„Altes Gefängnis“ in Rabat/Gozo

(The Old Prison)

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Bereits vor Ankunft der Johanniter in Malta gab es in der Zitadelle von Gozo ein Gefängnis, das später auch durch die Ritter genutzt wurde.
Im Zuge der Modernisierung der Zitadelle unter Großmeister Alof de Wignacourt (1601-1622) wurde ab 1601 auch der Gerichtshof (Law Courts) des Ordens mit dem Gefängnis auf der Rückseite gebaut. Es befindet sich links gleich hinter dem Tor am Kathedralen-Platz und wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts genutzt.
Sowohl Ritter als auch Laien wurden aus verschiedensten Gründen hier eingesperrt: Duelle, Mord und sonstige Verbrechen. Der prominenteste Gefangene war der spätere Großmeister Jean Parisot de la Valette (1557-1568), der 1538 wegen eines Angriffes auf einen Laien für 4 Monate hierher kam.
Die Strafen reichten von einigen Monaten bis zu zehn Jahren. Auch Einkerkerung in Kombination mit Zwangsarbeit war üblich.

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Erhalten ist eine größere Gemeinschaftszelle, die aber erst bei einem Umbau im 19. Jhd entstand und heute den Eingangsbereich bildet. Sie wird heute für eine Dauerausstellung über die Befestigungsanlagen Gozos genutzt.
In einem frei stehenden Block sind sechs Einzelzellen von 5,4 m² im Originalzustand erhalten, einschließlich der massiven Türen mit schweren Schlössern. Zeitweise wurden darin auch 2 Gefangene festgehalten. Sie werden von einem schmalen Korridor umschlossen, der auf den zentralen Innenhof blickt. Es gibt Aufzeichnungen über 2-3 unterirdischen Zellen von denen aber materielle Spuren fehlen.
Anfangs hatte jede Zelle eine eigene Sickergrube mit steinernem Rand, die bis heute sichtbar sind. Später wurden erst hölzerne, dann Keramik- Kübel verwendet.
An den Wänden der Zellen und Korridore wurden historische Inschriften und Ritzzeichnungen der Insassen freigelegt, darunter Schiffe aus unterschiedlichen Epochen, Kreuze, Namen, Jahreszahlen, Hand-Abdrücke, kleine Spielfelder und Abstreichkalender.
Die Schiffe stellen unterschiedliche Typen verschiedener Epochen dar, was die zeitliche Einordnung der Zeichnungen erlaubt. Viele der Schiffe sind Abstreichkalender der Gefangenen, bei denen die Anzahl der Bullaugen oder der Ruder die bereits verbüßten Tage abzählen.
Einfachere Abstreichkalender bestehen aus horizontalen Linien mit vertikalen Abzählstrichen oder aus Leiterformen.
Die Handabdrücke haben unterschiedliche Größen, was die Anwesenheit von Frauen und Kindern bezeugt.
In den Gewölben gibt es außerdem Steinmetz- und Maurermarken in Form eines „X“ oder Fisches.
Im Hof befand sich eine Zisterne, in der das Wasser für die Gefangenen von den umliegenden Dächern gesammelt wurde.
Das Essen bestand aus Brot und Nudeln, etwas Käse, gesalzenem Fisch und Oliven.

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Mitte des 19. Jhd’s war parallel das Neue Gefängnis hinter der Kathedrale in Betrieb, das bis 1962 genutzt wurde.

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Das Museum untersteht der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta.

Auf deren englischsprachiger web-Seite können aktuelle Öffnungszeiten, Preise, Ermäßigungen und auch aktuelle Busverbindungen abgefragt werden.

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Es gibt Kombitickets für die Zitadelle von Gozo, die außer dem Alten Gefängnis das Archäologische Museum von Gozo, Das Folkloremuseum und das Naturkundemuseum von Gozo einschließen.

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Anfahrt

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The Old Prison
Cathedral Square
The Citadel
Victoria Gozo VCT 1821

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Quellen: Heritage Malta, Gemeinde Rabat/Gozo