Paläontologisches Museum und Höhle von Ghar Dalam

Die Höhle Ghar Dalam (aar-dalam, “Höhle der Finsternis“) befindet sich nördlich von Birzebbuga, ca.1 km entfernt an der Strasse nach Zejtun im Tal Wied Dalam. Sie soll noch bis 1911 bewohnt gewesen sein.

Sie ist ca. 150 m tief, 18 m breit und 8 m hoch. Der Eingang befindet sich auf 15,5 m üNN. Сa. 80 m wurden für den Besucherverkehr geöffnet, mit einem Laufsteg und elektrischer Beleuchtung ausgestattet.

Zeichnung des Längsschnittes durch die Höhle mit Kennzeichnung der Füllschichten

Längsschnitt durch die Höhle von Ghar Dalam

 

 

Legende zur Abbildung

«Schnitt durch die Höhle von Ghar Dalam»:

a (grau)               – anstehendes Gestein (Korallenkalk)

b (orange)         – Fundschicht mit menschlichen Knochen und Artefakten

c (gelb)                 – Fundschichten mit tierischen Knochen

 

 

 

 

 

 

Schichtenfolge

Es handelt sich um eine typische Karsthöhle, die im anstehenden tertiären Korallenkalk durch Verwitterung entstand. Im Pleistozän, als es deutlich mehr Niederschläge gab, schnitt das abfließende Wasser das heutige Tal Wied Dalam in den Kalksteinfelsen. Im mittleren Pleistozän erreichte die Eintiefung schließlich den bestehenden Hohlraum, so dass dieser angeschnitten und freigelegt wurde. Die Höhle verlief quer zum Flußtal und wurde durch die fortschreitende Flusseintiefung in zwei Teile geteilt: die heutige Höhle Ghar Dalam und die auf der gegenüberliegenden Talseite gut erkennbare „Kleine Höhle“. Der heutige Talboden liegt wesentlich tiefer.

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In der Folgezeit wurde in mehreren Schüben Sediment in die Höhle eingespült. Die Mächtigkeit betrug 5 m, heute sind in der Höhle zwei Referenzprofile (Säulen aus Sediment) erhalten. Sie bestehen aus kompakter Knochenbrekzie und lassen folgende Schichten erkennen:

  • ca. 120 cm toniges Sediment, ca. 180.000 Jahre alt:, Abdrücke von Pflanzen
  • ca. 120 cm „Flusspferdschicht“, Knochenbrekzie, Eem-Warmzeit (126.000-115.000): Unmengen von Knochen zweier Zwergflußpferdarten, zweier Zwergelefantenarten, vieler Vogelarten sowie von Fledermäusen und Bilchen
  • ca. 30 cm grobkörniges, kiesiges Sediment, Weichsel-Kaltzeit (125.000-117.000), keine Skelettreste
  • ca. 175 cm „Hirschschicht“, Knochenbrekzie, ca. 18.000 Jahre alt: große Knochenmengen einer Zwergform des Rothirsches, vereinzelt Reste von Raubtieren (Braunbär, Wolf, Rotfuchs – alles Zwergformen) sowie Schildkröten, Amphibien, Schwäne, Wühlmäuse
  • ca. 75 cm neolithische Schicht, 5.200-4.500 v.u.Z.,: Keramikfragmente mit typischen für die sizilianische Impressokultur eingedrückten Verzierungen, Werkzeuge aus Obsidian von den Liparischen Inseln und aus Feuertstein, Reste von Haustieren und Nutzpflanzen, durchbohrte Wolfszähne und Muscheln und auch menschliche Knochen
  • vereinzelt phönizische Funde, um 700 v.u.Z.: Reste phönizischer Keramik,

Paläontologische Funde

Die Höhle war bereits um 1865 ein unter Sammlern beliebter Fossilienfundort. Erst 1922-37 fanden systematische wissenschaftliche Untersuchungen statt. Zur Unterbringung des sehr umfangreichen Fundmaterials wurde 1930 ein erstes Gebäude errichtet. 1933 wurde die Höhle und 1936 das Museum für Besucher geöffnet.
Nachdem die Höhle im 2. Weltkrieg als Luftschutzbunker und Treibstofflager der Britischen Luftwaffe gedient hatte, ist sie heute wieder für Besucher zugänglich. 2002 eröffnete ein neues, modernes Ausstellungsgebäude.

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Neben den Originalfunden aus der Höhle geben auch Präparate neuzeitlicher Tiere ein Bild der damaligen Fauna Maltas. Das vielgezeigte vollständige Skelett eines „Zwergelefanten“ z.Bsp. stammt von einem im Hamburger Zoo verstorbenen Jungtier. Die Originalfossilien dagegen weisen durch den Transport im Flußsediment starke Abschürfungen auf.
Leider wurden 1980 einige der wertvollsten Fundstücke gestohlen, so ein Kinderschädel aus der Jungsteinzeit und vier Stoßzähne des Zwergelefanten.

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Die Bedeutung der Höhle für Paläontologie und Archäologie des Mittelmeerraumes kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Da die aufgefundenen Tierarten mit denen in Sizilien und Süditalien identisch sind weiß man heute, dass zu jener Zeit eine Landbrücke mit Sizilien, nicht aber – wie oft angenommen – mit Nordafrika bestanden haben muss. Ein typisches Inselphänomen stellt die Ausbildung von Zwergformen aller aufgefundenen großen Säugetierarten dar. Bei Elefant und Flußpferd gibt es sogar je zwei Unterarten mit unterschiedlichem Grad der Verzwergung. Man kann also davon ausgehen, dass durch Schwankung des Meeresspiegels die Landverbindung mehrfach auftauchte und wieder verschwand und es dememtsprechend mehrere Zuwanderungsphasen gab.

Archäologische Funde

Die menschlichen Spuren in der obersten Höhlenschicht stellen die ältesten menschlichen Siedlungsspuren Maltas dar. Diese älteste Phase wurde nach der Höhle als Ghar-Dalam-Phase benannt.
Aufgrund der Ähnlichkeit der ältesten maltesischen Keramikfunde mit denen der sizilianischen Stentinello-Kultur wird eine Erstbesiedlung Maltas von dort her angenommen. Es handelt sich um eine graue Keramik mit Abdruck-Dekor (z.B. von Muschelschalen), die deshalb als Impresso-Ware bezeichnet wird.
Das Auftreten liparischen Obsidians in diesen ältesten Schichten spricht ebenfalls für die Erstbesiedlung Maltas von Sizilien her.

 


Höhle und Museum unterstehen der staatlichen Museumsverwaltung Heritage Malta.
Auf deren englischsprachiger web-Seite können aktuelle Öffnungszeiten, Preise, Ermäßigungen und auch aktuelle Busverbindungen abgefragt werden.

 

Anfahrt:

nördlich von Birzebugga, ca.1 km in Richtung Zejtun
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Ghar Dalam Cave and Museum
Zejtun Road
Birzebbuga
BBG 9014
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www.heritagemalta.org

 


Quellen: Paläontologisches Museum und Höhle von Ghar Dalam, Archäologisches Nationalmuseum in Valetta, Heritage Malta