Waffenkammer des Großmeisterpalastes

(Palace Armoury)

;

Die Waffenkammer des Großmeisterpalastes gehört zu den weltweit größten Sammlungen ...

Die Waffenkammer des Großmeisterpalastes gehört zu den weltweit größten Sammlungen …

.

Trotz großer Verluste in der jüngeren Vergangenheit zählt die Waffenkammer des Großmeisterpalastes weltweit zu den größten Waffensammlungen des 16. bis 18. Jhd’s. Anhand ihrer Exponate können 300 Jahre Entwicklung der Waffentechnik vom 15. Jhd. an, als der Orden noch auf Rhodos saß, bis zur französischen Okkupation 1798, als der Orden Malta verließ, nachvollzogen werden.
Sie umfaßt Rüstungen, schneidende und Feuerwaffen aus allen europäischen Waffenschmieden der verschiedenen Perioden daneben auch etliche, vornehmlich türkische Beutewaffen und einige kuriose Stücke.
Darüberhinaus ist die Waffenkammer ein seltenes Beispiel für ein in Betrieb befindliches Zeughaus, das neben Prestige-Waffen der Adligen die Gebrauchsausrüstungen vom einfachen Soldaten bis zum Offizier enthielt und im Bedarfsfall 25.000 Kämpfer ausrüsten mußte.
Heute zählt die Sammlung noch 5.700 Stücke.

.

Geschichte

1604 wurde unter Großmeister Alof de Wignacourt (1601-22) das Arsenal in den Palast überführt. Die neue Waffenkammer wurde in dem riesigen Saal, der sich auf der Gebäuderückseite über dessen gesamte Länge erstreckte, eingerichtet.
Der ‘Sala d’Armi del Palazzo’ mit seinen beeindruckenden Waffen wurde mit Vorliebe auch ausländischen Besuchern vorgeführt und bekam so allmählich auch eine repräsentative Bedeutung.
Zum Ende der Ordensherrschaft hin wurde die Waffenkammer leider zunehmend vernachlässigt.

.

Während der zweijährigen französischen Besatzungszeit und zu Beginn der Britischen Herrschaft wurden immer wieder Teile der Sammlung verschickt. Die britische Regierung beabsichtigte die Sammlung zur sicheren Aufbewahrung nach London zu bringen, was zum Glück nie vollständig verwirklicht wurde. 1850 wurde die Waffenkammer geräumt um Platz für moderne britische Waffen zu schaffen, die 1855 unter Gouverneur William Reid (1851-58) wieder entfernt wurden. Ein letzter Versuch die besten Stücke nach England zu bringen wurde 1857 glücklicherweise aufgegeben.

... von Rüstungen und Helmen, ...

… von Rüstungen und Helmen, …

.

Unter Gouverneur Sir Gaspard Le Marchant (1858-64) wurden die sich selbst überlassenen Rüstungen und Waffen zurückgebracht, gereinigt und in der Waffenkammer sowie den Korridoren des Palastes aufgestellt. 1860 wurde die Waffenkammer als Maltas erstes öffentliches Museum eröffnet. 1902 engagierte Gouverneur Lord Glenfel (1899-1903) den nahmhaften Waffenkundler und Verwalter der königlichen Waffenkammer Guy Francis Laking, der die Sammlung katalogisierte, klassifizierte und neu arrangierte.

.

Während des zweiten Weltkrieges war die Sammlung ausgelagert und wurde nach dem Krieg offiziell der Museumsverwaltung unterstellt.

.

Nach der Unabhängigkeit mußte ein angemessener Tagungsort für Maltas neu geschaffenes Parlament gefunden werden. Daher wurde 1975 die Entscheidung getroffen, die Sammlung in neue Ausstellungsräume in den ehemaligen Pferdeställen im Erdgeschoß zu überführen.

.

Ausstellung

.

Italienischer „Schaller“
auch als „celata“ bezeichnet ist dieser charakteristische Helm des frühen 16. Jhd’s. ein Beispiel exzellenter venezianischer oder milanesischer Handwerkskunst. Der mit ausgezogenem Nackenschutz, Blasebalgvisier und Sehschlitz ausgestattete typische Ritterhelm wurde im 15. und Anfang des 16. Jhd’s überall in Europa gebraucht, so auch bei den Johannitern auf Rhodos.

.

La Valette-Brustpanzer
Der feine Panzer wird mit Großmeister Jean de Valette in Verbindung gebracht, die Oberfläche ist reich verziert, neben Rankenornament finden sich Vögel, Fabelwesen, eine Darstellung Johannes des Täufers und das Wappen der Familie Valette.
Zum Brustpanzer gehört eine „Schürze“ genannter Halsschutz, da die damaligen Helme Hals und unteren Gesichtsteil frei ließen.

.

