Mnajdra – Tempelstätte

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Etwas unterhalb der Tempel von Hagar Qim liegt der Komplex von Mnajdra über den Klippen der Südküste.

Etwas unterhalb der Tempel von Hagar Qim liegt der Komplex von Mnajdra über den Klippen der Südküste.

(‘mnajdra)

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Lage

ca. 2 km südwestlich von Qrendi auf einer Abbruchberme über den Klippen der Südküste mit Blick auf die Insel Filfla, ca. 500 m unterhalb der Anlage von Hagar Qim.
inmitten unbebauter typischer Garrigue-Landschaft

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Entdeckungs- bzw. ……………….. Grabungsgeschichte:

Die erste Freilegung erfolgte 1840 durch C. Lenormant, weitere Grabungen 1910 durch T. Ashby.
1952-54 führte das Archäologische Nationalmuseum in Valletta Grabungs- und Konservierungsarbeiten und auch einige Rekonstruktionen durch. Letztere sind aus heutiger Sicht z.T. fragwürdig.

Die Anlage gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zum Schutz gegen fortdauernde Erosionsschäden mußte 2009 ein Schutzzelt errichtet werden, das leider die Wirkung der Anlage stark verändert.

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Das gesamte Areal um die beiden Tempelanlagen Mnajdra und Hagar Qim soll jetzt in einen Archäologiepark umgestaltet werden, der auch die prähistorischen Zisternen und weitere Objekte in der Umgebung umfaßt. Das Projekt zur Konservierung und Präsentation der Anlage ist bereits angelaufen.

Bauten

Plan der Tempelstätte von Mnajdra

Plan der Tempelstätte von Mnajdra

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Die Anlage besteht aus drei um einen ovalen Hof (A) gruppierten Gebäuden.

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Legende zum Lageplan der Tempelanlage von Mnajdra

A ………- gemeinsamer Hof ………………………………………………………….

A1, A2 – Megalithen der Umfassungsmauer des Vorhofes …………

B ………- Osttempel, ältester der Anlage, Ggantija – Phase ………….

C ………- Südtempel, Safliena – Phase ……………………………………..

D ……..- Westtempel, Tarxien – Phase …………………………………….

D1 ……- Podest vor West- und Osttempel (Rekonstruktion)

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West- und Osttempel (Mitte bzw. rechts) liegen erhöht gegenüber dem Südtempel. Der podestartige Zugang zu beiden ist eine Rekonstruktion aus den 1950-er Jahren

West- und Osttempel (Mitte bzw. rechts) liegen erhöht gegenüber dem Südtempel. Der podestartige Zugang zu beiden ist eine Rekonstruktion aus den 1950-er Jahren

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Wahrscheinlich gab es – wie auch in den anderen Megalithanlagen Maltas und Gozos – eine gemeinsame Fassade mit umlaufendem „Bankaltar“. Diese ist jedoch nur noch vor dem Südtempel (C) original erhalten. Vor dem erhöht liegenden Westtempel (D) wurde während der Arbeiten von 1952-54 ein terrassenartiges Podest (D1) „rekonstruiert“, die eigentliche Fassade ist nicht erhalten, eventuelle Aufzeichnungen früherer Grabungen nicht veröffentlicht. Es bleibt zu hoffen, dass der geplante Archäologiepark auch diesbezüglich Aufklärung bringt.
Der gesamte Osttempel (B) ist ebenfalls eine moderne Rekonstruktion.
Beidseits im Anschluß an die Tempel sind Reste der Umfassungsmauer (A1 und A2) des Vorhofes erhalten. Nördlich und östlich des Osttempels sind weitere Megalith-Strukturen erhalten, zu denen keine Erklärungen gegeben werden.

Osttempel (B)

Die älteste Struktur im Osten der Anlage konnte auf 3.400 v.u.Z., also in die Ggantija-Phase datiert werden. Die wenigen erhaltenen Reste wurden als Dreiapsidentempel rekonstruiert.

Plan des Osttempels: es könnte es sich auch um den hinteren Teil eines Fünfapsidentempels handeln, der einst über eine gemeinsame Fassade mit dem Südtempel verfügte und dessen vorderer Raum beim Bau des Westtempels abgetragen wurde.

Plan des Osttempels: es könnte sich auch um den hinteren Teil eines Fünfapsidentempels handeln, der einst über eine gemeinsame Fassade mit dem Südtempel verfügte und dessen vorderer Raum beim Bau des Westtempels abgetragen wurde.

