Der Süden Maltas

Karte: Der Süden Maltas


Größere Kartenansicht

Zurrieq

(Surrie)
ca. 10.000 Einwohner

Das Städtchen hat als Ausgangspunkt für Fahrten zur Blauen Grotte einige touristische Bedeutung.
Von der tief in die Steilküste eingeschnittenen Felsenbucht Wied iz-Zurrieq starten während der Saison die Ausflugsboote zur Blue Grotto (Tat il-Hnejja).
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die restaurierte Windmühle Ta’Xarolla aus der Zeit der Ordensritter am Ortsrand in Richtung Hal Far. Die Mühle gehört inzwischen der Gemeinde und dient als Kulturzentrum. Sie kann besichtigt werden.
In der Nähe gibt es Katakomben, die seit Kurzem ebenfalls zur Besichtigung geöffnet sind.

In der Gemeindekirche St. Catherine gibt es mehrere Gemälde von Mattia Preti, der während der Pestepedemie von 1675 sein Atelier nach Zurrieq verlegt hatte.
Im Pfarrgarten steht eine 5,6 m hohe Turmruine, die noch aus phönizischer Zeit stammen soll aber leider nicht zugänglich ist.

An der Straße Richtung Mqabba ist der aufgegebene Ortsteil Hal Millieri interessant. Hier sind zwei sich gegenüberstehende Kapellen aus dem 15. Jhd. erhalten: St. Gwan (St. John) mit einer angeblich noch aus römischer Zeit stammenden steinernen Ölpresse auf dem Vorplatz und die Annunzjata- (Verkündigungs-) -Kapelle mit ihrem ausgemalten Innenraum aus der Gründungszeit. Die Fresken zeigen lebensgrosse Heilige in siculo-byzanthinischem Stil. Eine Besonderheit ist der „zuntier“ (von sizilianisch „zimmiter“, „Friedhof“) genannte gepflasterte Hof, unter dem sich ein Beinhaus befindet, wie es früher überall üblich war.
Die Kapelle wurde durch die Organisation Din l’Art Helwa restauriert und ist jeden 1. So im Monat vormittags geöffnet

Qrendi

(rendi)
ca. 2.600 Einwohner

Zum Stadtgebiet gehören zwei der bedeutendsten Megalithanlagen Maltas: Hagar Qim und Mnajdra. Die Tempel liegen nahe beieinander auf einer Terrasse über der Steilküste. In der Umgebung gibt es auch prähistorische Felskammergräber, Katakomben und mehrere Wachtürme aus der Zeit der Ordensritter.
Der achteckige Cavalier Tower steht mitten im Stadtzentrum und ist heute in ein Wohnhaus integriert.
Gleich mehrere Ordensritter wählten den kleinen Ort zur Sommerresidenz und bauten hier ihre Paläste.
Die Kirche baute Lorenzo Gafa, sie wurde 1720 fertiggestellt.
Bei der kleinen Kirche San Mattew am Ortsausgang führt eine Treppe in die Maqluba-Senke, eine 60 m tiefe Doline, die im 14. Jhd durch den Einsturz einer Höhle entstand.

Siggiewi

(sidshiwi)
ca. 8.000 Einwohner
In der Umgebung sind die meisten Steinbrüche Maltas zu finden. In einem davon wurde das Steinbruchmuseum (Limestone Heritage) eingerichtet.
Die Kirche St. Nicholas wurde ab 1676 durch Lorenzo Gafa erbaut aber im 19. Jhd. saniert und umgebaut, wobei Säulenhalle und Seitenschiffe angefügt sowie die Fassade mit dem Eingangsportal völlig neu gestaltet wurden. Das Altarbild stammt von Mattia Preti.

Zebbug

(Sebbudsh)
11.300 Einwohner

Die Gegend gehört zu den frühesten Siedlungsplätzen auf Malta. Nach der in der Umgebung, im Gebiet Ta‘Trapna gefundenen charakteristischen Keramik wurde die Zebbug-Phase des maltesiscen Neolithikums benannt.
In den umliegenden Feldern gibt es Karrenspuren sowie einige phönizische und punische Gräber.

