Natursehenswürdigkeiten

Klippen

Ein Großteil der 180 km langen maltesischen Küste wird durch Klippen gebildet, die besonders im Süden von Malta und Gozo imposante Höhen erreichen.

Die Dingli-Klippen sind die höchsten des Archipels

Die Dingli-Klippen sind die höchsten des Archipels

 

Die Dingli-Klippen (Dingli Cliffs), die sich in der Mitte der Südküste der Hauptinsel Malta befinden, erreichen an ihrem höchsten Punkt – Ta’ Dmejrek – eine Höhe von 262,6 m üNN, was gleichzeitig den höchsten Punkt des maltesischen Archipels darstellt. Allerdings ist der obere Teil des Abhangs hier durch mehrere Bermen unterteilt, deren oberste genügend breit und mit einer Erdschicht bedeckt ist, so daß sie sogar landwirtschaftlich genutzt wird. Auf einer solchen Berme befinden sich auch die Megalithtempel Hagar Qim und Mnajdra. Von dort hat man einen großartigen Ausblick auf die Klippen, ein weiterer beliebter Aussichtspunkt befindet sich bei der St. Madalena-Kapelle. Am beeindruckendsten ist aber sicherlich der Blick auf die Klippen von Bord eines Schiffes aus. Ebenfalls einen Blick von unten her hat man aus der Bucht Migra Ferha, in die man von Mtahleb aus hinabsteigen kann.

 

Die Ta'Cenc-Klippen sieht man bei der Überfahrt nach Gozo

Die Ta’Cenc-Klippen sieht man bei der Überfahrt nach Gozo

 

 

 

 

 

 

 

 

Fast noch großartiger sind die Ta’Cenc-Klippen, die das Südufer der Insel Gozo bilden. Ihre Höhe beträgt «nur» 145 m, dafür fallen sie aber als ein einziger ununterbrochener Felshhang ins Meer. Die Ta’Cenc-Klippen sind bei der Überfahrt von Malta nach Gozo von Bord der Fähre aus sehr gut zu sehen.

 

Pittoreske Klippen sind auch im Gebiet Ta’Munxar in der Nähe der St. Thomas Bay, im Norden der Marfa-Halbinsel (Marfa Ridge), im Westen Gozos beim «Azurfenster» (Azur Window) und an vielen anderen Plätzen Maltas und Gozos anzutreffen.

 

Durch einen Klippenabrutsch entstanden nördlich von Nadur auf Gozo zwischen den Buchten San Blas und Dahlet Qorrot die Mistra-Felsen (Mistra Rocks) – ein breiter Streifen chaotisch-bizarrer Kalksteinfelsen. Hier soll ein Naturlehrpfad Mistra (Mistra nature trail) und im nahen Isopu-Turm (auch San Blas Tower) ein Besucherzentrum eingerichtet werden.

 

Pittoresk sind auch die langen schmalen Felsenbuchten in der maltesischen Küstenlinie. Sie werden oft mit norwegischen Fjorden verglichen aber diese Ähnlichkeit besteht nur auf Karten. Sie wurden nicht durch Gletscher sondern durch Wasser eingeschnitten, ihre Abhänge sind weniger steil und heute in der Regel mit Siedlungen überbaut. Dazu gehören z.B. die Buchten von Marsaskala und Wied iz-Zurrieq, auf Gozo die Buchten von Xlendi und Mgarr ix-Xini sowie einige andere.

 

Eine vielbesuchte Felsbildung in den Klippen ist das "Azurfenster" im Westen Gozos

Eine vielbesuchte Felsbildung in den Klippen ist das “Azurfenster” im Westen Gozos

 

Eine besonders eindrucksvolle Felsbildung der Klippen stellt das «Azurfenster» (Azur Window) im Gebiet Dwejra im Westen Gozos dar. Es handelt sich um einen Felsbogen von 20 m Höhe, der «mit einem Bein» im Wasser steht. Von der Landseite aus kann der Bogen, dessen Länge ca. 100 m beträgt, begangen werden. In den Felsen oberhalb treten an vielen Stellen Fossilien auf, ebenso wie die geheimnisvollen Karren- oder Schleifspuren (Cart ruts). In der Tiefe unter dem Bogen befindet sich das «Blaue Loch» (Blue Hole) – ein beliebter Tauch-Spot.

