Hagar Qim – Tempelstätte

(hadshar’im)

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Lage

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ca. 2 km südwestlich von Qrendi auf der oberen Abbruchkante der Klippen der Südküste, ca. 500 m oberhalb der Anlage von Mnajdra inmitten unbebauter typischer Garrigue-Landschaft.

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Der Westtempel und der ursprüngliche bzw. Haupteingang des Zentraltempels sind nach Südost orientiert, d.h. auf das Meer und die Insel Filfla gerichtet. Die Zugänge der offenbar später hinzugefügten Räume des Zentraltempels weisen – im Unterschied zu allen anderen maltesischen Megalith-Tempeln – in alle Richtungen. D.h. einige führen nach Nord, auf einen nördlichen Hof, an dem auch der Westtempel liegt, andere nach Südwest und West, ein „Orakelloch“ und eine wahrscheinlich damit in Zusammenhang stehende offene Kultnische nach Nordost. Für diese wird eine Ausrichtung auf verschiedene Sonnenstände diskutiert.

Entdeckungs-/Grabungsgeschichte

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Die Stätte war in Malta seit alters her als die „Stehenden Steine“ bekannt und wurde bereits 1647 durch G. F. Abela, einen der Chronisten des Ritterordens, erwähnt. Seit Beginn der Kolonialzeit wurde sie zu einer Attraktion für Reisende und Sammler von Antiquitäten! Aufgrund der Funde wurde bereits früh eine archäologische Bedeutung vermutet und 1839 veranlaßte der britische Gouverneur Sir Henry Bouveri die Freilegung der Stätte. Wie zu dieser Zeit üblich wurden dabei keine systematischen Ausgrabungen durchgeführt und auch keine bzw. nur sporadische Aufzeichnungen gemacht, sondern nur die „Antiquitäten“ geborgen. So wurden während dieser Kampagne 1839 der berühmte, reich dekorierte Säulenaltar von Hagar Qim und dahinter fünf Votivfiguren, darunter die einzigartige „Venus von Malta“ geborgen.

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Ein Stahlstich von Jean-Pierre Houel zeigt den Zentraltempel von Hagar Qim vor Beginn der Freilegungsarbeiten von 1839.

Ein Stahlstich von Jean-Pierre Houel zeigt den Zentraltempel von Hagar Qim vor Beginn der Freilegungsarbeiten von 1839.

.Ein Stahlstich von Jean-Pierre Houel zeigt den Zentraltempel vor der Freilegung. Die rechte Seite des Westtempels war bereits vor Beginn der ersten Freilegungsarbeiten zerstört worden.

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Ab 1885 führte Dr. A. A. Caruana, der Chefbibliothekar Maltas, erste systematische Ausgrabungen durch. Unter seiner Leitung wurden anschließend viele der umgestürzten Megalithen aufgerichtet und erste Rekonstruktionen vorgenommen.
1901 grub der deutsche Altertumsforscher Albert Mayr in Hagar Qim, ab 1909 Sir Temistokles Zammit und T.E.Peet. 1947-50 wurden unter Leitung J.G. Baldacchinos, Direktor des damals noch einheitlichen Nationalmuseums Maltas, umfangreiche Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Dabei wurden viele der Megalithen mit Zement „ausgebessert“ und die Fassade beidseits des Haupteingangs rekonstruiert. Ein Vergleich mit dem o.g. Stahlstich zeigt das Ausmaß der Rekonstruktion. 1949 wurden unter der Stufe bzw. Schwelle zu Raum D20 vier der charakteristischen korpulenten Figuren im Tempelstil gefunden.

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Seit 1992 gehört Hagar Qim mit den anderen Megalithtempeln Maltas zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Zum Schutz gegen fortdauernde Erosionsschäden mußte 2009 ein Schutzzelt errichtet werden, das leider die Wirkung der Anlage stark verändert.

Zum Schutz gegen fortdauernde Erosionsschäden wurde 2009 über dem Zentraltempel ein Schutzzelt errichtet. Im Vordergrund die Megalithen des „Priesterhauses“ (auch Osttempel), die sich mitten auf dem eigentlichen Vorplatz des Zentraltempels befinden.

Zum Schutz gegen fortdauernde Erosionsschäden wurde 2009 über dem Zentraltempel ein Schutzzelt errichtet.
Im Vordergrund die Megalithen des „Priesterhauses“ (auch Osttempel), die sich mitten auf dem eigentlichen Vorplatz des Zentraltempels befinden.

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Das gesamte Areal um die beiden Tempelanlagen Mnajdra und Hagar Qim soll jetzt zu einem Archäologiepark umgestaltet werden, der auch die prähistorischen Zisternen und weitere Objekte in der Umgebung umfaßt. Das Projekt zur Konservierung und Präsentation der Anlage ist bereits angelaufen.

Bauten

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Zur Megalithanlage von Hagar Qim gehören die Überreste von vier Gebäuden, die im Unterschied zu anderen Anlagen Maltas nicht um einen gemeinsamen Hof gruppiert sind.

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Legende zum Lageplan

Plan der Tempelstätte von Hagar Qim

Plan der Tempelstätte von Hagar Qim

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A – Nordtempel
B – nördlicher Hof
C – westliche Megalithengruppe: sehr geringe Reste bogig angeordneter Megalithen. D – Zentraltempel, weitgehend rekonstruiert
E – südlicher Hof
F – „Priesterhaus“, auch Osttempel
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dunkelbraun – Orthostaten

gelb  – liegende Blöcke (Bank-, Schwellen-Altäre u.A.)

grau – Steinplatten-Boden

rot    – Besonderheiten (Fenstersteine, Orakelloch, Säulen, Altäre, Reliefplatten usw.)

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Im Zentrum befindet sich der gut erhaltene Haupttempel (D).