1777 bekam der aus mehreren Dörfern zusammengewachsene Ort die Stadtrechte, anläßlich dieses Ereignisses wurde ein Torbogen – das heutige „Neue Tor“ errichtet.

Zebbug ist der Geburtsort des bekannten maltesischen Bildhauers der Moderne Antonio Sciortino.

Mdina

ca. 250 Einwohner

Geschichte

Das von steilen Felsabhängen umgebene Plateau war mindestens seit der Bronzezeit und in der phönizischen Epoche besiedelt. Die Römer legten hier ihre Hauptstadt Melite mit dem Sitz des Statthalters an und befestigten das Plateau.
Nach Schriftquellen gab es hier einen Apollotempel und vor der Stadt, im Gebiet des Nachbardorfes Mtarfa, einen Tempel der Prosperina.
Unmittelbar vor der Festungsmauer, heute zu Rabat gehörig, wurden 1881 die Überreste eines römischen Atriumshauses entdeckt, das heute ein Museum der Römischen Kultur beherbergt.
Die römische Stadtgrenze verlief ungefähr an der heutigen Hauptstraße Rabats Triq Santa Rita.
Außerhalb dieser Stadtgrenze wurden, wie in der Römerzeit überall üblich, die Toten begraben. In frühchristlicher Zeit entstanden daraus und auch unter Einbeziehung der Reste phönizischer Nekropolen ausgedehnte Katakomben – die größten und interessantesten Maltas.
Innerhalb der Festung auf dem Plateau waren hauptsächlich Verwaltungsgebäude und Adelssitze angesiedelt, im Vorfeld entstand die eigentliche Siedlung.
Während der arabischen Herrschaft erfolgte die Teilung der Stadt in die Burg – Mdina – und die Rabat genannte eigentliche Siedlung. Die Burg wurde befestigt und durch einen in den Fels geschlagenen tiefen Graben von der Stadt abgetrennt. Die arabische Burg wurde nach dem Sieg der sizilianischen Normannen 1090 zu einer mittelalterlichen Festung ausgebaut.
Über das gesamte Mittelalter bis hin zur Übernahme Maltas durch den Johanniterorden im Jahre 1530 blieb Mdina die Hauptstadt des Archipels. Hier war der Sitz der Universita – des maltesischen Adelsparlamentes, dem unter wechselnder Oberhoheit – Normannen, Staufer, Aragonesen – die Verwaltung der Inseln unterlag, sowie der Sitz des Bischofs.
Erst die Ordensritter verlegten die Hauptstadt zunächst nach Birgu und ab 1571 in die neu gegründete Festungsstadt Valletta.
Universita und Bischofssitz mit Bischofskirche verblieben zwar in Mdina, auch der Großmeister unterhielt eine Residenz aber das politische Leben verlagerte sich nach Valletta, Mdina wurde zur «Citta Vecchia“, zur alten Stadt. Erst Großmeister Martin de Redin (1657-1660) widmete sich wieder Mdina, er ließ die Festung durch die Anlage der drei Bastionen del Palazzo, del Redin und San Pietro modernisieren.
Im Jahre 1693 wurde Mdina durch ein schweres Erdbeben stark zerstört. Ab 1724 erfolgte unter Großmeister Antonio Manoel de Vilhena (1722-1736) der Wiederaufbau nach Plänen des französischen Festungsbaumeisters Francois de Mondia. Ab 1730 wurden die meisten Gebäude im Barockstil neu erbaut. Dazu gehören die Residenz des Großmeisters – der Vilhena-Palast, der Sitz des maltesischen Adelsparlamentes Universita – die Banca Giuratale, das Priesterseminar sowie private Adelsresidenzen. Die Gebäude beherbergen heute verschiedene Museen, einige Adelsfamilien leben noch in ihren Stadtpalästen.