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Legende zum Plan des Osttempels

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dunkelbraun. – erhaltene Orthostaten ……………………………………..

rot …….. ……… – besonders gestaltete Orthostaten ……………………….

gelb ……………. – Schwellen und sonstige liegende Blöcke ……………..

dunkelgrau .. – Trockenmauerwerk (Rekonstruktion) ……………….

grau …………… – Steinplatten-Boden …………………………………………

 

- – - …………….. – mögliche Kontur eines vorderen Apsidenpaares ……..

……………………… und des gemeinsamen Vorhofes …………………………………

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Es ist durchaus möglich, daß es sich hier nicht um einen Tempel, sondern um ein Nebengbäude, wie es ähnlich z.B. auch in Hagar Qim angetroffen wurde, handelt. Die Anordnung in der Linie der Hof-Umfassung spricht aber für einen Tempel. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass es sich um den hinteren Teil eines Fünfapsidentempels handelt, der einst über eine gemeinsame Fassade mit dem Südtempel verfügte und dessen vorderer Raum beim Bau des Westtempels abgetragen wurde.

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Der heutige dreiteilige Zugang (B1) war evtl. ein von Nischen gerahmter Zwischenkorridor. Nur die Orthostaten und Schwellen des Osttempels sind original erhalten, das kleinteilige Mauerwerk ist eine moderne Rekonstruktion.

Der heutige dreiteilige Zugang (B1) war evtl. ein von Nischen gerahmter Zwischenkorridor. Nur die Orthostaten und Schwellen des Osttempels sind original erhalten, das kleinteilige Mauerwerk ist eine moderne Rekonstruktion.

Das Gebäude liegt im Vergleich mit dem Hof und dem Südtempel erhöht, auf einer Ebene mit dem Westtempel.
Original erhalten sind nur einige Orthostaten und Bodenplatten bzw. Schwellen, aus denen ein dreiteiliger Zugang (B1) gestaltet wurde.

Die erhaltenen Hauptzugänge der maltesischen Megalith-Tempel sind ausnahmslos  als in die Fassade integrierte einteilige Trilith-Tore ausgeführt. Die inneren Durchgangskorridore werden dagegen oft von z.T. massiven Nischen flankiert. Einen dreiteiligen Zugang gibt es auch zu einem der Nebenräume des Haupttempels von Hagar Qim (Hagar Qim D28, an der Nordseite des Tempels).

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Der Altar des Osttempels besteht aus drei keilförmigen, genau aneinander passenden Orthostaten, die von zwei hohen querstehenden Orthostaten flankiert werden. Die Frontseiten aller Steine sind mit dichtem Lochmuster bedeckt.

Der Altar des Osttempels besteht aus drei keilförmigen, genau aneinander passenden Orthostaten, die von zwei hohen querstehenden Orthostaten flankiert werden. Die Frontseiten aller Steine sind mit dichtem Lochmuster bedeckt.

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Vor der Kopfapsis (B2) wurde ein „Altar“ (B3) in einer aussergewöhnlichen, sonst in Malta so nicht vorkommenden Form errichtet. Er besteht aus drei niedrigen keilförmigen, genau aneinander passenden Orthostaten, die von zwei hohen, längsstehenden Orthostaten flankiert werden. Die Frontseiten aller Steine sind mit dichtem Lochmuster bedeckt.

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Die hohen Seitenorthostaten weisen auf ihren Breitseiten weitere, in unregelmäßigen Reihen angeordnete Lochmuster auf. Sie werden als Zählsystem, evtl. als Kalendarium interpretiert. (Erklärungstafel vor Ort)

Die hohen Seitenorthostaten weisen auf ihren Breitseiten weitere, in unregelmäßigen Reihen angeordnete Lochmuster auf. Sie werden als Zählsystem, evtl. als Kalendarium interpretiert.
(Erklärungstafel vor Ort)

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Die hohen Seitenorthostaten weisen auf ihren Breitseiten weitere Lochmuster auf, die in unregelmäßigen Reihen angeordnet sind. Sie werden als Zählsystem, evtl. als Kalendarium interpretiert.
Die Mauern (B4) aus kleinteiligem Trockenmauerwerk sind komplett Rekonstruktion.

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Südtempel (C)

Der Südtempel wurde auf 3.000 v.u.Z., also in die Safliena-Phase datiert. Es handelt sich um einen Fünfapsidentempel mit mehreren zusätzlichen Kammern, der auf die Äquinoktien ausgerichtet ist. D.h. entlang der Hauptachse fällt das Licht der aufgehenden Sonne zu den Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) im Frühling und Herbst direkt auf den Hauptaltar.