 

 

Auf dem "Pilzfelsen" (Fungus Rock) züchteten die Ordensritter den berühmten Malteserschwamm

Auf dem “Pilzfelsen” (Fungus Rock) züchteten die Ordensritter den berühmten Malteserschwamm

 

 

 

 

Einige 100 m südlich liegt der «Pilzfelsen» (Fungus Rock) – ein einzeln stehender Felsen vor der fast kreisrunden, steilwandigen Dwejra-Bucht (Dwejra Bay). Auf dem Pilzfelsen züchteten die Ordensritter seinerzeits den Malteserschwamm (Cynomorium coccineum) dessen Extrakt in den Ordenshospitalen zur Wundheilung und Blutstillung genutzt wurde.

Auch eine Wirkung als Aphrodisiakum wird ihm zugeschrieben. Obwohl durch neuzeitliche Forschungen (u.A. 1968 in England) weder das Eine noch das Andere bestätigt werden konnte, wurde der Pilz im 16/17. Jahrhundert an alle Fürstenhöfe Europas geliefert und brachte den Rittern so beträchtliche Einnahmen, dass sie den Zugang zum Felsen streng bewachten. Etwas oberhalb am Ufer steht bis heute ein

Mittels Korbseilbahn betraten die Ritter den Felsen. Reste ihrer Stufen sind bis heute sichtbar.

Mittels Korbseilbahn betraten die Ritter den Felsen. Reste ihrer Stufen sind bis heute sichtbar.

damals extra errichteter Wachturm. Wenn man den Pilzfelsen vom nächstgelegenen Ufer aus aufmerksam betrachtet sieht man Reste von Stufen. Die Ordensritter setzten mit Hilfe eines Korbes an einer 35 m langen Trosse dorthin über. Der Diebstahl des Wunder”pilzes” (es handelt sich um eine Pflanze) wurde mit dem Tode bestraft.

 

 

 

Die Dweijra-Bucht (Dwejra Bay) stellt mit ihrer fast kreisrunden Form, den steilen Felswänden und dem tiefblauen Wasser ebenso wie das sogenannte «Binnenmeer» (Inland Sea) den Überrest einer großen, eingestürzten Höhle dar. Das „Binnenmeer“ ist der geschützte Bootsliegeplatz der ortsansässigen Fischer. Durch einen Tunnel ist es mit dem Meer verbunden. Die Fischer bieten Bootsfahrten durch den Tunnel, entlang der Klippen und durch das „Azurfenster“ an.

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Höhlen

Vom Meer aus sind viele Höhlen in der Steilküste sichtbar. Hier Comino

Vom Meer aus sind viele Höhlen in der Steilküste sichtbar. Hier Comino

Malta ist reich an für Kalkstein typischen Karsthöhlen.

Am bedeutendsten ist die Höhle Ghar Dalam bei Birzebugga, in der Fossilien ausgestorbener Großtiere sowie die Spuren der ältesten menschlichen Besiedlung der maltesischen Inseln entdeckt wurden. Die Höhle ist für Besucher geöffnet, anbei befindet sich ein Museum, das die reichen Funde zeigt.

Zur Kalypso-Grotte (Kalypso Cave), die hoch in den Felsen der Ramla-Bucht (Ramla Bay) im Norden Gozos liegt, kann man vom Strand aus hinaufklettern oder von Xaghra her absteigen. Nach der Legende wurde Odysseus genau hier von der Nymphe Kalypso gefangen gehalten. Der hintere Teil der Grotte ist heute eingestürzt, so dass sie gesperrt werden mußte. Vom Vorplatz bietet sich aber ein großartiger Ausblick über die Bucht und entlang der Klippen.

Ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist die «Blaue Grotte» (Blue Grotto, Tat il-Hnejja) bei Zurrieq auf Malta. Sie ist nur von der Meerseite aus zugänglich, bei ruhigem Wetter kann man sie mit dem Boot von der Zurrieq-Bucht aus in 20 Minuten erreichen. Die Grotte ist der größte von sechs miteinander verbundenen Höhlen-Sälen, in die man mit dem Boot hinein fahren kann. Die Besonderheit der Grotte besteht in der tief türkisblauen Farbe ihres Wassers, die durch die hier lebenden Zyanobakterien entsteht.