Stadtrundgang

Bevor man die Stadt betritt, überquert man den Festungsgraben, in dem heute Howard Gardens, eine der größten öffentlichen Grünanlagen Maltas, mit einem Orangenhain aber auch Fußballfeldern und Tennisplätzen angelegt ist. Vor dem Zugang warten die Pferdekutschen «Karozzin» auf Fahrgäste. Man passiert das Haupttor (Main Gate), das Großmeister Manoel de Vilhena 1742 errichten ließ. Von hier führt die Hauptstraße (Triq Villegaignon) nach Norden zum Bastionsplatz (Bastion Sqare, Pjazza Tas-Sur) mit der berühmten Aussicht über ganz Nordmalta bis nach Mosta und Valletta.

 

Mdina: Der Trockengraben zur Stadtseite hin wurde in der Araberzeit angelegt. Heute wachsen hier Orangenbäume.

Mdina: Der Trockengraben zur Stadtseite hin wurde in der Araberzeit angelegt. Heute wachsen hier Orangenbäume.

 

Das barocke Festungstor ließ Großmeister de Vilhena errichten

Das barocke Festungstor ließ Großmeister de Vilhena errichten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Haupttor warten die Pferdekutschen „Karozzin“ auf Fahrgäste

Am Haupttor warten die Pferdekutschen „Karozzin“ auf Fahrgäste

 

 

 

 

Von der Festungsmauer am Bastionsplatz überblickt man den gesamten Norden Maltas. Im Zentrum die Rotunda von Mosta.

Von der Festungsmauer am Bastionsplatz überblickt man den gesamten Norden Maltas. Im Zentrum die Rotunda von Mosta.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gleich rechts hinter dem Tor steht der Vilhena-Palast, der ehemalige Sitz des maltesischen Adelsparlamentes Universita. Nachdem das Gebäude beim Erdbeben von 1693 stark beschädigt worden war ließ es Großmeister Vilhena 1726-1732 zu seiner Stadtresidenz umbauen. In den Hof, um den sich die drei Gebäudeflügel gruppieren, gelangt man durch ein aufwendiges, vom Wappen de Vilhenas gekröntes Portal. Im Hauptflügel ist jetzt das Nationalmuseum für Naturgeschichte untergebracht. Den Eingang ziert ebenfalls das Wappen de Vilhenas sowie ein Bronzemedaillon mit seinem Porträt. Unter dem Gebäude befanden sich früher Verliese, die zum ehemaligen Gerichtsgebäude „Corte Capitanale“ an der Rückseite des Palastes gehören.

Während der napoleonischen Besetzung Maltas residierte im Vilhena-Palast der französische Garnisionskommandeur. Ausgelöst durch die Plünderungen maltesischer Kirchen und speziell des Karmeliterklosters in Mdina durch französische Truppen soll hier 1798 der französische Kommandant durch die aufgebrachte Menge aus dem Fenster gestürzt worden sein. Nach anderen Versionen kommen dafür aber auch Balkone anderer Gebäude – der Gerichtshof auf der Rückseite des Gebäudes oder das Palazzo Casa Viani an der Hauptstraße – in Frage. Das Ereignis war jedenfalls der Auftakt für den antifranzösischen Aufstand, der letztendlich zum Hilfsersuchen an Großbritannien und zur britischen Herrschaft führte. Dem Anführer des Aufstandes, Bischof Caruana, wurde in der Kathedrale ein Denkmal gesetzt.
Das Nationalmuseum für Naturgeschichte ist gleichzeitig Ausstellung und Forschungsstätte. Es ging 1963 aus der naturwissenschaftlichen Sektion des Maltesischen Nationalmuseums hervor und beherbergt heute die nationalen zoologischen und geowissenschaftlichen Sammlungen Maltas.
Die Ausstellung zeigt eine umfangreiche Mineralien- und Gesteins- und Fossiliensammlung, eine ornithologische Sammlung mit präparierten Vögeln, Eiern und Nestern, eine Insektensammlung, eine umfangreiche Sammlung heimischer und exotischer Schalentiere.
Die vorwiegend heimischen Tierarten werden mittels Dioramen in ihren natürlichen Lebensräumen gezeigt, wobei deren Bedeutung sowie Schutzwürdigkeit veranschaulicht werden.

