Großmeisterpalast und Staatsräume

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Der Großmeisterpalast

Neben den Festungsanlagen war der Großmeisterpalast als Regierungs- und Verwaltungsgebäude, militärische Kommandozentrale und Sitz des Großmeisters das wichtigste Gebäude des Ordens. Es wurde als eines der ersten ab 1571 in der neuen Hauptstadt Valletta errichtet.
Architekt und Bauleiter war Gerolamo Cassar, der ehemalige maltesische Assistent Laparellis und ab 1569 sein Nachfolger bei der Leitung der Arbeiten an der Festung. Cassar erbaute in der Folgezeit alle wichtigen Gebäude der Ordensritter.

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Der Großmeisterpalast wurde als eines der ersten Gebäude ab 1571 in der neuen Hauptstadt Valletta errichtet. Die Gestaltung folgte militärisch-zweckmäßigen Erfordernissen und war äußerlich streng und schlicht gehalten.

Der Großmeisterpalast wurde als eines der ersten Gebäude ab 1571 in der neuen Hauptstadt Valletta errichtet. Die Gestaltung folgte militärisch-zweckmäßigen Erfordernissen und war äußerlich streng und schlicht gehalten.

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Wie auch andere Gebäude innerhalb der Festung, darunter sogar die Konventskirche bzw. heutige St. John‘s Co-Kathedrale, unterlag das Palastgebäude vor allem militärisch-zweckmäßigen als repräsentativen Erfordernissen und war äußerlich im strengen und schlichten Renaissance-Stil der damaligen Zeit Zeit gehalten. Erst im Verlaufe der Jahrhunderte erfolgten Umbauten und Erweiterungen sowie Ausschmückungen und die prunkvolle Ausstattung, die wir heute sehen.
So wurde der Mittelflügel, der den ehemals einheitlichen Innenhof teilt, erst später eingebaut. In seinem Obergeschoß befindet sich der Parlaments- bzw. Waffenkorridor, der unter Großmeister de Vilhena (1722-1736) durch den italienischen Barockmaler Giuseppe Nicola Nasini (1657-1736) ausgemalt wurde.

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Die heutige Fassade geht auf einen Umbau von 1741 zurück, bei dem die ursprünglichen Balkone mit schmiedeeisernen Gittern durch die heutigen Erker ersetzt und die beiden Portale gestaltet wurden.

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Die barocken Erker ...

Die barocken Erker …

... und Portale wurden erst 1741 angefügt.

… und Portale wurden erst 1741 angefügt.

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Im Erdgeschoß des Palastes befanden sich Pferdeställe, Wirtschaftsräume und Dienstbotenquartiere. Heute sind hier Verwaltungsräume und seit 1975 die Waffenkammer untergebracht.
Im Obergeschoß befanden sich die Staatsräume, also Repräsentationsräume des Ordens, sowie die Privatwohnung der Großmeister und bis 1975 die Waffenkammer, der heutige Parlamentssaal.
Nach der Vertreibung des Ritterordens war der Großmeisterpalast Sitz der britischen Kolonialgouverneure und seit 1921 Tagungsort des maltesischen Parlaments. Seit 1975 ist er auch Amtssitz des Präsidenten.

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Die Staatsräume der Großmeister sind mit ihrer Ausstattung bis heute erhalten und können ebenso wie die Waffenkammer des Ordens besichtigt werden. Nur wenn Staatsakte oder Parlamentssitzungen (gewöhnlich donnerstags) stattfinden, sind die Räume für Besucher gesperrt.
Die beiden Portale führen jeweils in einen Innenhof. Da das linke Portal für Staatsbeamte reserviert ist, betreten Besucher beide Höfe über das rechte Portal.

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Im rechten Hof, dem Prince Alfred Court, ist eine kunstvolle Uhr auf einem der Giebel bemerkenswert. Sie stammt von 1745 und hat vier Ziffernblätter für Stunde, Tag, Monat und Mondphase. Zur vollen Stunde schlagen vier Orientalen mit Hämmern die Glocken.

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Im Garten des Prince Alfred – Hofes ...