Plan des Südtempels von Mnajdra

Plan des Südtempels von Mnajdra

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Legende zum Plan des Südtempels

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dunkelbraun……… – erhaltene Orthostaten ………………………………….

rot ……. ……..…….… – besonders gestaltete Orthostaten ……………………..

gelb ………………..…. – Schwellen und sonstige liegende Blöcke ……………

dunkelgrau ……….. – Trockenmauerwerk (Rekonstruktion) ………………

grau ………………….. – Steinplatten-Boden …..

straffiert (braun)….- Deckplatten Tore und Korridore

straffiert (ocker) ….- Deckplatten Altäre

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Die äußere Umfassungsmauer bestand aus großen, senkrecht stehenden Steinen (Orthostaten), die zur Erreichung höherer Stabilität wechselweise längs und quer gestellt wurden. Diese sind aber nur noch im Südteil (C1) zu besichtigen. Im Norden sind die mächtigen Außenorthostaten (C2) ebenfalls erhalten, sie bilden hier die Stütze für den höher gelegenen Westtempel und sind durch diesen nicht sichtbar.
Im hinteren, westlichen Teil fehlt die Umfassungsmauer. Sie wurde aus kleinteiligem Trockenmauerwerk (C3) rekonstruiert. Im Winkel zwischen den Umfassungsmauern des Süd- und Westtempels befindet sich ein zusätzlicher Trilith-Eingang (C4), der in eine „Orakelkammer“ (C11) führt.

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Die Fassade des Südtempels besteht aus hohen Orthostaten, vor denen eine Reihe „Bankaltäre“ verläuft.

Die Fassade des Südtempels besteht aus hohen Orthostaten, vor denen eine Reihe „Bankaltäre“ verläuft.

Die vollständig erhaltene Fassade (C5) besteht aus mächtigen Orthostaten auf denen noch an drei Stellen Querblöcke aufliegen. Sie wurde aus dem härteren Korallenkalkstein errichtet. Vor der Fassade verläuft bankartig eine Steinreihe aus großen Blöcken, die als „Bankaltäre“ zur Ablage von Opfergaben und zum Aufstellen von Sakralobjekten interpretiert werden.

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Das Trilith-Tor führt in einen mit grossen Bodenplatten ausgelegten Zungangskorridor. Auch der Hof war einst gepflastert.

Das Trilith-Tor führt in einen mit grossen Bodenplatten ausgelegten Zungangskorridor. Auch der Hof war einst gepflastert.

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Der Zugang erfolgt über eine flache einteilige Stufe bzw. Schwelle durch ein in die Fassade integriertes Trilith-Tor. Das Tor geht in einen Eingangskorridor (C6) über, der vordere Deckstein fehlt. Der Boden im Korridor besteht aus Steinplatten, vor dem Eingang liegt ebenfalls eine große Steinplatte.

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Auf der Rückseite wird der Zugangskorridor von zwei Nischen flankiert, deren äußere Orthostaten besonders hoch und säulenförmig sind. Die Steinwürfel am Boden der Nischen sind mit dichten Lochmuster verziert.

Auf der Rückseite wird der Zugangskorridor von zwei Nischen flankiert, deren äußere Orthostaten besonders hoch und säulenförmig sind. Die Steinwürfel am Boden der Nischen sind mit dichten Lochmuster verziert.

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Die beiden hinteren Orthostaten des Korridors weisen im unteren Bereich jeweils eine steinerne Öse auf, gleiche Ösen sind – wenn auch stark beschädigt – im jeweils oberen Bereich erkennbar. Solche Ösen werden oft als Anbindemöglichkeit für Opfertiere gedeutet. Wahrscheinlicher an dieser Stelle ist eine Aufhängung für einen Vorhang, eine Matte oder sogar eine massivere, türartige Sperre. Das dritte, nach außen versetzte und stark beschädigte Orthostatenpaar weist je mindestens zwei einander gegenüberliegende Bohrungen auf, die evtl. zur Aufnahme von Sperrstangen dienten. Die letzten, wiederum nach außen versetzten Orthostaten (C7) unterscheiden sich durch ihre außerordentliche Höhe. Sie überragen die normalen Orthostaten der Wände und des Korridors einschließlich Deckstein deutlich. Durch die versetzte Anordnung der Orthostaten werden kleine Nischen gebildet. In diesen befinden sich würfelförmige Steinblöcke, deren Fronten mit dichten Lochmuster verziert sind.

Die Wände des vorderen Raumes C4 werden aus exakt behauenen und aneinander gepassten Orthostaten und Querblöcken gebildet.

Die Wände des vorderen Raumes C4 werden aus exakt behauenen und aneinander gepassten Orthostaten und Querblöcken gebildet.