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Ca. 30 m nördlich davon, also eigentlich auf seiner Rückseite, befindet sich ein weiterer, nach Süden orientierter „klassischer“ Fünf-Apsiden-Tempel (A). Sein Zugang liegt direkt gegenüber von drei nachträglich in der Rückwand des Zentraltempels eingefügten Eingängen, so dass der Raum zwischen beiden Gebäuden durchaus als gemeinsamer „nördlicher Hof“ (B) aufgefaßt werden kann.

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Westlich zwischen diesen Gebäuden liegt am Rande des gedachten Hofes (B) eine Gruppe bogig angeordneter Megalithen (C). Ein Grundriß konnte hier nicht rekonstruiert werden.

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Zwischen Nord- und Zentraltempel (A bzw. D) liegt am westlichen Rand des Hofes (B) eine Gruppe bogig angeordneter Megalithen (C). Ein Grundriß konnte nicht rekonstruiert werden.

Zwischen Nord- und Zentraltempel (A bzw. D) liegt am westlichen Rand des Hofes (B) eine Gruppe bogig angeordneter Megalithen (C). Ein Grundriß konnte nicht rekonstruiert werden.

Das Trilith-Tor des Nordtempels (A) befindet sich direkt gegenüber von drei nachträglich in der Rückwand des Zentraltempels (D) eingefügten Eingängen. Der offenbar gepflasterte Raum zwischen beiden Gebäuden kann als gemeinsamer „nördlicher Hof“ (B) aufgefaßt werden.

Das Trilith-Tor des Nordtempels (A) befindet sich direkt gegenüber von drei nachträglich in der Rückwand des Zentraltempels (D) eingefügten Eingängen. Der offenbar gepflasterte Raum zwischen beiden Gebäuden kann als gemeinsamer „nördlicher Hof“ (B) aufgefaßt werden.

 

 

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Unmittelbar östlich des Zentraltempels liegt eine weitere ovale Megalithstruktur (F), die allerdings keine charakteristischen Elemente eines Tempels wie Trilithtor, konkave Fassade, Unterteilung in Apsiden o.Ä. aufweist. Das Gebäude liegt innerhalb des südlichen Hofes (E), nur 10 m vor dem ursprünglichen bzw. Haupteingang des Zentraltempels (D). Wegen seiner unklaren Funktion wird dieses östliche Gebäude auch als „Priesterhaus“ oder „Lagerhaus“ bezeichnet.

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Die Gebäude wurden – anders als sonst in Malta – komplett aus dem vor Ort anstehenden Globigerinenkalkstein errichtet. Dieser weichere Stein ist gegenüber dem sonst verwendeten Korallenkalkstein leichter zu bearbeiten aber auch anfälliger gegen Witterungseinflüsse. Das ist deutlich an den großen „Stehenden Steinen“ im Süden der Umfassungsmauer zu sehen, die jahrtausendelang frei standen und Wind und Wetter ausgesetzt waren. Dagegen waren andere, z.T. sehr gut erhaltene Megalithen – freistehend oder umgestürzt – bis zur Freilegung 1839 von Erdreich bedeckt und somit geschützt.

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Die Datierung des Komplexes wird pauschal mit 3.200 v.u.Z., also dem Beginn der Safliena-Phase angegeben, wobei nicht zwischen den einzelnen Gebäuden bzw. Gebäudeteilen differenziert wird. Umfangreiche, evtl. mehrfache Erweiterungen und Umbauten sind offensichtlich. Außer den Veränderungen im Grundriß bezeugen das verschiedene bearbeitete Steinplatten, die offenbar zweitverwendet wurden. Dazu gehören u.A. mehrere Steine mit „Anbindeösen“ sowie evtl. das Fragment einer Reliefplatte.

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Es ist zu hoffen, dass der geplante Archäologiepark mehr Informationen auch zur Chronologie der Bauphasen bringt.
Keramikfunde belegen die ununterbrochene Nutzung der Anlage bis zum Ende der Tempelkultur um 2.500 v.u.Z.

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Zentraltempel (D)

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Das Gebäude unterscheidet sich in seiner Anlage grundsätzlich von allen anderen Megalithtempeln Maltas.

Der Grundriß läßt in seinem nördlichen Teil noch einen typischen, nach Südosten orientierten Fünf-Apsiden-Tempel erkennen, dessen konkave Fassade (D1) mit dem Trilith-Tor an einen großen Vorhof (E) grenzt. Später wurde der Tempel durch mehrere assymetrisch angeordnete Räume erweitert, so dass er heute eine für ganz Malta einzigartige Struktur ohne zentrale Achse und mit mehreren, in alle Richtungen orientierten Zugängen aufweist.

Legende zum Plan des Zentraltempels

Plan des Zentraltempels von Hagar Qim

Plan des Zentraltempels von Hagar Qim

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a (dunkelbraun) – Orthostaten

b (braun) ……….. – dünne Orthostatenplatten

c (ockergelb) …… – Trümmer, Einsturzstellen

d (gelb) …………… – liegende Blöcke (Bank-, Schwellen-Altäre u.A.)

e (grau)……………. – Steinplatten-Boden

f.(hellbraun)………-.Stein-Erde-Füllmaterial.zwischen……… ………………………….den.Orthostaten

g (hellgelb) ………. – evtl. offene Kultnische

h (rot) …………. – Besonderheiten (Fenstersteine, Orakelloch, Säulen, Altäre, Reliefplatten usw.)

X ……………………… – Fundstellen von Votivfiguren

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Ursprünglich erfolgte der Zugang durch den heutigen Haupteingang, den man über den südlichen Vorhof (E) erreicht. Dieser ist mit großen Steinplatten gepflastert.
Links vor dem Eingang befindet sich in einer der Bodenplatten eine außergewöhnlich große „Anbindeöse“. Diese ösenartige Durchbohrungen findet man in vielen maltesischen Tempeln gewöhnlich in den Orthostaten der Durchgänge. Allgemein werden sie als Anbindemöglichkeit für Opfertiere gedeutet, an dieser Stelle scheint auch die Zweitverwendung eines älteren Orthostaten möglich.

