Nationalmuseum für Naturgeschichte

(National Museum of Natural History in Mdina)

Das Gebäude

Das Museum befindet sich gleich rechts hinter dem heutigen Haupttor der Stadtmauer von Mdina.Ursprünglich befand sich an dieser Stelle das Gebäude der Universita – des Rates der Maltesischen Adligen, d.h. der lokalen Selbstverwaltung.Nachdem es beim Erdbeben von 1693 stark beschädigt worden war ließ es Großmeister Vilhena 1726-1732 zu seiner Stadtresidenz im Stil des französischen Barock umbauen. In den von drei Gebäudeflügel umgebenen Hof gelangt man durch ein aufwendiges, vom Wappen de Vilhenas gekröntes Portal. Den Eingang des Hauptflügels, in dem jetzt das Nationalmuseum für Naturgeschichte untergebrachtist, ziert ebenfalls das Wappen de Vilhenas sowie ein Bronzemedaillon mit seinem Porträt. Unter dem Gebäude befinden sich Verliese, die zum „Corte Capitanale“, dem ehemaligen Gerichtsgebäude der Universita an der Rückseite des Palastes gehören.

Geschichte

Während der napoleonischen Besetzung residierte hier der französische Garnisonskommandeur. Der berühmte Fenstersturz – ausgelöst durch die Plünderungen maltesischer Kirchen durch napoleonische Truppen und Auftakt für den antifranzösischen Aufstand – soll hier stattgefunden haben. Nach anderen Versionen kommen aber auch noch andere Balkone in Mdina und Rabat in Frage.
Nachdem das Gebäude unter der britischen Besatzung als Krankenhaus u.A. für die königlichen Truppen gedient hatte, wurde es in den 1960-er Jahren als Sitz des neu gegründeten Naturgeschichtlichen Nationalmuseums vorgesehen.
Erst nach aufwendigen Sanierungsarbeiten konnte das Museum 1973 hier eröffnet werden.

Die Sammlung

Die Sammlungen des Museums gehen auf mehrere Privatsammlungen zurück, die letztendlich die Naturwissenschaftliche Sektion des ehemaligen Maltesischen Nationalmuseums in Valletta bildeten. Die bedeutendsten sind die umfangreiche paläontologische Sammlung des Stiftsherren Giovanni P. Francesco Agius de Soldanis, die Sammlungen des maltesischen Gelehrten Giovanni Francesco Abela, der als einer der Ersten Flora und Fauna Maltas katalogisierte, sowie die Mineralsammlung Dr. Lewis Mizzi’s, eine der eindruckvollsten Privatsammlungen zu Beginn des 20. Jhd’s.
Leider wurden Teile der Sammlungen durch ungünstige Lagerungsbedingungen für wissenschaftliche Zwecke unbrauchbar, andere im 2. Weltkrieg zerstört. 1963 wurde aus der Naturwissenschaftliche Sektion das eigenständige Naturgeschichtliche Nationalmuseum gegründet.
Seither wurden die Sammlungen durch systematische Ankäufe, viele Spenden und auch durch Konfiszierungen von Präparaten geschützter Arten stark erweitert.

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Das Museum ist heute nicht nur Ausstellung sondern auch eine renommierte Forschungseinrichtung, die die nationalen bio- und geowissenschaftlichen Sammlungen Maltas bewahrt, darunter ca. 25.000 Mineral- und Gesteinsproben, ca. 150.000 präparierte Schalentiere und Insekten sowie eine bedeutende Fossiliensammlung. Zum Museum gehört eine naturwissenschaftliche Bibliothek von ca. 4.000 Titeln, darunter viele Publikationen des 18. und 19. Jhd’s.