Im Garten des Prince Alfred – Hofes …

... ist eine kunstvolle Uhr von 1745 bemerkenswert.

… ist eine kunstvolle Uhr von 1745 bemerkenswert.

Die vier Ziffernblätter zeigen Stunde, Tag, Monat und Mondphase. Zur vollen Stunde schlagen vier Orientalen mit Hämmern die Glocken.

Die vier Ziffernblätter zeigen Stunde, Tag, Monat und Mondphase. Zur vollen Stunde schlagen vier Orientalen mit Hämmern die Glocken.

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Der linke Hof, der Neptuncourt ist nach der bronzenen Neptunstatue benannt, die 1615 für einen der Fischmärkte Vallettas geschaffen und erst 1861 durch den britischen Gouverneur in den Hof versetzt wurde.
Der Hof ist von einem Kreuzgang umgeben. Die Wappen an den Wänden ließ Napoleon zwischen 1798 und 1800 von Bastionen und öffentlichen Gebäuden entfernen. Der Brunnen hinter der Neptunstatue war einst die Pferdetränke. In den heute von der Waffenkammer eingenommenen Räumen befanden sich früher die Pferdeställe.

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Der Neptunshof ist nach der bronzenen Neptunstatue benannt.

Der Neptunshof ist nach der bronzenen Neptunstatue benannt.

Der Neptunshof ist von einem Kreuzgang umgeben. Hinter der Statue befindet sich die einstige Pferdetränke vor dem ehemaligen Marstall. Heute ist hier die Waffenkammer.

Der Neptunshof ist von einem Kreuzgang umgeben. Hinter der Statue befindet sich die einstige Pferdetränke vor dem ehemaligen Marstall. Heute ist hier die Waffenkammer.

42.4.7.4.0016 GMP, Neptunstatue.

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Im Neptunscourt befinden sich die Eingänge zur Waffenkammer im Erdgeschoss und den Staatsräumen in der ersten Etage.

Staatsräume des Großmeisterpalastes

(State Rooms)

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Die Staatsräume befinden sich im Obergeschoß des Großmeisterpalastes.

Dieses wird durch eine unter Großmeister de Verdalle (1581-1595) gebaute Wendeltreppe (1) erschlossen. Man beachte die Breite des Aufganges, den auch Sänften passieren konnten, und die flachen Treppenstufen, die der eingeschränkten Bewegungsfähigkeit der Ritter in ihren zentnerschweren Rüstungen Rechnung trugen.

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Der Parlaments- bzw. Waffenkorridor führt in die ehemalige Waffenkammer der Johanniter, den heutigen Sitzungssaal des maltesischen Parlaments. Den Eingang rahmt ein aufwendiges steinernes Portal.

Der Parlaments- bzw. Waffenkorridor führt in die ehemalige Waffenkammer der Johanniter, den heutigen Sitzungssaal des maltesischen Parlaments. Den Eingang rahmt ein aufwendiges steinernes Portal.

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Der Mittelflügel mit dem Parlaments- bzw. Waffenkorridor (Parliamentary/Armoury Corridor) (2) führt in die ehemalige Waffenkammer der Johanniter, den heutigen, nicht zugänglichen Sitzungssaal des maltesischen Parlaments (Chamber of Representatives) (3). In den Saal hinauf führen einige Stufen. Den Eingang rahmt ein aufwendiges steinernes Portal.

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Wände und Decken der Korridore zeigen gemahlte Illusionen von Säulenkapitellen, Gesimsen, Arkade, Brüstung und anderen architektonischen Elementen.

Wände und Decken der Korridore zeigen gemahlte Illusionen von Säulenkapitellen, Gesimsen, Arkade, Brüstung und anderen architektonischen Elementen.

Wände und Decke des Korridors wurden unter Großmeister de Vilhena (1722-1736) durch den italienischen Barockmaler Giuseppe Nicola Nasini (1657-1736) aufwendig gestaltet. Die illusionistischen Wand- und Deckenmalereien zeigen Pfeiler, Säulen, Gesimse und andere architektonische Elemente. Besonders prunkvoll ist die Bemalung mit Arkade, Brüstung und Kapitellen am Durchgang zum Piano Nobile im Vorderflügel mit den Staatsräumen. Ein Band aus bogenförmig gerahmten Fresken (Lünetten) zeigt maltesische und gozitanische Landschaften.

