Zeit der Ordensritter

Die Ankunft des Johanniterordens auf den Inseln im Jahre 1530 war der Beginn einer neuen Blütezeit.

Die Ritter waren 1522 durch die Osmanen unter Sultan Süleyman von ihrem Stammsitz Rhodos vertrieben worden und hatten sich vorerst auf die ordenseigenen Güter in ganz Europa zerstreut. Seither bemühten sie sich an den Höfen Europas um Unterstützung für eine Rückeroberung der Insel Rhodos.
Bereits 1524 hatte Kaiser Karl V. – als König von Aragon/Spanien auch Herrscher über Sizilien samt Malta – dem Orden die Inseln als spanisches Lehen angeboten und eine Kommission war entsandt worden.
Wegen des desolaten Zustandes der Inseln – Wasser- und Lebensmittelmangel, verarmte Bevölkerung, ständige Piratenüberfälle – waren die Ritter aber bisher zurückhaltend. Andererseits hatte der Orden durch die Reformation besonders in England und Deutschland personelle und finanzielle Einbußen. Viele Besitzungen waren enteignet worden, die Einnahmen fehlten und die Reserven waren in 8-jähriger Heimatlosigkeit ebenfalls aufgebraucht. Auch Disziplin und die straffe Organisation hatten gelitten und der Orden stand faktisch vor dem Zerfall.
So übernahm der Johanniterorden unter seinem Großmeister Philippe Villiers de l’Isle Adam (1521-1534) das «Ewige Lehen» Malta, zu dem außer Gozo auch noch die 280 km entfernt an der nordafrikanischen Küste gelegene Stadt Tripolis gehörte, mit der Verpflichtung, das Lehen gegen die Osmanen zu verteidigen, die Piratenüberfälle auf Schiffe und Küsten im westlichen Mittelmeer zu bekämpfen, den örtlichen Adelsrat Universita anzuerkennen, sowie gegen die Entsendung eines Falken jährlich.

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Die Ritter nahmen ihren Sitz zunächst in der Hauptstadt Mdina. Außer Mdina und der Zitadelle von Gozo gab es zwei kleinere Befestigungen am Großen Hafen – das Castello al Mar auf der Halbinsel Birgu und einen besseren Wachturm auf Scibera, alle noch aus arabischer Zeit stammend, hoffnungslos veraltet und halb zerfallen.

Die Ritter begannen sofort mit Instantsetzung und Ausbau der Befestigungen am Großen Hafen. Das Castello al Mar auf Birgu wurde zum Fort St. Angelo ausgebaut, auf Scibera entstand Fort St. Elmo und auf der Landzunge L’Isla das kleine Fort St. Michael. Gleichzeitig begann man in Birgu mit dem Bau eines Ordenshospitals und dem Ausbau der Kirche San Lorenzo del Mar zur Konventskirche. Bereits 1536 wurde der Ordenssitz nach Birgu verlegt, es folgte eine Bischofsresidenz, Mdina wurde zur «Citta Vecchia“, zur „alten Stadt“.

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Als 1551 der vom Sultan protegierte Pirat Turgut Reis (Dragut Reis) mit türkischen und berberischen Kontingenten einen Überfall auf den Großen Hafen versuchte, wurde er von Fort St. Elmo aus zurückgeschlagen. Allerdings konnten die Ritter nicht verhindern, dass ein Kontingent unter Sinan Pascha (Sinam Baxa) in der ix-Xini–Bucht auf Gozo landete, die Insel verwüstete und fast die gesamte in die Zitadelle geflüchtete Bevölkerung verschleppte. Auch die Stadt Tripolis – schlecht befestigt und für schnelle Hilfe viel zu weit entfernt – ging 1551 an Turgut Reis verloren.
Indessen wurde am Großen Hafen weiter gebaut. Großmeister Claude da la Sengle (1553-1557) ließ auf der Halbinsel L’Isla die Stadt Senglea anlegen und das zwischen Birgu und Senglea gelegene natürliche Hafenbecken zum Galeerenhafen der Ordensflotte ausbauen.

