Der Westen Maltas

Karte: Der Westen Maltas

 


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Mgarr

(im-dshar)
ca. 3.000 Einwohner

Das Städtchen liegt etwas abseits in ländlicher Umgebung. Dank der leicht erhöhten Lage auf der Wardija-Ridge hat man einen guten Ausblick über die hier angesiedelten Weingärten.
Rund um die Kirche erstreckt sich die Altstadt mit malerischen Gassen. Die Kirche Santa Maria (Rotunda) wurde nach dem Vorbild der Rotunda von Mosta anstelle der einsturzgefährdeten alten Pfarrkirche gebaut. Die Finanzierung erfolgte vollständig aus Eigenleistungen bzw. aus Spenden der Gemeinde.

Die Megalithtempel Ta Hagrat (ta hadsch-rat) und Skorba (letzterer im OT Zebbiegh) wurden bisher nicht rekonstruiert und sind nur eingeschränkt zugänglich. (Öffnungszeiten auf der englischsprachigen web-Seite von Heritage Malta)
In Skorba fand man z.T. unter den Tempeln ältere Gebäudereste, die als Siedlungsspuren interpretiert werden. In einem der Gebäude wurden die frühesten Menschendarstellungen Maltas entdeckt. Es handelt sich um weibliche Tonfiguren, die jetzt im Archäologischen Nationalmuseum in Valletta ausgestellt sind. Nach der in Skorba gefundenen charakteristischen Keramik wurde eine Phase der Vor-Tempelzeit benannt. Die Reste eines der beiden Megalith-Tempel stammen aus der frühesten Phase der Tempelzeit (Ggantija-Phase, 3.700 v.u.Z) und gehören zusammen mit denen von Ggantija/Gozo zu den ältesten Gebäuden der Welt.
Aus der Tempelanlage von Ta‘Hagrat stammt eine als Miniaturmodell eines Tempels gedeutete Steinskulptur, die heute ebenfalls im im Archäologischen Nationalmuseum in Valletta zu sehen ist. Sie zeigt wie die Dachkonstruktion der Tempel wahrscheinlich ausgesehen hat. Der ältere der beiden Tempel von Ta‘Hagrat stammt ebenfalls aus der Ggantija-Phase (3.600 v.u.Z.), auch hier belegen Keramikfunde die Existenz eines Kult- bzw. Siedlungsplatzes bereits vor der Tempelzeit.

Etwas außerhalb, rechts vom Weg zur Gnejna- Bucht, liegen die Reste einer kleinen römischen Badanlage (Roman Baths). Da eine solche Anlage einen relativ hohen und permanenten Wasserbedarf hatte, nutzten die alten Römer dafür die hier gelegenen stärksten Quellen Maltas (360.000 l/Tag). Erhalten sind Reste des Schwitzbades (Caldarium) mit Pfeilern der Hypocausten, der Gemeinschaftslatrine mit Wasserspülung unter den Sitzen, des Mosaik-Fussbodens des Lauwarmbades (Tepidarium), sowie Gebäudereste, die als Umkleideräume interpretiert werden. Da in der Umgebung keine zeitgleichen Siedlungsreste gefunden wurden ist eine Nutzung zur Beherbung sehr wahrscheinlich.
Die Stätte ist z.Zt. wegen andauernder Konservierungsarbeiten nicht zugänglich. Über den Mosaikböden wurde bereits mit Mitteln der UNESCO ein Schutzdach errichtet.

Zur Gemeinde gehören zwei kleine Badebuchten mit Sandstränden: zur Gnejna Bay (dschnejna) führt ein Sträßchen. Hier befindet sich der Landeplatz für die Fischerboote von Mgarr, einige Höhlen werden bis heute als Bootsschuppen genutzt. Im Sommer gibt es einen Getränkekiosk, es werden Boote vermietet. Oberhalb der Bucht befindet sich der Lippja-Turm – ein Wachturm aus der Zeit des Großmeisters de Lascaris (1636-1657).
Die Ghajn Tuffieha Bay (ain tufieha) ist nur über einen steilen Fußpfad zu erreichen, der am Ghajn Tuffieha-Turm, ebenfalls einem Lascaris- Wachturm, beginnt. Die Steilufer der Bucht sind Teil des „Elysium-Projektes“, eines Naturschutzprojektes der Gaia-Stiftung zur Wiederherstellung von Küstenlebensräumen. Beim Ghajn Tuffieha-Turm betreibt die Stiftung ein Besucherzentrum und einen Bio-/Fair Trade Laden.