 

Die gleiche leuchtend türkise Färbung des Wassers findet man in der «Blaue Lagune» (Blue Lagoon) genannten Bucht an der Nordwestküste Cominos. Der maltesische Name „Bejn il-Kmiemen» bedeutet „zwischen den Inseln“ und bezieht sich auf den Felsen Cominotto, der die Bucht zum Meer hin abschließt. Teile der flachen Bucht mit ihrem feinsandigen Grund und dem kristallklaren Wasser wurden 2002 zur „Area of Ecological Importance“, also zum Gebiet besonderer ökologischer Bedeutung“ in Bezug auf dort lebende Arten und deren Habitate deklariert.
Die Bucht ist bei Schwimmern und Schnorchlern gleichermaßen beliebt und in der Saison dementsprechend stark frequentiert.
Es verkehren Personenfähren von Cirkewwa auf Malta und von Mgarr auf Gozo sowie Ausflugsboote von Sliema und Birgu.

Wohnhöhlen

Viele der maltesischen Höhlen wurden seit dem Altertum bis ins 20. Jhd. hinein als Wohnungen genutzt. Zu diesem Zweck wurden die Höhlen oft erweitert, durch Wände in Zimmer unterteilt und der Eingang durch Wände mit Türen verschlossen. Die bekannteste ist die Il-Kbira-Höhle (Ghar Il Kbira) auf dem Plateau zwischen Buskett Garten und Dingli-Klippen im Süden Maltas. Weitere Beispiele solcher Höhlen findet man u.A. auf dem «Xemxija-Geschichtspfad» (Xemxija Heritage Trail) in Xemxija, der mit viel Engagement durch einheimische Freiwillige eingerichtet wurde. Ehemalige Wohnhöhlen trifft man an vielen Plätzen Maltas, so in Mellieha, Naxxar, Rabat, Mgarr, im Süden Gozos u.A. Bis heute werden viele dieser Höhlen als Lagerraum, Garage o.Ä. genutzt.

Einige maltesische Höhlen wurden früher als Wohnungen ...

Einige maltesische Höhlen wurden früher als Wohnungen …

... oder als Lagerraum, Bootshaus - wie hier an der Xweijni-Bucht, Gozo - genutzt.

… oder als Lagerraum, Bootshaus – wie hier an der Xweijni-Bucht, Gozo – genutzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Höhlenkirchen

Genauso oft wurden Höhlen als Kapellen oder sogar als Kirchen genutzt. Eine der bekanntesten ist die Höhlenkirche St. Marien unterhalb der Pfarrkirche von Mellieha. Sie wurde wohl an der Stelle eines heidnischen Kultplatzes gegründet. Es ist nur eine Felsenapsis mit Malereien der Maria und Votivgaben – silbernen Miniaturdarstellungen von Körperteilen und –organen, für die um Heilung gebeten wurde – erhalten. Vom Kirchenvorplatz hat man eine gute Sicht auf die gegenüberliegende Seite der Schlucht, wo sich ehemalige Wohnhöhlen befinden.

Die Paulus-Grotte in Rabat, in der nach der Legende der Heilige Paulus nach seiner Ankunft auf Malta im Jahre 60 u.Z. gefangen gehalten wurde, diente später als Kapelle und gehört heute zur St. Pauls-Kirche in Rabat (St. Paul’s Church), die später über der Grotte errichtet wurde.

Unterirdische Kirchen und Kapellen befinden sich u.A. auch in Naxxar und Ta’Zuta. (Underground Chapel)

Grabhöhlen

Viele Höhlen wurden seit frühester Zeit für Begräbniszwecke genutzt. Einige wurden später künstlich erweitert und zu Felskammergräbern ausgebaut, die z.Bsp. bei Zebbug auf Malta große Grabfelder bilden. Viele der punischen Schachtgräber und römisch-frühchristlichen Katakomben gehen auf natürliche Höhlen zurück.