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1565 erfolgte dann der lange erwartete türkische Angriff, die Große Belagerung (Great Siege).
Die osmanische Flotte landete im Marsamxett-Hafen, besetzte die Scibera-Halbinsel, etwas später auch die Landzungen Tigne und Ricasoli. So wurde Fort St. Elmo von drei Seiten unter Dauerfeuer genommen. Das Fort führte einen aussichtslosen Kampf gegen eine große Übermacht bevor es nach über einen Monat fiel. Es hatte den Osmanen aber bedeutende Verluste zugefügt sowie dem Orden die Zeit verschafft, den Galeerenhafen und die beiden Forts St. Angelo und St. Michael weiter zu verstärken. So konnten die jetzt auf Birgu konzentrierten Angriffe zurück geschlagen und dabei neun türkische Schiffe im Großen Hafen versenkt werden. Demoralisierung, Nahrungs- und Wasserknappheit und letztlich die Nachricht von der Landung von Verstärkung aus Venedig ließen die Türken aufgeben, ohne in Kämpfe mit den Venezianern zu treten.

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Dieser Sieg steigerte das Ansehen des Ordens an den europäischen Höfen enorm und führte zu hohen Zuwendungen, so dass der Plan zur Befestigung der Scibera-Halbinsel nun in Angriff genommen werden konnte. Papst Pius IV entsandte dafür den berühmtesten Festungsbaumeister seiner Zeit, Francesco Laparelli da Cortona (1521-1570). Bereits am 28.03.1566 erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Festung und Hauptstadt durch Großmeister Jean Parisot de la Valette (1557-1568), nach dem sie benannt wurde. Die Festung ist eine der wenigen vollständig erhaltenen Anlagen dieser Zeit. Sie steht als Ganzes unter Denkmalsschutz und gehört seit 1980 zum Weltkultuererbe der UNESCO.

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Die Bebauung des Festungsinneren erfolgte erstmals in Europa nach einem Gesamtplan. Die Hauptstrasse, die heutige Republic Street, auf dem Rücken der Landzunge bildet eine Mittelachse, an der sich das schachbrettförmige Straßennetz orientiert. Die quer zur Republic Street verlaufenden Straßen fallen dabei zu den Häfen hin steil ab und gehen z.T. sogar in Treppenstraßen über.
Die Planung der einzelnen Gebäude unterlag strengen Vorgaben unter strategischen Gesichtspunkten. Sogar auf die ursprünglich geplante Kuppel der Kathedrale mußte verzichtet werden, weil sie die Schußfelder der Artillerie eingegrenzt hätte.

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Ab 1569 wurden die Arbeiten durch den maltesischen Architekten Girolamo Cassar (1520-1586), den bisherigen Assistenten Laparellis, geleitet. In der Folgezeit erbaute Cassar alle wichtigen Gebäude der Ordensritter.
Das ist zunächst – schon unter Großmeister Pietro del Monte (1568-1572) – der Großmeisterpalast, also das Regierungs- und Verwaltungsgebäude des Ordens an der Hauptstrasse. Im Obergeschoß befanden sich die Verwaltungs- und Repräsentationsräume des Ordens, im Erdgeschoß Pferdeställe, Wirtschaftsräume und Dienstbotenquartiere. Die beiden Barockportale und die seitlichen Erker wurden erst im 18. Jhd. in die ursprünglich schmucklose Renaissance-Fassade eingefügt.
Das Gebäude ist heute Amtssitz des Präsidenten und Tagungsort des Parlaments. Die Staatsräume der Großmeister sind mit ihrer Ausstattung bis heute erhalten und können ebenso wie die Waffenkammer des Ordens besichtigt werden.

