine Rekonstruktion.
Es sollen noch Zeichnungen bzw. Aquarelle des Malers von Brocktorff existieren, die die heute verschwundenen Altäre in der Kopf- bzw. den Seitenapsiden dokumentieren.

Nordhöhle (L-Ghar)

100 m nordwestlich der Tempel trifft man direkt an der Straße auf eine kleine Höhle. Es handelt sich ursprünglich um ein Felskammergrab, das aber später zur Deponierung von Tempelmüll genutzt wurde. Die nierenförmige, grob aus dem Fels gehauene Kammer war über Stufen erreichbar und enthielt bei ihrer Entdeckung 1949 hauptsächlich Tarxien-Keramik, einige Scherben der Ggantija-Phase, Fragmente eines menschlichen Schädels sowie Tierknochen.

Funde

Zwei Steinköpfe im typischen Stil der Tempelperiode, das Schlangenrelief, ein als Phallussymbol gedeuteter Orthostat und zwei Lehmputz-Fragmente aus dem Südtempel sowie eine Scherbe mit Haubenvogel-Muster befinden sich im Archäologischen Museum in Rabat/Gozo.
Die reichen Keramikfunde der Ausgrabung von 1827 wurden nicht aufbewahrt.

 


Anfahrt

Ggantija Temples
Temples Street (Triq l-Imqades)
Xagħra
Gozo

Koordinaten: 36° 2′ 50″ N, 14° 16′ 8″ O

 


Quellen: Heritage Malta, Nationalmuseum für Archäologie in Valletta, Museum für Archäologie in Rabat/Gozo, Gemeinde Xaghra

 


Weitere zeitgleiche Anlagen in Xaghra

Der Ggantija-Komplex muß in Zusammenhang mit weiteren Anlagen der Tempel-Zeit in Xagra gesehen werden.

Santa Verna-Tempel

Etwa 1000 m westlich, am anderen Ende des Plateaus, sind Reste einer weiteren Tempelanlage – des Santa Verna-Tempels – erhalten. Es handelt sich um vier mächtige Orthostaten mit vier davor liegenden Blöcken, also offenbar einen Fassadenrest wie sie von Tempeln wie Ggantija oder Mnajdra mit ihren vor der Fassade umlaufenden Bankaltären bekannt sind. Bisher fanden keine Grabungen statt, das Alter der Stätte ist unbekannt.

Hypogäum von Gozo

In der Mitte zwischen den beiden Anlagen liegt das Hypogäum von Gozo (Tal-Qacca Hypogeum) – eine unterirdische Begräbnisstätte der Tempelkultur ähnlich dem berühmten Hypogäum von Hal Saflieni auf Malta. Außer einem Komplex untereinander verbundener Grabhöhlen gab es auch hier einen unterirdischen Tempel bzw. Kultraum. Die Anlage war von einem nicht erhaltenen Steinkreis umgeben. Nach dem Maler Charles von Brocktorff, der die Anlage in seinen Zeichnungen aus den 1820-er Jahren festhielt, wird der Komplex auch Brocktorff– Steinkreis (Brocktorff Circle) genannt.
Nach mehreren aufwendigen Grabungen zwischen 1987-94 wurde die Anlage zu ihrem Schutz wieder verfüllt. Die Funde sind im Archäologisches Museum in Rabat/Gozo ausgestellt. Der oberirdische Teil der Anlage kann nach vorheriger Anmeldung bei der Museumsverwaltung Heritage Malta besichtigt werden.

Felskammergräber von Xaghra

Neben den genannten spektakulären Stätten gibt es in und um Xaghra verschiedene, bereits in der Tempel-Zeit genutzte Höhlen bzw. Felskammergräber.

  • Die Nordhöhle (L-Ghar) befindet sich 100 m nördlich des Ggantija- Tempels an der Straße. (s.o.)
  • Die Ghejzu- Höhle (L-Ghar ta’ Gejzu) liegt ca. 300 westlich der Ggantija- Tempel in Richtung Hypogäum an der Hauptstraße (Straße des 8. September, Triq Tmienja ta’ Settembru).
  • Die Pergla-Höhle (L-Ghar tal-Pergla) liegt am Hang der Pergla- Schlucht (Wied tal-Pergla).
    Eine weitere Höhle gibt es auf dem Hügel Il-Qortin tas-Srug nördlich von Xaghra.
    Alle Höhlen enthielten Keramik der Tempel-Zeit sowie Tier- und Menschenknochen, sie waren durch Schächte zugänglich und z.T. oberirdisch durch Megalith-Setzungen gekennzeichnet.