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In den Marmorboden sind verschiedene Wappen einiger Großmeister, Landsmannschaften (Zungen) des Ordens sowie das der Republik Malta eingelassen. Auf beiden Seiten sind z.T sehr restaurierungsbedürftige Ritterrüstungen aus der Waffenkammer aufgestellt.

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Die Lünetten im Eingangskorridor und im Prinz von Wales–Korridor zeigen Seeschlachten zwischen dem Ritterorden und dem Osmanischen Reich.

Die Lünetten im Eingangskorridor und im Prinz von Wales–Korridor zeigen Seeschlachten zwischen dem Ritterorden und dem Osmanischen Reich.

Analog sind auch der Eingangskorridor (Entrance Corridor) (4) und der Prinz von Wales–Korridor (Prince of Wales’ Corridor) (5) mit Wand- und Deckenbemalung, Marmorböden und Rüstungen ausgestattet. Die Lünetten zeigen hier einige der Seeschlachten zwischen dem Ritterorden und dem Osmanischen Reich. Die Porträts der Großmeister in den drei Korridoren bilden eine komplette Galerie aller Ordensgroßmeister in Malta.
Der Prinz von Wales–Korridor wurde 1862 anläßlich eines Besuches des britischen Thronfolgers, des späteren Königs Eduard VII, benannt. Hier liegen die ehemaligen Privaträume der Großmeister (11). Später dienten sie als Büros der Britischen Gouverneure, jetzt als Arbeitsräume des maltesischen Staatspräsidenten sowie der Abgeordneten und sind nicht öffentlich zugänglich.

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Der Gobelinsaal (6) (Tapestry Hall, auch Grand Council Chamber – also Ratskammer) war ursprünglich der Tagungsraum der Legislative des Malteserordens, später auch die Privatkapelle der Großmeister. Die sich ursprünglich hier über dem Eingang befindliche Empore verlegte man in britischer Zeit in den Thronsaal.
Benannt wurde der Saal nach einer Serie von zehn berühmten flämischen Gobelins „Les Tentures des Indes“ (“Die indischen Besitzungen“) mit romantisierenden Darstellungen von Pflanzen, Tieren und Ureinwohnern exotischer Länder wie Brasilien, Karibik, Afrika, Indien. Die damals weitgehend unbekannten und märchenhaften Motive beruhen auf illustrierten Reiseberichten. Sie waren sehr populär und wurden oft nachgearbeitet. Der hiesige Satz soll der älteste vollständig erhaltene sein.
Die Gobelins sind das Antrittsgeschenk des Großmeisters Ramon Perellos y Roccaful anläßlich seiner Wahl ins Amt 1697. Er bestellte sie 1700 in der königlichen Gobelinmanufaktur Ludwigs IX., nach 13 Jahren waren sie fertig gestellt. Wegen der Empfindlichkeit der Gobelins wird der Raum nur gedämpft beleuchtet und kann nur vom Eingang her betrachtet, nicht aber betreten werden.
Oberhalb der Gobelins zeigt ein Fries Seeschlachten der Ordensschiffe. Die geschnitzte Holzdecke befand sich mehr als hundert Jahre lang unter einer Zwischendecke, die erst bei Instandsetzungsarbeiten zufällig wiederentdeckt wurde.

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Im Gobelinsaal tagte von 1921 bis 1976 das maltesische Parlament, bevor es in die ehemalige Waffenkammer umzog.
Aus dieser Zeit stammen die hölzernen Pulte und die mit rotem Samt bezogenen Stühle der Abgeordneten.
Heute finden hier die Ernennungsfeiern neuer maltesischer Staatspräsidenten sowie die Verleihung von Verdienstorden statt.