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Obwohl erst halb fertig gestellt erfolgte am 18.03.1571 der offizielle Umzug des Ordens von Birgu nach Valletta.
Auf ein Collachio-Viertel wie auf Rhodos, in dem die Ordensritter getrennt von der Bevölkerung lebten, wurde verzichtet. Stattdessen wurden die Quartiere der Landsmannschaften (Zungen), die Herbergen (Auberges) den jeweiligen Abschnitten der Festungsmauer (curtains) zugeordnet.
Fünf der acht Herbergen sind bis heute erhalten und werden von verschiedenen staatlichen Einrichtungen genutzt. Im ehemaligen Quartier der Provence ist heute das Nationalmuseum für Archäologie untergebracht. Ein Museumsbesuch ermöglicht somit auch die Besichtigung der Innenräume einer Auberge. Vom Leben in der Ritterzeit zeugen die Deckenmalereien im Entree und im Obergeschoß der vollständig erhaltene „Grand Salon“ mit geschnitzter Kassettendecke und reicher Wandbemalung. Leider gibt es keine Informationen zur Nutzung der übrigen Räume und zum Leben der Ritter hier.

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1573 begann Gerolamo Cassar mit dem Bau der Konventskirche, die 1577 dem Patron des Ordens, Johannes dem Täufer, geweiht wurde (St. Johns Co-Kathedrale). Sie wurde durch den Großmeister Jean l’Eveque de la Cassiere (1572-1581) gestiftet ebenso wie die prächtigen Sarkophage für die Großmeister l’Isle Adam und la Vallette in der Krypta. Das Gebäude ist im Stil der Zeit äußerst schlicht gehalten. Bemerkenswert ist der Balkon über dem Hauptportal, von dem aus nach Neuwahlen der neue Großmeister verkündet wurde. In den beiden Seitenschiffen befinden sich u.A. die Kapellen der acht Landsmannschaften des Ordens. Die überaus prächtige Innenausstattung der Kirche erfolgte erst ab 1661 durch den italienischen Barockmaler und Ordensritter Mattia Preti.

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Großmeister de la Cassiere berief 1574 die Inquisition nach Malta. Als Inquisitionspalast (Inquisitors Palace) wird dem Generalinqisitor und päpstlichen Delegaten das ehemalige Gerichtsgebäude in Birgu zur Verfügung gestellt. Außer der Reinheit des Glaubens hatte der Inquisitor zunehmend auch den allzu selbstständig werdenden Ritterorden zu überwachen und ggf. für Ausgleich zwischen dem Orden und den ansässigen Bischöfen zu sorgen.
Ab 1575 wird schließlich, ebenfalls durch Gerolamo Cassar, das Hospital Sacra Infermeria Santo Spirito erbaut, neben Großmeisterpalast und Konventskirche das wichtigste Gebäude des Ordens. Im Gegensatz zu anderen Ritterorden war den Johannitern Krankenpflege und Betreuung von Pilgern immer ein Hauptanliegen geblieben. Der Hospitalbetrieb war sowohl in der Organisation als auch medizinisch-fachlich äußerst fortschrittlich für die damalige Zeit. So ermöglichte die Ausstattung mit Marmorfußboden und antibakteriellem Silbergeschirr vorbildliche Hygiene. 1676 wurde eine Schule für Anatomie und Chirurgie eingerichtet.

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Nach der Fertigstellung Vallettas widmete sich der neue Großmeister Hugues Loubeux de Verdalle (1581-1595) Instantsetzung und Ausbau der Städte Birgu und Senglea, deren Forts nach wie vor zum Verteidigungssystem des Großen Hafens gehörten. Hier befanden sich jetzt die Quartiere für das Personal des Ordens.
Ab 1586 läßt sich de Verdalle im Landschaftspark Buskett (Buskett Gardens) eine Sommerresidenz, den Verdala Palast, bauen. Architekt ist wiederum Gerolamo Cassar. Heute befindet sich hier die offizielle Sommerresidenz des maltesischen Präsidenten. Im Gegensatz zum umgebenden Landschaftspark Buskett ist der Palast nicht öffentlich zugänglich.
Außerdem gründet de Verdalle das Collegium Melitense in der Archbishop-Street in Valletta, aus dem später die Universität Malta hervorging. Gelehrt wurden Literatur, Philosophie und Theologie, auch die bisherige medizinische Ordensschule wurde dem Collegium angeschlossen.