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Die Fassade des Zentraltempels mit dem Trilith-Tor wurde in den 50-er Jahren restauriert. Links daneben befinden sich stark verwitterte Originalsteine.

Die Fassade des Zentraltempels mit dem Trilith-Tor wurde in den 50-er Jahren restauriert. Links daneben befinden sich stark verwitterte Originalsteine.

Die Fassade des ursprünglichen Tempelteils beschreibt einen konkaven Bogen zum südlichen Hof (E) hin. Sie besteht aus einer Reihe sehr gleichmäßiger Orthostaten, auf denen zwei Lagen Querblöcke aufliegen. Dabei überragen die beiden äußeren Orthostaten die Reihe genau um die Höhe der beiden Lagen Querblöcke und in den inneren oberen Ecken wurden paßgenaue Aussparungen zur Aufnahme der oberen Querblöcke ausgearbeitet. Das mittig angeordnete Trilith-Tor ist der ursprüngliche Tempeleingang und bildet auch heute den Haupteingang.
Die Fassade in ihrer heutigen Form ist das Resultat von Restaurierungsarbeiten der 50-er Jahre unter Leitung J.G. Baldacchinos. Links daneben befinden sich stark verwitterte Originalsteine. Der bereits o.g. Stahlstich von Jean-Pierre Houel zeigt den Zustand der Anlage vor der Restaurierung.

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Vor der Fassade und weiter die gesamte Umfassungsmauer entlang verläuft eine bankartige Reihe großer liegender Steinblöcke, die als „Bankaltäre“ (D2) zum Aufstellen von Sakralobjekten oder auch zur Ablage von Opfergaben interpretiert werden. Einige Steine dieser Bank weisen ebenfalls „Anbindeösen“ auf. Es liegt nahe, dass hier ältere, bearbeitete Steine für die Bank zweitverwendet wurden.

Die äußere Umfassungsmauer wurde aus großen, senkrecht stehenden Steinen (Orthostaten) gesetzt. Zur Erreichung höherer Stabilität wurden in regelmäßigen Abständen einzelne dieser Steine quer gestellt.

Der Orthostat (D3) nördlich der Fassade, ist mit 6,4 x 3 x 0,60 m der größte überhaupt in den maltesischen Tempeln verbaute Megalith.

Der Orthostat (D3) nördlich der Fassade, ist mit 6,4 x 3 x 0,60 m der größte überhaupt in den maltesischen Tempeln verbaute Megalith.

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Der nördliche Anschluß an die Fassade wird – wie bei anderen klassischen maltesischen Tempeln – durch einen scharfen Knick gebildet. Hier befindet sich eine besonders große Platte (D3), die mit 6,4 x 3 x 0,60 m der größte überhaupt in den maltesischen Tempeln verbaute Orthostat ist. Am Südende schließt die Umfassungsmauer in sanftem Bogen an die Fassade an. Auf der Nordseite bilden alte und neue Umfassungsmauer einen Zwickel, in dessen Seiten sich der Eingang zum Tempelraum D28, der separaten Kammer D23, sowie der zusätzlich anstelle der Kopfapsis D17 des alten Tempelteils geschaffene Eingang liegen. Alle drei führen auf den Nordhof (B), auf dessen gegenüberliegender Seite sich der Zugang zum Westtempel (A) befindet.

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Im Süden bzw. Südwesten enthält die Umfassungsmauer die Zugänge zu den Tempelräumen D26 und D27. Davor sind Schwellensteine, vor Raum D26 Reste eines Trilith-Korridores, vor Raum D27 eine Bodenplatte mit zwei Libationsöffnungen erhalten. Zwischen den beiden Räumen fehlen die Orthostaten der Außenmauer, der umlaufende Bankaltar ist aber erhalten.

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Ein nach Süden (!) orientierter Trilith-Korridor führt über eine Schmalseite (!) in Raum D26 . Einer der Orthostaten trägt auf der Aussenseite (!) Reste eines Reliefs (D5 ). Im Hintergrund führt eine einsturzbedingte Lücke zwischen den Orthostaten in den Hauptraum D18.

Ein nach Süden (!) orientierter Trilith-Korridor führt über eine Schmalseite (!) in Raum D26 . Einer der Orthostaten trägt auf der Aussenseite (!) Reste eines Reliefs (D5 ).
Im Hintergrund führt eine einsturzbedingte Lücke zwischen den Orthostaten in den Hauptraum D18.

Ein weiterer Zugang führt von Südosten in den Raum D27. Die Einsturzstelle an der Rückwand stellt ebenfalls eine Verbindung zum Hauptraum D18 dar.

Ein weiterer Zugang führt von Südosten in den Raum D27. Die Einsturzstelle an der Rückwand stellt ebenfalls eine Verbindung zum Hauptraum D18 dar.

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Einer der hier sichtbaren Orthostaten der Innenwand von Raum D26 weist das Fragment eines Reliefs (D5) auf. Es zeigt Füße und Beine zweier Figuren im maltesischen Tempelstil. Die Reliefseite zeigt nicht in Raum D26, sondern nach außen, in den normalerweise mit Steinen und Erde verfüllten Zwischenraum zur äußeren Umfassungsmauer und war somit nicht mehr sichtbar. Möglicherweise wurde hier eine beschädigte oder nicht mehr gebrauchte Reliefplatte zweitverwendet.
In älteren Beschreibungen wird eine ähnliche Reliefplatte (D6) auch in der Wand von Raum D27 erwähnt. Diese Figur ist (inzwischen?) weitgehend verwittert und kaum zu erahnen. Vor Ort findet sich kein Hinweis.
Zumal gerade hier die äußere Umfassungsmauer fehlt, scheint es ebenso möglich, dass die Bildsteine einen weiteren, einst im Zwickel zwischen den Räumen D26 und D27 existierenden, nach außen offenen Kultraum oder Kultnische (D4) schmückten.