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Der hinter dem Korridor gelegene Raum C8 verfügt über Wände aus sorgfältig behauenen Orthostaten, auf denen bis zu vier Lagen blockförmig zugehauener Quersteine aufliegen. Im Gegensatz zu den Außenmauern wurde im Tempelinneren der weichere Globigerinenkalkstein verwendet, der etwas oberhalb am Hang bei Hagar Qim ansteht. Die Quersteine sind exakt zueinander und zu den Orthostaten angepaßt, z.T. sogar – ähnlich den viel späteren Zyklopenmauern der Inka – ineinander verzahnt. Die einzelnen Lagen sind jeweils geringfügig nach Innen versetzt, so dass der Ansatz einer Kuppel in beiden Apsiden deutlich zu erkennen ist.

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vorderer Raum C4, rechte Apsis: über eine dreiflügelige Treppenanlage C5 und einen Fensterstein C6 gelangts man in eine „Orakelkammer“. Zwei weitere quadratische Orakellöcher führen in dieselbe Kammer.

vorderer Raum C4, rechte Apsis: über eine dreiflügelige Treppenanlage C5 und einen Fensterstein C6 gelangt man in eine „Orakelkammer“. Zwei weitere quadratische Orakellöcher führen in dieselbe Kammer.

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In der rechten Apsis enthalten gleich drei der Wandorthostaten fensterartige Durchbrüche. Solche Steine werden als Fenstersteine bezeichnet. Rechts führt eine dreiflügelige Treppenanlage (C9) in zwei Stufen zu einem größeren „Fenster“. Dieses bildet einen niedrigen Durchgang (C10) in eine zusätzliche, zwischen Innen- und Außenmauer gelegene Kammer C11. Normalerweise ist der Raum zwischen inneren und äußeren Orthostaten mit Steinpackungen ausgefüllt.

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Von der Plattform vor dem Westtempel aus ist die «Orakelkammer» C7 einzusehen. Rechts hinter dem Fensterstein befindet sich eine niedrige Trilith-Konstruktion (C8) mit zwei übereinander liegenden Decksteinen.

Von der Plattform vor dem Westtempel aus ist die «Orakelkammer» C7 einzusehen. Rechts hinter dem Fensterstein befindet sich eine niedrige Trilith-Konstruktion (C8) mit zwei übereinander liegenden Decksteinen.

Da die gesamte rechte Apsis abgesperrt ist, kann man leider keinen Blick in die Zusatz-Kammer werfen. Es ist aber möglich, sie von der Plattform vor dem Westtempel aus einzusehen. Gleich rechts hinter dem Fensterstein-Eingang befindet sich ein niedriger Trilith-Altar C12 mit zwei übereinander liegenden Decksteinen. In den Trilithen wurde ein weiterer, kleinerer Fensterstein nahtlos eingepaßt.
Die „Zargen“ des Fensterstein-Eingangs in die Kammer weisen zwei übereinander angeordnete und sich jeweils gegenüber liegende Bohrungen auf, die als Halterung für eine Sperre – z.B. aus Stangen – gedeutet werden. Auf der Rückseite des Fenstersteines befinden sich beidseits auf halber Höhe ausgebrochene Steinösen, wohl zur Aufhängung eines Vorhanges oder einer Matte.
Der Orthostat links neben der Treppe enthält ein deutlich kleineres Fenster, das in dienselbe Kammer führt und als „Orakelloch“ (C13) gedeutet wird. Ein weiteres „Orakelloch“ (C14) führt in eine kleine, ebenfalls zwischen Innen- und Außenmauer gelegene Kammer (C15), die jedoch nur von außen zugänglich ist. „Orakellöcher“ gibt es in allen maltesischen Tempelanlagen, jedoch nur diese beiden sind als quadratische „Fenster“ ausgebildet.

vorderer Raum C4: Die linke Apsis ist mit einem Trilith-Altar (links) und einem Bankaltar (Mitte) ausgestattet. Rechts befindet sich der besonders aufwendig gestaltete Zugang zu einer außerhalb der Hauptachse liegenden Drei-Apsiden-Kammer (C15).

vorderer Raum C4: Die linke Apsis ist mit einem Trilith-Altar (links) und einem Bankaltar (Mitte) ausgestattet. Rechts befindet sich der besonders aufwendig gestaltete Zugang zu einer außerhalb der Hauptachse liegenden Drei-Apsiden-Kammer (C15).