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Nach der Seeschlacht in der Meerenge von Lepanto vor Zypern 1571, der letzte Galeerenschlacht der Geschichte, in der die Osmanen unter Sultan Selim II. durch die Flotten Venedigs, Spaniens und der Johanniter vernichtend geschlagen wurden, war die Vormacht der Türken im Mittelmeer beendet und die Bedrohung hatte stark abgenommen. Ein Problem stellten aber nach wie vor die permanenten Überfälle vor allem nordafrikanischer aber auch türkischer Piraten dar, denen die Bevölkerung Maltas ausgesetzt war.
Unter Großmeister Alof de Wignacourt (1601-1622) wurde mit dem Bau eines gegen die Piraten gerichteten Küstenschutzsystems begonnen. Es bestand letztlich aus 9 Wachtürmen, die potenzielle Anlandungsplätze der Piraten wie Marsaxlokk- und St. Paul’s- Bucht, den Gozo-Kanal usw. beobachteten. Die weitgehend baugleichen Türme dieser Serie waren Miniaturfestungen und werden manchmal auch als Forts bezeichnet. Von einem Beobachtungstürmchen aus wurden die entsprechenden Küstenabschnitte überwacht, bei Bedarf Signale gegeben und mittels der auf der Plattform stationierten schweren Kanonen Anlandungen verhindert. So konnte vom St. Lucijans-Turm aus 1641 ein türkischer Angriff zurückgeschlagen werden. Das System der Wachtürme wurde später weiter ausgebaut.
Einige Türme sind gut erhalten, sie beherbergen heute Hotels (St. Agatha’s Tower bzw Red Tower auf der Mellieha Ridge), ein meeresbiologisches Forschungszentrum (Malta Marine Biology Centre im St. Lucijan’s Tower), eine Ausstellung über die Festungsanlagen Maltas (St. Pauls Bay- Tower). Andere wurden in den letzten Jahren restauriert, so der ix-Xini-Turm und der St. Cecilia-Turm auf Gozo und der St Mary’s Tower auf Comino.

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Ab 1601 ließ Alof de Wignacourt die Zitadelle von Gozo modernisieren. Pläne dazu waren bereits früher, unter Beteiligung Francesco Laparellis (1521-1570), erstellt aber wegen der dringenderen Aufgaben in Birgu, Senglea und Valletta bisher zurück gestellt worden. Jetzt wurde die runde, mittelalterlichen Festung zur Aufstellung von Geschützen durch moderne Bastionen – St. Michael –Bastion, St. John und St. Martin – erweitert. In der Festung wurde eine Residenz des Gouverneurs von Gozo sowie des Gerichtshofes (Law Courts) mit dem Gefängnis des Ordens auf der Rückseite gebaut. Es kann heute als Museum „Altes Gefängnis“ besichtigt werden. Im Haus Bondi (Casa Bondi) wurde ein Gästehaus des Ordens eingerichtet.
Da ein Schwachpunkt der neuen Hauptstadt Valletta die unzureichende Wasserversorgung war, ließ Großmeister Alof de Wignacourt durch die maltesischen Architekten Giovanni Attard und Tomaso Dingli zwischen 1610-14 eine Wasserleitung von den Quellen bei Mdina nach Valletta bauen. Zur Überbrückung der Talsenke vor Valletta wurde dafür ein 13 km langer Aquädukt errichtet, dessen Teilstücke in der Stadt Attard erhalten sind. Alof de Wignacourt berief auch den italienischen Maler Michelangelo da Caravaggio nach Malta, wo er für die Konventskirche des Ordens, die St. John’s Co-Kathedrale, 1608 das Gemälde „Die Enthauptung Johannes‘ des Täufers“ schuf. Ein weiteres Bild – „Der Heilige Hieronymus“ – stellt wohl ein Porträt seines Gönners Alof de Wignacourt dar.