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Die Infotafel vor Ort zeigt eine Rekonstruktion der Reliefdarstellung im Tempelstil.

Die Infotafel vor Ort zeigt eine Rekonstruktion der Reliefdarstellung im Tempelstil.

Im Zwickel zwischen den Räumen D26 und D27 fehlen die Orthostaten einer Umfassungsmauer. Auf der dem Zwickel zugewandten Seite eines der Wandorthostaten (D5) von Raum D26 sind Relikte einer Reliefdarstellung erhalten.

Im Zwickel zwischen den Räumen D26 und D27 fehlen die Orthostaten einer Umfassungsmauer. Auf der dem Zwickel zugewandten Seite eines der Wandorthostaten (D5) von Raum D26 sind Relikte einer Reliefdarstellung erhalten.

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Die offene Altarnische D7 im Nordosten der Umfassungsmauer enthält vor einem hohen, säulenartigen Orthostaten einen niedrigen, trapezförmigen, präzise behauenen „Altar“-Stein. Rechts daneben mündet das „Orakelloch“ aus Raum D14 in einen Hohlraum hinter der Umfassungsmauer.

Die offene Altarnische D7 im Nordosten der Umfassungsmauer enthält vor einem hohen, säulenartigen Orthostaten einen niedrigen, trapezförmigen, präzise behauenen „Altar“-Stein. Rechts daneben mündet das „Orakelloch“ aus Raum D14 in einen Hohlraum hinter der Umfassungsmauer.

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Im Nordosten ist in die Umfassungsmauer eine einzigartige Altarnische (D7) integriert. Sie wird von zwei hohen, fein behauenen, quer stehenden Orthostaten gebildet, den Boden bilden sehr große Steinplatten. Die Nische enthält vor einem hohen, säulenartigen Orthostaten einen niedrigen, trapezförmigen, präzise behauenen Stein, der meist als „Altar“ beschrieben wird. Die beiden Steine könnten aber auch Kultobjekte, z.B. Symbole eines Fruchtbarkeitskultes, sein. Rechts neben der Nische befindet sich der Zugang zu einer „Orakelkammer“ (D8), die durch ein „Orakelloch“ (D15) mit Raum D14 verbunden ist. Dieses Orakelloch ist nach Nordwesten, möglicherweise auf den Sonnenaufgangspunkt zur Sommersonnenwende ausgerichtet. In diesem Fall könnte der Kultnische auch eine Bedeutung im Zusammenhang mit einem Kalendarium zukommen.

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Auch den nördlichsten Punkt markiert ein besonders hoher (5,20 m), säulenartiger Orthostat.

Auch den nördlichsten Punkt markiert ein besonders hoher (5,20 m), säulenartiger Orthostat.

Der südlichste Punkt der Umfassungsmauer wird – wie auch der nördlichste - durch einen besonders hohen, säulenartigen, aus der Reihe hervortretenden Orthostaten gekennzeichnet.

Der südlichste Punkt der Umfassungsmauer wird – wie auch der nördlichste – durch einen besonders hohen, säulenartigen, aus der Reihe hervortretenden Orthostaten gekennzeichnet.

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Der südlichste (D9) und der nördlichste Punkt (D10) der Umfassungsmauer wurden jeweils durch einen besonders hohen (5,20 m), säulenartigen, aus der Reihe hervortretenden Orthostaten gekennzeichnet.

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Das Tempelinnere kann entlang der ehemaligen Hauptachse begangen werden, die Räume sind aber abgesperrt und nur beschränkt bzw. gar nicht einsehbar.

Das Trilith-Tor führt in den Zugangskorridor D11, der durch je zwei rechteckig zugehauene Orthostaten und zwei darüber liegende Decksteine gebildet wird. Am Ende befinden sich zwei weitere, etwas zurück versetzte Orthostaten, die diverse Bohrungen aufweisen. Auf der Innenseite bilden Orthostaten symmetrische Nischen.

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Auf der Innenseite des Eingangskorridors D11 bilden Orthostaten symmetrische Nischen. Einer der liegenden Blöcke enthält eine Libationsbohrung zur Darreichung von Trankopfern.

Auf derInnenseite des Eingangskorridors D11 bilden Orthostaten symmetrische Nischen. Einer der liegenden Blöcke enthält eine Libationsbohrung zur Darreichung von Trankopfern.

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Dahinter liegt Raum D12, dessen beide Apsiden durch Zwischenwände abgeteilt wurden.
Sie bestehen aus geglätteten und teilweise fein aneinander angepassten Orthostatenplatten, den Zugang zur Apsis bildet je ein „Fensterstein“. Die Fenstersteine sind versetzt zueinander angeordnet, so dass keine Blickachse von einer Apsis in die andere besteht. Als Fenstersteine werden Monolithen mit rechteckiger, fensterähnlicher Öffnung bezeichnet.

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rechte Trennwand mit Fensterstein: Im Gegensatz zu den präzise behauenen Trennwänden scheinen die durch die Fenster sichtbaren Apsidenwände aus unbearbeiteten, unregelmäßigen Orthostaten zu bestehen. Der gesamte Raum D12 wird von einer Reihe liegender bankartiger Steinblöcke umgeben.

rechte Trennwand mit Fensterstein:
Im Gegensatz zu den präzise behauenen Trennwänden scheinen die durch die Fenster sichtbaren Apsidenwände aus unbearbeiteten, unregelmäßigen Orthostaten zu bestehen.
Der gesamte Raum D12 wird von einer Reihe liegender bankartiger Steinblöcke umgeben.

linke Trennwand: Die Fenstersteine werden jeweils rechts von einer schmalen Orthostatenplatte flankiert. Beidseits der Öffnung befinden sich „Anbindeösen“, evtl. für einen Vorhang oder eine Matte.

linke Trennwand:
Die Fenstersteine werden jeweils rechts von einer schmalen Orthostatenplatte flankiert. Beidseits der Öffnung befinden sich „Anbindeösen“, evtl. für einen Vorhang oder eine Matte.