 

Gegenüber steht der Torre delle Stendardo aus dem 16. Jhd, ein Signalturm, dessen Leuchtfeuer vor Übergriffen von Piraten warnte.

Auf der Rückseite des Vilhena-Palastes befindet sich das „Corte Capitanale“, das ehemalige Gerichtsgebäude mit Darstellungen von Gerechtigkeit und Gnade am Eingang. Auch dieses Gebäude kommt als Schauplatz für den Fenstersturz des französischen Kommandanten in Frage.

 

Mdinas Kathedrale St. Peter und Paul ist das Hauptwerk des maltesischen Barockarchitekten Lorenzo Gafa

Mdinas Kathedrale St. Peter und Paul ist das Hauptwerk des maltesischen Barockarchitekten Lorenzo Gafa

 

Am Hauptplatz der Stadt, dem St. Paul’s-Platz (Pjazza San Pawl) steht die Kathedrale St. Peter und Paul. Maltas Bischofssitz befindet sich bis heute in Mdina. Nach Verlegung der Hauptstadt durch die Ordensritter gab es auch eine Bischöfliche Residenz in Birgu und nach der Vertreibung der Ritter durch Napoleon wurde deren Konventskirche in Valletta zur Co-Kathedrale (St. John’s Co-Cathedral) erhoben.
An Stelle der heutigen Kathedrale von Mdina befand sich zur Römerzeit der Palast des Statthalters. Anstelle einer bereits im 4. Jhd. existierenden Kirche wurde im 12. Jhd. ein Neubau in sicilo-normannischem Stil errichtet. Nachdem dieser bei dem Erdbeben von 1693 weitgehend zerstört wurde, erbaute Lorenzo Gafa zwischen 1697-1702 das heutige Gebäude. Der erst kurz vor dem Beben neu errichtete Chor des Vorgängerbaus mit dem Preti-Fresco „Schiffbruch des Apostels Paul“ blieb unbeschädigt und wurde in den Neubau einbezogen. Das aus irischer Eiche gefertigte und nordische Motive zeigende ehemalige Eingangstor wurde als Eingang zur Sakristei wiederverwendet.

Auch die Türme der Kathedrale tragen Fegefeuerdarstellungen.

Auch die Türme der Kathedrale tragen Fegefeuerdarstellungen.

Ähnlich wie in der St. John’s Co-Kathedrale in Valletta besteht der Boden weitgehend aus Grabplatten, die mit Intarsien aus farbigem Marmor gestaltet wurden. Die hiesigen stammen jedoch erst aus dem 19. Jhd. Begraben wurden hier Adlige und Geistliche aus Mdina.

Das Gebäude rechts hinter der Kathedrale wurde 1733 als Priesterseminar erbaut. Das Portal wird von Atlantenfiguren flankiert, auf dem Dach findet man – wie auch an anderen Orten in Mdina – Fegefeuerdarstellungen. Heute ist dort das Kathedralmuseum (Cathedral Museum) untergebracht. Neben Sakralkunst, Handschriften und Urkunden zeigt das Museum eine größere Gemäldesammlung u.A. mit Werken von Preti und einigen Kupferstichen und Holzschnitten Dürers und Rembrandts.