Mellieha

(mellia)
8.200 Einwohner

Die Stadt liegt an den Hängen der Mellieha-Ridge, das Gemeindegebiet umfaßt auch die grundwassernahen und somit für intensive Landwirtschaft bestens geeigneten Senken Ghadira und Abjad sowie die gesamte Marfa-Halbinsel einschließlich des Fährhafens Cirkewwa.
Vor allem wegen des längsten Sandstrandes der Inseln in der flachen, geschützten Mellieha- Bucht wurde der Ort in der jüngsten Vergangenheit zum bedeutendsten Badeort Maltas ausgebaut.
Etwas außerhalb, an der Marfa Ridge, gibt es außerdem mehrere kleine, weniger überlaufene Sandbuchten, wo allerdings z.T. scharfer Wind herrscht. Die Sandbucht Golden Bay an der Westküste gehört ebenfalls zu Mellieha.
An der Westküste liegt die Felsenbucht Anchor Bay. Offensichtlich diente sie bereits den Römern als Hafen zur Verschiffung der hier angebauten landwirtschaftlichen Produkte, denn ihren Namen erhielt sie von den vielen hier gefundenen römischen Ankern. Die Bucht ist sehr beliebt bei Tauchern. Sie ist von steilen Wänden umgeben, in denen sich in 8 m Tiefe eine Höhle – die Scorpion Cave – befindet. In der Einfahrt in die Bucht liegt ein Schiffswrack.
Die Pfarrkirche von Mellieha wurde über einem vorchristlichen Heiligtum errichtet, das noch heute als Teil der Höhlenkirche St. Marija erkennbar ist. Der Brauch hier Votivgaben – meist Silberplättchen der Körperteile, für die Heilung erbeten wird – abzulegen ist ebenfalls noch lebendig. Direkt auf den Fels gemalte Marienbilder stammen aus dem 13. Jhd, werden aber lt. Legende dem Evangelisten Lukas zugeschrieben. Während des Mittelalters war die Kapelle eine bedeutende Pilgerstätte.
Vom erhöht liegenden Kirchplatz hat man eine gute Aussicht auf die Mellieha-Bucht sowie auf die ehemaligen Wohnhöhlen im gegenüberliegenden Tal.

 

Vom Fährhafen Cirkewwa verkehren die Personenfähren nach Gozo, in der Saison auch kleinere Fähren und Ausflugsboote nach Comino. Der Fährhafen ist gut an das Busnetz angebunden.

Tauchschulen starten ihre Touren gern von Cirkewwa aus. Unterwasserziele sind u.A. eine Marienfigur und das Wrack des Schleppers Rozi, der 1991 zu diesem Zweck hier versenkt wurde.

Der Höhenzug der Marfa Ridge erreicht Höhen über 100 m üNN, ist unwirtlich und starken Winden ausgesetzt. Interessant sind die Girna (dschirna) genannten, in Trockenbauweise ohne Mörtel aufgeschichteten, bienenkorbähnlichen Steinhütten, auf die man hier und da noch trifft. Solche urtümlichen Bauwerke sind bereits seit der Bronzezeit unverändert in Gebrauch und werden noch heute von Hirten und Jägern als Windschutz errichtet.
Es gibt zwei Wachtürme aus der Ritterzeit: den Armier-Turm (auch White Tower), heute Privatbesitz, und den St. Agatha-Turm (auch Red Tower), heute ein Hotel.

In einem weiteren Wachturm am Südende der Mellieha-Bucht befindet sich heute ein Thunfischmuseum.

