Ta‘Hagrat

(Ta‘adshrat)

Lage

in den Außenbezirken von Mgarr, ca. 1 km westlich von Skorba,
am SO-Hang des Bidnija-Rückens (Bidnija-Ridge) mit Blick in die Bingemma-Senke

Besichtigung sind nur nach Absprache mit der maltesischen Denkmalsverwaltung Heritage Malta möglich.

Entdeckungs- bzw. Grabungsgeschichte

Ta‘Hagrat bedeutet wörtlich = „Steinhaufen“ und als solcher ist die Stätte schon immer bekannt gewesen.
Noch 1916 verwendete der Landeigentümer einige der Steine zum Hausbau.
1923 erfolgte eine erste Grabung durch Sir Themistocles Zammit, eine weitere 1925/26.
1937 wurden erste Restaurationsarbeiten durchgeführt besonders an der Fassade einschließlich des Trilithtores.
Erneute Ausgrabungen erfolgten 1953, sowie 1960 durch D. Trump.
Seit 1992 gehört die Anlage von Ta‘Hagrat zum UNESCO-Welkulturerbe.

Legende zum Lageplan:42.4.2.8.001 Plan Ta Hagrat (1000 pixel)

A- Tempelvorplatz
A1 – Trilith-Tor, Zugang
A2 – Stufen
B (dunkelbraun) – älterer Südtempel, Ggantija-Phase
B1 – Zugangskorridor
B2 – Hauptraum
B3 – Trilith-Tor im Durchgang zur Kopfapsis
B4 – Seitennischen
B5 – Kopfapsis
B6 – Umfassungsmauer
C (hellbraun) – jüngerer Nordtempel, Saflieni-Phase
C1 – Zugang vom Südtempel aus
C3 – Kopfapsis
C4 – Trilith-Tor als Zugang zur Sonderkammer
D (hellbraun) – Sonderkammer

g (grau) : Steinplatten – Boden;
h (hellgrau) : Torba-Boden ;
e (grau meliert): Stufen, Rekonstruktion von 1937

Bauten

Erhalten sind zwei Tempel, die durch David Trump, den britischen Archäologen und Grabungsleiter von 1960, wie folgt datiert werden konnten:
Südtempel auf ca. 3.600-3.000, also Ggantija-Phase
Nordtempel auf ca. 3.300 –3.000, also Safliena-Phase
Reiche Keramikfunde aus noch älterer Zeit (z.T. aus 4.100-3.800 v.u.Z.) lassen auf die Existenz eines Kultplatzes bereits seit der Ghar Dalam-Phase, also noch vor der Tempelkultur schließen.

Es handelt sich um eine der ältesten Tempelanlagen Maltas und zugleich eine der kleinsten. (nur 15 m Innenmaß)
Zum Bau wurde Korallenkalk verwendet, der in der Umgebung ausschließlich vorkommt, Globigerinenkalk gibt es erst in ca. 1,5 km Entfernung.

Südtempel (B)

Die Fassade aus großen Orthostaten mit Trilithtor (A1) wurde 1937 rekonstruiert. Die heutige Ansicht mit dem hochkant aufgelegten Deckstein und den drei Stufen (A2) vor dem Eingang sind also nicht original.
Südlich im Anschluß an die Fassade befinden sich weitere Megalithsteinsetzungen (A3), deren Funktion bisher nicht definiert werden konnte.
Das Trilithtor führt zunächst in einen Eingangskorridor (B1) aus je drei Orthostaten pro Seite, die weitere Decksteine tragen.
Die beiden Seitenapsiden des ersten Raumes B2 sind jeweils durch Orthostaten abgetrennt, die ungewöhnlich große, runde Kopfapsis B5 sogar durch ein weiteres Trilithtor B3, das noch von zwei kleineren Nischen B4 flankiert wird. Diese aufwendige Ausstattung der Kopfapsis ist ungewöhnlich für einen Dreiapsidentempel.
An der Stirnseite der rechten Seitenapsis befindet sich der Zugang zum Nordtempel (C).
Die kuppelartig nach innen geneigten Wände aller Apsiden bestehen aus grob behauenem Stein.
Die Böden der Apsiden (B2, B5) sind – wie auch ein beinahe regelmäßiges Rechteck im Zentralbereich – aus hartem Torba. Nur unmittelbar vor den Apsiden und vor dem Eingangskorridor wurden Steinplatten verlegt.
Die äußere Umfassungsmauer (B6) besteht aus Orthostaten und ist bis auf den nördlichen Bereich gut erhalten. Hier wurde sie beim Bau des Nordtempels entfernt.

Nordtempel (C)

Vom jüngeren Nordtempel sind nur Relikte von maximal 1 m Höhe erhalten. Er wurde aus deutlich kleineren Steinen gebaut. Der Tempel hat keine eigene Fassade und Eingang, der Zugang (C1) erfolgt durch die rechte Seitenapsis des älteren Südtempels.
Ungewöhnlich ist auch die Kopfapsis C3, aus der rechts ein Trilithtor (C4) in eine außerhalb der Hauptachse liegende Extrakammer D führt.
Die Umfassungsmauer des Nordtempels ist nicht erhalten.

Funde

Das wichtigste Fundstück aus Ta’Hagrat ist das aus Kalkstein gefertigte Miniaturmodell eines Gebäudes in Megalithbauweise, das als Tempelmodell gedeutet wird. Zusammen mit einer ähnlichen Gravur auf einem Orthostaten in Mnajdra ist dieses Modell ein wichtiger Anhaltspunkt in der Diskussion darüber, ob und wie die Tempel einst überdacht waren.

 

Die Anlage wird durch die maltesische Denkmalsverwaltung Heritage Malta verwaltet. Sie ist nicht öffentlich zugänglich und kann nur nach Voranmeldung besichtigt werden.


 Anfahrt:

 

von Mosta kommend: von der Hauptstr. ca. 150 m vor der Kirche links einbiegen (Hinweisschild), dann noch ca. 100 m

Ta’Haghrat Temples
Triq Ta’Hagrat/Triq San Pietru
Mgarr MGR 2210

Koordinaten: 35° 55′ 7″ N, 14° 22′ 7″ O