Paraderüstung des Großmeisters Alof de Wignacourt
… ist die mit Abstand prunkvollste aller Rüstungen. Die gesamte Oberfläche ist mit reichen Gold- und Silberornamenten bedeckt. Ein Schild mit den Familienwappen der Wignacourt und des Johanniterordens sowie ein Roßpanzer komplettieren die Garnitur.

.

‘Pompeo della Cesa’ – Rüstung
Der Panzer mit dem Siegel „Pompe“ des milanesischen Meisters Pompeo della Cesa ist ein eindrucksvolles Beispiel für die italienische Waffenkunst. Die Oberfläche ist in Streifen unterteilt, die verschlungene Ornamente in schwarz und gold zeigen. Auf den Schultern finden sich Löwenköpfe. Ein prachtvoller Helm des Moriot-Typs und ein Wettkampfschild gehören zur Ausrüstung.

.

Reiterpanzer des Typs Kürasse
Diese Dreiviertel-Rüstung für die schwere Reiterei wurde Anfang des 17. Jhd’s entwickelt. Das ausgestellte, einfach aber elegant mit schmalen vergoldeten Bändern verzierte Stück ist ein anschauliches Beispiel aus der umfangreichen Kollektion dieser späten Rüstungen.

.

Schwerter und Degen (Rapiere)
Die Vielfalt der Schwerter in der Ausstellung demonstriert die Bedeutung, die die Ritter dieser Waffe beimaßen. Ab 1560 war das leichtere Rapier gebräuchlich. Die Klingen aus Toledo, Valencia und Mailand genossen höchstes Ansehen aber das größte Produktionszentrum war die Stadt Solingen im Rheinland. Die importierten Klingen wurden von jeweils einheimischen Handwerkern mit Griffen lokaler Form ausgestattet. Das Resultat ist eine Unmenge von Griffformen. Die Waffenkammer umfaßt eine der größten Sammlungen von Rapieren des 16. Und 17. Jhd’s.

.

Armbrüste
Bis zum 15. Jhd war die Armbrust dem Gewehr überlegen. Die von den Rittern benutzte Armbrust hatte einen Stahlbogen, einen geraden schlanken Schaft und einen langen stählernen Abzug. Oft ist der Schaft ist mit eleganten Ornamenten verziert.
Mitte des 16. Jhd’s endete europaweit die Nutzung der Armbrüste im Krieg, in einigen Regionen wurden sie weiterhin für die Jagd und Scheibenschießen eingesetzt.

.

Luntenschloß-Hakenbüchse
Das exquisite Stück gehöhrte offenbar einer hochgestellten Persönlichkeit. Der Schaft ist mit Ornamenten ausgelegt und mit geschnitzten Masken und Ornamenten verziert. Solch teure Gewehre waren mehr Statussymbol als Waffe, zeigen aber höchstes Niveau der damaligen Handwerkskunst.

.

Italienische Schnapphahn-Pistole
Kunstvolle Pistolen gehörten zu den persönlichen Waffen der Ritter. Sie sind faszinierende Beispiele der Ingenieurskunst ebenso wie der Dekoration. Das Schnapphahn-Schloß ist eine Weiterentwicklung des Radschlosses und ein Vorläufer des Steinschlosses. Die italienische Arbeit des 17. Jhd’s hat einen fein geschnitzten Schaft und ziselierten Lauf.;

... schneidenden und Feuerwaffen.

… schneidenden und Feuerwaffen.

.

Schwere Artilleriegeschütze
Die eindrucksvollen Zeugnisse der Bronzeguß-Kunst sind oft mit Inschriften, Figuren und Wappen verziert. Eines der frühesten Stücke stammt noch aus der Rhodos-Zeit des Ordens und zeigt die Wappen von Savoy und des Großmeisters de Carretto. Ein weiteres beeindruckendes Geschütz trägt das Wappen der Wignacourt und den Hlg. Jakob, die Kanone „El Pronto“ aus dem 18. Jhd. zeigt das Wappen des Königshauses zweier Sizilien.

;

Viele der Kanonen zeigen die Wappen des Ordens und seiner Großmeister.

Viele der Kanonen zeigen die Wappen des Ordens und seiner Großmeister.

Kleinere Bronzekanonen
… zeigen reichen ornamentalem Dekor, wie beispielsweise ein Paar Falconet-Geschütze mit den Wappen des Ordens und des Großmeisters Cottoner. Am beeindruckendsten ist jedoch ein Paar Miniaturkanonen mit dem Wappen des Großmeisters Pinto, das 1765 von der Werkstatt Gioachino und Francescus Trigance signiert wurde.

.

.

Anfahrt

.

Palace Armoury
Grandmasters Palace
Palace Square
Valletta VLT 1191


Quellen: Ausstellung, Heritage Malta