Inquisitionspalast

Nach ihrer Ankunft auf Malta 1530 begannen die Ritter sofort mit Instantsetzung und Ausbau der Befestigungen am Großen Hafen. Das Castello al Mar in Birgu wurde zum Fort St. Angelo ausgebaut, auf der Landzunge L’Isla die Festungsstadt Senglea angelegt und das dazwischenliegende natürliche Hafenbecken zum Galeerenhafen der Ordensflotte ausgebaut.
Bereits 1536 erfolgte der Umzug von Mdina in den neuen Ordenssitz nach Birgu. Außer den natürlich vorrangigen Befestigungen wurde ein Großmeisterpalast, Quartiere für die Landsmannschaften (Auberges) sowie ein Ordenshospital errichtet und die Kirche San Lorenzo del Mar zur Konventskirche ausgebaut.
Unter weiteren administrativen Gebäuden wurde auch der zivile Gerichtshof des Johanniterordens errichtet.

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Nachdem die Ritter 1571 in ihre neue Hauptstadt Valletta umgezogen waren, wurde dieses Gebäude dem 1574 nach Malta berufenen Inquisitor zur Verfügung gestellt. Bis zur Abschaffung der Inquisition in Malta 1798 durch Napoleon war der Palast Residenz der Inquisitoren, die ihn im Laufe der Jahrhunderte ausbauten, erweiterten und ausschmückten.
So wurden zwischen 1639-45 die Privaträume des Inquisitors aber auch das Gefängnis gebaut. Die heutige Fassade stammt von 1658-63, der Eingang und das Treppenhaus von 1731-35.

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Auch nach Abschaffung der Inquisition wurde das Gebäude weiter genutzt. Ab 1798 war es Sitz des französischen Kommandeurs des Cottonera-Distrikts, ab 1800 unter britischer Besetzung zuerst Militärkrankenhaus, dann Gebetshaus für Offiziere.
1926 wurde das Gebäude dem Museumsdepartement übergeben und nahm zunächst Teile der Nationalen Sammlungen der Schönen Künste auf.
Die Bombardements des zweiten Weltkrieges überstand der Palast unbeschadet, zwischen 1942-54 lebten hier die maltesischen Dominikaner, deren Kloster und Kirche im zweiten Weltkrieg zerstört worden waren.

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Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurde es 1966 als Museum wieder eröffnet. Ab 1981 ist hier die Ethnografische Abteilung der Nationalen Sammlungen Maltas untergebracht.
Dank der ununterbrochenen Nutzung ist das Gebäude heute weltweit einer der wenigen überhaupt erhaltenen und der einzige der Öffentlichkeit zugängliche Inquisitionspalast.

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Das Piano Nobile – die repräsentativen Räume des Obergeschosses – sind mit Fresken und erlesenem Hausrat ausgestattet. Zu den Privaträumen des Inquisitors gehören die Küche und ein Speisezimmer, dessen Tafel mit farbenfreudigem Majolikageschirr und Silberbesteck eingedeckt ist.
Zu besichtigen sind auch die Räume des Inquisitionsgerichtes und das Gefängnis mit der Folterkammer. In den Gerichtssaal führen zwei Türen, wobei die nur halbhohe Tür für den Beschuldigten vorgesehen war, der dadurch in eine gebückte Haltung gezwungen wurde. Die Gefängniszellen haben Seeschlitze zum Galgenhof.

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In den Räumen ist die Ausstellung des Nationalmuseums für Ethnografie untergebracht.
Diese konzentriert sich auf das religiöse Leben des maltesischen Volkes. Zu sehen sind Monstranzen für die Karfreitagsprozession und die lokalen Patronatsfeste, Kirchengerät, viele Bilder. Bemerkenswert ist eine Weihnachtskrippensammlung. Sie stellt traditionelle maltesische Krippen aus rauhem Stein mit in lokale Trachten gekleideten Hirten solchen aus Peru, China, Deutschland, Kenia, Italien u.A. gegenüber.

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Daneben gibt es Sonderausstellungen.

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Das Museum untersteht der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta.
Auf deren englischsprachiger web-Seite können aktuelle Öffnungszeiten, Preise, Ermäßigungen und auch aktuelle Busverbindungen abgefragt werden.

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Anfahrt

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Inquisitors Palace
Main Gate Street,
Vittoriosa BRG 1023

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Quellen: Heritage Malta