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Die beiden Fenstersteine in Raum D12 werden jeweils rechts von einer quer stehenden, etwas aus der Trennwand heraus ragenden schmalen Orthostatenplatte flankiert. Die Öffnung des linken Fenstersteines ist von einem eingetieften Rahmen umgeben, auf halber Höhe befinden sich beidseits „Anbindeösen“. Sie könnten einen Vorhang oder eine Matte gehalten haben. Am rechten Fensterstein sind analoge Ösen schwach erkennbar, weitere wurden an den jeweils flankierenden Orthostaten angebracht. Der Stein wirkt insgesamt stärker abgenutzt, die eingetiefte Umrahmung fehlt.

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Da der Zugang zu den Fenstersteinen abgesperrt ist, können die Räume hinter den Trennwänden nur sehr eingeschränkt eingesehen werden. Die Apsidenwände scheinen aus grob bearbeiteten, unregelmäßigen Orthostaten zu bestehen.
Der mittlere Raumteil zwischen den beiden Trennwänden wird fast durchgehend von einer Reihe liegender bankartiger Steinblöcke umgeben, die nur vor dem linken Fensterstein fehlen. Der Bankstein in der Nische links hinter dem Eingangskorridor weist eine Bohrung von ca. 20 cm Durchmesser auf, die als Libationsbohrung, d.h. als Verbindung zur Erde für die Darreichung von Trankopfern angesehen wird.

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Die beiden Apsiden des Raumes D12 wurden durch Zwischenwände abgeteilt, die jeweils einen Fensterstein enthalten. Der Durchgangskorridor D13 zum nächsten Raum wird ebenfalls von symmetrischen Nischen flankiert. Hier wurde eine mit dem Relief einer Spirale verzierte Steinpplatte gefunden.

Die beiden Apsiden des Raumes D12 wurden durch Zwischenwände abgeteilt, die jeweils einen Fensterstein enthalten. Der Durchgangskorridor D13 zum nächsten Raum wird ebenfalls von symmetrischen Nischen flankiert. Hier wurde eine mit dem Relief einer Spirale verzierte Steinpplatte gefunden.

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In Raum D12 steht der berühmte Säulenaltar von Hagar Qim (Replik). In der schreinartig abgeteilten Ecke dahinter fand man die «Venus von Malta» und vier Votivfiguren im Tempelstil.

In Raum D12 steht der berühmte Säulenaltar von Hagar Qim (Replik). In der schreinartig abgeteilten Ecke dahinter fand man die «Venus von Malta» und vier Votivfiguren im Tempelstil.

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Gegenüber, beidseits des Durchgangskorridors D13, sind die Frontseiten der Banksteine mit dichtem Lochdekor verziert. Hier fand man in der Nische links neben dem Durchgangskorridor eine mit einer Doppelspirale verzierte Steinplatte. Davor steht der berühmte, reich dekorierte Säulenaltar von Hagar Qim. Beide Stücke befinden sich heute im Archäologischen Nationalmuseum in Valletta, vor Ort wurden Repliken aufgestellt. Die Ecke zwischen linker Trennwand und Durchgangskorridor wurde durch Orthostaten schreinartig abgeteilt. Hier fand man bei den Freilegungsarbeiten von 1839 fünf Votivfiguren, darunter die einzigartige „Venus von Malta“ sowie vier Figuren im Tempelstil. Die Statuetten befinden sich ebenfalls im Archäologischen Nationalmuseum in Valletta.
Der Boden des Raumes ist ebenso wie der des Zugangskorridors D11 mit großen Steinplatten gepflastert, die allerdings größtenteils durch den hölzernen Besucherlaufsteg verdeckt sind.

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Der Durchgangskorridor D13 besteht aus jeweils drei Orthostaten, deren Anordnung zum folgenden Raum D14 hin eine trichterartige Erweiterung bildet.

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Raum D14, rechte Apsis mit «Orakelloch» und Ringkonstruktion aus dünnen Orthostatenplatten. Die aufliegenden Querblöcke bilden den Ansatz eines Kraggewölbes.

Raum D14, rechte Apsis mit «Orakelloch» und Ringkonstruktion aus dünnen Orthostatenplatten. Die aufliegenden Querblöcke bilden den Ansatz eines Kraggewölbes.

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Die rechte Apsis wird von rechteckig zugehauenen, präzise aneinander angepaßten, geglätteten Orthostaten gebildet. In der Stirnseite befindet sich eine runde, allgemein als „Orakelloch“ (D15) bezeichnete Durchbohrung. Sie führt in einen entsprechend als Orakelkammer bezeichneten kleinen Raum (D8), der durch eine Lücke in der Umfassungsmauer von außen zugänglich ist. Auf den Orthostaten aufliegend sind zwei, an einer Stelle drei Lagen quaderförmig behauener, horizontaler Quersteine erhalten. Durch leichtes Überkragen der oberen Lage über die jeweils untere bilden sie den Ansatz eines Kraggewölbes.
Der hintere Teil der Apsis wird von einem Ring (D16) aus kleineren, dünnen Orthostatplatten eingenommen, die unmittelbar vor der Apsiswand verlaufen und dann eine Sperre quer durch den Raum bilden. Den Zugang ermöglicht eine mittig gelegene Lücke. Hier befindet sich eine Schwelle aus liegenden Steinblöcken, der Boden davor und dahinter ist mit großen Steinplatten gepflastert. Die Funktion dieser Ringkonstruktion ist unbekannt.

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Die ehemalige Kopfapsis des Raumes D14 wurde zu einem zweiten Eingang zum nördlichen Hof hin erweitert. Die Orthostaten stehen auf den Bodenplatten.

Die ehemalige Kopfapsis des Raumes D14 wurde zu einem zweiten Eingang zum nördlichen Hof hin erweitert. Die Orthostaten stehen auf den Bodenplatten.