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Nachdem die osmanische Macht geschwächt war, widmeten sich die Großmeister zunehmend dem Bau repräsentativer Paläste sowie der Förderung von Wissenschaft und Künsten. Die Mittel dazu kamen aus den Besitzungen des Ordens in Europa sowie zu großen Teilen aus den Kaperfahrten gegen muslimische Handelsschiffe. Großmeister Antoin de Paul (1623-1636) ließ seine Sommerresidenz in Attard ab 1628 zum prunkvollen San Anton Palast mit exotischer Gartenanlage ausbauen, in der verschwenderische Feste und Empfänge mit Theater- und Musikdarbietungen, Feuerwerk usw. stattfanden. Die Pläne für die Anlage waren ein Geschenk des französischen Königs Ludwig XIV.
Aber auch an den Festungswerken wurde weiter gebaut. 1634 erhielt der italienische Baumeister Pietro Floriani den Auftrag zur Errichtung eines zweiten landseitigen Festungswalles vor Valletta – der Floriana-Linie. Zwischen den beiden Wällen entstand später die nach Floriani benannte Stadt.
Nur wenige Jahre später – 1638 – legte Großmeister Jean Paul de Lascaris-Castellar (1636-1657) den Grundstein für ein weiteres Festungswerk – die Magherita-Linie – die die Städte Birgu und Senglea von der Landseite her schützen sollten. In dem so gewonnenen Raum entstand später die Stadt Cospicua. Der Bau beider Linien kam wegen fehlender Ressourcen nur schleppend voran zumal gleichzeitig auch das Küstenschutzsystem durch 6 weitere Wachtürme ergänzt wurde. Die nach Lascaris benannten Türme sind kleiner und waren mit kleineren Kanonen zur Signalgebung, nicht aber für eigene Kampfhandlungen ausgerüstet.
Lascaris ließ auch die Gewölbe unter der nach ihm benannten Bastion anlegen, die als Sklavenquartiere gedient haben sollen. Da aber Verbindungsgänge sowohl zum Hafen als auch zur Bastion St. James Cavallier bestehen, ist von einer militärischen Nutzung bereits seit der Ritterzeit auszugehen.

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Ab 1643 wurde auf der Manoel-Insel im Marsamxett-Hafen, im damals weitgehend unbesiedelten Gebiet westlich Vallettas, ein Quarantäne-Hospital errichtet.
Die letzte Staffel von 13 Wachtürmen ließ Großmeister Martin de Redin (1657-1660), errichten. Baulich entsprachen sie den Lascaris-Türmen. Das Netz der nun auf Sichtweite voneinander stehenden Küstenwachtürme ermöglichte eine lückenlose Überwachung der gesamten Küste und entsprechende Frühwarnung. De Redin ließ auch die flaschenförmigen Getreidespeicher vor Fort St. Elmo und vor der St. Publius-Kirche in Floriana für den Fall langer Belagerungen anlegen und die Befestigungen Mdinas durch die Anlage der drei Bastionen del Palazzo, del Redin und San Pietro modernisieren.

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Noch unter Großmeister de Redin war der italienische Barockmaler Mattia Preti nach Malta berufen worden. Ab 1661 begann er mit der Ausmalung der Tonnengewölbe der St. Johannes Kathedrale mit Szenen aus dem Leben Johannes‘ des Täufers, die durch den neuen Großmeister Rafael Cotoner (1660-1663) gestiftet wurden. Unter seinem Bruder und Nachfolger, Großmeister Nicolas Cotoner (1663-1680), wurde die Kathedrale aufwendig im Stil des Hochbarock umgebaut und verschwenderisch ausgestaltet.
Cotoner ließ ab 1670 für die Städte Birgu und Senglea einen neuen, noch weiter nach außen verlagerten Festungsring – die Cotonera-Linie – errichten obwohl die Arbeiten an der erst halb fertigen Magherita-Linie seit 1645 ruhten. Die Festungsmauer war 4,5 km lang und enthielt 6 Bastionen, 2 Halbbastionen und zwei Tore.  Zusätzlich wurde 1670-93 auf der Landzunge an der Ostseite der Einfahrt zum Großen Hafen das Fort Ricasoli gebaut.