Die linke Apsis enthält an ihrer Stirnseite einen besonders großen, vor den Orthostaten liegenden bankartigen Altar-Block (C16), der zur Ablage von Opfergaben gedient haben könnte. Links daneben befindet sich zwischen diesem „Bankaltar“ und dem Eingangskorridor anstelle der Orthostaten eine hohe Trilith-Konstruktion (C17), auf deren Rückseite die kleinformatigen Steine der Mauerfüllung sichtbar sind. Der Boden der durch diesen Trilithen gebildeten Nische besteht aus großen Steinplatten und ist gegenüber Raum C8 leicht erhöht. Der Deckstein muß heute durch eine zusätzliche Steinsäule abgestützt werden.

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Die Attraktion Mnajdras: Das vollständig erhaltene Trilith-Tor mit eingepasstem Fensterstein sind dicht mit Lochdekor bedeckt. In der dahinter liegenden Sonderkammer erkennt man eine Trilith-Konstruktion mit einer konkaven Stütze.

Die Attraktion Mnajdras: Das vollständig erhaltene Trilith-Tor mit eingepasstem Fensterstein sind dicht mit Lochdekor bedeckt. In der dahinter liegenden Sonderkammer erkennt man eine Trilith-Konstruktion mit einer konkaven Stütze.

Gegenüber, rechts des „Bankaltars, befindet sich die Attraktion Mnajdras – der besonders aufwendig gestaltete Zugang (C18) zu einem zusätzlichen, außerhalb der Hauptachse liegenden Tempelraum (C19). Dieses „Mnajdra-Tor“ besteht aus einem Trilithen, in den ein Fensterstein nahtlos eingepasst wurde. Alle sichtbaren Flächen sind über und über mit dichtem Lochdekor bedeckt. Die „Fensteröffnung“ ist zu klein für einen normalen Zugang, er kann allenfalls extrem gebückt oder kriechend benutzt worden sein. Raum C19 kann daher (von hier) nicht betreten und nur eingeschränkt eingesehen werden. Eine Trilith-Konstruktion mit mehreren Etagen und einer runden Stützsäule ist erkennbar. Raum C19 ist seinerseits in drei Apsiden untergliedert und nimmt die Fläche der linken Apsis des hinteren Tempelraumes C23 ein. Das bedeutet, dass er erst später, und zwar in der Tarxien-Phase – eingefügt wurde. Leider ist auch der hintere Raum C23 abgesperrt, so dass Raum C19 und die Verbindung zu C23 auch von dort nicht besichtigt werden kann.

Der Boden unter dem Mnajdra-Tor besteht aus großen Steinplatten und ist gegenüber Raum C8 leicht erhöht
Beidseits vor dem „Mnajdra-Tor“ stehen zwei flügelartige, quer angeordnete, ebenfalls reich mit Lochdekor bedeckte Orthostaten. Dabei gehört der rechte Orthostat gleichzeitig zur linken Nische des Durchgangskorridors (C20) und ist auf die Sommersonnenwende ausgerichtet.
Optisch–gestalterisch bildet das Mnajdra-Tor also eine Einheit mit dem Eingang zum Durchgangskorridor (C20), so dass auch inhaltlich eine enge Beziehung zum Sonnenkult (siehe unten) anzunehmen ist.

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Der Zugang zum Durchgangskorridor (C20) besteht aus dem üblichenTrilithen und wird von zwei aus Orthostaten gebildeten massiven Nischen (C21) flankiert. In den Nischen liegen mächtige würfelförmige Blöcke.

Der Durchgangskorridor zum hinteren Raum C19 wird von zwei Nischen (C17) flankiert. Deren Außenseiten bilden werden von zwei zusätzlichen flügelartigen, mit Lochdekor verzierten Orthostaten (C18) gebildet, auf die das Licht der aufgehenden Sonne zur Winter- bzw. zur Sommersonnenwende fällt.

Der Durchgangskorridor zum hinteren Raum C19 wird von zwei Nischen (C17) flankiert. Deren Außenseiten bilden werden von zwei zusätzlichen flügelartigen, mit Lochdekor verzierten Orthostaten (C18) gebildet, auf die das Licht der aufgehenden Sonne zur Winter- bzw. zur Sommersonnenwende fällt.

Die Außenseiten der beiden Nischen werden von zusätzlichen flügelartigen Orthostaten gebildet, deren Frontseiten ebenso wie die der Würfel mit dichtem Lochdekor verziert sind.

Eine Tafel erklärt die Ausrichtung des Tempels auf Sonnenwenden und Äquinoktien

Eine Tafel erklärt die Ausrichtung des Tempels auf Sonnenwenden und Äquinoktien

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Auf die Flächen dieser beiden Orthostaten (C22) fällt das Licht der aufgehenden Sonne zur Winter- bzw. zur Sommersonnenwende und zwischen ihnen hindurch am Tage der Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) direkt auf den Hauptaltar in der Kopfapsis C24.