 

 

Das mittelalterliche Stadtbild Mdinas mit seinen stillen, engen Gassen

Das mittelalterliche Stadtbild Mdinas mit seinen stillen, engen Gassen

Ebenfalls am St. Paul’s-Platz befindet sich das Gebäude Banca Giuratale. Nachdem Großmeister de Vilhena das ursprüngliche Gebäude der Universita – den späteren Vilhena-Palast – zu seiner Residenz umgebaut hatte, wurde nach 1730 hier eine neuer Sitz für das maltesische Adelsparlament errichtet. Dieses Selbstverwaltungsorgan des maltesischen Adels war als „Consiglio Populare“ bereits 1140 unter den Normannen eingerichtet und 1397 zur Universita umorganisiert worden. Während der Ordensherrschaft wurden die Befugnisse stark eingeschränkt und umfassten praktisch nur noch die Aufsicht über die Lebensmittelimporte. Bis zu seiner endgültigen Auflösung 1819 durch die Briten tagte die Universita in diesem Gebäude.

 

Das Karmeliterkloster an der Hauptstraße wurde 1630 gegründet und besaß besonders viele Kunstschätze.
Nachdem die napoleonischen Truppen nach 1798 u.A. zur Finanzierung des Ägyptenfeldzuges die maltesischen Kirchen, Adelssitze und auch den Palast des Großmeisters geplündert hatten, provozierte speziell die Plünderung des Karmeliterklosters von Mdina den Fenstersturz des französischen Kommandanten und löste damit den antifranzösischen Aufstand aus.
Das Abteimuseum (Carmelite Priory Museum) dokumentiert das Leben der Mönche, zu besichtigen ist u.A. der barocke Speisesaal, Sonntags finden Klassikkonzerte statt.

 

Die Stadtpaläste des maltesischen Adels gehen z.T. noch auf normannische Zeit zurück

Die Stadtpaläste des maltesischen Adels gehen z.T. noch auf normannische Zeit zurück

 

Sowohl in der Hauptstraße als auch in den davon abgehenden Gassen sind mehrere Adelspaläste erhalten. Sie werden zum Großteil immer noch von den Familien bewohnt. In einigen sind heute verschiedene Privatmuseen bzw. die in Malta sehr beliebten Multimediashows untergebracht.

Das Palazzo St. Sophia neben dem Karmeliterkloster soll das älteste Gebäude der Stadt sein: sein Erdgeschoß stammt aus dem 13. Jhd. und ist mit Spitzbogenportal und Zierleisten in in sicilo-normannischem Stil ausgestattet.

Das Palazzo Inguanez, ebenfalls an der Hauptstraße, stammt von 1370 und gehört einer der ältesten Adelsfamilien Maltas. 1447 wurde dieser Familie durch den König von Aragon und Sizilien die erbliche Statthalterschaft über Malta verliehen.

 

Im westlichen Teil der Festung, vor der St. Peter’s Bastion, besteht schon mindestens seit byzantinischer Zeit ein griechisches Viertel, dessen Wahrzeichen die Kapelle San Nicolas ist. Hier führt ein weiteres Tor, das Greeks Gate, in die Stadt. Das ebenfalls hier gelegene Gharregin Gate, auch Westtor (West Gate) oder Neues Tor (New Gate) genannt, wurde dagegen erst viel später angelegt, nämlich als 1900 die Endstation Mdina/Mtarfa der Eisenbahnlinie von Valletta gebaut wurde. Das Tor ermöglichte den direkten Zugang zum Endbahnhof Mdina/Mtarfa, in dessen Gebäude heute ein Restaurant eingerichtet ist.
Vom Westtor hat man einen guten Blick auf Mtarfa mit der ehemaligen britischen Kaserne und ihrem „Big Ben“.

Rabat

11.400 Einwohner

Während der arabischen Herrschaft (904 – 1090) wurde die römisch-byzantinischen Hauptstadt Melite in eine Festung – Mdina – und die eigentliche Siedlung – Rabat – geteilt. Die Festung wurde verstärkt und durch den zur Stadtseite hin ausgehobenen Trockengraben abgetrennt.

Das alte Stadtzentrum besteht bis heute aus mittelalterlich verwinkelten Gassen.