 

Im dünn besiedelten Hinterland von Mellieha befinden sich nahezu alle Naturschutzprojekte der Hauptinsel.
Das kleine Vogelschutzgebiet Il-Ghadira (aadira) (Ghadira Bird Reserve) liegt in der Mellieha-Bucht unmittelbar an der Hauptstraße. Es dient in erster Linie als Rastplatz für Zugvögel. Während des Vogelzuges gibt es Führungen.
Nördlich der Golden Bay liegt Maltas erster Nationalpark Il Majjistral. Außer den typisches Garigue-Flächen gibt es hier eine erstaunliche Vielzahl von Kleinlebensräumen wie Geröllfelder, Dünen, Steilküste, mit entsprechend vielfältiger Flora und Fauna. Außerdem trifft man auf Karrenspuren (Cart-Ruts) sowie römische, ritterzeitliche und britische Hinterlassenschaften.
Ebenfalls nördlich der Golden Bay liegt vor der Küste Maltas erstes Meeresschutzgebiet (Marine Conservation Area, MCA). Es wird im Projekt „Poseidon“ durch die Gaia-Stiftung betreut und dient dem Schutz der Seegraswiesen. Etwas südlicher, beim Ghajn Tuffieha-Turm, betreibt die Stiftung ein Besucherzentrum.

San Pawl il-Bahar

(St. Paul’s Bay)
15.000 Einwohner

Die Stadt geht auf einen Fischerhafen in der St. Pauls-Bucht zurück, der mindestens seit der Römerzeit genutzt wurde. An den Uferfelsen sind noch Spuren des ehemaligen römerzeitlichen Hafenkais zu sehen. Auch heute liegen dort noch Fischerboote, rund um den Hafen ist der Ort maltesisch geblieben.
Seit den 70-er Jahren wurde hier intensiv Tourismus mit Hotels, Restaurants, Bars usw. angesiedelt und die gesamte Fläche zwischen St. Pauls-Bucht und Salina-Bucht bebaut. Auch viele Malteser mieten hier Sommerwohnungen an.

Blick auf San Pawl il-Bahar (St. Paul’s Bay)

Blick auf San Pawl il-Bahar (St. Paul’s Bay)

Heute besteht die Stadt aus den Ortsteilen Qawra (aura) und Bugibba (budshibba) sowie den etwas außerhalb gelegenen Xemxija (schemschija) und Burmarrad.
Das Hinterland ist ländlich-ruhig geblieben. Auf der Wardija-Ridge trifft man auf Terrassenfelder, in den grundwassernahen Senken Tal- Pwales und Tal-Ghasel (vor der Salina Bay) wird intensive Landwirtschaft betrieben.
Im weniger besiedelten Umland von St. Paul’s Bay befinden einige Mini-Naturschutzprojekte. Sie mögen im europäischen Maßstab sehr klein sein, haben jedoch im ansonsten dicht besiedelten und überbauten Malta eine große Bedeutung als Rückzugsgebiete für Wildpflanzen und –tiere.
Das Naturschutzgebiet Il-Simar (Il-Simar Nature Reserve) an der St. Paul’s-Bucht bei Xemxija ist ebenso wie das Wäldchen „Mzieb“ auf der Bajda-Ridge zwischen Xemxija und Manikata eine Anpflanzung heimischer Gehölze aus den 60-70-er Jahren, ein Olivenhain bei Bidnja enthält auch einige sehr alte Bäume.

 

Die ältesten Siedlungsspuren der Gegend findet man im Ortsteil Xemxija (schemschija). Auf dem Höhenrücken der Bajda-Ridge, der das westliche Steilufer der St. Pauls-Bucht bildet, befinden sich neolithische Felskammergräber der Zebugg- und der Ggantija-Phase. Mehrere Höhlenwohnungen wurden ebenfalls bereits seit dem Neolithikum bis ins Mittelalter hinein genutzt. Entlang eines alten Pilgerweges zur Höhlenkirche St. Marija in Mellieha finden sich auch Zeugnisse aus späteren Epochen der maltesischen Geschichte – von Menhiren, Karrenspuren und punischen Grabanlagen bis zum Römerbad. Eingestürzte Steinwälle lassen die Umrisse dreier Apsiden eines bisher unerforschten weiteren Megalithtempels erkennen.