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Die Bodenplatte am Ende des Durchgangskorridors weist eine Libationsbohrung, d.h. eine Verbindung zur Erde für die Darreichung von Trankopfern, von ca. 20 cm Durchmesser auf.

Der Trilith-Altar in der Kopfapsis D13 des Westtempels. Seine Deckplatte muß heute mit zwei steinernen Säulen abgestützt werden.

Der Trilith-Altar in der Kopfapsis D13 des Westtempels. Seine Deckplatte muß heute mit zwei steinernen Säulen abgestützt werden.

Der hintere Tempelraum C23 ist abgesperrt und kann nicht betreten und nur eingeschränkt eingesehen werden. Durch den Korridor sieht man in der flachen Kopfapsis C24 einen Trilith-Altar, dessen Deckstein heute durch eine Steinsäule abgestützt werden muß. Auf diesen Altar fällt das Licht der aufgehenden Sonne zu den Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) im Frühling und Herbst.
Die rechte Apsis des Raumes C23 ist durch zwei querstehende Orthostaten abgetrennt (nicht einsehbar), in die linke Apsis wurde der Extra-Raum C19 hineingebaut (nicht einsehbar, siehe oben).

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Zu den Tagundnachtgleichen sowie den Sonnenwenden ist der Tempel von Mnajdra zu Sonnenaufgang geöffnet, es sollen aber lange Wartelisten bestehen. Informationen dazu bei der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta.

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Westtempel (D)

Der mittlere Tempel wurde auf 2.700 v.u.Z., also in die Tarxien-Phase datiert und ist somit der jüngste und zugleich der größte der Anlage von Mnajdra.
Es handelt sich um einen Fünfapsidentempel mit einer zusätzlichen außerhalb der Hauptachse liegenden Kammer.

Plan des Westtempels von Mnajdra

Plan des Westtempels von Mnajdra

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Legende zum Plan des Westtempels

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dunkelbraun……… – erhaltene Orthostaten ………………………………….

rot ……. ……..…….… – besonders gestaltete Orthostaten ……………………..

gelb ………………..…. – Schwellen und sonstige liegende Blöcke ……………

dunkelgrau ……….. – Trockenmauerwerk (Rekonstruktion) ………………

grau ………………….. – Steinplatten-Boden …..

straffiert (braun)….- Deckplatten Tore und Korridore

straffiert (ocker) ….- Deckplatten Altäre

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Der Westtempel schließt nördlich an den Südtempel an und liegt am Hang ca. 1,50 m erhöht gegenüber diesem.
Es ist davon auszugehen, dass es eine gemeinsame Fassade für West- und Südtempel sowie eine gemeinsame äußere Umfassungsmauer D2 gab. Diese ist im Norden weitgehend erhalten und besteht aus senkrecht stehenden Steinen (Orthostaten), die zur Erreichung höherer Stabilität wechselweise längs und quer gestellt wurden.
Im Gegensatz zum Südtempel fehlt die Fassade des Westtempels gänzlich.

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Die Plattform vor dem erhöht liegenden Westtempel ist eine Rekonstruktion aus den 1950-er Jahren, die heute als fragwürdig angesehen wird.

Die Plattform vor dem erhöht liegenden Westtempel ist eine Rekonstruktion aus den 1950-er Jahren, die heute als fragwürdig angesehen wird.
Ganz links ein Original-Orthostat der Fassade des Südtempels

Während der „Rekonstruktionsarbeiten in den 50-er Jahren wurde eine Plattform (D1) errichtet um einen bequemen Zugang zu den erhöht liegenden Ost- und Westtempeln zu erhalten. In diese Plattform wurden die aufgefundenen Orthostaten und Bodenplatten verbaut, deren ursprüngliche Lage wohl nie mehr zu rekonstruieren sein wird. Somit können wir nicht mehr erfahren, wie die Tempelbaumeister den Höhenunterschied bewältigten. Allerdings sind in Mnajdra die Außen-Orthostaten des Südtempels (C2) erhalten. Während sie in anderen maltesischen Tempelanlagen bei „Anbauten“ entfernt wurden, dienten sie hier als Stütze für die Plattform des höher gelegenen Westtempels.

An der heutigen Front des Westtempels sind die Rekonstruktionen unschwer am kleinteiligen Mauerwerk zu erkennen (vergleiche im Gegensatz dazu die Megalithen des Eingangskorridors und der Südtempelfassade).

