Ghajn Sielem – Siedlungsplatz und Tempelstätte auf Gozo

Lage

Ca. 700 m nordwestlich von Ghajn Sielem, beidseits der Hauptstraße (Nr. 110) von Qala über Ghajn Sielem nach Xewkija

Entdeckungs- bzw. Grabungsgeschichte

Die Stätte scheint sehr komplex zu sein und neben den bisher einzigen ausgegrabenen Siedlungsresten aus der Tempel-Zeit auch einen Tempel und evtl. sogar einen Steinkreis ähnlich dem von Xaghra zu umfassen.

In der lokalen Folklore war hier seit alters her ein Steinhügel „Borg Gharib“ – „Hügel des Fremden“ bekannt, um den sich eine Legende rankt.
Erstmals wurden Teile der Anlage 1896 durch Caruana, später auch durch Mayr dokumentiert. Es handelt sich um „Tal-Qigham“ genannte und wahrscheinlich eine Tempelruine darstellende Mauerreste nördlich der Straße und die kreisförmig angeordneten Megalithen „L’ Mrejzbiet“ südlich der Straße.
Diese Teile wurden bisher nicht ausgegraben und können somit auch nicht datiert werden.

1988 wurden auf dem Gelände zwei kleinere Gebäudereste ausgegraben, die in die Ggantija-Phase (3.600 – 3.200 v.u.Z.) datiert werden konnten und als Wohnhaüser angesehen werden. Sie stellen den bisher einzigen Nachweis von Siedlungen aus der maltesischen Tempelzeit dar.

Von weiteren Ausgrabungen der bisher unberührten Teile des Areals mit den technischen Möglichkeiten der heutigen Archäologie werden noch sehr umfangreiche – evtl. sogar revolutionierende – Erkenntnisse erwartet.
Leider befindet sich das Gelände in Privatbesitz. Es wird heute durch die moderne Straße zerschnitten und z.T. schon mit Gebäuden aus dem 20. Jhd. überbaut.
Die Gemeinde bemüht sich um eine Enteignung bzw. um den Ankauf der Grundstücke durch den Staat sowie um die Ausgrabung.
Seit 1997 ist die Stätte in die „Nationale Liste der am meisten gefährdeten Denkmale“ aufgenommen.

Bauten

Tal-Qigham – ein weiterer Tempel

Dieser Teil der Anlage liegt auf einem kleinen Plateau, das sich leicht über die Umgebung erhebt. Der Zugang erfolgt von den flach ansteigenden Südseite, im Norden bricht es in einer einigermaßen steilen Geländestufe von 2-4 m Höhe ab. Dieses Plateau untersuchte Caruana 1896. Sein Plan verzeichnet unregelmäßig angeordnete Orthostaten von bis zu 3 m Höhe.
In der Südost-Ecke des Plateaus untersuchte Mayr zwei in einen stumpfen Winkel aufeinander treffende alte Mauerabschnitte. Ein Mauerstück verlief in einem leichten, nach Süden offenen Bogen in Ost-West-Richtung, so wie die konkaven Fassaden der bekannten Megalith-Tempel. Der Abschnitt war schlecht erhalten, konnte aber noch über 10 m Länge dokumentiert werden. Er bestand aus unbearbeiteten, aufrecht stehenden Blöcken. Die größten Orthostaten dieser Mauer waren die Eckpfeiler mit 2 m Breite und 3 m Höhe.
Nordöstlich schloß sich daran ein weiterer, noch 14 m langer Mauerzug an. Dieser Mauerzug wurde durch eine moderne Mauer zur Feldbegrenzung von ca. 10 m Länge fortgesetzt, die eindeutig altes Steinmaterial (Megalithblöcke) enthielt.
Das Bodenniveau innerhalb der ummauerten Fläche lag höher als außerhalb.
Mayr hielt die Stätte für einen befestigten Siedlungsplatz, wohl aufgrund der Lage auf dem Plateau mit der Abbruchkante im Norden und der Mauer im ungeschützten Süden. Heute wird der konkave Mauerrest mit den Eckpfeilern als Tempelfassade angesehen, an die noch ein Stück erhaltener Umfassungsmauer anschließt. Der Tempel wurde bisher nicht ausgegraben.

L’ Mrejzbiet

Ca. 40 -50 m südlich davon befinden sich auf der anderen Straßenseite weitere Megalithen. Sie wurden ebenfalls 1896 durch Caruana erstmals beschrieben. Es handelte sich um eine Reihe von Orthostaten von 1 – 1,5 m Höhe, die einen exakten Kreis von 10 m Durchmesser beschrieben.
Die Anlage erinnert an einen megalithischen Steinkreis ähnlich dem von Xaghra. Die hiesige Stätte wurde bisher nicht ausgegraben, so dass es auch keine Anhaltspunkte für eine Datierung gibt.

Borg Gharib – Siedlungsplatz

Ausgrabungen von 1988 erbrachten zwei Gebäudereste – eine ovale Struktur von ca. 8 x 5 m und eine runde Struktur von ca. 2,5 m im Duchmesser. Beide bestehen aus einer Art künstlichem Felsgrat von ca. 30 cm Breite, der eine muldenartige, ca. 40 cm eingetiefte Fläche umschließt. Auf den Felsgraten sind Reste von Lehmziegelmauerwerk erhalten. Die Innenflächen selbst sind von mehreren Schichten Torba-Boden bedeckt (3 Schichten im Oval und 5 Schichten im Kreis). Im Zentrum der ovalen Struktur konnte ein „Pfeilerrest“ aus Lehmziegeln von noch ca. 30 cm Höhe entdeckt werden. Er könnte evtl. ein Dach getragen haben.
Ein weiterer „Pfeilerrest“ aus Lehmziegeln befand sich zwischen den beiden Strukturen. Seine Basis befand sich in einer speziellen Eintiefung in den Felsuntergrund und enthielt einen steinernen Kegel von l6 cm Höhe, der mit rotem Ocker bemalt war!

Die Bauten konnten in die Ggantija-Phase der Tempelkultur (3.600-3.200 v.u.Z.) datiert werden. Sie werden als Wohngebäude interpretiert und stellen die bisher einzigsten Siedlungsreste der maltesischen Tempelzeit dar.
Ähnliche Strukturen – allerdings aus Steinen geschichtet und wesentlich älter (4.100, 4.850 bzw. sogar 5.200 v.u.Z., also Vor-Tempelzeit) – gehören auch zum Tempelkomplex von Skorba.

Funde

Steinkegel von 16 cm Höhe, mit Ocker bemalt in der Basis eines Lehmziegelpfeilers


 

Anfahrt:

 


Quellen: Gemeinde Gahjn Sielem, Heritage Malta