 

Die nebeneinander liegende St. Paul's Kirche (Mitte) und St. Publius Kapelle (rechts) erhielten eine gemeinsame barocke Fassade. Der linke Durchgang dient der Symmetrie.

Die nebeneinander liegende St. Paul’s Kirche (Mitte) und St. Publius Kapelle (rechts) erhielten eine gemeinsame barocke Fassade. Der linke Durchgang dient der Symmetrie.

Am Hauptplatz Pjazza Tal Parocca steht die St. Pauls Kirche. Hinter einer gemeinsamen barocken Fassade befinden sich eigentlich zwei selbstständige Gotteshäuser: in der Mitte die St. Paul’s Kirche und rechts die St. Publius Kapelle. Der linke Durchgang dient wohl nur der Symmetrie.
Die St. Pauls Kirche wurde 1675 von Lorenzo Gafa errichtet. Das Altarbild zeigt das Schlangenwunder des Hlg. Paulus. Die Heutige Krypta soll die St. Pauls – Grotte sein, in der der Apostel lt. Legende nach seinem Schiffbruch vor Malta im Jahre 60 gefangen gehalten wurde. Sie enthält eine Statue des Apostels.
Die St. Publius Kapelle ersetzte im 18. Jhd einen Vorgängerbau. Sie verwahrt eine Reliquie des Apostels Paulus, die in einem goldenen, armförmigen Schrein aufbewahrt wird. Unter der Kapelle gibt es ebenfalls eine heilige Grotte.

Rechts hinter der Kirche befindet sich das Wignacourt- Kirchenmuseum. Es zeigt hauptsächlich Sakralkunst und Liturgiegeräte, darunter eine Hostienpresse und einen tragbaren Altar, wie er auf Schiffen verwendet wurde. Es gibt mehrere Gemälde von Mattia Preti. Vom Museum aus gibt es einen Zugang zu den Katakomben von denen ein Teil besichtigt werden kann.

Die kleinen Steinhäuschen an vielen Stellen Rabats sind Eingänge oder auch Lüftungsschächte der Katakomben

Die kleinen Steinhäuschen an vielen Stellen Rabats sind Eingänge oder auch Lüftungsschächte der Katakomben

Die Kirche wurde unmittelbar hinter der ehemaligen römischen Stadtgrenze errichtet. Wie in der Römerzeit überall üblich, wurden hier die Toten begraben. In frühchristlicher Zeit entstanden aus den römischen Nekropolen ausgedehnte Katakomben, die bis ins frühe Mittelalter hinein genutzt wurden. Sie befinden sich an mehreren Stellen unter der heutigen Stadt Rabat und sind bisher nicht vollständig erforscht.
Links hinter der Kirche trifft man, wie auch an anderen Stellen der Stadt, auf kleine Steinhäuschen, die oft Darstellungen des Fegefeuers tragen.
Es handelt sich um Zugänge zu den Katakomben bzw. auch um Abdeckungen von Lüftungsschächten.

 

Auf Strassen und Plätzen findet man überall Darstellungen des Fegefeuers

Auf Strassen und Plätzen findet man überall Darstellungen des Fegefeuers

 

42.10.6.6.024 Rabat, Fegefeuer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwei Komplexe von Katakomben in der Stadt können besichtigt werden.
Die St. Pauls Katakomben befinden sich am Anfang der St. Agatha-Straße. Auf dem Grundstück sowie auch gegenüber findet man wieder die Steinhäuschen mit den Eingängen. Es handelt sich um die größte und bedeutendste maltesische Katakombe, bisher ist nur ein Teil öffentlich zugänglich.
Anhand der erhaltenen Agape-Tische und der verschiedenen Grabtypen können die damaligen Gebräuche und Bestattungsriten gut nachvollzogen werden.
Die St. Agatha Katakomben befinden sich ein Stück weiter die St. Agatha-Straße hinauf bei der St. Agatha Kapelle von 1504. Sie sind nach der Schutzheiligen Rabats und Maltas, der Heiligen Agatha, benannt, die sich lt. Überlieferung um 248 hier vor der Christenverfolgung durch die Römer versteckt haben soll. Auch in dieser Katakombe gibt es eine Kapelle mit relativ gut erhaltenen farbenprächtigen Fresken.