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Die ehemalige Kopfapsis D17 wurde zu einem zweiten, nach Norden ausgerichteten Eingangskorridor mit Trilith-Tor erweitert, was ebenfalls einmalig für die maltesische Tempelkultur ist. Dieser Zweiteingang mündet zusammen mit den Eingängen von Raum D28 sowie der unregelmäßigen Kammer D23 auf den Nordhof (B).

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Die linke Apsis wurde um mehr als das Doppelte erweitert und bildet nun den zentralen Raum (D18) des neu entstandenen Tempels, sowohl nach seiner Lage als auch nach der Ausstattung. Der Raum kann nicht betreten, sondern nur vom Besuchersteg an der Schmalseite aus eingesehen werden. Er enthält 3 mannshohe, allgemein als „Trilithaltäre“ bezeichnete regalartige Konstruktionen, die jeweils von zwei Orthostaten und einer Deckplatte gebildet werden. Alle drei Deckplatten mußten inzwischen durch gemauerte Pfeiler und Metallgerüste abgestützt werden. Die einzelnen „Regale“ werden noch von größeren, die Deckplatte überragenden Orthostaten flankiert.
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Zentraler Tempelraum D18 mit drei Trilith-Altären und zwei Tisch-Altären. Hinten links führen die Stufen in Raum D20. Hinter den einsturzbedingten Lücken liegen die Räume D26 und D27.

Zentraler Tempelraum D18 mit drei Trilith-Altären und zwei Tisch-Altären. Hinten links führen die Stufen in Raum D20. Hinter den einsturzbedingten Lücken liegen die Räume D26 und D27.

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Am Südostende führt eine hohe Stufe oder Schwelle über Korridor D19 in Raum D20. (Davor wurden zwei moderne Stufen platziert) Unter dieser Schwelle wurden bei Restaurierungsarbeiten 1949 vier Statuetten korpulenter Figuren im typischen maltesischen Tempelstil gefunden. Raum D20 ist nicht einsehbar. Er liegt erhöht und hat keinen eigenen Zugang von außen. In Form und Anlage entspricht er einem „klassischen“ maltesischen Drei-Apsiden-Tempel, allerdings mit gekappter linker Apsis. Ungewöhnlich ist die Orientierung mit der Kopfapsis nach Südosten. An der Stirnseite der rechten Apsis soll eine niedrige verzierte Steinsäule (D21) stehen.
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Am Südende des Raumes D18 befinden sich in der Orthostatenwand zwei Lücken, durch die der Zugang in die Räume D26 und D27 möglich ist. Es handelt sich jedoch nicht um reguläre sondern eher um einsturzbedingte Zugänge, die teilweise durch herabgestürzte Blöcke versperrt sind. Die Räume wurden jeweils durch einen Eingangskorridor in der Umfassungsmauer des Tempel betreten. Diese Eingänge sind – ungewöhnlich für maltesische Tempelbauten – nach Süden bzw. nach Südwesten orientiert und münden jeweils in einer Schmalseite der Räume. Auf den Außenseiten der Kammerwände befinden sich – wie oben bereits beschrieben – Relikte von Reliefs im Tempelstil. Möglicherweise wurden hier beschädgte Reliefplatten zweitverwendet oder aber im Zwickel zwischen den beiden Räumen bestand einst eine weitere nach außen offene Kultnische (D4).
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Die beiden Tischaltäre flankieren ein mit Lochdekor aufwendig gestaltetes Trilith-Tor, das in die unregelmäßige Kammer D23 führt.

Die beiden Tischaltäre flankieren ein mit Lochdekor aufwendig gestaltetes Trilith-Tor, das in die unregelmäßige Kammer D23 führt.

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Am Nordwestende sind vom Besuchersteg aus zwei tischförmige Altäre gut sichtbar. Auf einem leicht geschwungenen säulenartigen Fuß tragen sie eine horizontale Platte mit erhabenem Rand. Dahinter sind ein mit Lochdekor bedeckter Orthostat und eine ebensolche Platte sowie ein liegender Schwellenblock erkennbar. Sie bilden ein offenbar aufwendig gestaltetes Trilith-Tor, dessen Deckstein fehlt (D22). Die Platte könnte ein im oberen Teil beschädigter Fensterstein sein.

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Das Tor führt in die Kammer D23, die nicht einsehbar ist. Sie weist einen unregelmäßigen Grundriß auf und wird von den Orthostaten der Räume D18, D28 und der äußeren Umfassungsmauer gebildet.

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Ein zweites Trilith-Tor führt vom nördlichen Hof in die Kammer D23. Die Bodenplatte davor enthält zwei Libationsbohrungen. Hinter der modernen Sperrmauer ist ein kleiner Trilith-Altar erkennbar.

Ein zweites Trilith-Tor führt vom nördlichen Hof in die Kammer D23. Die Bodenplatte davor enthält zwei Libationsbohrungen. Hinter der modernen Sperrmauer ist ein kleiner Trilith-Altar erkennbar.

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Ein weiteres Trilith-Tor (D24) führt von außen in die Kammer. Vor diesem Zugang liegt eine große Bodenplatte mit zwei Libationsbohrungen. Dieser Zugang wurde zugemauert, in der Kammer erkennt man einen niedrigen „Trilith-Altar“. In der schreinartig abgeteilten Nordecke (D25) der Kammer wurden Knochen und Hörner und wohl auch ein weiterer Säulenaltar gefunden.

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Vom nördlichen Hof führten drei Trilith-Zugänge in den Tempel: der nachträglich durch die ehemalige Kopfapsis des Alttempels geführte Zweitzugang (ganz links), der Außenzugang zur Kammer D23 und der Zugang zu Raum D28 mit seinen beiden Seitennischen.

Vom nördlichen Hof führten drei Trilith-Zugänge in den Tempel: der nachträglich durch die ehemalige Kopfapsis des Alttempels geführte Zweitzugang (ganz links), der Außenzugang zur Kammer D23 und der Zugang zu Raum D28 mit seinen beiden Seitennischen.