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Der in Gold und Weiß gehaltene, festliche Speisesaal (State Dining Hall) (7) hat eine schöne Kassettendecke und Lüster aus böhmischem Kristall. In der Mitte ist ein ovaler Eßtisch eingedeckt. Die Porträts zeigen die maltesischen Präsidenten und britischen Gouverneure Maltas sowie einige britische Könige.

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Im Großen Ratssaal steht auf einem Podest vor dem Wappen Maltas der Thron der Großmeister.

Im Großen Ratssaal steht auf einem Podest vor dem Wappen Maltas der Thron der Großmeister.

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Der Große Ratssaal (8) (Supreme Council Hall, auch Throne Room – also Thronsaal) diente als Versammlungsraum des Großen Rates, also der Versammlung der Johanniterritter.
An der Stirnseite steht auf einem Podest vor dem Wappen Maltas der Thron der Großmeister.

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Die Empore wurde aus Teilen der Heckplattform der Großen Karacke, eines der Kriegsschiffe des Johanniterordens gefertigt. Auf sechs Bildtafeln ist die Schöpfungsgeschichte dargestellt.

Die Empore wurde aus Teilen der Heckplattform der Großen Karacke, eines der Kriegsschiffe des Johanniterordens gefertigt. Auf sechs Bildtafeln ist die Schöpfungsgeschichte dargestellt.

 

An der gegenüber- liegenden Schmalwand befindet sich die Empore (Minstrel’s Gallery) aus dem Gobelinsaal, die in britischer Zeit hierher versetzt wurde. Diese Empore war aus Teilen der Heckplattform eines der Kriegsschiffe, der Großen Karacke, des Johanniterordens gefertigt worden. Auf diesem Schiff hatte der damalige Großmeister de l’Isle-Adam 1522 Rhodos verlassen. Sechs durch vergoldete Holzskulpturen getrennte Bildtafeln stellen die Schöpfungsgeschichte dar.

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Die Bilder gelten als authentische Darstellungen.

Die Bilder gelten als authentische Darstellungen.

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Eine Serie von zwölf Fresken im Großen Ratssaal stellt die Große Belagerung von 1565 dar.

Eine Serie von zwölf Fresken im Großen Ratssaal stellt die Große Belagerung von 1565 dar.

Von größter Bedeutung ist im Großen Ratssaal eine Serie von zwölf Fresken, die die Große Belagerung von 1565 darstellen. Sie wurden zwischen 1576 und 1581 – also noch nach frischen Eindrücken bzw. Augenzeugenberichten – von Matteo Perez d’Aleccio (1547-1616), einem Michelangeloschüler, geschaffen. Die Bilder gelten als zuverlässige Darstellungen der damaligen Kämpfe.

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Der Rote Saal war der Audienzsaal der Großmeister.

Der Rote Saal war der Audienzsaal der Großmeister.

Der Rote Saal (9) (Red State Room, auch Ambassador’s Room – also Botschafterraum) wurde wegen der roten Wandbespannung, Teppiche und Möbelstoffe so benannt und diente als Audienzsaal der Großmeister. Ein Gemälde zeigt Großmeister de l’Isle-Adam bei der Entgegennahme der Schlüssel der damaligen Hauptstadt Maltas, Mdina. Die ebenfalls von d’Aleccio gemalten Fresken stellen die Ordensgeschichte bis zur Ankunft auf Malta dar.

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Der Gelbe Saal (10) (Yellow State Room, auch Page’s Waiting Room – also Pagenwarteraum) ist mit gelben Wandbespannungen aus Brokat und Damast ausgestattet. Wie der Name sagt, diente er zur Zeit der Johanniter als Warteraum für die Pagen. Diesen Dienst mußten die zukünftigen Ritter ab ihrem 12. Lebensjahr leisten bevor sie mit mindestens 18 Jahren in den Orden aufgenommen werden konnten. Der Fries von d’Aleccio stellt die Geschichte des Ordens vor der Vertreibung aus dem Heiligen Land durch die Sarazenen im 13. Jhd. dar.

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Anfahrt

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Grandmasters Palace,
Palace Square,
Valletta VLT 1191

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Quellen: Großmeisterpalast