Am Stadtrand, gegenüber dem Griechentor der Festung Mdina, liegt das Römerhaus (Domus Romana), ein Museum römischer Kultur auf Malta. Ein Schutzbau auf den Fundamenten einer römischen Stadtvilla beherbergt gut erhaltene polychrome Mosaiken, Architekturfragmente, Glas- und Tongefäße, Kleinplastiken u.A.

Zur Stadt Rabat gehört als Ortsteil das Dorf Bahrija. Hier befindet sich ein bronzezeitlicher Siedlungsplatz nach dem die Bahrija-Kultur benannt wurde.

Dingli

ca. 3.400 Einwohner

Die Dingli Klippen sind über 260 m hoch

Die Dingli Klippen sind über 260 m hoch

 

Der ansonsten unspektakuläre Ort ist berühmt wegen der Dingli-Klippen, dem höchsten und steilsten Abschnitt der Südküste der Hauptinsel Malta.
An ihrem höchsten Punkt – Ta’ Dmejrek – erreichen sie eine Höhe von 262,6 m üNN, was gleichzeitig den höchsten Punkt des maltesischen Archipels darstellt.

 

Östlich von Dingli befindet sich der Landschaftspark „Buskett Gardens“ mit dem Verdala-Palast. Der Palast wurde 1586 als Sommerresidenz für die Großmeister des Johanniterordens errichtet und ist heute Sommerresidenz des maltesischen Präsidenten.
Der Park wurde zu jener Zeit als Jagdrevier angelegt. Heute ist er ein beliebtes Erholungsgebiet, wo u.A. das jährliche Mnarja-Fest – die wichtigste aller maltesischen Festas – stattfindet.

 

 

 

Südlich des Parkes „Buskett Gardens“ befindet sich „Clapham Junction“ - die größte und spektakulärste Ansammlung von Karrenspuren. Im Hintergrund der Verdala Palast.

Südlich des Parkes „Buskett Gardens“ befindet sich „Clapham Junction“ – die größte und spektakulärste Ansammlung von Karrenspuren. Im Hintergrund der Verdala Palast.

Südlich des Parkes befindet sich auf einer felsigen Freifläche die größte und spektakulärste Ansammlung von Karrenspuren (Cart Ruts), jenen rätselhaften, in den Kalkstein eingetieften gleisartigen Rillen, die so viel Anlaß für Spekulationen über ihre Entstehung geben.

Die Umgebung der Stadt, besonders der Südosten bis nach Siggiewi, ist ein beliebtes Wandergebiet. Als Landmarken befinden sich hier mehrere Kreuze und Kapellen, die teilweise auch Höhlenräume aufweisen, Katakomben und bronzezeitliche Siedlungsplätze wie Wardija Ta‘San Gorg und die leider unzugängliche Wohnhöhle Ghar Mirdum.

 

 

 

 

 

Bahrija

ca. 3.000 Einwohner

Der Ort gehört als Stadtteil zu Rabat. Erwähnenswert ist der bronzezeitliche Siedlungsplatz westlich davon, wo die ersten Spuren von Eisennutzung in Malta gefunden wurden. Die nach diesem Platz benannte Bahrija-Kultur unterscheidet sich in einigen Merkmalen von der zeitgleich auf Malta existierenden Borg In-Nadur – Kultur.
Erhalten sind rund 40 der charakteristischen flaschen- bzw. glockenförmigen Vorratsgruben für Getreide und Wasser. Die zahlreichen Funde an Keramik und Spinnwirteln sind im Archäologischen Nationalmuseum in Valletta ausgestellt.