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Der heutige dreiteilige Zugang mit dem beschädigten Fensterstein könnte das innere Ende des ehemaligen Zugangskorridors mit zwei flankierenden Nischen sein. Die eigentliche Fassade ist nicht erhalten.

Der heutige dreiteilige Zugang mit dem beschädigten Fensterstein könnte das innere Ende des ehemaligen Zugangskorridors mit zwei flankierenden Nischen sein. Die eigentliche Fassade ist nicht erhalten.

Man betritt den Tempel heute durch einen im oberen Teil beschädigten, mächtigen Fensterstein (D4), der wohl das innere Ende des Eingangskorridors D3 darstellt. Davor sind zwei der Seitensteine des Korridors erhalten, nicht aber das eigentliche Trilith-Eingangstor. Dieses befand sich an der Stelle der jetzigen Plattform. Beidseits des Fensterstein-Zugangs befinden sich von Orthostaten gerahmte Nischen. Die linke Nische D5 bildet einen echten Durchgang durch die Wandorthostaten des vorderen Tempelraumes D7. Die Rückwand der rechten Nische (D6) ist heute mit Trockenmauerwerk verschlossen, hinter dem sich aber die Wandorthostaten des Innenraumes D7 befinden. Diese Nische war also kein Durchgang.

Auf der Rückseite des Zugangs bilden Orthostaten eine trichterartige Erweiterung.

Auf der Rückseite des Zugangs bilden Orthostaten eine trichterartige Erweiterung.

Auf der Rückseite des Fenstersteines bilden je zwei leicht versetzt aufgestellte Orthostaten eine trichterartige Erweiterung (D8) des Korridors.

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Die Wände der beiden Apsiden des vorderen Tempelraumes D7 wurden aus exakt aneinander angepaßten Orthostaten erbaut, auf denen noch zwei Reihen Querblöcke aufliegen. Die Lagen sind auch hier jeweils geringfügig nach Innen versetzt und bilden den Ansatz einer Kuppel.

Raum D6, linke Apsis: Orthostaten und Querblöcke sind perfekt bearbeitet

Raum D6, linke Apsis: Orthostaten und Querblöcke sind perfekt bearbeitet

Raum D6, rechte Apsis: In Bodennähe weisen die Orthostaten zum Teil starke Erosionsschäden auf.

Raum D6, rechte Apsis: In Bodennähe weisen die Orthostaten zum Teil starke Erosionsschäden auf.

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Den Durchgang zum hinteren Tempelraum D10 bildet ein sich nach oben verjüngendes Trilith-Tor, dessen Deckstein fehlt. Es wird von zwei imposanten vollständig erhaltenen Nischen (D8) flankiert.

Den Durchgang zum hinteren Tempelraum D10 bildet ein sich nach oben verjüngendes Trilith-Tor, dessen Deckstein fehlt. Es wird von zwei imposanten vollständig erhaltenen Nischen (D8) flankiert.

Der Durchgangskorridor (D9) zum hinteren Tempelraum wird von zwei imposanten vollständig erhaltenen Nischen (D10) flankiert. Diese werden außen jeweils von einem mächtigen Orthostaten begrenzt und enthalten je einen großen, niedrigen, quadratischen Steinblock.

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Einzigartig ist eine Gravur in der linken Nische, die ein Gebäude in Megalithbauweise zeigt.

Einzigartig ist eine Gravur in der linken Nische, die ein Gebäude in Megalithbauweise zeigt.

Einzigartig ist eine Gravur auf dem linken Orthostaten, die ein Gebäude in Megalithbauweise zeigt. Zusammen mit einem in Ta’Hagrat gefundenen ähnlichen Miniaturmodell aus Kalkstein ist diese Zeichnung ein wichtiger Anhaltspunkt in der Diskussion darüber, ob und wie die Tempel einst überdacht waren.

Die Zeichnung ist ein wichtiger Anhaltspunkt in der Diskussion darüber, ob und wie die Tempel einst überdacht waren.

Die Zeichnung ist ein wichtiger Anhaltspunkt in der Diskussion darüber, ob und wie die Tempel einst überdacht waren.

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Auf der Rückseite des Durchgangskorridors sind die Orthostaten wieder trichterartig angeordnet.

Auf der Rückseite des Durchgangskorridors sind die Orthostaten wieder trichterartig angeordnet.

Der Durchgangskorridor D9 besteht aus leicht nach innen geneigten Orthostaten, Decksteine fehlen. Auf der Rückseite erweitert sich der Korridor wiederum trichterförmig durch gestaffelt angeordnete Orthostaten (D11). Der Boden des Korridors ist mit großen Steinplatten ausgelegt.