Tropfsteinhöhlen

Tropfsteinhöhlen gibt es vor allem auf Gozo, die bekannteste ist die Glocken-Höhle (Il-Qniepen, „the Bells“) in der Schlucht ix-Xini (Wied ix-Xini) südlich Xewkija. Von der Höhlendecke hängen große Stalaktiten wie die Klöppel einer Glocke herab. Ein Teil der Höhle ist bereits mitsamt den Stalagtiten in die Schlucht gestürzt.
Die Schlucht mit weiteren Natur- und Kulturdenkmälern sowie der Mündungsbucht wurde als ix-Xini- Regionalpark unter Schutz gestellt, Schlucht und Höhle sind frei zugänglich.
In Xaghra wurden bei Bauarbeiten unter den Häusern der Herren Nenu und Xerry zwei kleinere Tropfsteinhöhlen entdeckt (Nenu’s Cave und Xerrie’s Grotto). Beide Höhlen können besichtigt werden, der Weg in die Höhlen führt jeweils durch die Häuser der Besitzer.
Das Naturkundemuseum in Rabat (Gozo) zeigt u.A. eine Sammlung von Stalakmiten und Stalaktiten aus gozitanischen Tropfsteinhöhlen.

Dolinen

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In den Dolinen - hier nördlich von Xemxija - herrscht ein vergleichsweise kühleres und feuchteres Mikroklima mit üppigerer Vegetation.

In den Dolinen – hier nördlich von Xemxija – herrscht ein vergleichsweise kühleres und feuchteres Mikroklima mit üppigerer Vegetation.

Dolinen – kreisförmige, kesselartige Senken – sind Überreste eingestürtzter Karsthöhlen. Die größte ist die Maqluba-Senke mit einem Durchmesser von 100 m und eine Tiefe von 60 m. In ihr herrscht ein besonderes, vergleichsweise kühleres und feuchteres Mikroklima, die Vegetation ist üppiger. Die Doline ist über die Ortschaft Qrendi zu erreichen, ca. 150 m von der Kirche San Mattew führen Stufen in den Kessel hinab.

Ähnliche Einsturzkessel gibt es auch an anderen Stellen, z.B. am Ortsrand von Xemxija in Richtung Mistra Bay.

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Windskulpturen

Eine besondere Sehenswürdigkeit Maltas sind die «Windskulpturen», die unter dem Einfluß der Winderosion in dem relativ weichen Gestein entstehen. Besonders günstige Bedingungen für ihre Entstehung herrschen an der Nordwestküste Gozos. Hier stehen am «Kap Hekka» (Hekka Point) besonders ausdrucksvolle pilzförmige Steinsäulen. Die gesamte Küste zwischen Kap Hekka und der Xweijni-Bucht (Xweijni Bay) besteht aus vom Wind abgeschliffenen, glatten Felsen, die oft interessante Formen wie Wellen oder Pilze bilden. Ähnliches findet man auch oberhalb des «Azurfensters» (Azur Window) und im Süden der Xlendi-Bucht (Xlendi Bay) am Fuße des Wachturms (Xlendi Tower). Auch finden sich in diesen Felsen Höhlen, die durch die einheimischen Fischer und Salinenarbeiter erweitert und als Lagerräume genutzt werden. Bei den ständig herrschenden starken Winden werden sie gern von Wanderern als windgeschützter Rastplatz aufgesucht.

 

In der Xweijni-Bucht auf Gozo bilden die vom Wind abgeschliffenen Felsen interessante Formen wie Wellen ...

In der Xweijni-Bucht auf Gozo bilden die vom Wind abgeschliffenen Felsen interessante Formen wie Wellen …

... oder Pilze.

… oder Pilze.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Großer geologischer Bruch

(Great Fault)

Die bis 100 m hohe tektonische Bruchkante (Great Fault) durchzieht die Insel Malta von NO nach SW

Die bis 100 m hohe tektonische Bruchkante (Great Fault) durchzieht die Insel Malta von NO nach SW

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Der geologische Bruch verläuft von Nordost nach Südwest ungefähr von Madliena bis Bahrija. Die klare Abbruchkante erreicht teilweise Höhenunterschiede von 100 m und ist im Gelände gut zu beobachten. Sie bildet ein natürliches Hindernis gegen das Eindringen auf die Insel von Nordwesten her. Die Britischen Streitkräfte befestigten im 19. Jhd. diese Linie zusätzlich durch vier Forts, die mit einer 12 km langen Wehrmauer verbunden wurden. Kriegshandlungen hat diese «Victoria Lines» bzw. «Dweijra Lines» genannte Befestigung nie erlebt. Heute gibt es hier einen beliebten Wanderweg, der direkt an der Mauer entlang, tw. sogar auf ihr verläuft.