Folkloremuseum in Rabat/Gozo

Das Gebäude

Das Museum ist in passender Umgebung – einem Komplex aus mehreren heute miteinander verbundenen mittelalterlichen Häusern – in der Zitadelle von Gozo untergebracht. Sie stammen aus dem frühen 16. Jhd. und stellen das eindrucksvollste Beispiel sizilo-normannischer Architektur in ganz Malta dar. Die einzigen vergleichbaren Häuser sind das Normannische Haus in Birgu und die Palazzi St. Sophia und Inguanez in Mdina. Im Gegensatz zu diesen sind hier jedoch nicht nur die Fassaden mit ihren charakteristischen gotischen Architekturelementen sondern die gesamte ursprüngliche Raumstruktur mit Mittelsäulen, einem Saal oben und einem Labyrinth kleinerer Räume unten, mit Hof, Stallungen, Wirtschaftsräumen, mehreren der zu jedem Haushalt gehörenden Zisternen sowie sogar einer Göpelmühle erhalten.
Die Fassaden der spätmittelalterlichen Profanbauten sind mit doppelten, durch eine Säule getrennten Rundbogenfenstern, Rundbogentoren und steinernen Schmuckfriesen zwischen den Etagen ausgestattet und zeugen vom Wohlstand der Besitzer.

Die Ausstellung

In den Räumen wurde 1983 das Folkloremuseum eingerichtet, das der traditionellen Lebensweise der Bevölkerung gewidmet ist.
Gleich neben dem Eingang befindet sich eine Zisterne, deren Deckel vom Sockel einer römischen Säule gekrönt wird. Unter dem Boden der beiden Häuser befinden sich sechs solche Zisternen. Während der Winterregen wurde das Wasser von den Dächern über Tonröhren in die Zisternen geleitet, die die einzigen Trink- und Brauchwasserquellen der Bewohner waren. Die direkt in den Kalksteinfelsen gehauenen Zisternen haben verschiedene Größen und Formen: glocken- , kugelförmig oder zylindrisch.
In den Wirtschaftsräumen im Erdgeschoß sind landwirtschaftliche Geräte wie Sicheln, Spaten, Pflüge, darunter auch eine hölzerne Gemüsesortiermaschiene, ausgestellt. Mit einer Handkurbel werden Platten mit verschieden großen Löchern bewegt, durch die Kartoffeln und Zwiebeln der entsprechenden Größe in bereitstehende Körbe fallen.
In früheren Zeiten trieben die Ziegenhirten ihre Herden abends durch die Stadt, wo sie gegen ein Entgeld von den Hausfrauen gemolken wurden.
Es gibt eine Sammlung von Hohlmaßen, Waagen und Gewichten, mit denen die Bauern auf den Märkten ihre Waren abwogen. Das früher in Malta gebräuchliche Gewicht war das Ratal (Plural: Rotolos), das in 800 Gramm unterteilt wurde.
Eine andere Sammlung zeigt hand- und viehbetriebene Getreidemühlen verschiedenster Größe. Das Glanzstück ist eine vollständige Göpelmühle, deren Grundstein aus heimischem harten Korallenkalk, der Laufstein dagegen aus importiertem Lavagestein hergestellt wurden.
Es gibt auch Zimmermanns- und Steinmetzwerkzeuge (scapeletti) sowie eine komplette Schmiede mit Esse, Blasebälgen, einem mächtigen Amboß und vielfältigen Werkzeugen.

 

In den Räumen des Zwischengeschosses werden Handwerke der Textilherstellung gezeigt. Dazu gehören u.A. eine Baumwollentkörnungsvorrichtung, Spinnrad, Webstuhl und ein riesiges Klöppelkissen, groß genug für die Herstellung von Spitzentischdecken, sowie verschiedene Trachten.

 

In den ehemaligen Wohnräumen des Obergeschosses gibt es Ausstellungen zur Jagd und zur Fischerei. Es gibt auch ein Modell eines traditionellen Gozo-Bootes mit lateinischen Segeln, wie sie im Warenverkehr zwischen dem Großen Hafen von Malta und den Gozitanischen Häfen in Gebrauch waren.
Interessant sind auch Laternen und Windlichter die vor Einführung des elektrischen Stromes verwendet wurden, Sprengkapseln für die obligatorischen Feuerwerke der Patronatsfeste sowie kunstvoll aus weichem Globigerinenkalkstein geschnittene Spielzeugmöbel.
Es gibt auch ein Exemplar der selten gewordenen, komplett aus Globigerinkalkstein gehauenen Küchenherde. Sie waren verschieden in Form und Größe, verfügten über ein Feuerloch in der Mitte und eine Art steinernes Gitter als Abdeckung. Mit der Herstellung dieser lokaltypischen Steinherde verdienten Generationen von Steinmetzen ihren Lebensunterhalt.
Das Museum untersteht der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta.
Auf deren englischsprachiger web-Seite können aktuelle Öffnungszeiten, Preise, Ermäßigungen und auch aktuelle Busverbindungen abgefragt werden.

Es gibt Kombitickets für die Zitadelle von Gozo, die außer dem Folkloremuseum das Archäologische Museum von Gozo, das „Alte Gefängnis» und das Naturkundemuseum von Gozo einschließen.

Anfahrt

Folklore Museum
Melite Bernardo De Opuo Street
The Citadel
Victoria – Gozo VCT 1860

www.heritagemalta.org

 


Quellen: Heritage Malta