Ein Teil des Gräberfeldes und der Karrenspuren wurde erst in den letzten Jahren mit Apartmenthäusern überbaut. Die verbliebenen Sehenswürdigkeiten wurden durch den „Xemxija Heritage Trail“ erschlossen, einen beliebten Wanderweg entlang des Pilgerweges und beidseits davon.

 

Weitere Überreste von Megalithtempeln sind der Bugibba-Tempel auf der Qawra-Halbinsel unmittelbar an der Küste und der Tal Qadi-Tempel oberhalb der Salina-Bucht an der Straße nach Naxxar.
Der Bugibba-Tempel befindet sich zwischen zwei Schwimmbecken mitten im Garten eines Hotels. Die Anlage wurde 1928 durch Themistocles Zammit und L.J. Upton Way untersucht. Von hier stammt ein Relief mit Fischdarstellungen, das heute im Nationalmuseum für Archäologie in Valletta zu sehen ist.
Der Tal Qadi-Tempel wurde 1927 ebenfalls von Themistocles Zammit und L.J. Upton Way ausgegraben.

 

Beim Ortsteil Burmarrad sind bei der Kapelle San Pawl Milqi Reste eines römerzeitlichen Landgutes erhalten. Die dazu gehörende Ölpresse bezeugt den intensiven Olivenanbau während der Römerzeit. Die Zisterne der Villa befindet sich unter dem Boden der Kapelle.
An der Salina-Bucht befand sich ein zum Gut gehöriger Hafen, von wo aus die Produkte verschifft wurden. Hier wurden viele römerzeitliche Amphoren und Anker gefunden. Im zunehmend verlandenden hinteren Teil der Bucht werden seit der Ritterzeit und vielleicht auch schon in der Römerzeit Salinen betrieben.
Unweit der Salinen befindet sich an der Verkündigungs-Kapelle (Annunciation Church) die Ta‘Salina-Katakomben. Es handelt sich um eine Ansammlung von Familiengruften mit jeweils eigenem Eingang. Jede Gruft enthält mehrere direkt aus dem Fels geschlage Sarkophage, die am Boden und teilweise mit einer Seite noch mit dem Felsen verbunden sind. Die Anlage geht auf eine punische Schachtgräberanlage zurück. Aus frühchristlicher Zeit stammen die typischen steinernen Agape-Tische für das Totenmahl sowie die Arcosolium-Gräber, bei denen sich in einer bogenförmig überdachten Felsnische ein oder mehrere wannenartige Grabstellen befinden.

 

Die Johanniter-Ritter errichteten auf Malta und Gozo ein Netz von Wach- und Verteidigungstürmen. Aus dieser Zeit stammen der St. Pauls Bay- Tower am Hafen (auch Wignacourt-Tower) von 1609 und der kleinere Qawra-Turm am Ende der Halbinsel Qawra aus der Zeit des Großmeisters de Lascaris (1636-1657).
Während sich im Qawra-Tower heute ein Restaurant befindet wird der St. Pauls Bay-Tower für eine Ausstellungen über maltesische Festungswerke genutzt. An seiner Stelle befand sich die ursprüngliche St. Pauls Schiffbruch–Kirche, auch Freudenfeuer–Kirche (Chapel of St Paul’s Shipwreck bzw. Chapel of the Bonfire) genannt. Nach der Legende war diese Kirche noch im 1. Jhd. an der Stelle errichtet worden, an der die Einwohner ein Feuer für den Heiligen Paulus entzündeten, nachdem er in der Bucht Schiffbruch erlitten hatte. Sie war während der Araberherrschaft zerstört und unter dem Normannenfürsten Roger I. wieder aufgebaut worden. 1609 mußte die Kirche dem Wachturm weichen und wurde etwas höher neu errichtet. Im II. Weltkrieg erhielt sie eine Bombentreffer und mußte neu aufgebaut werden.