Hospital Sacra Infermeria

Das Hospital Sacra Infermeria Santo Spirito wurde 1575, also gleich nach der Gründung Vallettas, gebaut. Architekt war Girolamo Cassar.
Neben Großmeisterpalast und Konventskirche war es eines der wichtigsten Gebäude des Ordens, der einst als Hospitaliterorden zur Pflege der Kreuzritter und Pilger gegründet worden war. Im Gegensatz zu anderen Ritterorden war den Johannitern Krankenpflege und Betreuung von Pilgern immer ein Hauptanliegen geblieben. So tat jeder Ritter einmal wöchentlich Hospitaldienst, wobei er alle Rangabzeichen und –privilegien ablegte. Ins Hospital wurden nicht nur Katholiken sondern z.B. auch Juden und Orthodoxe aufgenommen.
Das Hospital war für die damalige Zeit äußerst komfortabel und sowohl in der Ausstattung als auch in der medizinischen Betreuung sehr fortschrittlich. Der 155 m lange Krankensaal war 9 m hoch, was auch bei Mittelmeerklima einigermaßen erträgliche Temperaturen ermöglichte. Jeder Kranke hatte ein eigenes Bett und die Ausstattung mit Marmorfußboden und antibakteriellem Silbergeschirr ermöglichte vorbildliche Hygiene. Verwundete und Kranke konnten durch einen Tunnel direkt vom Hafen ins Krankenhaus gebracht werden.
1676 wurde unter Großmeister Nicolas Cotoner auch eine Schule für Anatomie und Chirurgie eingerichtet.

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Das Hauptgebäude erstreckt sich über 160 m entlang der Hafenfront. Einziger Schmuck der strengen Fassade ist der fast über die gesamte Länge reichende geschlossene Balkon. Innen gibt es nur zwei riesige Räume, die sich jeweils über die gesamte Etage erstrecken: die La Valette-Halle im Kellergeschoß und die eigentliche Sacra Infermeria. Die La Valette-Halle diente früher als Magazin sowie zur Unterbringung der „einfachen“ sprich armen Kranken. Heute wird sie mit ihren Gewölben und dem historischen Ambiente für exclusive Bankette genutzt. Es finden z. Bsp. Mittelalterbankette mit Gauklern und kostümierten Kellnern und die beliebte „Nacht der Ritter“ (Night of the Knights) statt. Die Sacra Infermeria-Halle liegt unmittelbar darüber und erstreckt sich in der Höhe über zwei Etagen. Hier war der vielgerühmte Krankensaal, der mit Abstand modernste im damaligen Europa. Die Halle mit ihrer hohen Balkendecke und den Natursteinwänden wird heute für Messen und Ausstellungen genutzt.

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Westlich davon liegen um den großen ehemaligen Haupthof des Hospitals drei weitere Gebäudeflügel. Der Südflügel wird durch die Temi Zammit-Halle eingenommen, die nach dem großen maltesischen Altertumsforscher und ersten Museumsdirektor benannt wurde. Die 20 m lange Halle nimmt in der Höhe ebenfalls zwei Etagen ein. Im West- und Nordflügel sind heute im Erdgeschoß Geschäfte und Büros untergebracht, oben befinden sich weitere Konferenzräume.
Der Innenhof selbst wurde überdacht und ist als „Halle der Republik“ (Republic Hall, auch City Hall) heute der größte geschlossene Veranstaltungsraum Maltas. Die Seitenwände werden von den Natursteinfassaden der den Hof umgebenden Gebäude gebildet, die Arkaden und Balkone als Emporen genutzt. Die Bühne ist bestens ausgestattet und außer für Konferenzen auch für Konzerte, Opern- und Ballettaufführungen, sogar Eisballett und vieles mehr geeignet. Es finden regelmäßig Gastspiele weltbekannter Ensembles statt.

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Im Winkel zwischen Sacra Infermeria – und Temi Zammit-Halle ließ Großmeister Raymond Perellos (1697-1720) 1712 eine barocke Sakramentskapelle errichten. Sie wurde 2005 restauriert und dient seither als „Perellos Suite“ für private Festlichkeiten.

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Zwei weitere ca. 400 Jahre alte Gebäudeflügel begrenzen einen westlich anschließenden dreieckigen Innenhof. Hier befinden sich heute eine weitere hohe, nach Cotoner benannte Konferenz-Halle sowie Büroräume und darüber kleinere aber exquisit ausgestattete Bankett- oder auch Konferenzsäle.
Der gesamte Hospital-Komplex wurde seit seiner Errichtung 1575 durchgehend bis zum Ende des 1. Weltkrieges 1918 – also auch noch unter französischer bzw. britischer Besatzung als Hospital genutzt.
1887 entdeckte der britische Militärarzt David Bruce hier den Erreger des Wechselfiebers (Brucellosis).
Zwischen 1918 und 1940 war in der Sacra Infermeria das Polizeihauptquartier untergebracht.
Im 2. Weltkrieg erhielt das Gebäude vier Volltreffer, ein Drittel der Anlage wurde völlig zerstört. Nach dem Krieg dienten wiederhergestellte Teile als Vergnügungszentrum für die alliierten Truppen.