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Trotz Quarantänestation auf der Manoel-Insel und für die damalige Zeit äußerst fortschrittlicher Krankenbetreuung brach auch auf Malta immer wieder die Pest aus. 1676 forderte eine Pestepidemie auf dem maltesischen Archipel über 10.000 Tote. U.A. werden dafür die zahlreichen Anlandungen von Piraten und Schmugglern verantwortlich gemacht, die die Quarantäne unterliefen.
1676 wurde am Ordenshospital Sacra Infermeria eine Schule für Anatomie und Chirurgie eingerichtet.

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Der neue Großmeister Gregorio Caraffa (1680-1690) beauftragte 1681 den maltesischen Architekten Lorenzo Gafa mit dem Neubau der St. Lawrenz-Kirche in Birgu, der ehemaligen ersten Konventskirche des Ordens auf Malta.

Ein Erdbeben richtete 1693 besonders in Mdina große Zerstörungen an, darunter die Kathedrale St. Peter-und-Paul. 1704 begann unter Großmeister Ramon Perellos y Roccaful (1697-1720) der Wiederaufbau durch Lorenzo Gafa, dessen Hauptwerk sie darstellt. Ebenfalls durch Lorenzo Gafa wurde zwischen 1697 und 1711 die Kirche Maria Himmelfahrt in der Zitadelle von Gozo errichtet, die 1864 zur Kathedrale von Gozo erhoben wurde.
Perellos widmete sich vor allem der Modernisierung der Flotte, außerdem erweiterte er das Hospital um eine Frauen- und eine Augenklinik. Er stiftete die 28 kostbaren Gobelins für den Gobelinsaal (Trapestry Chamber) des Großmeisterpalastes und weitere 22 Stück für die St. John’s Kathedrale.

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Großmeister Marc Antonio Zondadori (1720-1722) ließ den Ausbau Florianas wieder aufnehmen, das Hauptfestungstor – die Porte des Bombes – wurde fertiggestellt.
Ab 1724 erfolgte unter Großmeister Antonio Manoel de Vilhena (1722-1736) die planmäßige Bebauung des Territoriums zwischen Valletta und der Floriana-Linie. Die dort mittlerweile entstandene wilde Siedlung wurde zu einer ordentlichen Stadt mit der St. Publius Kirche als Zentrum ausgebaut.
Ebenfalls ab 1724 erfolgte nach den erheblichen Zerstörungen durch das Erdbeben von 1693 der Wiederaufbau der Stadt Mdina nach Plänen des französischen Festungsbaumeisters Francois de Mondia. Als Residenz des Großmeisters wurde anstelle des zerstörten Universita-Gebäudes der Vilhena-Palast, der heute das Nationalmuseum für Naturgeschichte beherbergt, errichtet und an dessen Rückseite der Gerichtshof „Corte Capitanale“, dessen Verliese sich bis unter den Vilhena-Palast erstrecken. 1730 entstand die Banca Giuratale – der Sitz des maltesischen Adelsparlamentes, 1733 das Priesterseminar – das heutige Kathedralmuseum Mdinas. Das Stadttor wurde erweitert und durch das bis heute erhaltene, mit dem Wappen de Vilhenas geschmückte Haupttor Mdinas ersetzt.
Ab 1726 ließ de Vilhena zum Schutz der Ostseite Vallettas das Fort Manoel auf der Insel im Marsamxett-Hafens errichten und 1736 wurde nach 98-jähriger Bauzeit die Sta. Magherita-Linie fertig gestellt.
1731 stiftete Antonio Manoel de Vilhena „zur Erbauung des Maltesischen Volkes“ das nach ihm benannte Manoel Theater.

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Großmeister Manoel Pinto de Fonseca (1741-1773) ließ erstmals Steuern von der Bevölkerung erheben, was zu Unruhen und 1749 zu einem Sklavenaufstand führte.