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Im Südwesten des Gebäudes befindet sich der separate Tempelraum D28. In Form und Abmessungen entspricht er den Räumen D26 und D27, der Zugang erfolgt jedoch über eine Breitseite. Somit gleicht er einem klassischen maltesischen Drei-Apsiden-Tempel. Der Zugang erfolgt von der Nordseite, vom nördlichen Hof (B) her und ist außergewöhnlich aufwendig gestaltet. Erhalten sind die Orthostaten eines Eingangskorridors (D29) beidseits einer hohen Schwelle. Dahinter befinden sich weitere große Bodenplatten, wahrscheinlich mit Libationsöffnungen. Flankiert wird dieser Eingang von zwei gleich breiten, ebenfalls durch hohe Schwellen abgeteilte Nischen (D30). Die linke Nische enthält an ihrer Längsseite (!) einen kleinen Trilith-Altar mit Deckstein. Ein historisches Luftbild sowie die veröffentlichten Pläne zeigen vor dem gesamten Zugang incl. der Seitennischen eine schirmartige Reihe (D31) von Orthostaten. Diese sind heute weitgehend eingeebnet.

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Der Zugang zu Raum D28 liegt am nördlichen Hof und wurde mit zwei flankierenden Seitennischen aufwendig gestaltet. Die linke Nische enthält einen kleinen Trilith-Altar.

Der Zugang zu Raum D28 liegt am nördlichen Hof und wurde mit zwei flankierenden Seitennischen aufwendig gestaltet. Die linke Nische enthält einen kleinen Trilith-Altar.
Ganz links der Zweitzugang (D17) zum Hauptraum.

Auf dem Luftbild sind die Seitennischen des Kopfaltars und die Orthostatenreihe vor dem Eingang zu Raum D28 noch gut erkennbar.

Auf dem Luftbild sind die Seitennischen des Kopfaltars und die Orthostatenreihe vor dem Eingang zu Raum D28 noch gut erkennbar.

Die sehr flache Kopfapsis des Raumes D28 enthält einen flächig mit Lochdekor verzierten „Altar“.

Die sehr flache Kopfapsis des Raumes D28 enthält einen flächig mit Lochdekor verzierten „Altar“.

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Die Kopfapsis (D32) ist ungewöhnlicherweise nach Süden orientiert und – wie bei anderen späteren Megalith-Tempeln Maltas – äußerst reduziert. Sie enthält Reste eines wahrscheinlich ehemals trilithförmigen „Altars“, d.h. einer aus zwei Orthostaten und einem Deckstein bestehenden Konstruktion. Der Deckstein fehlt heute. Die Frontseiten der Orthostaten sind dicht mit Lochdekor bedeckt. Sie umrahmen eine geborstene glatte Platte, die auf einem niedrigen Steinsockel steht. Auf dessen Frontseite wurde die obere Kante plastisch herausgearbeitet worin sie der Platte aus Raum D12 mit dem Spiralrelief gleicht. Platte und Sockel wurden präzise zwischen die Orthostaten eingepaßt. Im o.g. Luftbild sowie den veröffentlichten Plänen wird die Apsis noch von zwei Orthostaten-Nischen flankiert, vom Eingang her sind diese aber – im Gegensatz zum eigentlichen „Altar“ – nicht erkennbar.

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Westtempel (A)

Das Trilith-Tor des Westtempels (A)

Das Trilith-Tor des Westtempels (A)

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Erhalten sind die Reste eines 5-Apsiden-Gebäudes. Die Apsiden der linken Seite sowie die Kopfapsis sind noch gut erkennbar während die rechte Seite noch vor der Ausgrabung von 1839 zerstört wurde.
Der Zugang erfolgt vom Nordhof (B) und liegt den drei Nordeingängen des Zentraltempels direkt gegenüber. Ein verwittertes Trilith-Tor ohne Deckstein ist erkennbar. Rechts dahinter ragt ein besonders hoher Orthostat auf.
Der Tempel kann nicht besichtigt werden, er ist nur vom Besucherpfad um den Zentraltempel herum zu betrachten.

 

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Priesterhaus, (auch Osttempel)

Die Megalithen des „Priesterhauses“ bilden ebenfalls ovale Strukturen. Sie liegen mitten auf dem Vorhof vor dem ursprünglichen Zugang zum Haupttempel.

Die Megalithen des „Priesterhauses“ bilden ebenfalls ovale Strukturen. Sie liegen mitten auf dem Vorhof vor dem ursprünglichen Zugang zum Haupttempel.

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Östlich des Zentraltempels, nur ca. 10 m vor dem Haupteingang und somit mitten auf dessen Vorhof (E) befindet sich eine weitere ovale Megalithstruktur (F). Das Gebäude ist abgesperrt und kann nicht besichtigt werden. Man erkennt unregelmäßige Orthostaten und im Inneren eine Deckplatte. Charakteristische Tempelelemente wie Trilithtor, konkave Fassade, Unterteilung in Apsiden scheinen zu fehlen, weshalb die Funktion unklar ist. Deshalb wird das Gebäude auch als Priesterhaus oder Lagerhaus bezeichnet. Im Innern soll sich eine Anzahl von Steinkugeln befinden, wie sie auch in anderen maltesischen Tempelanlagen gefunden wurden. Ihre Verwendung ist nicht bekannt, sie werden u.A. als Rollen für den Transport der Megalithen angesehen.

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Wegen der Lage des Gebäudes mitten auf dem Vorhof (E) des ursprünglichen Teils des Zentraltempels ist es wahrscheinlich erst nach den Erweiterungsarbeiten errichtet worden, als eine Umorientierung des Zentraltempels zum nördlichen Vorhof hin erfolgte.

