Manoel Theater

 

Als Opernaufführungen und „Historienspiele“ in privatem Rahmen oder unter freiem Himmel immer populärer wurden stiftete 1731 Großmeister Antonio Manoel de Vilhena (1722-1736) das nach ihm benannte Theatro Manoel „zur ehrenvollen Erbauung des Volkes“. Dieses Motto – “ad honestam populi oblectationem” ist noch heute über dem Portal zu lesen.
Es war das erste und lange Zeit einzigste Theater Maltas und gehört heute zu den ältesten noch bespielten Bühnen weltweit.

 

Es verfügte über einen ovalen Zuschauerraum, die Ausstattung war komplett aus Holz. Die Verkleidung der Galerien war ursprünglich bemalt, dann grün überstrichen, später vertäfelt und schließlich vergoldet. Erst 2004 wurden einige Malereien frei gelegt, die nach Stil und Ausführung aus der Gründungszeit des Theaters stammen könnten und wohl bei späteren Umbauten als Untergrund weiter verwendet wurden.
Zwei Zisternen unter dem Gebäude hielten bereits seit der Gründung und bis heute das Löschwasser für den Fall eines Brandes bereit.

 

Bereits nach zehn Monaten konnte das Theater am 19. Januar 1732 mit der Tragödie „Merope“ des Veroneser Dramatikers Francesco Scipione Maffei eingeweiht werden.

 

Im Folgenden wurde das Theater an zumeist italienische Impressarios vermietet wobei das Management und zugleich die Zensur dem Amt des “Il Protettore” oblag, zu dem einer der Ordensritter ernannt wurde.
Die Miete betrug z.Zt. de Vilhena‘s jährlich 320 scudi wobei interessanterweise 80 scudi auf die Zeit zwischen Ostern und August und jeweils 120 scudi für den Herbst bzw. für die Zeit zwischen Weihnachten und Karneval entfielen, wenn im Theater die großen Bälle und Maskenbälle stattfanden.
Auf diese Weise bestand immer ein intensiver Austausch zwischen Valletta und italienischen Opernhäusern wie Neapel und Palermo.
Es wurden gleichermaßen Dramen und Opern aufgeführt.

 

Mit der französischen Okkupation Maltas im Jahre 1798 wurde erstmals ein maltesischen Kommissionär, der Komponist Nicolo Isouard ernannt.
Unter britischer Herrschaft wurde das Theater als „Royal Theatre“ weitergeführt und wiederum an Impressarios vermietet. Es fanden ganzjährige Produktionen statt, hauptsächlich wurden Opern, später auch Operetten aufgeführt. Die Stars waren die großen italienischen Komponisten wie Rossini, Bellini, Donizetti und Verdi aber auch viele weniger Bekannte. Die meisten Sänger kamen ebenfalls aus Italien.
Komödien und Satiren in englischer und italienischer Sprache waren ebenfalls sehr populär.

 

Der Erfolg war so groß, das das Theater mehrmals umgebaut und erweitert werden mußte. So wurde der Innenraum noch 1844 nach dem Vorbild des venezianische Teatro La Fenice umgestaltet. Diese Ausstattung mit vier Rängen und insgesamt 623 Zuschauerplätzen ist bis heute erhalten.
Als schließlich 1861 das neue, erheblich größere Opernhaus gebaut wurde, stand das „Königliche Theater“ leer, wurde zeitweise zum Obdachlosenasyl und gewann nur kurzzeitig erneut Bedeutung, als das Opernhaus 1873 bei einem Brand völlig zerstört wurde.

 

Nach Wiederaufbau der Oper wurde das nun wieder in „Manoel Theater“ zurückbenannte Gebäude zunächst als Tanzsaal und nach der Jahrhundertwende für Aufführungen von Operette, Musikkomödie sowie Theaterstücken in englisch, italienisch und zunehmend in malti genutzt.
Ab den 1920-er Jahren wurden zunehmend Kinovorführungen gezeigt.
Bevor es im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, waren u.A. Flüchtlinge im Theater untergebracht.

 

Nach dem Krieg wurde das Gebäude in jahrzehntelanger akribischer Arbeit restauriert wobei einheimische Handwerker mit internationalen Experten zusammen arbeiteten. Dabei wurden zahllose Farb- und Schmutzschichten entfernt, die prunkvolle vergoldete Decke sowie die Bemalung und Vertäfelung an den Rängen wiederhergestellt.

 

Bereits 1957 war das Theater verstaatlicht worden, 1960 erfolgte mit dem Ballett Coppelia von Leo Delibes die feierliche Wiedereröffnung als maltesisches Nationaltheater.
Seitdem wird das Theater von einem Komitee gemanaget. Das Programm ist nach wie vor vielseitig und umfaßt neben klassischem Theater und Musiktheater auch Jazz-, Folk- und Rockkonzerte, Lesungen sowie Festivals und andere Veranstaltungen. Der Schwerpunkt liegt aber auf klassischen Konzerten.

Seit einigen Jahren gehöhrt auch das Casa Bonici, ein unmittelbar benachbarter Adelspalast aus dem späten 18. Jhd., zum Teather. Das Gebäude wurde restauriert und bildet mit seiner weißen Marmortreppe, den Spiegeln und Kronleuchtern heute das edle Foyer des Theaters.
Der Isouard-Saal wurde nach dem maltesischen Komponisten Nicolo Isouard benannt. Mit seinem schönen Ambiente und der excellenten Akustik ist er der ideale Ort für kleinere Konzerte oder Lesungen.

 

Der Innenhof des Palastes wurde ebenfalls zu einem interessanten Veranstaltungsort gestaltet. Er verbindet das Theater mit den im Palast untergebrachten Kassen, der Theaterbar, einem Cafe und einem Buchladen. Es wurde eine Überdachung installiert, die im Winter vollständig geschlossen, im Frühjahr und Herbst ganz oder teilweise geöffnet werden kann, im heißen Sommer mit Leinwand bespannt Schatten spendet und außerdem durch Schrägstellen der Paneele den kühlen Meereswind in das Gebäude leitet.
Hier finden oft Ausstellungen aber auch private Veranstaltungen statt.

 

Im Theater gibt es ein kleines Museum über die 300-jährige Geschichte des maltesischen Theaters. Eine Abteilung ist dem 1944 bei einem Luftangriff völlig zerstörten Opernhaus gewidmet.
Mehrmals täglich finden Führungen durch das Theater und Museum statt.
www.teatrumanoel.com.mt (engl.)

culturalservices@teatrumanoel.com.mt

 


Quellen: Theater Manoel