Blick von der Kopfapsis entlang der Tempelachse zum Fensterstein des Eingangskorridors

Blick von der Kopfapsis entlang der Tempelachse zum Fensterstein des Eingangskorridors

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Die Wände der beiden Apsiden des hinteren Tempelraumes D12 entsprechen denen des vorderen Raumes (D7), d.h. sie bestehen aus aus exakt aneinander angepaßten Orthostaten und zwei Reihen darauf aufliegender Querblöcke. In der rechten Apsis erkennt man erheblich Erosionsschäden im unteren Bereich der Orthostaten. Der Orthostat in der Mitte der Apsis weist ein rundes „Orakelloch“ (D13) auf. Interessanterweise befindet sich aber dahinter kein Raum sondern die Steinfüllung der Tempelmauer.

Hinterer Raum D10, linke Apsis: an der Stirnseite befindet sich ein von einem Trilithen gerahmter weiterer Fensterstein (D11). Er bildet den Durchlass zur Extra-Kammer D12. Darin befindet sich ein tischförmiger „Altar“, dessen Platte seitlich auf zwei Orthostaten und in der Mitte auf einer runden Steinsäule aufliegt.

Hinterer Raum D10, linke Apsis: an der Stirnseite befindet sich ein von einem Trilithen gerahmter weiterer Fensterstein (D11). Er bildet den Durchlass zur Extra-Kammer D12.

Hinterer Raum D10, rechte Apsis: Die Orthostaten sind an der Basis zum Teil stark verwittert. Zwei Reihen Querblöcke bilden den Ansatz eines Kraggewölbes.

Hinterer Raum D10, rechte Apsis: Die Orthostaten sind an der Basis zum Teil stark verwittert. Zwei Reihen Querblöcke bilden den Ansatz eines Kraggewölbes.

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In der Extra-Kammer D12 erkennt man einen tischförmiger „Altar“, der auf einer runden Steinsäule aufliegt.

In der Extra-Kammer D12 erkennt man einen tischförmiger „Altar“, der auf einer runden Steinsäule aufliegt.

In der linken Apsis befindet sich an der Stirnseite ein weiterer Fensterstein (D14). Er wird von einem Trilithen gerahmt, dessen Deckstein fehlt, und bildet einen engen Durchlass zu einer Extra-Kammer D15. Darin befindet sich ein tischförmiger „Altar“, dessen Platte seitlich auf zwei Orthostaten und in der Mitte auf einer runden Steinsäule aufliegt.

Der Trilith-Altar in der Kopfapsis D13 des Westtempels. Seine Deckplatte muß heute mit zwei steinernen Säulen abgestützt werden.

Der Trilith-Altar in der Kopfapsis D13 des Westtempels. Seine Deckplatte muß heute mit zwei steinernen Säulen abgestützt werden.

In der Kopfapsis D16 des Westtempels befindet sich ein Trilith-Altar. Seine Deckplatte muß heute mit zwei steinernen Säulen abgestützt werden.

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Funde

Reicher Lochdekor auf verschiedenen Bauelementen, Stein- und Tonstatuetten, Kopf einer menschlichen Figur aus Ton, Muschel- und Steinornamente, Feuersteinwerkzeuge, dekorierte Keramik,

Umgebung

In der Abbruchkante nordwestlich der Tempel befinden sich mehrere Höhlen in denen viele Fossilien aus der Eem-Warmzeit (126.000-115.000) gefunden wurden, darunter Knochen und Zähne von Zwergflußpferden und –elefanten und verschiedene Schalentiere.

 

Auf der Hügelkuppe ca. 250 m oberhab der Tempel befinden sich die Misqa-Zisternen – eine Gruppe großer in den Felsen geschlagener Zisternen mit schmalen röhrenförmigen Zugängen. Sie dienten wahrscheinlich zur Wasserversorgung der Tempelanlagen von Mnajdra und Hagar Qim.

 

Etwa ca. 500 m östlich befindet sich eine weitere bedeutende Anlage der Tempelzeit – Hagar Qim.

 

Auf halbem Weg von Hagar Qim sieht man unterhalb des Weges den Hamrija-Turm von 1659, einen von 13 Wachtürmen aus der jüngsten, unter Großmeister de Redin errichteten Reihe, die die gesamte Küste von Malta und Gozo umgeben.

 


 Anfahrt:

Mnajdra Temples
Triq Haġar Qim,
Qrendi QRD 2502

 


Quellen: Heritage Malta, Nationalmuseum für Archäologie in Valletta,