Der aus finanziellen Gründen immer wieder zurückgestellte Bau einer Festungsanlage zur Verteidigung Gozos konnte ab 1749 begonnen werden, als Generalleutnant Jacques Francois de Chambray, Kommandeur der Galeeren Maltas, die Finanzierung übernahm. Die Festung wurde nach dem Stifter Fort Chambray benannt. Die aus einer Zentralbastion, flankiert von zwei Halbbastionen, bestehende Landfront wurde unter Baumeister Francesco Maradon bereits 1757 weitgehend fertiggestellt. Im Inneren war eine Planstadt nach dem Vorbild Vallettas mit rechtwinkligem Straßennetz und einem Gouverneurspalast und einer Kirche im Zentrum geplant. Außer Kasernen und Magazinen sollte das Fort im Belagerungsfall die Bevölkerung Gozos mit ihrem Vieh und Besitz aufnehmen.

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Gleichzeitig wurden die Arbeiten an der Cotonera-Linie fortgesetzt, die 1760 in vereinfachter Form – ohne die Außenwerke – fertiggestellt wurde.
Der Siebenjähriger Krieg von 1756-1763in Europa führte zu sinkenden Einnahmen des Ordens aus seinen europäischen Gütern. Zu welchem Zweck de Fonseca 1756 ein illustriertes Inventar der Schätze des Ordens erstellen ließ, ist nicht bekannt. Das Dokument befindet sich heute im Kathedralmuseum in Mdina während die Schätze selbst 1798 durch Napoleon geraubt wurden.
Als 1773 der Jesuitenorden durch den Papst aufgelöst und seine Besitzungen beschlagnahmt wurden, ging ein Großteil des Vermögens an den Johanniterorden. Trotzdem führte Großmeister Francisco Ximenes de Texada (1773-1775) eine zusätzliche Brotsteuer ein, was 1775 den „Aufstand der Priester“ gegen die zunehmend dekadenten Ritter auslöste.
Von der Auflösung aller adligen und religiösen Vereinigungen im Zuge der französischen Revolution ist 1792 auch der Johanniterorden betroffen, der noch 1791 die Flucht Ludwigs XVI. in die Niederlande finanziert hatte.
Auf Malta wird 1792-94 die letzte Befestigungsanlage der Ritter, das nach dem Stifter benannte Fort Tigne auf der Westseite der Zufahrt zum Marsammxett Hafen, gebaut.

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Das letzte von den Johannitern auf Malta errichtete Gebäude ist die 1796 fertiggestellte heutige Nationalbibliothek. Sie beherbergt noch heute das seit dem 12. Jhd. bestehende Archiv des Johanniterordens, außerdem viele Dokumente des maltesischen Adelsparlaments, der Universita.
In Vitrinen im alten Lesesaal sind einige wertvolle historische Dokumente ausgestellt. Zu den bedeutendsten Stücken zählt die Lehnsurkunde Karls V., mit der er Malta 1530 den Rittern überträgt.

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Zwar wird unter Grossmeister Emmanuel de Rohan-Polduc (1775-1797) mit Unterstützung der Zaren Katharina II und Paul I noch ein neues Priorat der Johanniter in Polen sowie eine Polnisch-Bayrischen Landsmannschaft (Zunge) gegründet, zu der auch die wenigen Engländer gehören. Aber die Zahl der Ritter nimmt ständig ab und beträgt bei der Wahl des letzten Großmeisters Ferdinand Freiherr von Hompesch (1797-1798) nur noch insgesamt ca. 300 Ritter. Zwei Drittel davon sind Franzosen, die z.T. gerade vor der Revolution nach Malta geflohen waren, andererseits aber durchaus mit den Idealen der Aufklärung sympatisierten.

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Am 06.06.1798 landet Napoleon auf dem Weg nach Ägypten auf Malta. Nach den Ordensstatuten ist es den Rittern verboten, gegen andere Christen zu kämpfen, ein Teil der Franzosen sympatisiert zudem mit Napoleon. So werden die Inseln kampflos übergeben, die Ritter verlassen Malta und zerstreuen sich über ganz Europa. Ein großer Teil geht nach Rußland, einige schließen sich Napoleons Ägyptenfeldzug an.