Die gegenwärtige Ausstellung

Ein Saal der geologische Abteilung ist George Zammit Maempel, dem Geologen, Paläontologen und Kurator der Ghar Dalam–Höhle gewidmet. Hier werden die geologischen Schichten Maltas und die darin enthaltenen Fossilien dargestellt. Das Gross bilden Meeresfossilien wie Seeigelarten und Fische aus dem Tertiär, Besonderheiten sind Zähne von Zwergelefant und –flußpferd aus dem Quartär. Leider wurden zahlreiche maltesische paläontologische Fundstücke im 19. und 20. Jhd. außer Landes verstreut.
Ein weiterer, nach Dr. Lewis Mizzi benannter Saal, zeigt die umfangreiche Mineralsammlung, die auch künstlerisch bearbeitete Stücke umfasst und auf Dr. Mizzi’s Sammlung zurückgeht.
Geologische Karten Maltas und Gozos sowie Illustrationen veranschaulichen die Entstehung der Inseln und ihren geologischen Aufbau.

 

Die größte Abteilung des Museums ist den Schalentieren gewidmet und nach A. Caruana Gatto, einem Gelehrten und Sammler des 19./20. Jhd’s., benannt. Die weltweiten Exponate umfassen neben Muscheln und Tintenfischen die Vielfalt von Schnecken – von mikroskopisch Kleinen bis zur größten bekannten – der Rüsselschnecke (Syrinx aruanus) aus dem Indischen Ozean mit bis zu 90 cm langem Gehäuse.
Die heimischen Schalentiere sind durch eine Auswahl von Land-, Süßwasser- und Meeresschnecken sowie durch einen riesigen Kalmar vertreten, der 1989 in der St. Paul’s-Bucht strandete.

 

Umfangreich ist auch die nach G. Despott Halls benannte ornithologische Sammlung. Seit Ende des 19. Jhd’s geeignete Präparationstechniken aufkamen hat das Sammeln von Vogelbälgen in Malta Tradition. Die Sammlung besteht fast ausschließlich aus in Malta gefangenen Vögeln, das älteste Stück stammt aus den 1850-er Jahren. Da die Ausstellung nur einen Teil der über 4.000 Exponate zeigen kann wird der Schwerpunkt auf die verbliebenen in Malta brütenden Arten gelegt.
Die Vögel werden mittels Dioramen in ihren natürlichen Lebensräumen wie z.B. den Klippen gezeigt. Dabei wird gleichzeitig die Bedeutung von Kleinbiotopen wie Trockenmauern sowie der Schaffung neuer Lebensräume wie der Vogelschutzgebiete von Il-Ghadira und Il-Simar aufgezeigt.
Außerdem gibt es eine Kollektion von Vogeleiern und –nestern aus ganz Europa.

 

Überwiegend aus Malta stammen auch die gezeigten Insekten – Schmetterlinge, Käfer sowie Libellen, Bienen u. A., die ebenfalls mittels Dioramen in ihren Lebensräumen gezeigt werden.
Exemplare ausländischer Arten, besonders aus Mitteleuropa und Nordafrika ergänzen die Ausstellung.

 

Sehr interessant ist die kleine Reptiliensammlung. Sie umfasst u.A. Schlangen, Eidechsen und Meeresschildkröten, darunter Exemplare der in den 1930-er Jahren erstmals im Mittelmeer vor Malta gefangenen Echten Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) und der Atlantik-Bastardschildkröte (Lepidochelys kempii).
Anhand von vier Rassen der endemischem Maltesischen Mauereidechse (Podarcis filfolensis) wird die Anpassung von Lebewesen unter isolierten Bedingungen, so auf den Felseninseln Filfla, Fungus Rock und St. Paul’s, veranschaulicht.

Weitere Dioramen zeigen verschiedenste Lebensräume vom europäischen Mischwald bis zur afrikanischen Savanne, darunter auch den Meeresboden, mit den dort heimischen Tieren.

 


Das Museum untersteht der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta.

Auf deren englischsprachiger web-Seite können aktuelle Öffnungszeiten, Preise, Ermäßigungen und auch aktuelle Busverbindungen abgefragt werden.

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Anfahrt

National Museum of Natural History
Vilhena Palace
St Publius Square
Mdina RBT 12

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 www.heritagemalta.org


Quellen: Ausstellung, Heritage Malta, Gemeinde Mdina