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Funde

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Die offenbar vollständig erhaltene Innenausstattung der verschiedenen Tempelräume von Hagar Qim läßt Rückschlüsse auf andere, nur fragmentarisch erhaltene Tempel zu:

  1. Raum D12 mit Trennwänden mit Fenstersteinen, umlaufendem Bank“altar“ und symmetrischen Seitennischen beidseits der beiden Zugänge
  2. Raum D14 mit Othostaten-Ring und Orakelloch
  3. Hauptraum D18 mit drei Trilith-Altären sowie zwei Tischaltären vor dem reich dekorierten Trilith-Zugang zu Kammer D23

4. Einzigartig ist die Vielfalt von „Altar“typen:

Der einzigartige, auf allen Seiten reich dekorierte Säulenaltar von Hagar Qim

Der einzigartige, auf allen Seiten reich dekorierte Säulenaltar von Hagar Qim

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– Bankaltar vor der Fassade bzw. Umfassungsmauer sowie in Raum D12, tw. mit Lochdekor auf den Frontseiten
– Trilith-Altäre im Hauptraum, in Kammer D23 sowie in der linken Seitennische des Zugangs zu Raum D28
– Säulenaltar von Hagar Qim mit differenzierter Formgebung, reichem Loch- und Pflanzendekor auf allen vier Seiten und schüsselartig eingetieftem, runden Aufsatz. Der Altar befindet sich im Archäologischen Nationalmuseum in Valletta, vor Ort sieht man eine Replik.
– Zwei weitgehend identische Tischaltäre vor Kammer D23
– In der Kammer D23 soll sich ein weiterer Säulenaltar befinden
– In Raum D20 soll sich eine verzierte Steinsäule befinden. Auf dem Luftbild ist sie erkennbar.
– Altar in der Kopfapsis von Raum D28 mit Lochdekor auf den umrahmenden Orthostaten, Reliefleiste auf dem Sockel und aufrechter, glatter Platte
– Altararrangement, bestehend aus einem säulen- und einem trapezförmigen Kultstein in der nördlichen Außennische D7

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5. Das innere Zugangsportal D22 zur Kammer D23 ist leider vom Besuchersteg aus schlecht zu sehen, seine außergewöhnlich aufwendige Gestaltung aber erkennbar. Es scheint sich um ein Portal ähnlich dem in Mnajdra erhaltenen (dortige Sonderkammer ) zu handeln, bestehend aus einem Trilith-Rahmen um einen Fensterstein, beide flächig mit Lochdekor bedeckt. In Hagar Qim fehlen allerdings der Deck-Trilith und der obere Teil des Fenstersteines.

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6. Insgesamt neun Votivfiguren sind aus Hagar Qim erhalten:

– Vier Votivfiguren im Tempelstil wurden 1949 unter der Schwelle zu Raum D20 geborgen. Es handelt sich um zwei sitzende und zwei stehende (eine davon fragmentarisch) Figuren, alle ohne Kopf.

 

Insgesamt acht der in Hagar Qim geborgenen Votivfiguren wurden im maltesischen Tempelstil gestaltet.

. Insgesamt acht der in Hagar Qim geborgenen Votivfiguren wurden im maltesischen Tempelstil gestaltet.

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– Bereits 1839 wurden in einer durch Orthostaten schreinartig abgeteilten Ecke in Raum D12, direkt hinter dem berühmten Säulenaltar fünf Votivfiguren geborgen.

Die neunte Figur, die einzigartige „Venus von Malta“ unterscheidet sich von ihnen durch ihre unglaublich realistische Darstellung.

Die neunte Figur, die einzigartige „Venus von Malta“ unterscheidet sich von ihnen durch ihre unglaublich realistische Darstellung.

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– Von den vier stilisierten korpulenten Figuren im bekannten Tempelstil unterscheidet sich die einzigartige „Venus von Malta“, durch ihre unglaublich realistische Darstellung.

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Alle Stücke befinden sich im Archäologischen Nationalmuseum in Valletta.

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7. Das Relieffragment (D5, Füße und Unterschenkel zweier Figuren) im Zwickel zwischen den Räumen D26 und D27 wurde ebenfalls im Tempelstil gestaltet.

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8. Platte mit Relief einer Doppelspirale und Lochdekor aus Raum D12

Das Relieffragment zweier Figuren im Tempelstil ist dem Außenraum zugekehrt. Bestand hier eine weitere offene Außennische in der Tempelmauer?

Das Relieffragment zweier Figuren im Tempelstil ist dem Außenraum zugekehrt. Bestand hier eine weitere offene Außennische in der Tempelmauer?

Platte mit Relief einer Doppelspirale und Lochdekor aus Raum D12

Platte mit Relief einer Doppelspirale und Lochdekor aus Raum D12

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Umgebung

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In der Abbruchkante westlich der Tempel befinden sich mehrere Höhlen in denen viele Fossilien aus der Eem-Warmzeit (126.000-115.000) gefunden wurden, darunter Knochen und Zähne von Zwergflußpferden und –elefanten und verschiedene Schalentiere.

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Auf der Hügelkuppe ca. 250 m oberhab der Tempel befinden sich die Misqa-Zisternen – eine Gruppe großer in den Felsen geschlagener Zisternen mit schmalen röhrenförmigen Zugängen. Sie dienten wahrscheinlich zur Wasserversorgung der Tempelanlagen von Mnajdra und Hagar Qim.

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Etwa ca. 500 m westlich befindet sich eine weitere bedeutende Anlage der Tempelzeit – Mnajdra.

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Auf halbem Weg nach Mnajdra sieht man unterhalb des Weges den Hamrija-Turm von 1659, einen von 13 Wachtürmen aus der jüngsten, unter Großmeister de Redin errichteten Reihe, die die gesamte Küste von Malta und Gozo umgeben.

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Anfahrt

Hagar Qim Temples
Triq Hagar Qim,
Qrendi QRD 2501

Koordinaten: 35° 49′ 40″ N, 14° 26′ 31″ O


Quellen: Hagar Qim, Heritage Malta, Nationalmuseum für Archäologie in Valletta,